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Drüggelter Kapelle am Möhnesee

 

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1968 – damals und heute, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

Zu: Claus Koch: 1968, Drei Generationen – eine Geschichte, Gütersloher Verlagsheus, Gütersloh 2018, 285 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-579-08655-2, Preis: 22,00 Euro

Claus Koch, geboren 1950, Psychologe und ehemaliger Verlagsleiter (Beltz), ist zweifelsohne ein Zeitzeuge der Ereignisse von 1968 und danach. Der Anfang des Buches überschneidet sich ein wenig zu deutlich mit einigen Untersuchungen über Kriegskinder und – Enkel, weil dies eben die Altersgruppe ist, die 1968 zu den Akteuren zählt. Die Erziehungsideale des Nationalsozialismus prägen zweifellos noch die Kindheit und Jugend in der frühen Nachkriegszeit.

Der zweite Teil des Buches kommt dem Thema 1968 am nächsten. Hier gibt Claus Koch zu verstehen, dass 1968 auch in Deutschland Teil einer weltweiten Bewegung ist, ja vielleicht sogar das erste global vermittelte Ereignis. Für uns sind die Erfahrungen in Deutschland zwar prägend, aber ohne den internationalen Kontext nicht verständlich. In Amerika beginnt die Open-Air-Kultur der sechziger Jahre. Der Kulturprotest im Stil von „Gammlern und Hippies“ von der politischen Stimmung kaum zu trennen. Politische Impulse aus Amerika lassen sich bis nach Deutschland verfolgen.

Dennoch hat jeder Protest auch seine nationalen Aspekte. Im deutschen Kontext ist interessant, die Studentenbewegung auch in einer Schüler- und Fachhochschulbewegung zu sehen. (Persönlich: Die erste Demonstration, an die ich mich erinnern kann, war eine Demo der FH-Studenten in meiner Heimatstadt Iserlohn. D. Rez.).

Auch der europäische Kontext im Jahr 1968 ist für Deutschland prägend. Noch vor der sowjetischen Invasion in der CSSR spricht Rudi Dutschke auch in Prag. Stärker als Berlin ist sicher Paris, kein Dutschke ohne Daniel Cohn-Bendit (Paris).

Im dritten Teil berichtet Claus Koch von der auf die Jahre um 1968 folgende Politisierung, aber auch auf das neue Denken in der Pädagogik angeregt von den Projekten der „antiautoritären Erziehung“.

Zu schnell landet Claus Koch m. E. In der Zeit vor 1989 und moniert das „Versagen der Linken“ in der Gegenwart.

Die Leitfrage am Ende des Buches ist die der Folgen der 68iger Bewegung hinein in die Welt der Kinder und Kindeskinder.  Am Ende stellt Claus Koch fest, dass Protest und Postmoderne nicht als Gegensatz verstanden werden dürfen: „Für universelle Menschenrechte einzutreten, gegen die Zerstörung der Welt zu protestieren, gegen Flucht und Elend anzukämpfen bedeutet noch lange nicht das Ende des freien Individuums. Es geht vielmehr darum, dass das wirkliche, das unverfälschte, selbstbestimmte Leben, die Hoffnung und zugleich die eigene Würde wieder in den eigenen Kopf zurückkehren.“

Ontologie mal anders. Rezension von Konrad Schrieder, Hamm 2018

Zu:: Rainer Marten: Denkkunst. Eine Kritik der Ontologie, Um ein Nachwort erweiterte Neuausgabe, Verlag Karl Alber, Freiburg/München 2018, 311 S., Softcover, ISBN 978-3-495-48872-0, Preis: 32 Euro.

Nach dem Ende der großen ontologischen und metaphysischen Entwürfe im 20.Jahrhundert geht Rainer Marten, emeritierter Professor für Philosophie an der Universität Freiburg i.Br., einen ganz eigenen Weg. Schon Karl Rahner hatte sich mit seinem transzendental-metaphysischen Ansatz von der traditionellen Deduktion apriorischer Gegebenheiten gelöst, verblieb aber im Gegenüber von Subjekt und Objekt. Marten löst sich aus dieser Spannung als der Bedingung für erkennendes Sein.

Als logosbegabtes Wesen trägt der Mensch dieses Sein vielmehr in sich selbst und bringt es und damit sich selbst zur Sprache. „Denken und Gedachtes unterscheiden sich nicht mehr als Subjekt und Objekt, weder herrscht die Subjektivität noch die Objektivität vor.“ (S. 115).

Dabei beruft sich Vf. auf Heidegger, Platon, aber auch den idealistischen Freiheitsbegriff Schellings. Die herrschaftsfreie Relation zwischen Subjekt und Prädikat eröffnet den Blick für einen diskursiv-intersubjektiven Austausch. Der Ontologe als Welterklärer und Orientierungshelfer (S. 16, 30 u. ö.)hat ausgedient; ein rein formal-wissenschaftliches Verständnis der Welt hat nicht nur Engführungen erzeugt, sondern auch in die Einsamkeit geführt, die durch die Wiederentdeckung des Mythos aufgebrochen und in die Freiheit entlassen werden können.

Der Mensch als denkender (endlicher) Geist ist zugleich setzendes Subjekt. Das Endliche ist kein zu übersteigendes Aposteriori (185), sondern es erscheint in seiner besonderen Ausprägung als ein Teil des Unendlichen (233).

Dementsprechend ist Gott, der nie vollständig erfasst werden kann, nicht an das Sein gebunden, er ist nicht einmal das absolute Sein, sondern der „Katalysator“ (235) zwischen Hohem und Tiefen, zwischen Endlichem und Unendlichem, der das Zusammenspiel beider Seiten in sich birgt. Das Denken des (menschlichen) Geistes ent-birgt (a-letheia) diesen Zusammenhang, bewahrt aber zugleich seinen Zauber, indem es ihn nicht im Blick auf ein absolutes Unendliches entleert. Anders gesagt: Denken ist nicht Seinsdenken, sondern Wesensdenken, und damit Identitätsdenken (266). Damit entspricht das Tun des Noetikers der kreativen Arbeit eines Künstlers. Nicht das fertige Kunstwerk zählt, nicht einmal die Deutung des Künstlers, sondern die Interpretation des einzelnen Betrachters im Austausch mit Seinesgleichen. Nach Platon ereignet sich Wahrheit, wenn das Gedachte mit dem Kunstwerk übereinstimmt. So ist nach Marten „das wahreSein…jeweils gedachtesund vom Denken getroffenes Sein“ (272).

Für die praktischen Implikationen dieses Ansatzes hält Vf. ein anschauliches Beispiel bereit: Blochs Rede von Utopie darf nicht finalistisch als Erkenntnisprinzip, sondern als Stilmittel verstanden werden. Sie ist „kein real gemeintes Versprechen“ in der Endzeit (252), sondern eine Heimat für konkret gemeinte oder gedachte individuelle Ereignisse in ihrer geschichtlichen Gestaltung. Damit entzieht sich die Utopie totalitärem Denken, das, universalistisch verschleiert, seine Opfer fordert.

Denkkunst unterliegt also nicht der Beliebigkeit, sondern dient dazu, „eine eigene Möglichkeit des Denkens wahrzunehmen, …um sich des Denkens selbst anzunehmen“ (282). Sie gibt keine fertigen Deutungen vor, sondern eröffnet den Raum für solche, die immer wieder revidierbar sind.

Der Ansatz Martens wird dem neuzeitlichen Pluralitätsdenken gerecht. Ansichten werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern in einen Dialog miteinander gebracht. Nicht das Ziel führt zum Denken, sondern das Denken versteht sich als zielorientiert. Dieser radikal subjektivistische Ansatz wirft apriorischen Ballast ab und ist betont freiheitsorientiert, die Kritik der menschlichen Urteilskraft wird konsequent weitergeführt.

Das wirft allerdings auch Fragen auf. Wenn Seiendes und Sein nicht mehr qualitativ, sondern nur noch graduell unterschieden werden, verwischt sich dann nicht die Grenze zwischen Wahrgenommenem und Gedachten, ist dann ein „Woraufhin“ überhaupt noch denkbar und – zumal in einer größeren Gemeinschaft – kommunizierbar? Den jeweils anderen in seinem Denken zu verstehen heißt noch nicht, seine Werte zu teilen, auch wenn man sich einer gemeinsamen Geschichte bewusst ist.

Theologisch gesprochen heißt das in Anlehnung an Heidegger: wenn Gott zum vermittelnden Prinzip des individuellen sich um sein Seinsverstehen bemühenden Daseins wird, wird dann nicht doch wieder einem Pan(en)theismus die Tür geöffnet?

Die Krise des Subjekts ging mit dem Auseinanderbrechen der Subjekt-Objekt-Beziehung einher. Das Subjekt musste sich erst wieder neu (er)finden. Das kann nicht geschehen durch das bloße Postulat der Freiheit. Das herrschaftsfreie selbstbestimmte Subjekt hat seine Definitionshoheit erlangt, aber hat es dadurch auch gelernt, sich selber besser zu verstehen?

Predigt über Jesaja 62,6-12, Israelsonntag, Christoph Fleischer, Welver 2018

Die Predigt wird am 10. Sonntag nach Trinitatis 2018 gehalten in Bad Sassendorf und Lohne.

Jesaja 62, 6-12:

O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen.

Die ihr den HERRN erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen,

lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden!

Der HERR hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm: Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, mit dem du so viel Arbeit hattest, die Fremden trinken lassen,

sondern die es einsammeln, sollen’s auch essen und den HERRN rühmen, und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen meines Heiligtums.

10 Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg!

Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg!

Richtet ein Zeichen auf für die Völker!

11 Siehe, der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde:

Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt! Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her!

12 Man wird sie nennen »Heiliges Volk«, »Erlöste des HERRN«, und dich wird man nennen »Gesuchte« und »Nicht mehr verlassene Stadt«.

Liebe Gemeinde,

 

Lassen Sie mich zunächst einmal etwas zur Stadt Jerusalem sagen, bevor ich auf diesen Text eingehe. Der slowenische Philosoph Slavoi Žižek hat einmal einen interessanten Vorschlag gemacht, den er „Jerusalemer Kreidekreis“ genannt hat. Er erinnert an ein Symbol, das in dem Theaterstück von Bertolt Brecht gebraucht wird, vom kaukasischen Kreidekreis. „In alten Zeiten, irgendwo im Kaukasus, treten eine biologische Mutter und einen Stiefmutter vor einen Richter, der entscheiden soll, wem das Kind gehört. Der Richter zieht einen Kreidekreis auf dem Boden, legt das Kind in die Mitte dieses Kreises und fordert die beiden Frauen auf, es an je einem Arm zu packen. Sie sollen nun beide solange an dem Kind ziehen, bis es eine aus dem Kreis herausgezogen hat. … Als nun die echte Mutter erkennt, dass das Kind auf diese Weise verletzt werden würde, wenn man so an ihm in verschiedene Richtungen zöge, gibt sie das Kind aus Mitgefühl frei.“ Aus diesem Beispiel leitet der Philosoph seinen Vorschlag vom Jerusalem Kreidekreis ab: „Jener, welcher Jerusalem wahrhaftig liebt, würde eher darauf verzichten als seine Zerstörung durch den endlosen Zwist zuzulassen.“ (Aus: Slavoj Žižek, Gewalt, Sechs abseitige Reflexionen, LAIKA Verlag, Hamburg 2011). „Predigt über Jesaja 62,6-12, Israelsonntag, Christoph Fleischer, Welver 2018“ weiterlesen

Ohne Wasser kein Leben, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018

Zu: Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers, Roman, Aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein, btb in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München 2018, gebunden, 480 Seiten, ISBN 978-3-442-75774-9, Preis: 20,00 Euro

Die Autorin Maja Lunde hat im letzten Jahr einen Welterfolg veröffentlicht: „Die Geschichte der Bienen“. Insofern klingt „Die Geschichte des Wassers“ wie eine Doublette. Die Antwort auf diese Frage habe ich nicht, da ich den Bienenroman nicht kenne.

Im Anhang des Romans mit dem sachlichen Titel von der „Geschichte des Wassers“ werden Sachbücher zum Thema „Wasser“ und „Klima“ genannt. Der Roman ist dennoch kein narratives Sachbuch, sondern ein Roman, der menschliche Schicksale schildert. „Ohne Wasser kein Leben, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2018“ weiterlesen

Revolte, die kleine Revolution, Rezension von Albrecht und Christoph Fleischer, Rheine/Welver 2018

Zu:

Michael Sontheimer, Peter Wensierski: Berlin, Stadt der Revolte, Chr. Links Verlag, Berlin 2018, ISBN: 978 3 86153 988 9, 445 Seiten, gebunden, Preis: 25,00 Euro

(C.F.) Obwohl ich kein Berliner bin und nur ein paar Mal jeweils einige Tage in Berlin war, ist mir dieses Buch sehr nahe gegangen. Es umfasst einen wesentlichen Zeitraum meiner Biografie, Ereignisse, an die ich mich bewusst erinnern kann von meiner Kindheit an. Hinzu kommt, dass viele der hier erzählten Episoden und Schauplätze in Funk und Fernsehen berichtet worden sind. „Revolte, die kleine Revolution, Rezension von Albrecht und Christoph Fleischer, Rheine/Welver 2018“ weiterlesen