Annette von Droste-Hülshoff – Präsentation – Christoph Fleischer Werl 2009

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Die Präsentation über Annette von Droste-Hülshoff stellt die wichtigsten biographischen Daten dieser Dichterin heraus und hat darüber hinaus das Bestreben, sie auch als „Theologin“ zu würdigen.

Die Bezeichnung „schwacher Glaube“ greife ich aus einem anderen Zusammenhang auf:

„Stärk‘ in mir den schwachen Glauben!“. Ein theologischer Traktat zur Ortsbestimmung kirchlichen Handelns. Christoph Fleischer Werl 2008

Mir ist an einem zufällig entdeckten Gedicht aufgefallen, dass sie den Begriff „schwach“ im Zusammenhang des Glaubens ausdrücklich verwendet.

Da Annette von Droste-Hülshoff in einem ständigen Kontakt mit einem Mitglied des „Hermes“ Kreises der katholischen Aufklärung stand, ist anzunehmen, dass sie die Bearbeitung ihrer geistlichen Gedichtes sehr bewusst theologisch reflektiert hat.

Einige Abbildungen Annette von Droste-Hülshoffs sind schon allein von Briefmarken her bekannt.

Schon der rege Austausch mit einem Münsteraner Literaturprofessor weckt in ihr den aufklärerischen, heute würde man sagen feministischen Geist. Die Werke Schillers waren ihr von den Leseabenden ihrer Mutter her bekannt, wenn sie sie nicht schon selbst der großen Droste-Hülshoffschen Bibliothek entnommen hat. Professor Sprickmann wechselte nach Breslau. Der Brief, den ihr die gerade 19-jährige hinterher schickte enthielt ein Gedicht, aus dem diese Zeilen genommen sind:

Das Portrait dieser jungen, selbstbewussten Frau zierte vormals den 20 DM Schein. Jeder hat das Bild schon einmal in der Hand gehabt!

Die Familie Droste-Hülshoff gehörte zu den reicheren Adelshäusern um Münster. Die hier sichtbare Kapelle ist im neugotischen Stil erst Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Vorher wurde die Messe in der Bibliothek gelesen. Der kleine Rundgang durch das Museum lohnt sich auf jeden Fall. Wer mag, kann dann auch noch im Restaurant verweilen, das sich im Kellergeschoss befindet.

Der Vater war neben seinem Beruf als Gutsherr noch ein begeisterter Botaniker und Musiker. Die Mutter stammte aus der Familie von Haxthausen, die ebenso  wie die Droste-Hülshoffs dem modernen Katholizismus nahe stand. Gleichwohl achtete man streng auf die Grenzen des Standes. Eine Heirat außerhalb der eigenen Konfessions- oder Standesgrenzen wäre einer Kastrophe gleich gekommen, was Annette von Droste-Hülshoff ja auch noch zu spüren bekam.

Den Vorzug, eine ältere Schwester zu haben, genoss Annette sehr. Beide wurden miteinander erzogen und hatten ähnliche Interessen, wenn auch Annette noch ein wenig draufgängerischer war. Ihr Bruder Werner spielte später als Erbe des Hauses noch eine gewisse Rolle. Der Bruder Ferdinand war kränklich und starb kurz nach seiner Ausbildung im Forstbetrieb.

Die Familie Sprickmann wohnten dem Drosteschen Stadthaus gegenüber und waren quasi Nachbarn. Der Send, damals eher Markt als Kirmes, diente der Familie als Einkaufsgelegenheit. Überhaupt war ein Fußweg nach Münster nicht selten. Das Stadthaus musste allerdings später aufgegeben werden.

Der Bökerhof, das Haus der Familie von Haxthausen und heimat der Mutter sollte später eine entscheidende Rolle spielen. Übrigens spielte die Erzählung von der „Judenbuche“ in jener Region. Annette von Droste-Hülshoff besaß in Westfalen überhaupt eine sehr gute Kenntnis der Landschaft, da sie sich immer auch zu den Menschen des bäuerlichen Standes hingezogen fühlte.

Die Familien besuchten sich im Sommer oft wochenlang. Die Einflüsse des Literaturkreises von Werner von Haxthausen und Wilhelm Grimm  waren daher für die Droste-Töchter sehr wichtig.

Die Großmutter von Haxthausen war sehr religiös und prägte auch die Frömmigkeit ihrer Enkelkinder. Daher verspürte Annette den Wunsch ihrer Großmutter einige geistliche Lieder zu schenken.

Der Bökerhof sollte zu einer großen Liebe und danach zugleich zu einer ebenso großen Enttäuschung beitragen. Der protestantische Dichter und Theologe Heinrich Straube hat das Herz Annettes gewonnen. Doch Annettes Tante ließt zugleich einen anderen, ihren späteren Mann Annette den Hof machen, was auch gelang. Die so in Gefühlsnöte gestürzte erkannte die Intrige erst im Nachhinein und distanzierte sich von ihrem vormaligen Geliebten Straube. Er soll sogar eine Locke Annettes bis zu seinem Tod bei sich getragen haben. Klar ist, diese Beziehung wäre weder standesgemäß noch konfessionell korrekt gewesen.

Der Zyklus geistlicher Lieder, wohl erst am Vorbild der Gedichte Heinrich Straubes angelehnt, wurde im Sommer des Jahres 1820 vorläufig beendet. Der Inhalt war nun nicht mehr so fromm und positiv, dass er der Großmutter zur Erbauung gedient hätte. Ihrer Mutter vertraute Annette jedoch und schenkte ihr (für 14 Tage) eine Ausgabe dieser ersten Form des „Geistlichen Jahres“. Die Mutter nahm die Texte schweigend an sich. Der Kommentar im Brief an die Mutter zeigt jedoch deutlich, aus welcher Geistesrichtung Annette von Droste-Hülshoff diese manchmal sehr schwierigen Gedichte verfasst hatte.

Die folgende Folie zeigt eine kurze Würdigung dieser geistlichen Dichtung:

Den Bökerhof wird Annette von Deroste-Hülshoff nie wieder bereisen. Sie erinnerte sich nun anderer Freundinnen, die sie nach Köln und dann auch nach Bonn führte. Diese Städte waren dann auch bis zu ihrem Tod immer wieder ein willkommener Zwischenstop. Ihre Haltung wird auch im Gedicht über den Kölner Dom deutlich, in dem sie sich kritisch mit der damaligen Dombaueuphorie auseinandersetzt.

Nach dem Tod ihres Vaters, zieht sie gemeinsam mit ihrer Mutter in das Rüschhaus bei Nienberge, kaum 5 Kilometer vom Haus Hülshoff entfernt. Ihr Bruder Werner übernahm Haus Hülshoff und die Stelle des Vaters, was einmal fast zu einem Veröffentlichungsverbot geführt hätte. Es schien, dass sie sich mit ihrer Mutter im Aufenthalt im Rüschhaus abwechselte. Sie blieb im Rüschhaus, während die Mutter im Bökerhof lebte. War die Mutter dagegen dort, dann war Annette auf Reisen.

Der Aufenthalt im Rüschhaus war durchaus auch dichterisch erfolgreich, wenn auch Annette gemeinsam mit der Mutter einige Verwandte zu pflegen hatte. Außerdem half sie bei der Erziehung auf Haus Hülshoff aus.

Doch Annette, die schon als Kind kränklich war, konnte zum Teil auch aus gesundheitlichen Gründen oft wochenlang nicht schreiben.

Die folgende Folie zeigt ihren Münsteraner Förderer, Professor Schlüter, der später erblindete.  In Bonn lebte neben den hier genannten die verwitwete Frau ihres Cousins Clemens von Hülshoffs, der als Jurist dem og. Hermesschen Kreis nahestand. In den Unterlagen taucht nun oft der Name des Bonner Theologen Joseph Braun auf, der für Annette manchmal auf Auktionen antiquarische Gegenstände erwarb, die sie zu sammeln schien. Von einer Beziehung ist hier nicht die Rede, zumal Joseph Braun katholischer Priester war. Die Briefe lassen dies ebenfalls nicht vermuten, wobei schon Annette von Droste-Hülshoff bekannt war, dass ihre Briefe von anderen z. B. ihrer Mutter mitgelesen wurden. Wenn späer Annette von Droste-Hülshoff ihre Arbeit am „geistlichen jahr“ wieder aufnahm, dann wird man damit rechnen müssen, dass sie auch einen theologisch versierten Gesprächspartner gehabt hat.

Professor Schlüter besorgte die Ausgabe des ersten Gedichtbandes bei Aschendorff in Münster.

Ihre ‚Schwester Jenny lebte nicht lange im Rüschhaus, da sie Joseph von Laßberg heiratete und zuest in der schweiz, dann in Meersburg wohnte. Da ihre ersten Kinder Zwillinge waren, war auch die Mutter als Großmutter oft gefragt. Joseph von Laßberg hatte damals eine weithin bekannte Bibliothek, die Annette von Droste-Hülshoff zu mancher Lektüre aber auch zu mancher Schrift inspirierte.

Annette hatte in der Meersburg ein festes Arbeitszimmer und vollendete dort so manche Dichtung, wozu auch ihr neuer Lebensbegleiter Levin Schücking beitrug, der Journalist und Schriftsteller war. Er ermutigte sie auch, das „Geistliche Jahr“ zu vollenden, das aber erst nach ihrem Tod öffentlich herausgegeben werden konnte.

Levin Schücking begegnet ihr 1830 kurz nach dem Tod seiner Mutter als münsteraner Abiturient.

 

Er bemühte sich um Korrektur und Herausgabe ihrer Werke, gab der „Judenbuche“ den Titel und stellte Verbindungen zu Zeitungen her, die der Veröffentlichung von Texten Annettes nicht abgeneigt waren.

Aber auch für seine eigenen westfälischen Heimatdichtungen benötigte Levin Schücking Gedichte Annette von Droste-Hülshoffs.

Das Fürstenhäusle kaufte sie sich vom Honorar für ihr neues Buch, dass bei Cotta in Stuttgart erschien.

Kurz vor ihrem Tod entstanden einige Gedichte von ihrem Krankenlager aus, auch ein Geburtstagsgedicht für Joseph von Laßberg, da sie an der Geburtstagsfeier nicht teilnehmen konnte, sowie diese letzten Worte:

Die Würdigung dieser Dichterin kann man sogar mit ihren eigenen Worten ausdrücken, einem Text der in einem Gedicht des „geistlichen Jahres“ versteckt ist:

Meine Lieder werden leben,
Wenn ich längst entschwand:
Mancher wird vor ihnen beben,
Der gleich mir empfand.
Ob ein Andrer sie gegeben,
Oder meine Hand:
Sieh, die Lieder durften leben,
Aber ich entschwand!

Am fünften Sonntag in der Fasten.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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