Interviews, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2009, zu Uwe Britten: Interviews planen, durchführen, verschriftlichen. Ein Arbeitsbuch, Bamberg 2002

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Schon der Titel des Arbeitsbuches von Uwe Britten zeigt die Gliederung dieser Arbeitsbroschüre an: Planung, Durchführung und Verschriftlichung. Dieser Aufbau wird durch eine eigenständige Einleitung ergänzt, die auch auf die Fragen des journalistischen Dialogs eingeht, die der Kommunikation und verschiedener Interviewarten eingeht. Einige Tipps für die Herausgabe des Interviews als eigenständiges Buch und einer Pannenhilfe schließen das Buch ab. Der Autor Uwe Britten, der auch für seine Jugendbücher „Abgehauen“ und „Crash-Kids“ bekannt ist, zeigt anhand von Erfahrungen, die er selbst mit Interviews gemacht hat, auf, wie die Interviews sachgerecht vorzubereiten und durchzuführen sind.

Der Erfolg hängt sicherlich von einer gründlichen Planung ab. Deutlich ist, dass zuerst zu klären ist, ob es eine bestimmte Person ist, die im Mittelpunkt steht, oder ob sich das Interview von der thematischen Vorgabe her entwickelt. Zur Planung gehört aber auch genauso die Frage, wie der Kontakt herzustellen ist und in welcher Situation und welchem technischen Setting, die Gesprächssituation stattfindet.
Ein größerer Abschnitt gehört der Durchführung des Interviews.
Zunächst kommt es darauf an, Gesprächsatmosphäre zu schaffen, durchaus aber so, dass etwas bei einer akustischen Aufnahme Hintergrundgeräusche vorhanden sind, die aber den Gesprächsablauf nicht beeinträchtigen sollten. Der Interviewer sollte den Ort des Interviews früh aufsuchen, um dort mit den Gegebenheiten vertraut zu sein. Das Interview selbst wird zunächst durch nein kurzes Vorgespräch eingeleitet. Dabei werden technische Fragen geklärt und auch solche, die für das Thema wichtig sind, nur das Thema selbst wird nicht angesprochen. Der eigentliche Gesprächseinstieg wird deutlich markiert.
Das Interview lebt davon, der Interviewer durch seine Fragen das Gespräch lenkt, dabei jedoch auch auf den Gesprächspartner eingeht. Der Interviewer darf sich nicht nur auf seine Fragern konzentrieren, sondern sollte ebensogut zuhören und die Inhalte der Antworten durchdenken. Der Autor zeigt in der Arbeitshilfe auch fehlerhafte Fragen und unterschiedliche Pannensituationen auf, die es zu vermeiden gilt. Offene Fragen sind geschlossenen vorzuziehen, die aber jedoch geeignet sein können, einen Sachverhalt abzuschließen. Weiterhin werden Fragen nach dem Inhalte von Fragen unterschieden, die eher auf die Beziehung eingehen. Manchmal ist es nötig, auch den Kommunikationshintergrund anzusprechen. Fragestrategien lassen die Zeitgestaltung beeinflussen, zum Beispiel um mehr Tempo zu machen oder Ruhe einkehren zu lassen, sowie Sachverhalte zu pointieren oder plastisch zu machen. Zu diesen Sachverhalten werden auch zwei Übungen angeboten, sowie Notfallmaßnahmen empfohlen, für den Fall, dass das Interview scheitern sollte. Wichtig ist noch der Gesprächsabschluss und die Besonderheit eines Telefoninterviews.
Das nächste Kapitel ist der Verschriftlichung von Interviews gewidmet. Hierzu werden wiederum einige Übungen angeboten. Wichtig ist es hierbei, die mündliche Gestalt ein ein wenig zu verlassen und literarische Kriterien walten zu lassen. Das Rohmaterial wird entsprechend bearbeitet, natürlich nur durch Kürzung und nicht dadurch, dass man etwas hinzudichtet. Die Veröffentlichung eines Inerviews ist nur möglich, wenn der Interviewpartner es autorisiert.
Ein Materialteil mit Fortbildungsadressen und einigen Literaturempfehlungen rundet das Arbeitsbuch ab. Es macht neugierig auf die Methode des Interviews und gerade auch darauf, Interviews in Schriftform zu fassen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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