Liebe – das Wort mit den vier Buchstaben Karen Byrne übersetzt von Christoph Fleischer, 2010

Ich möchte ein paar Worte über ein Wort sagen, dass in meiner Kommunikation zu oft gebraucht wird und zu oft vorkommt. Dieses Wort mag harmlos klingen, mag Leben hervorbringen, Leben bekräftigen oder einfach auch nur ein gutes Gefühl geben. Aber nicht immer nimmt es diesen Weg.

Dieses Wort ist: Liebe. Wir lieben unsere Autos, wir lieben bestimmte Lebensmittel, wir lieben eine bestimmte Mannschaft, wir lieben unsere Familien, wir lieben Prominente, wir lieben unsere Wohnungen, unser Lieblingstier, unser Telefon. Das Problem besteht darin, dass wenn wir jemandem sagen, dass Gott ihn liebt, wir keine Vorstellung davon haben, was wir damit sagen wollen.

Einige meinten, dass die einzige Person, die sie liebte ihr Vater sei, und als er ging, verloren sie den Glauben an die Liebe.
Bei Anderen, deren Mutter ihnen sagt, dass sie sie liebe, diese aber die Versprechen nicht einlösen konnte, mit ihnen zu spielen. Bei ihnen wurde die Liebe enttäuscht.
Andren wiederum versprachen die Freunde, sie zu lieben; doch als diese hinter ihrem Rücken redeten, war die Liebe betrogen.
Einige kennen Liebe als das, was mitten in der Nacht geschieht, womit sie verletzt werden und allein, verschmutzt und veschreckt zurückbleiben. Sie verstehen nicht, warum Liebe verletzt.
Andere hörten, dass sie geliebt sind, wenn sie gute Zeugnisse haben und ihre Aufgaben erledigen. Sie glauben, dass Liebe von Bedingungen abhängt.
Einige Menschen erfahren Liebe zu anderen, weil diese jemanden brauchen, der sie lobt. Die Liebe benutzt sie.

Die Liste des Missbrauchs dieses Wortes ist lang. Aber Liebe ist noch etwas Anderes. Die Bibel sagt, dass Gott uns liebt, aber bis wir diese Liebe spüren, sind es nur pure Worte. Wenn wir das jemandem sagen, dessen Sicht der Liebe auf Missbrauch beruht, ist es dasselbe, als erzählten wir von jemandem, der ein Spiel gewonnen hat. Es mag interessant klingen, ändert aber nciht fundamental.

Gott jedoch ist klar und eutlich darin, dass er uns sagt, wir sollen ihn mit unserem ganzen Dasein lieben. Er sagt uns ebenso deutlich, dass wir die Menschen lieben sollen. Aber er sagt uns nicht eindeutig, was die Worte „Ich liebe Dich!“ bedeuten, sondern gibt uns Beispiele, wie wir einander lieben können. Wir können geduldig und freundlich sein, vergebend und demütig, bereit, die anderen an die erste Stelle zu setzen und darüber unser Verlangen zurückzustellen. Liebe ist nicht einfach ein Gefühl, sodnern eine Bewegung.

Und um uns herum leben Menschen, die die Bedeutung des Wortes Liebe erst kennenlernen müssen. Es geht nicht um einen Stoff oder einen aktuellen Trend, oder den letzten Freudn oder die letzte Freundin. Allein Gott, der unser Schöpfer ist, der uns so gemacht hat, wie wir sind und wie er es will, und uns so liebt, hat seinen Sohn in diese gebrochene Welt gesant um dort zu leben, der für uns zerbrach, damit wir auferstehen zu einer neuen Beziehung zu Gott, um so bestimmt mit Gott zu leben. Liebe heißt nichts, ohne zu wissen, was Jesus für uns getan hat. Ohne dies ist „Liebe“ ein leeres Wort, das oft genug zu Boden fällt. Gott sandte… Jesus starb… Worte des Handelns, keine Gefühle.

So lebe den heutigen Tag als ein Beispiel für Deine Liebe, jeder nötig hat… Sie wissen nicht, was ihnen begegnet.

Anmerkung: Ich habe diesen Text gelesen, weil er offen und ungeschönt die Tatsache des Missbrauchs angesprochen hat und dem den oberflächlichen Umgang mit dem Wort Liebe in der Gesellschaft entgegen gestellt hat. Es ist in der Tat eine andere Qualität und weist auf eine andere Qualität hin, zu wissen, von Gott geliebt zu sein. Das uns diese ERfahrung das Evangelium von jesus Christus vermittelt ist ebenfalls vom Glauben her klar. Wichtig ist aber hier der Realitätsbezug. Ds Bekenntnis, die Verkündigung kann niemanden überzeugen, wenn er oder sie nicht Beispiele des liebenden Handelns erlebt, die vielleicht andere Erfahrugnen in einem anderen Licht sehen lassen. Die Verkündigung der Liebe Gottes ist nur vor dem Hintergrund der Missbauchserfahrung nicht wirklich als Liebe zu deuten. Erst konkrete Beispiele dieser Hingebung werden es ermöglichen, dass die Menschen diese Botschaft auch nachvollziehen können. Dass Liebe aber nun grundsätzlich nur als Tat und Handlung und nicht als Gefühl gelebt werden soll, vermag ich allerdings nicht nachzuvollziehen. Dass dieses Gefühl die o. g. Regeln des Respekts zu beachten hat, versteht sich von selbst. Wichtig an diesem Text ist, dass es darum geht, Menschen andere Erfahrungen zu vermitteln als die des Missbrauchs und der Enttäuschung und dass dies zuerst durchs Handeln und dann erst durch die Predigt zu vollziehen ist.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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