Der Glaube an Gottes Liebe in Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. (eine kurze Dogmatik nach 1. Johannes 4, 16b – 21) Notiz von Christoph Fleischer, Werl 2008

Vergangenheit:

Interessant ist, dass hier von Christi Gebot und Gottes Liebe die Rede ist. Eigentlich müsste es ja Christi Liebe und Gottes Gebot heißen.

Diese Umkehrung ist wichtig, daraus wird die Grundlage unseres Christentums. Das Gottes Gebot ist in seiner Liebe zu verstehen.

Gott gibt keine Gebote mehr um Menschen zu richten, zu verurteilen, zu schädigen, zu verletzen.

Gott sendet seinen Sohn.

Gott schenkt Versöhnung.

Gott ist nun die Liebe.

Die Liebe Gottes ist also die Liebe Jesu Christi.

Viele Menschen verstehen Jesus als den Boten der Liebe.

Sein Leben, seine Passion ist das höchste Symbol der Liebe, das es gibt.

Aber seine Liebe wird für uns nun durch den Glauben auch zum Gebot,

zur Bruderliebe, zur Nächstenliebe, zur Feindesliebe zur Liebe der Menschen und der Schöpfung.

Die Liebe Christi gilt dem Leben in der Gegenwart.

Gegenwart:

Christen leben als Menschen in der Welt.

Christus, der auch als Mensch in der Welt war, ist nun bei Gott.

Christus hat seine Verbindung zu Gott, auf die Menschen im Glauben übertragen. Gott hat seine Liebe zu Christus auf die ausgeweitet, die mit Christus in Verbindung stehen.

Das heißt: Christen leben als Menschen in der Welt,

aber als Glaubende leben sie in Gott, sind weltlich und religiös zugleich.

Religiös zu sein bedeutet, mit der Zukunft von Gott her rechnen.

Unsere Existenz ist geöffnet hin auf die Zukunft.

Zukunft:

Der Glaube zeigt jedem Leben eine Richtung.

Es gibt keinen Glauben, ohne von der Zukunft zu reden.

In der ursprünglichen Verkündigung der Bibel hatte die Rede von der Zukunft die Gestalt des Gerichts.

Die Gerichtsverkündigung schreckt viele Menschen davon ab, zu glauben.

Doch das Symbol des Gerichts zeigt uns eine Zukunftsperspektive auf.

Die Gegenwart steht unter der Verantwortung.

Das Gericht Gottes zeigt, dass wir unser Leben zu verantworten haben.

Die Antwort auf Gottes Liebe haben wir schon zu geben.

Wer seine Mitmenschen nicht liebt, liebt Gott auch nicht.

Aber die Zukunft an sich ist keine Bedrohung, kein Grund zur Angst vor Gott.

Gott verurteilt nicht, weil er die Sprache der Liebe spricht, durch Christus.

Der Glaube an Christus ist der Raum im Menschen, der durch die Liebe Gottes gefüllt wird.

Die Angst verschwindet in der Liebe.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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