Gibt es einen Widerspruch zwischen Bibel und Naturwissenschaft? Christoph Fleischer, Werl 2010

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Psalm 90 (Einheitsübersetzung) und eine mathematische Berechnung

Der ewige Gott – der vergängliche Mensch

1 [Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes.]Herr, du warst unsere Zuflucht / von Geschlecht zu Geschlecht.

2 Ehe die Berge geboren wurden, / die Erde entstand und das Weltall, / bist du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

– Welche Fragen eröffnet diese Aussage? Der Anfang des göttlichen lebens wird hier vor der Entstehung der Erde angesetzt. Die Ewigkeit Gottes beginnt vor der Zeit der Erde. Die Beobachtung, dass sich das Alter der Erde am sichersten nach dem Aller des Bergesteins berechnen lässt, scheint hier schon angedacht. Außerdem gibt es hier eine Analogie, eine Entsprechung zwischen der Abfolge des menschlichen Lebens, das auf Geschlecht zu Geschlecht folgt zu der Existenz Gottes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wichtig ist allerdings: Ich sehe hier keine Seinslehre (Ontologie), sondern schlicht eine Symbolik, die aber mit Inhalt gefüllt wird. Auch ein Symbol muss realistisch und nachvollziehbar sein.

3 Du lässt die Menschen zurückkehren zum Staub / und sprichst: «Kommt wieder, ihr Menschen!»

4 Denn tausend Jahre sind für dich / wie der Tag, der gestern vergangen ist, / wie eine Wache in der Nacht.

– Während das Leben der Menschen sterblich ist, da sie ja bekanntlich zu dem Staub zurückkehren (von Erde bist du genommen…), ist Gottes Zeit die Ewigkeit. Gott ist wenn schon vielleicht nicht unsterblich, dann wenigstens immer da. Eine erneute Analogie lässt uns nun in die Welt der Zahlen einsteigen: Für Gott sind tausend (menschliche) Jahre wie ein Tag. Tausend Jahre sind ein Tag der Ewigkeit. Ein Tag der Ewigkeit ist also so lang wie 365000 Tage. Aber wie lang ist die Ewigkeit denn nun wirklich, denn auch sie ist ja kaum nur ein Tag lang. Hier biete sich wiederum die Analogie Mensch Gott an.

5 Von Jahr zu Jahr säst du die Menschen aus; / sie gleichen dem sprossenden Gras.

6 Am Morgen grünt es und blüht, / am Abend wird es geschnitten und welkt.

7 Denn wir vergehen durch deinen Zorn, / werden vernichtet durch deinen Grimm.

8 Du hast unsre Sünden vor dich hingestellt, / unsere geheime Schuld in das Licht deines Angesichts.

9 Denn all unsre Tage gehn hin unter deinem Zorn, / wir beenden unsere Jahre wie einen Seufzer.

10 Unser Leben währt siebzig Jahre, / und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, / rasch geht es vorbei, wir fliegen dahin.

– Das menschliche Leben dauert also siebzig bis achtzig Jahre. Das ist so etwa die menschliche Lebenserwartung. Kommen wir zurück zur oben genannten Analogie. Die Ewigkeit ist die Lebenszeit Gottes. Da vor Gott tausend menschliche Jahre wie ein Tag sind, ist die Ewigkeit Gottes größer als 80 mal 365 Tage mal 365000. Welche Zahl ist das uns was könnte damit gemeint sein?

11 Wer kennt die Gewalt deines Zornes / und fürchtet sich vor deinem Grimm?

12 Unsre Tage zu zählen, lehre uns! / Dann gewinnen wir ein weises Herz.

– Gottes Ewigkeit ist hat schon vor Beginn der Schöpfung begonnen und wird die Erde überleben, zumindest mathematisch gedacht. Es geht bei dieser Berechnung also nicht um eine bestimmte Zahl, sondern nur um eine symbolische Zahl, ein größer als. Da am Anfang auf das Alter der Erde Bezug nimmt, könnte die berechnete Zahl das geschätzte Alter der Erde von Anfang bis Ende meinen. Es sind bei der Vergleichsgröße 70 insgesamt 9325750000 Jahre. Das ist mehr als das doppelt des Erdalters von Anfang bis heute. Diese Zahl steckt indierekt

13 Herr, wende dich uns doch endlich zu! / Hab Mitleid mit deinen Knechten!

14 Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! / Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.

15 Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast, / so viele Jahre, wie wir Unglück erlitten.

16 Zeig deinen Knechten deine Taten / und ihren Kindern deine erhabene Macht!

17 Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes. Lass das Werk unsrer Hände gedeihen, ja, lass gedeihen das Werk unsrer Hände!

Zusammenfassung dieser Überlegungen: Die Frage ist, in welchem Sinn mathematische Beobachtungen an diesen Text herangetragen werden können. Vordergründig kommen Zahlen nur zweimal vor: Die Bemerkung darüber, dass ein menschliches Leben gewöhnlich 70 Jahre dauert und, wenn es hoch kommt, achtzig. Gegenüber den utopischen Lebensdaten in der Urgeschichte schlicht realistische Zahlen, die auch heute noch als durchschnittliche Lebenserwartung funktionieren.

Die zweite Erwähnung einer Zahl ist eher eine Gleichung bzw. eine Proportion: für Gott sind tausend (menschliche) Jahr wie ein Tag. Aus der Zusammenschau von Zahl (Alter) und Gleichung (1000 Jahre = 1 Tag) lassen sich weitere Schlussfolgerungen ziehen. Die Gleichung lässt sich zuerst auflösen Gott ist ein Tag wir 365000 menschliche Tag. Doch wohin mit dieser Zahl?

Welche Frage, d.h. welche Aufgabe könnte denn der Text enthalten, wozu diese Zahl brauchbar wäre? Wird nicht mit Vers 1 und Vers 2 indirekt die Frage danach erörtert, wie lang die Ewigkeit ist. Antwort 1: Die Ewigkeit ist auf jeden Fall länger als das Alter der Welt. Gottes Leben währte bereits vor der Entstehung der Erde und wird, das ist damit ja auch unausgesprochen gemeint, das Alter der Erde überdauern. Hier ist also eine größer als Funktion vorhanden: Alter Gottes > Alter der Erde.

Die vorhandenen Zahlen deuten daher auf das Alter der Erde insgesamt. Dazu nehme ich das Lebensalter der Menschen und setze dies in Proportion zur Zeit Gottes (des Schöpfers). Die dann entstandene Zahl für Tage wird sodann 1:1 in Jahre übersetzt:

365000x70x365 = 9325750000 Jahre ist hier das Alter der Erde von Anfang bis Ende.

Das Alter der Erde bis heute, die einzig realistisch messbare Zahl wird anhand von Gesteinsproben berechnet („Ehe denn die Berge wurden“ (V.1) und beträgt 4,5 Milliarden Jahre. (Quelle: http://www.waschke.de/twaschke/artikel/alter/alter_1.htm). Der von der Bibel für die gesamte Lebenszeit der Erde errechnete Wert ist also mehr als doppelt so groß. Damit stellt sich natürlich die Frage, ob es überhaupt möglich ist, eine solche Berechnung hier anzustellen. Klar ist: Diese Berechnung hat keinen anderen Sinn als die Verdeutlichung eines Symbols, der Ewigkeit Gottes. Das Denken an die Ewigkeit Gottes muss eine unvorstellbar große Zahl enthalten, die auf jeden Fall auch das fiktive Alter der Erde übersteigt. Dass diese Zahl mehr als doppelt so groß ist wie das heute aus Gesteinsproben errechnete Erdalter halte ich für konsequent. Diese Berechnung ist aber auf jeden Fall genauer und dem Text angemessener als die Berechnung der Kreationisten, die das #Alter der Erde aufgrund eines kleinlichen Biblizismus auf 10.00 Jahre ansetzen. (siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Junge-Erde-Kreationismus). Die Berechnung der Zahlen, die wir vorgenommen haben ist nicht an naturwissenschaftlichen Fakten orientiert, sondern allein an den Zahlen, Gleichungen und Relationen, die der Text anbietet. An dieser Stelle sind Glaube und Naturwissenschaft nicht im Widerspruch!

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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