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… ist im Einleitungstext „Der schwache Glaube“ alles gesagt. Die Homepage www.der-schwache-glaube.de ist auf die Blog-Seite umgezogen.
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Drüggelter Kapelle am Möhnesee

 

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Berlin – durch die Kneipentür betrachtet, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2020

Zu:

Helmut Krausser, Zur Wildnis, 45 Kurze aus Berlin, bis auf drei Texte zuerst erschienen als monatliche Kolumne in der ZITTY, Wagenbach Taschenbuch 814, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2019, Taschenbuch, 155 Seiten, ISBN: 978-3-8031-2814-0, Preis: 11,90 Euro

Link:

Der bekannte Schriftsteller Helmut Krausser (geb. 1964) lebt in Berlin und verbringt seine Freizeit in einer Gaststätte in Neukölln, wo er Backgammon spielt. Dadurch wird er Zeuge oder Mitwirkender von Begegnungen, in denen „Die Wildnis“, Neuköllner Eckkneipe, zum Brennglas des zeitgenössischen Berliner Lebens wird. Darauf soll auch der Bezug zur Zeitschrift ZITTY hinweisen, einer Berliner Programmzeitschrift.

In einem der letzten Texte des Buches überschrieben mit „Der Texaner“ wird das System der Backgammonturniere genauer erläutert. In der „Wildnis“ braucht man nicht mit Geldscheinen zu protzen, da der Einsatz pro Runde nur 2 Euro beträgt.

Der Text schildert, was passiert, wenn ein Mitspieler vergisst, die Spielschulden zu bezahlen, zumal er zuvor als Spielexperte aufgetreten ist. Es folgt eine Kneipendebatte über Fair Play, Ehre und Ritterlichkeit. Doch das Gute an der Gaststätte „Wildnis“ ist, dass solche Debatten oft ohne Konsequenzen bleiben.

Manchmal, wenn es besonders hoch hergeht, gibt Manni, der sozial eingestellte Wirt der „Wildnis“, eine Lokalrunde, um die Gemüter zu beruhigen. Auch in diesem Fall hatte der Texaner ja, wenn schon nicht die Spielschulden, aber wenigsten das Geld für seine große Fanta bezahlt.

Ich lese das Buch „Die Wildnis“ von Helmut Krausser wie eine Sammlung kurzer Milieustudien für einen seiner nächsten Romane. Die Kneipe gibt genügend Beispiele für das tägliche Leben, oder auch für einzelne Worte. Ein Beispiel dafür: „Neuerdings wird behauptet, man dürfe das Wort ‚Gutmensch’ nicht mehr benutzen, nur weil es ein paar Dumpfbacken als Kampfvokabel im Mund führen, wobei sie es regelmäßig grundfalsch verwenden. Für mich war es immer ein brauchbares Wort, folgendermaßen definiert: Ein Gutmensch war jemand, der sein Gutsein vor sich hertrug, aber im Grunde nicht wirklich altruistisch war.“ (S. 33)

Bezeichnend für den Anspruch von Schriftstellern an Sprache und Literatur sind nicht nur der Umgang mit Sprache in einer aktuellen Öffentlichkeit, sondern auch der kreative Umgang mit Begriffen. So kam eines Tages in der „Wildnis“ eine Diskussion darüber auf, ob Kartoffelsalat ausschließlich mit Zwiebeln hergestellt und angeboten werden darf. Aus einer lapidaren Bemerkung wird für den Autor eine philosophische Andeutung: „… denn der Makel an der Zwiebel ist die Blähung. Schrieb ich mir sofort auf, den Satz. (…) Beinahe Heidegger.“ (S. 102)

Es hat sich für den Schriftstelle Helmut Krausser gelohnt, seine Eckkneipe „Die Wildnis“ mit dem Backgammonspiel und auch seinem Notizbuch zu besuchen.

Auf Helmut Kraussers Hobbies Backgammon und Schach geht auch das Internet an anderer Stelle ein. Ob es das Lokal „Die Wildnis“ wirklich gibt, muss von hier aus offenbleiben. Der Inhalt der Texte ist so authentisch, dass er auch woanders vorkommt. Auch ein Vergleich zum Ruhrgebiet wäre angebracht.

Der Berliner Alltag ist wahrscheinlich subtil angefüllt mit thematischen Impulsen, die man früher eher mit den Weisheiten der Taxifahrer in Verbindung gebracht hätte. Doch leider sucht man die Zeitschrift ZITTY inzwischen vergeblich am Kiosk. Die Printausgabe wurde im Frühjahr 2020 eingestellt.

Vom Regenbogen lernen, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2020,

Zu:

Jando: Die Weisheit des Regenbogens, Wegweiser des Herzens, Mit Illustrationen von Antje Arning, KoRos Nord, Bad Zwischenahn 2020, gebunden und farbig illustriert, 155 Seiten, ISBN: 978-3-945908211, Preis: 13,99 Euro

Link: https://jandoautor.com/2020/05/14/die-weisheit-des-regenbogens-wegweiser-des-herzens/

  

Wie einen Kuchen mit aromatisierten Rosinen durchziehen  das Buch immer wieder kleine, weisheitliche Sprüche, die der Erzähler oft seinem Vater zuordnet. Es sind Leitworte des Lebens, die immer zur nächsten Generation weitergegeben werden.

Wir verstehen damit das Leben als ununterbrochenen Lernprozess. So heißt es im Vorwort des Erzählers: „Ich habe gelernt, dass man manchmal nur eine schützende Hand braucht, die einen hält, und ein liebevolles Herz, das einen versteht.“ (S. 9)

Und so gebe ich im Folgenden einige Stichworte zur Geschichte dieses Buches, natürlich ohne die Pointe oder den Spannungsbogen des Buches vorweg zu nehmen.

Malin verbringt seit ihrem vierzehnten Geburtstag immer wieder mal ein Wochenende auf einem Reiterhof. An einem Wochenende vor Ostern ereignet sich ein plötzlicher Wintereinbruch. Malin tobt mit ihrem Hund Ava im Schnee herum.

Doch sie merkt nicht, dass sie sich in Gefahr befindet, rollt auf die Straße und kollidiert mit einem Auto. Beide, Ava und Malin überleben den Unfall schwer verletzt. Die Konsequenzen des Unfalls sind schmerzhaft.

Malin, die im Krankenhaus erwacht, hat Angst um ihren Hund Ava. Ihre Mutter Sina trifft eine gute Entscheidung. Sie bucht eine Woche Urlaub auf einer kleinen Insel. Dort leben sie bei Bent, der einen Rettungshof für Hunde betreibt. Bent wird auch an anderer Stelle als „Hundeversteher“ bezeichnet. Er wird mehr und mehr zur Hauptperson des Buches.

Jando gelingt es hierbei immer wieder, sensibel und einfühlsam das Leben als Beziehungsgeflecht erfahren zu lassen. Menschen und Tiere werden füreinander zu Stützen und Hinweisgebern.

Hier kommt auch Bents Vater Ohlsen ins Spiel. Er ist Leuchtturmwärter und rät seinem Sohn, sich nach dem Tod seiner Ehefrau wieder dem Leben neu zuzuwenden. Er lädt Malin auf den Leuchtturm ein, wodurch Sina und Bent einige Stunden gemeinsam verbringen können.

Doch die Sache wird kompliziert, so, als ob das neue Leben kaum mehr als ein bloßer Traum wäre.

Jando fasziniert nicht nur durch die Darstellung von Personen und Tieren, sondern auch durch die Schilderung von Ereignissen, die den Atem stocken lassen und Dramatik in die Geschichte bringen.

Der Sinn des Lebens bleibt unverfügbar und ereignet sich dennoch spürbar. Die Farben des Regenbogens symbolisieren das Beziehungsgeschehen. Weisheitliche Stichworte halten die Mutworte fest, die als Perlen immer wieder Elemente des Sinns in die Erzählung bringen .

Mein Fazit: Jandos Buch, wie schon seine Bücher vorher, trifft das Herz von Erwachsenen und Kindern gleichermaßen. Jandos Bilder auf seiner Homepage, die ihm mit seinem Hovawart „Sunny“ am Ufer eines Sees frühmorgens zeigen, passen gut zur Erzählung des Buches und lassen Bent und Jando zu einer Person verschmelzen.

Ohne weiter ins Detail zu gehen, spüre ich eine tiefe lebensgeschichtliche Erfahrungsbasis des Autors, die zu wesentlichen Erkenntnissen führt: Lerne mit den Verletzungen zu leben und sei immer offen für die Zukunft. Sieh deine jetzigen und zukünftigen Beziehungen als Quelle der Hoffnung an.

Instagram: https://www.instagram.com/p/CCX7d3vo4wG/

Predigt zum dritten Sonntag nach Trinitatis, Emanuel Behnert, Lippetal 2020

An Gott gedacht in schwieriger Zeit

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heili­gen Geistes. Amen.                                                                                                  

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat; der Bund und Treue hält ewiglich und nicht preisgibt das Werk seiner Hände. Amen.

Zum dritten Sonntag nach Trinitatis grüßen wir uns mit einem Bibelvers aus dem Lukasevangelium, der uns durch diesen Tag und durch diese Woche begleiten soll und will. Im 19. Kapitel des Evangeliums heißt es im 10. Vers: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“                                                                                              

Welch ein großes Wort der Gnade! Eröffnung einer Lebensperspektive, wo viele noch nicht einmal den Blick auf den nächsten Schritt wagen, ihn gar für möglich halten. GOTTES Blick auf einen jeden Einzelnen von uns vermag unser Leben grundlegend zu verändern. GOTTES Blickrichtung der Demut begegnet der menschlichen Blickrichtung des Hochmuts, der Leistungsstärke, der jeder zu genügen hat, will er nicht der Be – und Verurteilung anheimfallen, wenn er die geforderten Leistungen und Normen nicht erfüllen kann. Er begegnet also durchaus allen, die durch die Maschen des Netzes der Leistungsgesellschaft gefallen sind. Er begegnet allen, die auf unterschiedliche Art und Weise das Kreuz des Lebens in übergroßem Maß tragen müssen. Das sie zu den Gebeugten und Mühseligen der Gesellschaft, der Zeit, des Tages macht. Zumindest immer wieder einmal. GOTTES Blickrichtung der Demut begegnet aber eben auch all denen, die sich von diesem System des „immer mehr“ gefangen nehmen lassen, ohne zu merken, wie sie sich dabei nach und nach immer mehr selbst verlieren, zu Verlorenen werden. Das Hamsterrad von: Immer höher, immer schneller, immer weiter… es wird durch SEINEN Blick angehalten. Und alle, die sich darin gefangen fühlen, sind eingeladen, zur Ruhe zu kommen und „sich erquicken“ zu lassen.

Darüber möchte ich mit Euch an diesem Morgen, oder wann immer Ihr das lest, nachdenken. Euch einladen, zur Ruhe zu kommen. Und Gemeinschaft zu fühlen. Auch über eine räumliche Distanz hinweg.

Wenn ihr mögt, nehmt Euch ein Gesangbuch und singt oder summt es mit. Oder logt Euch bei Youtube ein, wo dieses Lied auf vielfältige Weise  hinterlegt ist, das uns auf unserem Weg immer wieder, nicht nur am heutigen Tag und in dieser Woche, sondern vielleicht sogar als grundsätzlicher Trostanker auf unserem Weg durch das Leben begleiten will: (EG 353)

„Jesus nimmt die Sünder an. Saget doch dies Trostwort allen,
welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an.

Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte;
Jesus, der uns nie vergisst, suchet treulich das Verirrte,
dass es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an.

Kommet alle, kommet her, kommet, ihr betrübten Sünder!
Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder.
Glaubet’s doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an.

Jesus nimmt die Sünder an; mich hat er auch angenommen
und den Himmel aufgetan, dass ich selig zu ihm kommen
und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an.“

 

In Ehrfurcht und Demut treten wir an die Seite SEINES Volkes und beten mit unseren jüdischen Schwestern und Brüder Verse des 103. Psalms: „Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist SEINEN heiligen Namen. Lobe den HERRN meine Seele, und vergiss nicht, was ER dir Gutes getan hat: der dir all deine Sünde vergibt und heilt alle diene Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt it Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.                                                  

Der HERR schafft Recht und Gerechtigkeit allen, die Unrecht leiden. ER hat SEINE Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel SEIN Tun. Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. ER wird nicht für immer hadern, noch ewig zornig bleiben. Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt ER SEINE Gnade walten über denen, die ihn fürchten.            

So fern der Morgen ist vom Abend, lässt ER unsere Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.“ (Ps. 103, 1 – 13)

Wir beten: Ewiger, ferner und doch auch so unendlich naher, in mir wohnender Gott:  Bevor ich in der Frühe erwache, hat dein Licht schon die Welt umarmt. Bevor ich einen ersten Finger rühre, rührt mich dein Ruf: Du sollst leben! Heute. In jedem Augenblick dieses Tages. Bewusst und unbewusst. Ich schenke Dir jeden Augenblick. Ewige, ferner und doch auch so unendlich naher, in mir wohnender Gott: Du bist mein Bevor, du bist mein Danach, im Licht deiner Barmherzigkeit darf ich leben, blühen und reifen. Im Licht deiner Barmherzigkeit darf ich aussteigen aus dem Hamsterrad des Müssens und der Zwänge. Im Licht deiner Barmherzigkeit darf ich mich aufmachen, hinein in das Leben hinein. Hinein in dich, der du das Leben bist. Dafür danke ich dir immer wieder neu. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Wenn ihr mögt, hört hinein in das Lied:

Gott sieht mich an

https://youtu.be/hqHvRs3jtZY

 

Die Gnade Gottes unseres Vaters und die Liebe unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft im Heiligen Geist sei mit uns allen. Amen.

„Gott sieht mich an jetzt und heute. Gott ist bei mir – morgen und immer. Das ist gut. Das ist gut. Das ist gut.“ — Ist es das wirklich? Seit mehr als 10 Tagen ringe ich mit dem Predigttext des heutigen Sonntags. Wie gerne hätte ich ihn beiseitegelegt, zu Gunsten von Textsequenzen aus der vergangenen Woche. Johannistag, am 24.06. „Er muss wachsen. Ich aber muss abnehmen.“ Ja, das hätte gepasst. Warum? Es hätte mich und IHN ins rechte Licht, ins rechte Verhältnis zueinander gerückt. —–                                                    Confessio Augustana am 25.06. Eine, wenn nicht DIE Grundlegung des lutherischen Bekenntnisses nach dem Thesenanschlag, Ausschlaggebend für die Schmalkaldischen Artikel zehn Jahre später. „Du Mensch Gottes, jage nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut! Kämpfe den guten Kampf des Glaubens….“

Ja, auch das hätte gepasst. Ich wäre ja ausgezeichnet gewesen. Aus der Menge der Masse hervorgehoben. Du Mensch Gottes. Ich wäre auf besondere Weise angesprochen gewesen. Auch dort, wo vielleicht sonst niemand das Gespräch mit mir mehr suchen würde. Ich wäre wer. Aber wäre ich damit wirklich der, der ich sein soll? Mensch Gottes? „Jage nach…“. Tue ich das nicht jetzt schon? Tag für Tag? Minute für Minute? Immer mehr, immer weiter, immer schneller, immer höher hinaus? Dann eben nur mit anderen Adverbien oder Werten?                           

Und plötzlich, beim Kreisen um mich und mein Tun, bei meinem Bemühen um den richtigen Platz in deiner Ordnung,  tut sich doch irgendwann die Frage auf: „Wo begegne ich tatsächlich Dir, Gott? Wer bist Du? Wo (wer) ist solch ein Gott, wie Du?“                             

Unser Predigttext für diesen Sonntag steht im Alten Testament im Buch des Propheten Micha im 7. Kapitel:

„ 18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! 19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. 20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.“

Wo begegne ich tatsächlich Dir Gott? —- Mitten in meiner Schuld!   

Im Ringen um diesen nicht einfachen Predigttext, deshalb nicht einfach, weil er mich eben nicht heraushebt aus der Menge desr Schöpfung und der Geschöpfe, mich aber dennoch zu einem Mensch Gottes macht, bin ich dankbar für den Austausch, den ich mit Menschen in einer Facebook – Gruppe haben durfte, die auch in der Verkündigung stehen, und um ihre eigenen Antworten suchen und gesucht haben.                                                                         

Ein Bild, das ich hier jetzt einfügen möchte hat mich von Anfang an berührt, nicht mehr losgelassen. Auch, wenn das Meer ja gar nicht in unserem Predigttext vorkommt. Von der lieben Kollegin aber als Ihr Bild wunderbar erklärt worden ist:

Am Anfang steht auf einmal die grundsätzliche Frage: „Wo gibt es Gott?“ —- Ich werde Jahre zurückgeworfen. Als junger Mensch wurde ich einmal auf dem Weg zu einer kirchlichen Veranstaltung von einer Frau gefragt: „Wie kannst Du an diesen Gott glauben? Wo war er in Auschwitz, Terezin, Treblinka? Wo war er, als mein Kind vom Auto überfahren wurde?“ Fragen auf dem Seitenstreifen der damaligen B55, auf dem ich lediglich nach dem Weg zur Kirche gefragt hatte. Fragen, auf die ich damals für diese Frau keine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Vielleicht auch, weil sie sich schon lange festgelegt hatte in ihrer Überzeugung: Angesichts der Schoah, angesichts des vielfältigen Leides auch in unseren Tagen, kann es einen Gott, einen gnädigen und barmherzigen sogar, doch gar nicht geben.  Aber dennoch:                                                                                  

Dieses Bild heute gibt, endlich auf wunderschön verständliche Weise eine Antwort auf diese Frage: „Im Meer, dort, wo es am tiefsten ist“. Ja, und eigentlich gehört hier ein Ausrufezeichen hin.                             

Gott ist da. In allem, was uns widerfährt. In allem, in dem wir schuldig werden. Aber auch in allem, in dem Andere an uns schuldig werden. Wir brauchen nicht zwingend selber in blindem Eifer aktiv zu werden. Es reicht, ruhig zu werden und zu bitten: „HERR führe Du und leite meinen Weg nach DEINEM Wort…“                                      

Wir sind verwiesen auf unser Schuldigsein und Schuldigwerden. Aber, es wird uns als Umwege unseres Lebens zugestanden. Und wir werden nicht darin verhaftet. Davon erzählt das bekannte  Evangelium dieses Sonntags, das nachzulesen ich Euch herzlich einlade: Lukas 15, 1 – 32. Die meisten kennen es unter der Überschrift des „verlorenen Sohnes“. In Anlehnung an meinen Konfirmator möchte ich lieber vom „wiedergefundenen Vater“ sprechen. Umwege und Abwege im Leben werden uns zugetraut und zugemutet. Aber eben auch die mutige Entscheidung umzukehren. Zurückzukehren. Fehler einzugestehen. Und das Schöne: Wir werden genau dann mit offenen Armen empfangen und mit einem Festkleid ausgestattet. Und jeder, auch der, der uns gram ist, wird eingeladen zum Festmahl.  Gott ist also auch und gerade da, wo das, was wir unsere Sünde nennen uns am meisten belastet und eventuell sogar anklagt. Kommt her zu mir alle… Bei mir ist (trotz allem) die Fülle des Lebens. Gottes ausgebreiteten Arme, die uns voller Liebe zu sich ziehen und in sich bergen, sind die ausgebreiteten Arme des Mannes am Kreuz, der all unsere Last und Sünde trug, damit wir befreiter in und durch das Leben gehen können. Nicht in Beliebigkeit unseres Handelns. Sondern in der Gewissheit, dass unsere Schuld uns nicht endlos anklagen kann, darf und wird. Trotz mancher Verfehlungen sind und bleiben wir reingewaschen durch das Blut des Lammes, der einem jeden von uns in einem letzten Gnadenwort zusagt: Wahrlich noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.                                                              

Ein letzter Gedanke, den ich meiner Lektüre über Martin Buber in den letzten Tagen zu verdanken habe ist mir noch wichtig: „Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen.“                        

Trotz allem was war und gewesen ist: Gott nimmt uns in SEINEN Dienst. Abraham bricht auf aus seines Vaters Haus. Allein auf Gottes Geheiß hin. Er und seine Nachfahren werden Zeugen der Gegenwart  – auch des mitunter verborgenen – Gottes. Eben auch und gerade in den dunkelsten Stunden des Lebens.                                         

Und dann ist da noch Jakob. Er nimmt den Kampf auf mit Gott. Er ringt. Tag und Nacht… würden wir heute sagen. Er ringt. Gegen alle Chance. Aber vielleicht ändert sich diese ja bei ihm im Verlauf des Kampfs. „Ich lasse DICH nicht. DU segnest mich denn.“ Als Gottgeschlagener, ein Leben lang hinkend, aber dennoch als Gesegneter geht er aus diesem Kampf heraus.                                     

Gott ist da. Mitten im tiefsten Meer, das uns zu ertränken droht. Mitten im tiefsten Meer, in das wir eintauchen müssen, um tatsächlich gereinigt zu werden, ist ER da.  ER, der ohne eigene Schuld über das Wasser geht reicht uns seine Hand und fragt uns: „Wovor hast du Angst? Ich bin bei Dir, alle Tage, bis an das Ende der Welt.“ Und darüber hinaus…

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

 

Bei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn;
nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn.
Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft,
wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft.

Könnt ich’s irgend besser haben als bei dir, der allezeit
soviel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit?
Könnt ich je getroster werden als bei dir, Herr Jesu Christ,
dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist?

Wo ist solch ein Herr zu finden, der, was Jesus tat, mir tut:
mich erkauft von Tod und Sünden mit dem eignen teuren Blut?
Sollt ich dem nicht angehören, der sein Leben für mich gab,
sollt ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab?

Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich so in Freude wie in Leid;
bei dir bleib ich, dir verschreib ich mich für Zeit und Ewigkeit.
Deines Winks bin ich gewärtig, auch des Rufs aus dieser Welt;
denn der ist zum Sterben fertig, der sich lebend zu dir hält.

 

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille, geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen.

Der Herr segne Dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir seinen Frieden. Amen

Bleibt wohl behütet und gesund. Ich denke an Euch. Auch im Gebet.

 

Predigt zu Trinitatis 2020, Joachim Leberecht, Herzogenrath 2020

Predigt 4. Mose 6,22-2,  Trinitatis 2020

Liebe Gemeinde,

Segen ist die Energie Gottes für unser Leben. Die aaronitischen Segensworte zum Ende des Gottesdienstes verdichten alles bisher Gesagte, Gefeierte, Gebetete. Sie stellen den Segensempfänger in einen langen Traditionsstrom, aktualisieren Gottes Lebenskraft im Moment des Segnens und befähigen den dafür offenen Menschen für die kommende Zeit.

Es gibt Worte, die sind für die Ewigkeit geschaffen und wenn sie mit Ernst und Erwartung ausgesprochen werden, stellt sich das ein, was ausgesprochen wird.

Wir Christinnen und Christen stellen uns hinein in die alten hebräischen Worte Israels und bezeugen damit den einen Gott aller Völker. Gott ist der Grund allen Lebens. Gott ist die Quelle des Segens.

Werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte. Wie wurde der Segen gesprochen?

Segnen war ein priesterlicher Dienst und den Priestern vorbehalten.

(Vgl. zum Folgenden: Der Priestersegen, in: Roland Gradwohl, Bibelauslegungen aus jüdischen Quellen, 2002, Bd.2, S.86-96)

Um die Gemeinde zu segnen, mussten sich die Priester vorbereiten und das Segnen nach festen Ritualen vollziehen. Dazu gehörte:

  1. Die Priester waschen sich die Hände
  2. Sie erheben die Hände in Haupthöhe
  3. Der Kopf des Segnenden wird durch den Gebetsmantel (Tallit) verhüllt
  4. Die Hände sind gespreizt
  5. Nach jedem der 3 Verse antwortet die Gemeinde: Amen
  6. Der Segnende steht auf einer erhöhten Fläche in Höhe der Torarollen
  7. Der Priester ist barfüßig
  8. Die Segnung geschieht in Richtung Gemeinde
  9. Niemand aus der Gemeinde darf den segnenden Priester anschauen
  10. Der Segen wird jeden Tag der Woche gesprochen, am Sabbat 2x

 

„So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet.“(V.23b)

Seit Jahrtausenden besteht der aaronitische Segen tatsächlich unverändert fort.

In einem Felsengrab bei Jerusalem entdeckten Archäologen zwei kleine Silberrollen mit den Worten des aaronitischen Segens aus dem 7 Jhd. vor Christus. Eines der ältesten Zeugnisse biblischer Texte.

„So sollt ihr sagen.“

Der Segen besteht aus drei Teilen.

Die Zahl der hebräischen Worte steigt von 3 auf 5 auf 7. Die Segensfülle nimmt zu.

  1. Der HERR segne und behüte dich

Segen ist die unbeschränkte Fülle an den Gaben Gottes – den materiellen wie den geistigen.

Zum Segen Gottes gehören nach dem Ersten Testament:

Kinder (Gen 1,28), Fruchtbarkeit der Herden und des Ackerbodens (Gen 49,25), gutes Gelingen der Arbeit (Ex 23,25), Glück der Familie (2. Sam 7,29), der Segen gilt allen Menschen und allen Völkern (Gen 12,3), Frieden (Ps 29,11)

Rabbi Sfarno sagt: „Adonai segne dich mit irdischem Besitz, denn ohne Mehl ist keine Tora.“ (Ohne materielle Güter keine geistige Arbeit/Kultur)

In einem jüdischen Midrasch heißt es: „Adonai behüte dich, damit seine Schechina (Gottes Gegenwart) nicht von dir weicht.“

 

  1. Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig

Der Ewige wendet sich den Menschen zu. Gott verbirgt sein Angesicht nicht, sondern es leuchtet über uns. „Leuchten“ meint nichts anderes als Kraft schenken. Wenn Gott sein Angesicht leuchten lässt, dann ist durch Gottes Präsenz den Menschen geholfen (Ps 80,20). Sie geraten in sein Energiefeld und werden geisterfüllt aufgeladen wie ein Magnet, das sich an einer Quelle auflädt.

Die gnädige Zuwendung Gottes geschieht im Segen. Sie ist zu spüren und nicht selten beginnt auch der Mensch zu leuchten und zu strahlen. Gott begnadet mit Erkenntnis und Weisheit, dass der Mensch gefallen finde in den Augen vieler. Der Gesegnete weiß sich von Gott angenommen, gehört zur Gemeinde  und erlebt sinnlich Sinn.

 

 

  • Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden

Wieder ist vom göttlichen Antlitz die Rede. Jetzt leuchtet es nicht über den Menschen, sondern Gott erhebt es über den Menschen. Eine kleine, aber inhaltlich bedeutsame Verschiebung. Zuerst kommt die Gnade des An-Geschaut-Seins. Die Energie beginnt zu fließen. Wenn sich das Angesicht Gottes erhebt über den Menschen ist das wie eine Bestätigung der Zuwendung. Die Erhebung ist ein besonderes sich zu dem Menschen stellen. Es ist ein Symbol von Gottes Liebe und Wohlgefallen. Keine Schuld trennt den Menschen mehr von Gott. Die Erhebung Gottes über den Menschen schenkt den Menschen Freiheit.

Das höchste Gut des Segens wird hebräisch mit Schalom bezeichnet. Rabbi Schimon sagt: „Groß ist der Frieden, denn es gibt kein größeres Gefäß des Segens als den Frieden.“

 

Hebräisches Denken im ersten Testament vollzieht sich in Räumen. Der Segen ist geistig nicht umherirrend, sondern füllt Räume: Den Menschen, die Gemeinde, das Land, die ganze Welt. Der segnende Priester versteht sich als Trichter durch den der Segen Gottes hindurchfließt und die empfangsbereite Gemeinde füllt. Jeder Mensch ist ein Gefäß und wird durch den Segen mit Gottes Lebenskraft gefüllt. Damit aber hört das Segnen nicht auf, sondern nimmt recht gesehen erst seinen Anfang. Der segensangefüllte Mensch geht in seine Lebenswelt und kann gar nicht anders als aus diesem mit Gottes Energie angefüllten lebendig Sein den Segen weitergeben. Das heißt der Segen breitet sich in andere Räume aus. Das können gute Gedanken sein (geistig), das kann eine gute Tat sein (Leib), das kann schöpferisches Arbeiten (geistig/leiblich) sein. Das kann ein Mitfühlen sein (seelisch). Da gibt es keine Grenzen.

Umgekehrt wird deutlich, dass Frieden als das höchste Gut des Segens ganz und gar Gottes Gabe ist, aber der Mensch berufen ist für den Frieden zu arbeiten und selbst den Frieden zu suchen. Auf diese Wechselwirkung kommt es an.

Liebe Gemeinde,

nach evangelischem Verständnis braucht es keine Priester mehr, sondern das Priestertum ist auf alle Getauften übergegangen. Jeder von uns kann und darf segnen und das muss auch nicht allein im Gottesdienst geschehen. Das kann mitten im Alltag, jeden Tag, stattfinden. Erstaunlich ist, dass viele Segensrituale sich bis heute kaum verändert haben. Wenn die Gemeinde gesegnet wird, erhebt der Segnende die Hände. Die Segnenden sind zwar nicht barfüßig, aber sie nehmen eine besondere Haltung ein.

Zum Segnen gehören Segensgesten dazu. Der Segen wird körperlich erfahren. Nehmen sie doch mal ihr Kind in den Arm oder ihren Partner und sagen Sie zu ihm: Ich segne dich im Namen Gottes. Das ist eine kurze Version. Sie können auch mit Worten des aaronitischen Segens einander segnen.

Gerade in diesen Zeiten haben wir Segen nötig. Genauso wie wir Frieden und Gerechtigkeit nötig haben. Lassen wir uns segnen, dass wir inne werden, wozu wir berufen sind: Schalom Gottes zu empfangen und zu leben.

Amen

 

 

 

 

 

Satirische Lyrik, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2020,ö

Zu:

Stefan Krückmann: Abschreibungen, Lyrisches und Satirisches, Chili Verlag, Franziska Röchter, Verl 2016, Paperback, 153 Seiten, ISBN: 978-3-943292-38-1, Preis: 9,90 Euro

Link unter Franziska Röchter suchen

Kürzlich wurde ich durch eine Internetrecherche auf dieses interessante Lyrikbuch aufmerksam. Im bereits als Gedicht verfassten Vorwort wird deutlich, dass der Autor sich mit klassischer Lyrik gut auskennt und deren Formensprache spielerisch in seinen eigenen Kontext überträgt.

Da trifft sich Politisches mit Persönlichem, Allgemeines mit Konkretem. Das Persönliche und Konkrete braucht anscheinend den Schutz des Pseudonyms. Das Pseudonym scheint gleichzeitig nur eine schwache, ungesicherte Anonymität zu gewährleisten. Andererseits gibt es auch einen changierenden Effekt, so nach dem Motto: Wenn ich das nicht unter meinem Namen schreibe, dann zeige ich dadurch, dass ich selbst die Texte nicht unterschreiben würde. Ist es vielleicht gar nicht so drastisch gemeint, wie es gesagt ist?

Sicherlich ist es bei der Lyrik schon immer so, dass sie bei der Edition näher am Lebensalltag des Dichters ist, als etwa bei der Epik.

Die Lyrik des Buches bietet also reichlich Biographisches, doch zu wessen Leben dies gehört, bleibt dem Unwissenden verborgen. Was daraus allerdings deutlich wird, ist, dass manchmal das Private eben gar nicht so privat ist, wie Menschen es für sich selbst sehen möchten.

Kabarett und Lyrik gehen so eine Verbindung ein, wobei die klassische Form wieder eine Art Distanzierung bewirkt, die wirksam ist: Tritt ein wenig zurück und fasse den Ärger in ein Gedicht, dann kannst du vielleicht sogar selbst darüber lachen.

Ich kann es hier nicht besser formulieren, als der Autor im Nachwort: „Scharfkantig ausgefeilte Formen wie Sonett, Ballade, Villanell, Rondeau und Triolett rücken den Schwachstellen kollektiver Verblödung und Heuchelei im Gewande kirchlicher, ökonomischer und gesellschaftspolitischer Korrektheit zu Leibe; …“ Der Autor nennt es ein „subversives Vorgehen voll Swiftscher Galle“.

Mit Erlaubnis des Autors werde ich zwei Sonette zitieren, die das Geschriebene ein wenig illustrieren mögen. Ich finde, dass das Sonett, bei dem auf je zwei Strophen mit vier Sätzen zwei folgen, die nur drei Sätze haben, den Autor quasi dazu bringt, zuletzt ein nachvollziehbares und weiterführendes Fazit zu formulieren.

Das erste Sonett steht im Zusammenhang einiger Gedichte aus dem kirchlichen und pfarramtlichen Umfeld (Unter den Talaren, Text 2, S. 122):

 

Du aber, Pfaffendorf, bist keineswegs

Das kleinste Kirchspiel in der Osterbörde,

Wie gerne weidete ich deine Herde

In dem Bewusstsein eines Privilegs.

 

Nur eines geht mir dabei auf den Keks

Und schafft dem pastoralen Amt Beschwerde:

Die Macher mit der Managergebärde

Und die Schafsköpfigkeit ihres Geblöks.

 

Topfschlagen oder Blinde Kuh behagen

Synoden, Pfarrkonventen, Kirchentagen;

Welch infantiles Glück beim Ringelpietz!

 

Die Köpfe sind noch leerer als die Kassen,

Die Volkskirchen vom Kirchenvolk verlassen,

Charakter stört, und Geist ist nichts mehr nütz.

 

Wer verstanden werden will, muss pointieren und ggf. auch verzeichnen. Auch die Lyrik benötigt Aufmerksamkeit. Ich finde den Text ob seines Anspruchs schon fast noch etwas zu leise und schäme mich, dass ich mit dem Autor nicht noch lauter getrommelt habe, denn die geistige und auch personelle Schwindsucht ist mit Händen zu greifen. Ich habe nicht weniger Pfarrkonvente erlebt, bei denen einige den verpassten Nachtschlaf nachgeholt haben. (d. Rez.)

Auch die Gesundheit ist ein solches Thema, über das man im persönlichen Gespräch sicherlich unentwegt Anekdoten und Ärgerlichkeiten austauschen könnte. Von einer Reform zur nächsten reiten wir immer ärger in die Katastrophe hinein.

Dies wird im nächsten Gedicht deutlich, das die Behandlungssituation einer speziellen Erkrankung aufgreift, aber sicher auch auf andere Erfahrungen auszuweiten ist (Bis der Arzt kommt, Text VII.):

 

VII. Für Dr. med. Schnitzmann

 

Zerfressen vom Verdruss, vom Frust, vom Zucker

Und nun der Halsabschneider für die Zehen:

Es wird wohl scheibchenweise weitergehen,

Bis wann und wohin weiß kein Sternengucker.

 

Gleich armen Säufern sprichst du armer Schlucker:

„Auf einem Bein allein kann keiner stehen…“

So lass das Unvermeidliche geschehen;

Mitleidig winseln Kopfhänger und Mucker.

 

Drei Zehen wurden bislang abgenommen,

Nun musst du wieder auf die Beine kommen

Oder auf das, was sie dir davon ließen.

 

„Eins dreiundneunzig, und das soll so bleiben!“,

Sag dem Gefäßchirurg vor seinem Treiben;

Begnüge dich am Ende mit Versfüßen.

 

Dr. theol. Stümmelmann