Islam, ein Referat auf der Insel Borkum 2001, Christoph Fleischer, Dortmund 2001

Die „Beziehung zu Gott“ als Kennzeichen des Islam. (Christoph Fleischer)

Vortrag mit ergänzenden Zitaten vorbereitet für die Familienfreizeit in Borkum und gehalten am 9. 10. 2001 im Familienfreizeitheim Alter Leuchtturm. [1]

Ich beginne mit einer Übung: Auf ein weißes Blatt zeichnen Sie bitte eine Skizze. Diese Skizze soll eine Beziehung darstellen. Dazu können benutzt werden z.b. Pfeile, Kreise, Buchstaben und Symbole. Dafür haben wir maximal 10 Minuten Zeit. Das Thema der Skizze ist: „Meine Beziehung zu Gott“. [2]

Eine gemeinsame Auswertung ist nicht nötig. Vielleicht zeigt eine oder einer sein Blatt und erklärt es. Das Ziel ist gewesen: Jeden und jede zum eigenen Nachdenken über die Beziehung zu Gott zu motivieren.

Dies hat mit dem Islam direkt zu tun. Denn es gibt zwar sicher verschiedene Möglichkeiten über den Islam nachzudenken. Für mich persönlich ist der Zugang des Glaubens naheliegend. Die Worte „Islam“ und „Glauben“ meinen eigentlich fast dasselbe. Muslim sein bedeutet, in liebenden Gehorsam zu Gott zu leben. Wessen Leben in einer Glaubensbeziehung gründet, sei es als Christ, Jude oder Muslim, lebt in Beziehung zu Gott.

„Der Gehorsam gegenüber einer Stimme, die das Individuum durch den Sinn, den sie seiner Existenz verleiht, erhebt, kann, wie der Koran sagt, nur durch freie Entscheidung des Herzens erreicht werden. Diese Stimme ist sowohl die Stimme Gottes als auch die des Propheten, des Helden, des Führers, des Wissenschaftlers, des spirituellen Meisters, des Heiligen oder des Philosophen. In jedem Fall gibt eine optimale Kommunikation zwischen zwei Gewissen, zwei Subjekten. Es kommt zu einer Verdichtung dessen, was Marcel Gauchet die „Sinnschuld“ nennt: ich verdanke den wahren Sinn meines Daseins einer Autorität, die zu einem Führer wird und der zu gehorchen ich zustimme. …Das ist genau die Art von Verbindung, die ich in Bezug auf den Islam Abrahams analysiert habe. Die geoffenbarten Religionen führte die Auffassungen vom Bund als Sinnschuld ein, innerhalb derer Autorität und liebender Gehorsam sich gegenseitig vollständig bedingen und einander wechselseitig anerkennen. Eine Macht ist nur dann legitim, wenn sie im Rahmen eines solchen Bundes ausgeübt wird. Was diesen Punkt betrifft, sehe ich keine Unterschiede zwischen Judentum, Christentum und Islam…“ [3]. Dieser Behauptung sollte man nicht vorschnell widersprechen, auch wenn der Begriff „Gehorsam“ heute nicht mehr so im Christentum verstanden wird und der Begriff „Führer“ aus begreiflichen geschichtlichen Gründen ausfällt. Ich denke, um das Glaubensverständnis zu begründen nur an das Lied: „So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt. Wo du wirst gehen und treten, dann nimm mich mit.“

I. Kurze Einführung in den Islam.

Die verschiedenen Gestalten der Religionen sind geschichtlich geworden und trotz des gleichen Grundverständnisses im Einzelnen doch mit erheblichen Unterschieden behaftet. Es gibt eine Konkurrenzsituation im Verhältnis der Religionen. Daher sollten wir uns als Christinnen und Christen bemühen, wenigstens die Grundgestalt des Islam als der anderen Religion in einigen Grundzügen zu kennen. Dabei sehe ich für die Beobachtung des Islams die Beobachtung des gläubigen Lebensvollzugs und die Lektüre des Korans als die entscheidendsten Merkmale an. Ich denke, dass dies sowohl dem Selbstverständnis dieser Religion entspricht, als auch der äußeren Gestalt dieser monotheistischen Religion nahe kommt. Schon darin zeigen sich die Unterschiede. Der Islam hat darin eher eine Nähe zum Judentum. Das Christentum dagegen kann man nicht über einen bestimmten einheitlichen gläubigen Lebensvollzug definieren, dafür sind die Unterschiede der einzelnen Konfessionen zu groß.

1. Den gläubigen Lebensvollzug der Muslime beschreibt man am besten anhand der sogenannten fünf Säulen des Islam [4].
„Die erste Säule ist das Glaubensbekenntnis (Schahada). Es ruft die Muslime weltweit zum Gottesdienst und lautet: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer dem einen gibt; ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist.“ Es sind die ersten Worte, die einem Neugeborenen zugeflüstert werden, und die letzten, die ein sterbender Muslim haucht.

Die zweite Säule bildet das fünfmalige tägliche Gebet, dem eine rituelle Waschung vorausgeht, die der inneren Sammlung dient. Zu dem jeweiligen Gebet ruft der Muezzin vom Minarett. Er beginnt viermal mit den Worten „Allahu akbar“ (Gott ist am größten) und endet mit „La ilaha illallah“ (Es gibt keinen Gott außer Gott). Die Gebetsrichtung legt der Koran in der 2. Sure, Vers 150, fest: „Woher du immer kommst, kehre dein Gesicht gegen die heilige Moschee, und wo immer ihr seid, kehret euer Antlitz gegen sie.“

Die dritte Säule ist die Almosenpflicht, die Zakat. Das Wort kommt von „zaka“ und heißt „reinigen“. Man gibt Zakat, um sich von Besitzgier und Hass zu reinigen. Die Almosen fließen ausschließlich von den Wohlhabenden zu den Bedürftigen und können daher dem sozialen Frieden dienen. Wenn auch vom Koran nicht vorgeschrieben, so wird allgemein die jährliche Abgabe von 2, 5 Prozent des Nettovermögens empfohlen.

Die vierte Säule ist das dreißigtägige Fasten, eine der anstrengendsten rituellen Handlungen. Im heiligen Ramadan-Monat ist nur zweimal am Tag des Essen erlaubt, vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Der Monat wird mit einem dreitägigen Ramadan-Fest abgeschlossen. Der Fastenmonat geht auf die Anordnung des Korans zurück, der damit an den Beginn der Offenbarung erinnern wollte. Als fünfte Säule folgt schließlich die Wallfahrt nach Mekka. Wenigstens einmal im Leben muß jeder gesunde erwachsene Muslim nach Mekka pilgern, wenn er es sich finanziell leisten kann. Das Ritual der Hadsch ist umfangreich. „… Heimgekehrt hat jeder Pilger das Recht, sich Hadschi zu nennen. Er genießt als solcher nunmehr ein hohes Ansehen. [5]

2. Die Lektüre des Koran.

Der Muslim befindet sich in ständiger Beziehung zu Gott. In jeder Lebenssituation, allein, in der Familie und in der Gesellschaft fragt er: Was will Gott? Gott ist aber nicht direkt zu erfahren. Das Wissen um den Willen Gottes fassen Muslime in die Vorstellung des himmlischen Buches. Dieses Buch kann kein Mensch lesen, es sei denn, es sei ihm von Gott selbst offenbart. Derjenige, der die Offenbarung empfängt, ist ein Prophet. Der letzte und endgültige Prophet ist für die Muslime Muhammad. Dazu schreibt Mohammed Arkoun: „Rufen wir uns zum Zweck der Orientierung zunächst die islamische Konzeption der Offenbarung in Erinnerung. Sie wird als Tanzil (Herabkunft) bezeichnet; dabei handelt es sich um eine Metapher für den senkrecht nach oben gerichteten Blick des Menschen, der eingeladen ist, sich zu Gott zu erheben. Tanzil bezieht sich auf den Gegenstand der Offenbarung; der Koran spricht außerdem auch von Wahy, womit der Akt der Offenbarung bezeichnet wird, den Gott dem Propheten gegenüber vollzieht. Im folgenden eine Stelle aus dem Koran (Sure 42, Vers 51/51). In der die Mechanismen des Wahy präzisiert werden: „Keinem Menschen steht es zu, dass Allah zu ihm sprechen sollte, außer durch Wahy oder hinter einem Schleier oder indem er einen Boten schickt, den Wahy zu senden auf sein Geheiß, der ihm gefällt; Er ist erhaben, allweise. Also haben wir dir ein Wort offenbart nach unserem Gebot. Du wusstest nicht, was das Buch war noch was der Glaube. Doch wir haben sie (die Offenbarung) zu einem Licht gemacht, mit dem Wir jenen von unseren Dienern den Weg weisen, den wir wollen. Wahrlich du leitest auf den geraden Weg.“ [6] Arkoun ist der Meinung, dass die Begriffe Tanzil und Wahy nicht überbesetzt werden können. Klar ist jedenfalls, dass es schon so gedacht ist, dass nicht nur die Gedanken und der Inhalt, sondern die einzelnen Worte selbst dem Propheten sozusagen wie diktiert worden seien. „So nimmt der Ausdruck Qur’an die Bedeutung einer Rezitation an.“ [7] Die Überlieferungen der Bibel werden als vorhergehende Offenbarungen anerkannt und teilweise sind im Koran auch erwähnt. Manche Gedanken des Korans sind der Bibel verwandt. Bekannte Personen sind Abraham – Ibrahim und Jesus – Isa.

Muhammad, der sich als Schreiber der Offenbarung des göttlichen Buches versteht, hat sich selbst menschlich gesehen, keine herausragende oder hervorgehobene Stellung gegeben. Daher wäre der Ausdruck Mohammedaner für im Muslime im Vergleich zu Christen unangebracht. Aber Muhammad ist doch durch die Schrift der einzige und entscheidende Vermittler des göttlichen Buches und schrieb den Koran als die göttliche Offenbarung nieder. Ursprünglich überliefert Muhammad nur die Suren, die später zum Buch zusammen gelegt wurden. Weitere Schriften mit hohem Rang sind andere Worte und die Lebensberichte Muhammads. Die Lektüre des Korans allein ermöglicht die Erkenntnis des Willens Gottes. Dazu ist dann natürlich nötig, dass die Muslime eine Sinndeutung des Korans versuchen. Die Auslegung ist nötig. Dazu schreibt Mohammed Arkoun: „Wenn man alle analytischen Gesichtspunkte berücksichtigt, muss man zugeben, dass es schwierig ist, den Inhalt des Korans zu beschreiben, denn sobald man den Versuch dazu unternimmt, läuft man sofort Gefahr, in die Verfahrensweise des interpretierenden Korpus zu verfallen und so wieder beim traditionellen Imaginären anzukommen. Darüber hinaus folgt die Reihenfolge der Suren und Verse im Mushaf weder einem chronologischen noch einem rationalen oder formalen Kriterium. Aufgrund unserer westlichen Denkweise, die uns einen Rhetorikaufbau und eine Darstellungsweise erwarten lässt, die mit einem „Argument“ ausgeführt werden soll, überrascht uns der Text des Mushaf durch seine „Unordnung“. Diese „Unordnung“ verhüllt indes eine tiefgehende semiotische Ordnung, woraus sich die Notwendigkeit ergibt, die im Koran verwendeten Redetypen zu ermitteln. Ich möchte hier fünf verschiedene Typen unterscheiden: den prophetischen Diskurs, den gesetzgeberischen Diskurs, den erzählenden Diskurs, den Diskurs der Weisheit und die Hymne. Die Inhalte und Bedeutungseinheiten diese Redetypen sind leicht zu unterscheiden, aber sie sind alle von der Absicht der Offenbarung bestimmt, was sich daran zeigt, dass die Gesamtheit der koranischen Äußerungen der gleichen Struktur grammatikalischer Beziehungen im Hinblick auf das Merkmal der Person folgt: Ein göttliches Ich/Wir spricht in der Form des Imperativs zu einem übermittelndem Du (Muhammad), um das Sie der Menschen zu erreichen, die seinerseits in Ihr, die Gläubigen, und Sie, die Ungläubigen unterteilt sind.“ [8] Mohammed Arkon versteht den Islam daher sozusagen als eine fortwährende Koran – Lektüre, bei der jeder Text des Korans jeweils immer wieder neue Texte hervorbringt. „Jeder Vers kann als Beginn einer kulturellen Lehre dienen..“ [9]
Die fünf Säulen des Islam und die Lektüre des Korans machen einen Muslim und eine Muslima aus.

II. Eine kurze Betrachtung einiger aktueller Begriffe auf dem Hintergrund des modernen Islam und seiner Probleme.

1. Die Umma.

Religion und Politik bilden im Islam eine Einheit. Das war von Anfang an so. Muhammad gründete 622 die Umma in Medina. (Hedschra – Auswanderung von Mekka, Beginn der islamischen Zeit). „Muhammad schuf eine politische Ordnung, indem er unmittelbar und in angemessener Weise einen Symbolisierungsprozess in Gang setzte, durch den jede rechtlich politische – Entscheidung ihre Rechtfertigung und ihr Ziel aus einer lebendigen Beziehung zu Gott erhielt.“ [10]

Nach 632, dem Todesjahr des Muhammad, wurde diese Gemeinschaft der Muslime, die gleichzeitig eine politische Einheit war weitergeführt und ausgeweitet. 100 Jahre danach war die Ausweitung des Islam bis Spanien und Persien abgeschlossen (632 – 661 von Medina, 661 – 750 von Damaskus aus.). Die Schiiten führten die Einheit von Religion und Politik in der Tradition des Propheten und seiner Familie fort. Die Oberhäupter, genannt Imam, waren legitime Nachfolger des Propheten. Die Sunniten trennten Herrschaft und Religion (Königtum und Kalifat) und regierten in Bagdad von 750 bis zum Mongoleneinmarsch im Jahr 1253. Danach wurde der Islam geschwächt und erstarkte erst wieder unter Vorherrschaft des osmanischen Reiches von Byzanz aus.

„Das Kalifat und das Imamat bewarben sich ebenso wie das osmanische Sultanat um einen politischen Raum, der früher Mamlaka genannt und rechtlich und theologisch als die dar al-islam definiert wurde. Die muslimischen Untertanen, die diese Zentralmacht anerkannten, bildeten die Umma, ein Gebilde, das seinem Wesen nach religiös war, weil seine Mitglieder durch eine spirituelle Bruderschaft verbunden waren, die vom Kalifen, dem Imam oder dem Sultan beschützt und erhalten wurde. Das Bewusstsein der Umma war im wesentlichen mythisch.“ [11] Die Umma als Gemeinschaft der Muslime ist im Grunde weltweit und besteht zumindest dort, wo Muslime in der Mehrheit sind. Die nationalen Grenzen sind in ihr faktisch überwunden. Aber ob die Umma wirklich eine umfassende Einheit ist, bleibt dahingestellt.

2. Die Scharia.

Die von Muhammad geschaffene Ordnung bedurfte einer erweiterten Grundlegung über die Offenbarungen des Korans hinaus. Diese Grundlegung konnte wachsen, wenn aus gegebenem Anlass Entscheidungen hinzukamen. „Die Verstaatlichung des Islam äußerte sich in der Schaffung einer Rechtspflege und der Niederschrift eines Gesetzbuches, das schließlich den Rang eines „religiösen“ Gesetzes enthielt, der Scharia.“ [12] Dies ist aber nur die äußere Seite, sozusagen das Resultat. Eine islamische Nation würde man also daran erkennen, dass die Scharia deutlich sichtbar auch im öffentlichen Leben eingehalten wird. Die Scharia regelt im Prinzip den gesamten Lebensalltag. „Außer von den kultischen und rituellen Vorschriften wird die Scharia von allgemeingültigen Rechtsvorschriften geprägt, so zum Familien-, Erb-, Handels, Zivil- und Strafrecht. Sie lassen sie Absicht erkennen, den Islam in die Lage zu versetzen, sich in der Welt jederzeit und an jedem Ort zurechtzufinden.“ [13]

Auf die entstandenen Rechtsschulen einzugehen ist nicht nötig. Die Frage ist allerdings: Wie lässt sich die Scharia in einem modernen Staat verwirklichen? Diese Frage wird in der islamischen Welt unterschiedlich betrachtet. Als herausragendes Beispiel für die Abkehr von der Scharia lässt sich die Türkei nennen. Mit der Ablösung des Sultanats durch Kemal Atatürk wurde der Türkei eine zivile Verfassung nach Schweizer Vorbild gegeben. Die Scharia ist dort nur in den religiösen Kreisen in Geltung.

Das reiche Saudi Arabien dagegen ist doch weitestgehend entsprechend der Scharia organisiert. Für uns ist die Scharia fast ein Schreckgespenst. Wir hören immer wieder von drakonischen Strafen, oder davon, dass ein Deutscher im islamischen Ausland mit Gefängnis bestraft wurde, weil ihm „Unzucht“ vorgeworfen wird. Ich möchte im folgenden einen Abschnitt zitieren, der die Strafen der Scharia näher umschreibt. Ich denke aber, dass man bei der Beschäftigung mit dem Islam eines konkreten Landes immer danach fragen sollte, inwieweit diese Rechtsvorschriften überhaupt angewandt werden:

„Das Strafrecht nimmt in der Scharia zwar nur einen kleinen, aber für westliche Begriffe besonders schwerwiegenden Teil ein. Bereits der Koran legt Strafen fest, die der Erhaltung der islamischen Ordnung dienen sollen. Und er tut es sehr dezidiert. In Sure 24, Vers 2, heißt es zum Beispiel unter anderem: „Wenn ein Mann und eine Frau Unzucht begehen, dann verabreicht jedem von ihnen hundert Peitschenhiebe. Und lasst euch im Hinblick darauf, dass es bei dieser Strafverordnung um die Religion Gottes geht, nicht von Mitleid mit ihnen erfassen, wenn anders ihr an Gott und den jüngsten Tag glaubt.“ An die Stelle des Auspeitschens kann auch – nach der Tradition – die Steinigung treten. Zu den vier weiteren, vom Koran erwähnten Delikten gehören der Alkoholgenuss, Diebstahl (Handabschlagen), Verleumdung wegen Unzucht.“ [14]

Die Straf- und Prozessvorschriften sind allerdings sehr genau und schützen den Täter unter Verdacht (ähnlich des römischen Rechts). Ich habe übrigens irgendwo gelesen, dass der Richter Kadi genannt wird, ein Wort, dass sogar in den alten Sprachgebrauch der deutschen Sprache eingegangen ist. Insgesamt ist wohl in den islamischen Ländern die Tendenz, die strafrechtlichen Teile nicht so anzuwenden, wie beschrieben, das Familienrecht dagegen wird um so genauer beachtet.

Das Problem, das wir westliche Menschen mit der Scharia haben, erinnert uns jetzt aber an das Phänomen des islamischen Fundamentalismus und des Islamismus, der die von der Kolonialherrschaft befreiten Länder des Islam wieder stärker von der Rechtsordnung der Umma geprägt sehen möchten. In der neueren Diskussion gerade nach dem Attentat vom 11. 9. 2001 und seiner religiösen Einbettung in der Vorbereitung der Täter, steht vor allem ein Begriff im Vordergrund: Der heilige Krieg Jihad.

3. Jihad.

Wir erinnern uns an folgende Sätze, die von der Versammlung islamischer Gelehrter in den Tagen nach dem Attentat beschlossen worden sind:

„Diese Schura (Versammlung) der Islamischen Gelehrten fordert von den Islamischen Emiraten (den Taliban), dass Osama Bin Laden Afghanistan freiwillig verlassen sollte, um zu einem geeigneten Zeitpunkt an einen Ort seiner Wahl zu gehen. Die Vereinten Nationen und die OIC sollten die Erklärung von US-Präsident George W. Bush zur Kenntnis nehmen, der mögliche Militäraktionen als Kreuzzug beschrieben hat. Dies hat die Gefühle der Moslems weltweit verletzt und eine gefährliche Situation für die Welt geschaffen.

Wenn Amerika selbst nach den obigen Entscheidungen keine Zurückhaltung zeigt, wird gemäß den Prinzipien der Scharia, des islamischen Rechts, ein Dschihad, ein „Heiliger Krieg“, zur Pflicht. Die gesamte moslemische Gemeinschaft wird diesen unterstützen… Sollte im Falle eines amerikanischen Angriffs ein Moslem aus Afghanistan oder irgendeinem anderen Land mit dem Angreifer zusammenarbeiten und ihm Informationen liefern, muss auch er getötet werden, weil er ein Angreifer geworden ist.“ [15]

Was ist die inhaltliche Begründung für diesen Umgang mit dem Wort Jihad? Nach dem, was ich über den Islam bis hierher notiert und festgestellt habe, gilt allein eine Lektüre und Auslegung des Korans als Meinungsbildung dazu. Der Koran muss herangezogen wird, um den Fall des Jihad festzustellen. Der französische Religionswissenschaftler Arkoun, den ich schon mehrfach zitiert habe, beschreibt das Manifest „Die vernachlässigte Pflicht“ des radikalen Islamisten Muhammad Abd-al-Salam Faraj, der die 9. Sure des Korans heranzieht. Der Verfasser des Manifestes wurde im Zusammenhang der Ermordung des ägyptischen Präsidenten El – Sadat festgenommen und hingerichtet (1982+). Der Text ist für Arkoun ein Beispiel des radikalen Denkens, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er zitiert die Überschriften des Manifestes das in der Beschreibung des Jihad und den entsprechenden Verpflichtungen mündet.

Der Vers 5 der 9. Sure lautet: „Und wenn die verbotenen Monate vorüber sind, dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie trefft, und ergreift sie, belagert sie und legt ihnen einen Hinterhalt.“ Die entsprechende Stelle des Manifestes lautet: „Der Koranexeget Muh-Ibn- Ahmad Ibn Juzayy al-Kalbi sagt: ‚die Aufhebung des Gebotes, mit den Ungläubigen Frieden zu halten, ihnen zu verzeihen, sich ihnen gegenüber passiv zu verhalten und ihre Beleidigungen zu ertragen, geht hier dem Befehl, gegen sie zu kämpfen voraus. Daher ist es überflüssig, die Aufhebung des Gebots, mit den Ungläubigen in Frieden zu leben, in jeder Passage des Korans zu wiederholen. Dieses Gebot, mit ihnen in Frieden zu leben, wird in 114, die sich auf 54 Suren verteilen, erteilt. All diese Verse werden durch die Verse 9,5 und 2,216 aufgehoben.“

Dieses Zitat spricht in doppelter Weise für sich erstens insofern es den Koran heranzieht um die Notwendigkeit des Jihad zu begründen, und zweitens welche argumentativen Klimmzüge nötig sind, um den Vers 9,5 den friedlichen Aussagen des Korans entgegenzustellen. Trotzdem hat diese Argumentation dieses Manifestes hohes Gewicht, da es sich strikt an die traditionellen Regeln der Koranauslegung hält und somit in einer konkreten Situation der Auseinandersetzung Muhammads mit seinen Gegnern einen Präzedenzfall für die heutige Situation erkennt. (nähere Informationen: Arkoun a.a.O., S. 192 – 195).

III. Umma – Scharia – Jihad? Die Antwort des Friedens: Dialog statt Kreuzzug.

Unter den heutigen Bedingungen bekommen Islamisten besonders in armen Ländern oder Slums von Großstädten wie Kairo weiter Zulauf. Der Nah-Ost-Konflikt ist zu den Gefahrenherden zu zählen. Es hat keinen Sinn den gesamten Islam als Feindbild zu konstatieren. Dennoch sind die Gefahren unübersehbar. Kriegsgefahr scheint dann zu entstehen, wenn der Dialog nicht ernsthaft genug gesucht wird. Wer den Islam mit einem Kreuzzug zurück ins Mittelalter drängt, fördert die radikalen Islamisten und gibt ihren Argumenten Futter. Wer den Dialog mit anderen Religionen sucht, kommt um das eigene Glaubenszeugnis ohnehin nicht herum.

Ja im Gespräch mit dem Islam sind wir als Menschen des Buches um so glaubwürdiger, je ernsthafter wir selbst unsere eigene Religion leben und vertreten. Warum dies um so nötiger und ebenso gut möglich ist, hat der Philosoph Jürgen Habermas in seiner Rede bei der Verleihung des Friedenspreises deutlich gemacht. „Aus der Sicht des liberalen Staates verdienen nur die Religionsgemeinschaften das Prädikat vernünftig, die aus eigener Einsicht auf eine gewaltsame Durchsetzung ihrer Glaubenswahrheiten Verzicht leisten. Jene Einsicht verdankt sich einer dreifachen Reflexion der Gläubigen auf ihre Stellung in einer pluralistischen Gesellschaft. Das religiöse Bewusstsein muss erstens die Begegnung mit anderen Konfessionen und anderen Religionen kognitiv verarbeiten. Es muss sich zweitens auf die Autorität von Wissenschaften einstellen, die das gesellschaftliche Monopol an Weltwissen innehaben. Schließlich muss es sich auf Prämissen eines Verfassungsstaates einlassen, der sich aus einer profanen Moral begründet. Ohne diesen Reflexionsschub entfalten die Monotheismen in rücksichtslos modernisierten Gesellschaften ein destruktives Potenzial.“ [16] Habermas konstatiert, dass in der von ihm nach säkularen Gesellschaft Religion Bestand hat, aber nach wie vor unter ständigen Rechtfertigungsdruck steht. Darin sind wir an einer Seite mit Muslimen. Die gläubigen Bürgerinnen und Bürger sind gezwungen, sich selbst in ein öffentliches und privates Bewusstsein aufzuspalten und, so weit es nötig ist, ihre religiösen Überzeugungen in säkulare Sprache übersetzen.

In diesem Sinn sollten wir uns durch den Islam bei uns an die Notwendigkeit der Bibellektüre erinnern lassen. Der erste Glaubensartikel und viele Gottesbilder des alten und Neuen Testaments, die gemeinsamen Traditionen Jesu und Abrahams sind immer neuen Anknüpfungspunkte. Jesus selbst ist ein gutes Beispiel dafür, das eine monotheistische Religion in einer Phase der Modernisierung sehr empfindlich auf Erschütterungen im Ordnungsdenken reagieren kann, das brachte ihn wohl doch ans Kreuz. Trotzdem und gerade deshalb sind seine Dialogansätze wegweisend. Dazu habe ich in meiner Examensarbeit ein kurzes Beispiel mit dem Text Lukas 10, 25 – 37 erarbeitet, dass ich hiermit zum Abschluss zitiere [17]:

„Ein Gesetzeslehrer wollte Jesus auf die Probe stellen und fragte ihn: „Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?“ „Der Gesetzeslehrer hat also von Jesus gehört und möchte ihn testen. Er tut dies, indem er die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt. An der Antwort wird sich zeigen, ob Jesus mit den Juden übereinstimmt oder nicht.

Jesus antwortete: „Was steht denn im Gesetz? Was liest du dort?“ Der Mann antwortete: „Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen, mit deiner ganzen kraft und deinem ganzen Verstand! Und: Liebe deinen Mitmenschen, wie dich selbst!“ „Richtig geantwortet“, sagte Jesus. „Handle so, dann wirst du leben.“ Hat Jesus den Test bestanden? Ich meine: Ja. Indem er den Schriftgelehrten auf das Gesetz verweist, bezieht er sich auf die gemeinsame Bibel. Auch den Spruch von der Liebe zu Gott und zum Mitmenschen erkennt Jesus an. Jesu Antwort ist klar: Wer danach handelt, wird leben. Damit hat er zugleich die Frage an den Schriftgelehrten zurückgegeben. Ist dieser mit seiner Antwort zufrieden? Reicht ihm der einfache Hinweis auf die gottes- und Nächstenliebe?

„Aber der Gesetzeslehrer wollte sich verteidigen und fragte Jesus: ‚Wer ist denn mein Mitmensch?'“ Es ist eine ehrliche Frage, die der Gesetzeslehrer stellt: Gilt das, was im Gesetz steht, für alle Menschen, oder nur für die, die auch die Bibel anerkennen? Es gibt doch Grenzen, meint er. Ich kann doch nicht jeden, ob Israelit oder Heide, gleich lieben.

„Jesus begann zu erzählen: ‚ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho. Unterwegs überfielen ihn Räuber. Sie nahmen ihm alles weg, schlugen ihn zusammen und ließen ihn halbtot liegen. Nun kam zufällig ein Priester denselben Weg. Er sah den Mann liegen, machte einen Bogen um ihn und ging vorbei. Schließlich kam ein Mann aus Samarien. Als er den Überfallenen sah, hatte er Mitleid. Er ging zu ihm hin, behandelte seine Wunden und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier und brachte ihn in das nächste Gasthaus, wo er sich um ihn kümmerte. Am andern Tag gab er dem Wirt zwei Silberstücke und sagte: „Pflege ihn! Wenn du noch mehr brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich zurück komme.'“ Anstelle nun weiter über mögliche Auslegungen des Gesetzes zu spekulieren, erzählt Jesus eine Geschichte aus dem wirklichen Leben. Wo ein Mensch einen anderen wirklich nötig hat, da sind die Grenzen der Religion nicht nur überflüssig, dem Verletzten hilf ein Ausländer; diese Grenzen können sogar die Nächstenliebe verhindern, die Angehörigen des Tempels dürfen sich an einem Toten oder Halbtoten nicht beschmutzen.

„‚Was meinst du?‘, fragte Jesus, ‚Wer von den dreien hat an dem überfallenen als Mitmensch gehandelt?‘ Der Gesetzeslehrer antwortete: ‚Der ihm geholfen hat.‘ >Jesus erwiderte: ‚Dann geh und mach es ebenso.'“

Wenn wir uns an Jesus orientieren, dann ist der für uns der Nächste, der uns zufällig begegnet. In unserm Fall ist es ein ausländischer Muslim. Können wir diesen Bibeltext auf die Begegnung mit Muslimen übertragen?

Ist nicht auch die Hauptfrage, die bei jedem Gespräch zwischen Menschen verschiedener Religionen wichtig ist: „Was ist die Quelle für den Sinn eures Lebens?“ Der Muslim wird auf die Frage antworten: „Gott ist der eine Gott, der ewige Gott. Wer sich ihm im Leben durch Gebet, Fasten und die Art, zu leben, ganz hingibt, der hat den Sinn des Lebens, der ist Muslim.“ Das erinnert mich an das, was Martin Luther zum ersten Gebot erklärt: „Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.“ Auch, was der Gesetzeslehrer aus der Bibel zitiert, könnte fast genau übereinstimmend von Christen und Muslimen gesagt werden: Gott und den Mitmenschen mit seinem ganzen Leben lieben. Es gibt noch weitere Übereinstimmungen zwischen Christen und Muslimen, so zum Beispiel der erste Artikel des Glaubensbekenntnisses: „Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden.“

Und doch wissen wir, dass es grundsätzliche Unterschiede zwischen Christentum und Islam gibt. Der Muslim sagt: „Für uns Muslime ist der Koran das Wort Gottes, das Mohammed verkündigt hat.“ Er fragt: „Warum könnt ihr Christen den Koran nicht anerkennen?“

Wir Christen sagen: „Für uns ist Jesus Christus das Wort Gottes. Er ist die frohe Botschaft für alle.“ Wir fragen die Muslime: „Wenn der Koran schon so viel über Jesus erzählt, warum leugnet er dann die Kreuzigung Jesu? Warum könnt ihr nicht anerkennen, dass er Gottes Sohn ist?“ Die 112. Sure können wir nicht annehmen: „Sprich: Er ist der eine Gott, der ewige Gott; Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt und keiner ist ihm gleich.“

Es gibt Grenzen und Unterschiede zwischen Islam und Christentum, die wir nicht verwischen können. „Wer ist denn mein Mitmensch?‘ fragt der Gesetzeskundige.“ Wir ergänzen die Frage: „Ist der Muslim auch unser Mitmensch? Können wir uns auf das Gespräch mit ihm, dem Andersgläubigen einlassen?“

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeigt uns Jesus, wo unser Mitmensch ist, dem wir die Liebe weitergeben können, die wir von Gott empfangen. Er ist dort, wo wir leben. Wir treffen ihn zufällig, er wohnt in unserer Stadt und in unserem Land. Er ist nicht deshalb unser Nächster oder gar unser Feind, weil er Muslim ist. Die Muslime sind Mitmenschen, die mit uns zusammen leben. Wie kann die Liebe zum Mitmenschen hier bei uns geschehen?

Der Muslim wird uns dann zum Mitmenschen, wenn wir nachbarschaftlich leben; wir lassen uns von ihm zeigen, woher er kommt, wir lassen uns von ihm helfen. Wir sehen, wo die Muslime, die bei uns leben, Sorgen und Probleme haben, und wir können ihnen helfen, wo es in unseren Kräften steht. So können wir uns gegenseitig zum Mitmensch werden. Wir können dann damit rechnen, dass wir von den Muslimen persönlich gefragt werden: „Was ist die Quelle für den Sinn eures Lebens?“

Anmerkungen:

1] Redaktionelle Anmerkung: Die Anmerkungen und Buchzitate sind im Text verzeichnet. Die arabischen Worte schreibe ich groß, soweit es sich um Nomen handelt um sie einzudeutschen, was wohl sinngemäß ist.

[2] Die Begründung dafür, wie ich gerade diese Formulierung ausgewählt habe, wird im folgenden Teil im Grunde dargestellt, in dem ich den Islam von seiner Grundbedeutung her erkläre. Es ist methodisch misslich, dass ich die vorgelegten Skizzen nicht auswerte, aber dies würde ja zu einem eigenen Thema. Im Grunde werden die Teilnehmer danach wissen, ob ihre eigene Vorstellung darüber der Gottesbeziehung der Muslime ähnlich sieht, was ich zum teil vermute. Die Übung entstammt einem Buch: „Zum Beten finden. Bernhard Wilde, Philipp Neßling. 1983, S. 86.

[3] Mohammed Arkoun. Der Islam. Heidelberg 1999. S. 40/41

[4] zugrunde liegt ein Arbeitsblatt dazu, dass ich für meine Examensarbeit „Muslime und Christen in unserer Gesellschaft.“ 1984/85. Verwendet habe. Ich habe es selbst zusammengestellt. Anhang: Arbeitsblatt „Die fünf Säulen des Islam“

[5] Den Text zu diesen religiösen Grundpflichten entnehme ich der Kürze wegen den Buch Rudolf Radke. Im Namen Allahs. 1994/2000. S. 53/54

[6] M. Arkoun. a.a.O. S. 66

[7] M. Arkoun a.a.O. S. 67

[8] M. Arkoun, a.a.O. S. 79 – 81

[9] M. Arkoun. A.a.O. S. 82

[10] M. Arkoun. a.a.O. S. 47

[11] M. Arkoun a.a.O. S. 59

[12] M. Arkoun a.a.O. … S. 47

[13] R. Radke a.a.O. S. 60

[14] R. Radke a.a.O. S. 63

[15] kopiert am 20.9.2001 aus dem Tagesspiegel

[16] Jürgen Habermas: Glauben und Wissen. Gehalten in Frankfurt am 14. 10. 2001, kopiert von der Web Seite www.boersenverein.de

[17] Muslime und Christen in unserer Gesellschaft. S. 38 – 41. Manuskript des Gemeindevortrags als Examensarbeit 1984. Zitate darin aus der Bibel in der Übersetzung Martin Luthers: Lukas 10, 25 – 37.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Ein Gedanke zu „Islam, ein Referat auf der Insel Borkum 2001, Christoph Fleischer, Dortmund 2001“

  1. Obwohl Sie sich offenbar ein bisschen in den Islam eingelesen haben, ist Ihr Blick auf den Islam völlig verzerrt. Mohammed Arkoun ist ein Außenseiter, jemand der von außerhalb des religiösen Establishments seine eigene Version des Islam entworfen hat. Das ist legitim, sagt aber so gut wie gar nichts über die sunnitischen Orthodoxie aus, der fast überall in der islamischen Welt herrscht. Wo diese nicht herrscht, füllen Islamformen, die in der Praxis ganz ähnlich sind, diese Lücke, wie etwas der zwölferschiitische Islam im Iran und einigen weiteren Ländern, oder die Zaidiyya im Nordjemen oder die Ibadiyya im Oman.

    Befassen sich sich mal mit sunnitischen und schiitischen (und ibaditischen) Orthodoxie.

    Außerdem ist Ihr Blick völlig dadurch verzerrt, dass sie christliche Herangehensweisen auf den Islam übertragen.Der Koran hat beispielsweise einen völlig anderen Stellenwert als die Bibel.

    Lesen Sie doch mal was Kritisches zum Islam, beispielsweise das Dschihadsystem von Kleine-Hartlage oder, wenn sie es klassisch-wissenschaftlicher wollen, die Schriften von Tilman Nagel oder etwas von von Henri Lammens.

    Befassen Sie sich doch mal mit den Taten Mohammeds, der bis heute als nichtkritisierbares Handlungsvorbild aller Muslime gilt und der unzählige Angriffskriege geführt hat, der genozidal einen ganzen jüdischen Stamm (Banu Qurayza) ausgerottet hat, obwohl sich dieser bereits ergeben hatte, der seine Kritiker per Auftragsmord hat beseitigen lassen (Ka’b ibn al-Ashraf, ‚Asma‘ bint Marwan, Abu ‚Afak), der in großem Stile geraubt hat, der gefoltert und versklavt hat, der eine sechs- oder siebenjährige (A’ischa) geheiratet hat und mit ihr Sex hatte, als sie neun Mondjahre alt war und der seinen Adoptivsohn Zaid die Frau ausgespannt hat.

    Außerdem hat er in Sure 9, 29 angeordnet: „Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – (kämpft gegen sie), bis sie kleinlaut (saghiruun) aus der Hand Tribut entrichten!“

    Sure 9 ist eine der letzten und hebt nach dem Prinzip der Abrogation (naskh, al-nasikh wa-l-mansukh) alle friedlicheren Verse auf, die früher verkündet wurden.

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