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Zum Blog „der-schwache-glaube“ …

… ist im Einleitungstext „Der schwache Glaube“ alles gesagt. Die Homepage www.der-schwache-glaube.de ist auf die Blog-Seite umgezogen.
Zur Internet-Präsenz gehören Twitter und Facebook. Wenn ich auf interessante Links stoße, dann twittere ich sie meistens. Auf der Seite von Facebook reagiere ich auf das, was andere schreiben oder ich poste mal ein Bild, manchmal auch ein Hinweis auf neu eingestellte Beiträge.

Drüggelter Kapelle am Möhnesee

 

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Corona – Philosophie, Rezensionen, Teil 1, Christoph Fleischer, Welver 2020,

Zu: Philosophie Magazin, Nr. 03/2020, April/Mai 2020, Philomagazin Verlag Berlin, Preis: 7,90 Euro und Philosophie Magazin, Nr. 04/2020, Juni/Juli 2020, Philomagazin Verlag Berlin, Preis: 7,90 Euro

Da ich die Rezension des vorletzten Heftes irgendwie vergessen habe, besteht hier Gelegenheit, die letzten zwei Magazine, die während der Corona Krise erschienen sind, auf dieses Thema hin ein wenig abzuklopfen. Es gibt daher keinen allgemeinen Überblick, sondern nur eine gezielte Auswahl. Im Internet gibt es zum jeweiligen Heft eine ausführliche Vorschau: https://philomag.de/nr-3-2020/ und https://philomag.de/nr-4-2020/
Es ist schon interessant, welche Flut von inhaltlichen Reaktionen jetzt durch die Corona–Krise angeregt worden sind.
Als zweiten Teil plane ich eine Rezension über das entsprechende Reclam-Heft, das inhaltlich sehr gründlich ist. Auch im Transcript-Verlag wird im Juni ein Buch über die Corona–Krise erscheinen.

 

Schon in der Anfang März erschienenen Ausgabe 03/2020 finden sich die ersten Notizen zur Corona-Pandemie als eines philosophischen Themas. In der Artikelsammlung unter dem Stichwort Arena notiert Dominik Erhard auf S. 10: „Der Bote als Erreger“. Schon im November 2019 hatte der Arzt Li Wenliang aus Wuhan/China auf den Erreger Covid-19 aufmerksam gemacht. Er wurde unter Druck gesetzt und sollte in Zukunft auf „Panikmache“ verzichten. Das wird als Zeichen eines autoritären Regimes vermerkt: „Da es offiziell keine Fehler geben darf, wird der Überbringer einer schlechten Nachricht selbst als zu tilgendes Übel behandelt.“ (PhM 03/2020, S. 10) Die Verantwortung wird umgekehrt. Wer sich als verantwortlich Handelnder zeigt, wird als Verursacher verantwortlich gemacht. Dieses Sündenbockprinzip markiert der Autor als Schwäche autoritärer Regime. (Ich bin mir nicht sicher, ob eine Verzögerung im Umgang mit der Pandemie nicht auch inzwischen weit stärker betroffenen Staaten wie USA, Spanien oder Frankreich zu beobachten war. d. Rez.) „Corona – Philosophie, Rezensionen, Teil 1, Christoph Fleischer, Welver 2020,“ weiterlesen

Predigtgedanken zu Exaudi 2020, Emanuel Behnert, Lippetal 2020

Gnade sei mit uns und Friede, von Gott unserem Vater und unserem HERRN Jesus Christus. Amen.

Foto: Niklas Fleischer (c)

Liebe Schwestern und Brüder!

Beim Nachdenken über die Texte des heutigen Sonntags denke ich auch immer wieder über die aktuelle Situation meines eigenen Lebens nach. „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“

Eingangsworte des 27. Psalms, denen – fast verzweifelt wiederholte Bitten folgen – die darum beten Gehör zu finden. Und Antwort zu bekommen. Licht und Heil.

Aber in mir ist es unendlich finster. Und ich kann es nicht ändern. Zwei Wochen ist es her, seit sie, mit der alles Licht und Heil gewesen ist, ausgezogen ist. Zwei Wochen sind es nun, die ich in einer eigenen Dunkelheit verbringe. Es gelingt nur selten, Freude zu finden am Sonnenschein. Und der bewölkte Himmel scheint nur für das zu stehen, was ich im tiefsten Inneren im Moment empfinde.

Sie haben sich zum Grillen verabredet. Alle aus der Familie, zu der ich vor meiner Scheidung auch einmal dazu gehört habe. Bei meinem Sohn. Durch Zufall habe ich es erfahren. Ich gehöre nicht mehr dazu. – Schon am Tag wird das Helle dunkel. Und das Heil bleibt aus.

Mitten im Leben steht er. Und merkt plötzlich, dass er weniger und weniger wird. Darmkrebs. Operation. Chemotherapie. Nichts ist mehr so, wie es vor kurzem noch gewesen ist. Und es fällt ihm zunehmend schwer einzustimmen in die Grundmelodie des 27. Psalms. Eher klingt doch an: „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“

Ein Mensch in Not, der dennoch um die Gegenwart Gottes weiß. Der aber SEIN Schweigen in seiner Situation nicht aushält. Auch dann nicht, wenn er ahnt, dass ER ein anderes Zeitmaß haben mag als wir. —- Ich kann das verstehen. Meine Mutter hat mich, uns Geschwister, oft durch „Sprachlosigkeit“ bestraft. Wenn sie nicht wollte, hat sie mit uns oft über viele Tage hinweg nicht gesprochen. Ein Trauma, das mich – zusammen mit anderen Erfahrungen aus der Kindheit – bis heute beschäftigt und begleitet.

Wie gut tut es, immer wieder einmal am Tag eine menschliche Stimme zu hören. Begegnung zu haben mit einem Menschen vis á vis. Von Angesicht zu Angesicht. Einer, der meine Hand nimmt, mich berührt. Sanft. Und ohne Vorbehalt, oder Erwartung. Unendliche Erfahrungen aus dem Hospizdienst tuen sich hier auf. Wenn der sentimentale Körperkontakt „nur“ noch die einzige Kommunikationsbasis zu dem ist der gehen muss. Wenn das „Sei mir gnädig“! übergroß wird. Im Leben und im Sterben. Auch dann, wenn wir erkennen müssen, dass jeder Abschied, jede Trennung, ein eigenes Sterben ist.

Ich lese weiter im Lektionar. In der Perikopenordnung. Und da heißt es im ersten Satz des eigentlichen Predigttextes: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR…“ SEINE Zeit. Nicht meine. Nur ER weiß, wie sie aussehen wird. Eine neue Zeit. Ich will darauf vertrauen, dass sie ganz anders ist, als das, was ich derzeit in meiner Zeit erlebe. Ja, da gilt nicht mehr die Angst um das Versagen. Sondern die Zusage: Schön, dass es Dich gibt. Du bist angenommen. Da gilt nicht mehr die Angst um das Auskommen morgen, sondern SEINE Zusage: Du hast die vollkommene Fülle des Lebens. Da gilt nicht mehr die Furcht vor der Schuld und eventuellen Schulden. Sondern: Du hast Gnade gefunden vor mir und damit auch vor den Menschen. Du bist mein geliebtes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe. Amen.

 

 

Predigt Rogate 2020, Joachim Leberecht, Herzogenrath 2020

Predigt Matthäus 6, 5-15

„…und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“

 

Liebe Gemeinde,

Hand aufs Herz – haben Sie in den letzten Wochen während die Herzogenrather Kirchenglocken angesichts der Pandemie jeden Abend um 19:30 Uhr zum Gebet aufgerufen haben das eine oder andere Mal ein stilles Gebet gesprochen? Von einigen habe ich gehört, dass sie sich jeden Abend um 19:30 Uhr zum Gebet – eine jede und ein jeder für sich – verabredet haben. Es stärkt und motiviert, wenn wir wissen, wir sind mit anderen zur selben Zeit im Gebet verbunden. Und für viele mag das Läuten, wenn sie es je nach Windrichtung gehört haben, zumindest ein kurzes Innehalten – vielleicht verbunden mit einem Stoßseufzer oder ein kurzes: „Herr, erbarme dich“ verbunden gewesen sein.

Aber all die, die auf das Läuten zum Gebet geachtet haben und sich dadurch als Gemeinschaft – trotz des Abstandsgebot und der ausgesetzten Gottesdienste – erlebt haben, ist eines gemein. Sie haben hingehört und sich – und sei es nur für einen kurzen Moment – auf Gott hin ausgerichtet. Andere haben davon gehört, dass die christlichen Kirchen zu einem Gebet aufrufen und auch wenn sie sich nicht beteiligt haben, fanden sie einen Glockenaufruf zum Gebet angesichts der Pandemie und den damit verbundenen Ängsten und Sorgen angemessen. Wer wollte, konnte hören, sich mit anderen verbunden wissen und wahrnehmen, dass Menschen stellvertretend für die Erkrankten, die Helferinnen und Helfer und die um ihre Toten Trauernden eintreten.

Wiederum gab es andere, die sich in ihrer Abendruhe gestört fühlten, weil ein zusätzliches Läuten im öffentlichen Raum erschallte. Wir haben als Gemeinde von einem Mitbürger eine Beschwerde erhalten, der das Läuten als echte Störung und Minderung seiner Lebensqualität empfand.

Angesichts der Äußerung Jesu zum öffentlichen Gebet – „wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließe die Tür zu“ (V.6) – könnte der Eindruck entstehen, dass Jesus ein öffentliches Gebet und damit auch ein Glockenläuten zum Gebet ablehnt. Drückt sich also in der Beschwerde – und diese ist ja in der jüngsten Vergangenheit aufs Gesamte gesehen in unserer pluralistischen Gesellschaft landauf und landab nicht neu, nicht der Geist Jesu aus, der das Gebet in den verborgenen Raum verlegen will?

Gerade wo wir wissen, wie schädlich für die Gesundheit Lärm sein kann – unabhängig wie subjektiv das Läuten der Glocken empfunden wird – stellt sich diese Frage für uns um so dringender: Ist es noch zeitgemäß zu unseren Gottesdiensten und zum Gebet vernehmbar und manchmal auch sehr lange mit lautem und mächtigem Glockengeläut zu läuten?

Noch scheint es so zu sein, dass das Läuten von einer großen Mehrheit akzeptiert und getragen wird. Viele Menschen sehen und empfinden darin eine Fortsetzung und ein eingebettet sein in die abendländische christliche Kultur. Anders fällt das Urteil schon aus, wenn die Muslime zu ihrem Freitagsgebet öffentlich aufrufen. Für den Ruf des Muezzin gibt es nur eingeschränkte Genehmigungen.

Wenn ich die Worte Jesu richtig einordne, wendet er sich gegen jede Zurschaustellung des Gebets. Das Gebet, sagt Jesus, ist etwas, was sich jeder Machtdemonstration und letztlich auch jeder Öffentlichkeit entzieht, da seine Kräfte im Verborgenen wirken.

Das bedeutet für unseren Kontext, dass wir als Gemeinden vor Ort auf die Beschwerden sensibel eingehen sollten und – wie wir es auch schon getan haben – nach Lösungen schauen, die einen Konflikt wegen des Läutens befrieden. Zumindest sollten wir uns die Frage stellen, ob die Beschwerde angemessen ist. Ein Beleidigtes – wir machen es aber, weil es immer schon so war – ist hier nicht angemessen. Eben so wenig ein Vorschnelles und zuvorkommendes Einschränken des Läutens.

Denn anders als zur Zeit Jesus ist unser Alltag nicht durch viele religiöse Rituale geprägt und strukturiert. Die Religion ist in unseren Breitengraden fast ausschließlich in das Private abgewandert und prägt das öffentliche Leben nicht mehr selbstverständlich. Es gilt der Konsens: Religion ist Privatsache. Das lässt sich soziologisch darlegen. Es gibt kaum ein größeres Tabu als über seinen Glauben im Alltag zu sprechen.

Liebe Gemeinde, als evangelischer Christ freue ich mich über jedes Zeichen des Glaubens – und sei es noch so unscheinbar wie manch verwittertes Wegkreuz im öffentlichen Raum. Auch unsere Kirchengebäude – selbst, wenn sie entwidmet sind – sind Zeugen einer anderen Welt. Sie weisen auf das Verborgene hin.

Auch deshalb liebe ich das Kirchengeläut, weil es hörbar die Menschen erinnert, Gott mit Lob, Dank und Bitte zu begegnen. Ich glaube, dass diese sinnlichen Zeichen einer pluralistischen Gesellschaft gut zu Gesichte stehen, weil sie Trost und Halt spenden in einer sich schnell verändernden Gesellschaft.

Natürlich ist das Gebet kein Selbstzweck, es steht jeder Verzweckung entgegen – wie Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zurecht lehrt. Das Gebet ist immer auf Gemeinschaft angelegt. Das Beten allein im stillen Kämmerlein – so nötig und wichtig auch diese Gebetskultur ist – birgt die Gefahr, in sich zu verkümmern.

Es hat mich schon sehr verwundert, dass ein Kollege aus dem Kirchenkreis ernsthaft meinte, dass das Gebet im stillen Kämmerlein jetzt das Gebot der Stunde sei und den Gottesdienst vollständig ersetzen würde. Eben nicht.

Nein, beide Gebetsformen sind wie Ein- und Ausatmen. Die eine Gebetsform lebt von der anderen und umgekehrt. Mein persönliches Gebet lebt und wird oft genug, wenn mir die Worte versagen, vom Gebet in der gottesdienstlichen Gemeinschaft getragen. Und anders herum werde ich durch das gemeinsame Beten angeregt zum persönlichen Gebet.

Beten ist zutiefst ein kommunikativer Akt und führt aus der Vereinzelung heraus. Daher lehrt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger, wenn ihr betet, so sprecht: Vater unser…

Das Grundgebet der Christenheit ist ein Gemeinschaftsgebet: Es heißt nicht: „Mein Vater“, sondern „Unser Vater“.

Jeder kommunikative Akt weist über sich hinaus. Daher können die Religionen gar nicht anders als äußerlich sicht- und erkennbar werden. Darum läuten wir auch die Glocken. Wir rufen zum Gebet – und beim „Vater unser“ – läutet die Vater-Unser-Glocke. Der öffentliche Raum wird so weit die Glocken tragen in das Gebet mit hineingenommen. Wir dürfen uns freuen, dass wir in einem Land leben, wo wir unseren Glauben leben dürfen, nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern öffentlich. Das Läuten ist eine Einladung mitzubeten. Nur wer sich im Gebet übt, wird aus der Kraft des Gebets sein Leben führen können. Das ist unser Zeugnis und unser Geschenk für die Welt. Daran lasst uns festhalten.

Amen

 

 

Ganzheitliche Theologie, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2020

Zu:

Richard Rohr: Alles trägt den einen Namen, Die Wiederentdeckung des universellen Christus, aus dem Englischen von Andreas Ebert, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2019, gebunden, 318 Seiten, Preis: 24,00 Euro

Richard Rohr (geb. 1943) ist Theologe eines franziskanischen Ordens, der für seine ganzheitliche Sicht bekannt ist.

Der anschauliche Impuls Rohrs zu Beginn des Buches ist die Vision einer Frau in der Londoner U-Bahn. Diese Frau heißt Caryll Hauslanders und hat die Vision, dass ihr in jedem Menschen Christus begegnet. „Christus ist überall“. In ihm hat jede Art von Leben Sinn und steht mit allen anderen Lebensformen in einer festen Verbindung.“ (S. 16).

Das Buch versteht sich als religiöse Entdeckungsreise dieser Vergegenwärtigung Christi in allen Lebensformen.

Die Kapitel des Buches stellen hierdurch eine Art Theologie dar, die diese Gegenwart Gottes (in Christus) in der Welt aufzeichnet. Manchmal fragt man sich beim Lesen, ob manche Aspekte nicht einfach eine moderne Form von katholischer Theologie sind.

Die Wege zu dieser Spiritualität, die Richard Rohr aufzeichnet, sind Wege, die aus den konfessionellen Streitereien herausführen, einfach weil der Glaube als eine Art von Leben in der Welt dargestellt wird.

Ich gebe statt einer ausführlichen Inhaltsangabe ein kleines Beispiel, das, wie ich finde, ein wenig zum Schmunzeln ist:

Die Widmung hat mich schon gewundert. Richard Rohr widmet das Buch seinem kürzlich verstorbenen Labrador, der Hündin Venus, die über fünfzehn Jahre alt wurde.

Die Gegenwart der Hündin hat, so schreibt er später, eine spirituelle Dimension.

Was das bedeutet, wird schlagartig deutlich, wenn man den Abschnitt über das Abendmahl liest. Warum glaubt die katholische Gemeinde an die Präsenz Christi in der Oblate, was heißt hier Realpräsenz Christi?

Nach Richard Rohr muss diese Aussage nicht nur von Christus, sondern auch vom Menschen her verstanden werden. Hierdurch steht in seiner Theologie die Anthropologie immer in einer Korrespondenz dazu. In diesem Zusammenhang ist von der Hündin Venus die Rede. Sie ist ein Symbol für diese Präsenz, was ich im Folgenden erläutern möchte.

Ich fasse den entsprechenden Abschnitt kurz zusammen: Denken wir einmal an einen Hund oder eine Hündin. Ihr rudelorientiertes Verhalten macht Hunde zu einem Symbol der Präsenz. Und so ist es selbstverständlich, dass Richard Rohr über seine Hündin schreibt, die mit ihm in der Nacht zu einem Krankenbesuch aufbricht. Ein kurzes Zitat soll dies dann weiter verdeutlichen: „Sie stand für mich Modell, wie ich vor Gott da sein könnte, und wie wohl Gott mir gegenüber da sein muss: „… wie die Hände einer Dienerin auf die Hand ihrer Herrin gerichtet ist.“ (Psalm 152,2). Die Augen meiner Venus waren stets auf mich gerichtet.“ (S. 168)

Dieses Beispiel klingt für Menschen, die nicht mit Hunden zusammenleben etwas skurril, aber ich finde es treffend. So verspricht es ja auch Gott dem Mose: „Ich werde da sein.“ Und bezeichnet dies als seinen Namen. Als Christinnen und Christen ist dieses Gottesbild zugleich unser Vorbild, und es ist unser Wunsch für Gott und andere da zu sein. (d. Rez.)

Andacht zum Sonntag Jubilate, Emanuel Behnert, Lippetal 2020

„Jauchzt Gott alle Lande! Lobsingt zur Ehre SEINES Namens! Rühmt IHN herrlich!“

Das, liebe Schwestern und Brüder, ist das biblische Votum, das dem heutigen Sonntag seinen Namen gibt. Jauchzt. Jubelt. Lobsingt Gott, und ehrt IHN, „der alles so herrlich regieret“.

Ewiger Gott, vielen von uns bleibt in diesen Tagen außerordentlicher Herausforderungen das Lob vollkommen im Hals stecken.

Dort, wo DU Gemeinschaft gewollt hast, sind wir – auch mitten in der Gemeinschaft – auf uns selbst gestellt.

Dort, wo wir auf Nähe und Wärme hoffen, müssen wir kalte Distanz erfahren. Von oben verordnet.

Sterbende werden allein gelassen. Und Schwerstkranke warten vergeblich auf die Nähe vertrauter Menschen.

EWIGER, das Jubeln bleibt uns im Hals stecken.

Wir dürfen einander nicht mehr ins Gesicht schauen. Erkennst DU auch, dass wir dadurch auch DICH nicht mehr so erkennen können und dürfen, so wie DU wirklich bist, so, wie DU uns begegnen willst: in unserem Nächsten.

So wie sie, unsere Nächsten bist DU für viele von uns fremd und fern geworden. Wir verstehen nicht. Aber wir wollen an DIR festhalten.

Wir wollen einstimmen in den Lobgesang, der DIR zu Ehren von alters her erklingt. Weil Menschen sich zu allen Zeiten daran erinnern: DU führst durchs finstere Tal und deckst uns den Tisch im Angesicht unserer Feinde. DU salbst unser Haupt. Und lädst uns zum Leben ein. DU schenkst uns voll ein. Schon mitten im Untergang. Und lädst uns damit zur Feier des Lebens schon JETZT ein. Darum bekennen wir mit dem Beter aus alter Zeit, gegen alle Zeitströmungen dieser Zeit schon jetzt:

„Jauchzet Gott, alle Lande! / 2 Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich! 3 Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht. 4 Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen. Sela. 5 Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern. 6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land, / sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen. 7 Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, / seine Augen schauen auf die Völker. Die Abtrünnigen können sich nicht erheben. 8 Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, 9 der unsere Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.“ (aus Ps.66)

Bewahrt und gehalten. Im Leben. Im Sterben. Im Gelingen. Und in der Krise.

Darum: „Ehre sei GOTT in der Höhe und auf Erden Fried den Menschen ein Wohlgefallen.

Allein Gott in der Höh´ sei Ehr
Und Dank für seine Gnade,
Darum daß nun und nimmermehr
Uns rühren kann kein Schade.
Ein Wohlgefalln Gott an uns hat;
Nun ist groß Fried ohn Unterlaß,
All Fehd hat nun ein Ende.“

Es ist das Vertrauen auf Gottes Wirken, das uns in unserem Leben die Kraft verleiht, weiterzugehen,

auch, wenn das Tal dunkel wird.

Es ist das Vertrauen auf Gottes Wirken, das uns daran festhalten lässt, dass ER das Werk SEINER Hände dem Verfall nicht preisgeben wird.

Es ist das Vertrauen auf Gott, das uns darin sicher macht, dass ER uns Hilfe und Rettung schicken wird.

Zur rechten Zeit. Es ist das Vertrauen in Gott, dass uns dadurch fähig macht, weiterhin einzutreten für die Schöpfung, die ER uns anvertraut hat. Amen.

Wenn Sie mögen, singen Sie mit. Vielleicht unterstützt von einer Datei auf Youtube o.ä.: Gott gab uns Atem, damit wir leben…

Link: https://www.youtube.com/watch?v=ThOZayivG-k

Gnade sei mit uns. Und Friede. Von GOTT unserem Vater. Und unserem HERRN, Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Lesenden in nah und fern!                  Dieser Sonntag „Jubilate“ neigt sich schon dem Ende zu, während ich diese Zeilen schreibe. Es war ein vergleichsweise „stiller“ Sonntag für mich. Noch immer kein gemeinsamer Gottesdienst. Kein Orgelspiel. Kein gemeinsamer Gesang. Ja, noch nicht einmal ein ganz zartes selbst angestimmtes Lied.  Selbst das statthabende Glockengeläut von 9:30h bis 9:45h heute Morgen habe ich irgendwie nicht mitbekommen.

Stattdessen Stille soweit das möglich war und ist. Beim Aufwachen mein Blick aus dem Fenster. Hinein in den Himmel. Zuerst eine geschlossene Wolkendecke. Noch einmal umdrehen. Wieder ein Blick in den Himmel. Viel, viel Blau. Aber wieder zunehmende Wolken. Da ist ein kleines blaues „Loch“ von Wolken umgeben. Mein Blick heftet sich an ihm fest. Um mich herum Ruhe und Stille. Und es dauert. Und dauert. Um zu erkennen, wie das Blau des Himmels langsam von sich verändernden Wolken bedeckt wird. Aber: Nicht weit davon tut sich dafür der Himmel auf und zeigt sein Leben einladendes Blau. „Jauchzt Gott alle Lande! Lobsingt zur Ehre SEINES Namens! Rühmt IHN herrlich!“ Auch – und manchmal vielleicht gerade – in der Stille!

Diese Stille. Ich nehme sie mit hinein in das Nachdenken über den eigentlichen Predigttext dieses Sonntags. (Johannes 15, 1 – 8) Der Weinstock und die Reben. Wie oft habe ich mich schon an ihm abgemüht. Mich gegen dieses „entweder – oder“ gestellt und gewehrt. Nein, es ging mir dabei nicht um ein „sowohl – als auch“.

Aber durchaus darum, dass ich es nicht glauben kann und will, dass DER, DER für alle das Leben erkämpft hat, einen verloren gibt. Egal, wie dieser zu IHM steht. Zu sicher bin ich, dass das letzte Wort DESSEN, DER durch den Tod ins Leben gegangen ist, für jeden von uns ein Wort der Gnade ist. „Wahrlich, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Kurz danach Stille. Und dennoch unendlicher Jubel. Jubel aber, den wir eben nur in der Stille hören können. Diese Stille. Ich nehme sie mit hinein in die Erinnerungen an zwei Hochzeiten, bei denen sich das Brautpaar genau diesen Text als das Evangelium ausgesucht hatte, das sie nicht nur durch diesen Tag, sondern auf den zukünftigen gemeinsamen Wegen ihres Lebens begleiten sollte. Der Weinstock und die Reben. Meine Bilder dazu. Weinpflanze. Sie gedeiht eigentlich nur, wenn man sie paarig anlegt. Sie hegt und pflegt. Ja, und auch immer wieder einmal beschneidet und zur rechten Zeit aberntet. Sicherlich braucht es auch den richtigen Boden und die entsprechende Umgebung, um irgendwann ausreichend gehaltvolle Weine abfüllen zu können. Der alte Schlossberg in Arnsberg, wo ich zuletzt junge Weinpflanzen gesehen habe reicht dafür möglicherweise doch nicht aus. Selbst wenn dort vor allem resistente Rebsorten angepflanzt werden. —-

Wie lange mag es dauern, bis wir gegen manches, was uns im Leben als Herausforderung begegnet, derart resistent werden, dass wir es nicht verachtend beiseiteschieben, uns aber auch nicht von ihm in unserem Dasein und Sosein so beeinflussen lassen, dass unser je eigenes Leben Gefahr läuft, nicht mehr wirklich gelebt werden zu können?! Denn ja! Wir sind eingeladen zum Leben. Zur Feier des Lebens. Denn: „Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, 9 der unsere Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.“ Mitten in jeglicher Untergangsstimmung ist uns Lebenssicherheit verheißen. Und dort, wo kein Lobgesang angezeigt zu sein scheint, stimmt die Stille ihren ganz eigenen Lobgesang an.

Stille. In unterschiedlichen Facetten. Manchmal unterbrochen. Schon vor den ersten Unterbrechungen heute Morgen nehme ich ein Buch mit hinein, das mich durch diesen ganzen Tag begleitet. Margot Käßmann: „SEHNSUCHT nach Leben“. Wie viele der hier beschriebenen Gedanken und dargestellten Bilder wecken ganz eigene Gefühle in mir. Gestern, als ich zum ersten Mal in dieses Buch hineingelesen habe, bin ich auf der ersten Seite das erste Mal ins Stocken geraten. Als ich las: „Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben“.  (1)

Ja! Ich will an eine Zukunft glauben, der ich frei entgegen gehe. Ohne aber die Wurzeln vergessen zu haben, die mich halten und tragen. Denn ohne sie bin ich wie ein Blatt im Wind. Schon im Flug dem Verfall anheimgestellt.  Und dann kommt jenes Kapitel, von dem ich denke, das kannst Du schnell überlesen. SEHNSUCHT nach Freiheit. Habe ich nicht alle Freiheit der Welt? Und dann auf einmal: In und aus wie vielen auferlegten und selbstgeschaffenen Verliesen heraus erschaffe und gestalte ich eigentlich mein Leben? Ordne mich unter. Schweige, wo ich reden könnte und sollte. Lasse mich bestimmen, fremdbestimmen, wo ich gerne einen ganz anderen Weg gehen würde. Schweige. Aus Angst. Aus Bequemlichkeit. Aus Scham. Dabei bin ich doch eigentlich vom Grund auf berufen zu der Freiheit, „selbständig zu denken, mich nicht durch vorgegebene Regeln und Normen anderer begrenzen zu lassen und die Freiheit, Neues zu wagen.“(1)

Ja, ich darf meine Füße in einen neuen, unbekannten, weiten Raum zu setzen. In der berechtigten Hoffnung, die Wege auch dort nicht allein gehen zu müssen. Sondern immer wieder einen Hinweis zu finden, der mich auf den Weg zum Ziel hinführt. Selbst wenn ich mich einmal schwer verlaufen habe. Denn: „Wer an Gott glaubt, darf das eigene Leben leben, ohne sich von Vorgaben, Ideologien, Maßstäben, Gesetzlichkeiten anderer bevormunden zu lassen.“ Denn: „Wir sind zuallererst frei, weil Gott uns liebt.“ (1)

In meiner Stille dieses Sonntags, der zu lautem Jubel und Lobgesang einlädt, blicke ich wiederholt auf die Bilder, die das Kapitel „Sehnsucht nach Freiheit“ einrahmen. Eine ganze Seite dunkles Blau. Am Anfang ein schmaler Spalt, durch den das helle Licht der Sonne, eines – wie auch immer gearteten Lichtes – hereinstrahlt. Ein Spalt, der sich nach und nach Bahn bricht. Dessen Licht im Wesentlichen den Raum erfüllt. Ohne ihm seine Grundfarbe, sein Grundbefinden zu berauben. Auch wenn er es verändert. Die Farben erinnern mich an die Patena. Die Mutter Gottes in ihrem blauen Mantel. Und den gekreuzigten Sohn, meinen Heiland, den sie nach seinem Tod in den Händen hält. Stille. Trauer. Leben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem HERRN. Amen.

 

Es müssen, Herr, sich freuen von ganzer Seel und jauchzen hell, die unaufhörlich schreien: »Gelobt sei der Gott Israel‘!« Sein Name sei gepriesen, der große Wunder tut und der auch mir erwiesen das, was mir nütz und gut. Nun, dies ist meine Freude, zu hangen fest an dir, dass nichts von dir mich scheide, solang ich lebe hier.

Herr, du hast deinen Namen sehr herrlich in der Welt gemacht; denn als die Schwachen kamen, hast du gar bald an sie gedacht. Du hast mir Gnad erzeiget; nun, wie vergelt ich’s dir? Ach bleibe mir geneiget, so will ich für und für den Kelch des Heils erheben und preisen weit und breit dich hier, mein Gott, im Leben und dort in Ewigkeit.

Lasst uns alles, was uns bewegt zusammenfassen in den Worten, mit denen schon unser HERR gebetet, die ER uns überliefert hat, in denen alle unsere Bedürfnisse aufgehoben und ausgesprochen sind und die uns verbinden mit unzähligen Menschen auf der ganzen Welt:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille, geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen.

1) Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht,
wer auf die Hand des Vaters schaut, sich seiner Obhut anvertraut,
der spricht zum Herrn voll Zuversicht: Du meine Hoffnung und mein Licht,
mein Hort, mein lieber Herr und Gott, dem ich will trauen in der Not.

2) Er weiß, dass Gottes Hand ihn hält, wo immer ihn Gefahr umstellt;
kein Unheil, das im Finstern schleicht, kein nächtlich Grauen ihn erreicht.
Denn seinen Engeln Gott befahl, zu hüten seine Wege all,
dass nicht sein Fuß an einen Stein anstoße und verletzt mög sein.

3) Denn dies hat Gott uns zugesagt: Wer an mich glaubt, sei unverzagt,
weil jeder meinen Schutz erfährt; und wer mich anruft, wird erhört.
Ich will mich zeigen als sei Gott, ich bin ihm nah in jeder Not;
des Lebens Fülle ist sein Teil, und schauen wird er einst mein Heil.

Der Herr segne Dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir seinen Frieden. Amen.

Anmerkung:

Margot Käßmann (Autorin): Sehnsucht nach Leben, Mit Bildern von Eberhard Münch. adeo, 2. Auflage 2015, Klappenbroschur, 176 Seiten, Preis: antiquarisch