Vergangenheit ist Realität. Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2010

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Zu: Tobias Daniel Wabbel: Der Templerschatz. Eine Spurensuche. Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 2010, ISBN 978-3-579-06547-2, Preis 19,95 Euro.

Was die einen erregt, lässt die anderen kalt. Jedoch, wer Umberto Eco und Dan Brown gelesen und die Indiana-Jones-Filme gesehen hat, weiß, dass das Thema „Der Templerschatz“ dem Thema „Päpstin“ kaum nachsteht. Die Kirche war und ist verwoben in die Belange dieser Welt, das war so und wird auch in Zukunft nicht anders sein. Die Vergangenheit ist nicht vorbei, sondern lebt weiter in Gebäuden, Ausgrabungsstätten, Schriften und Legenden. Goldgräbermentalität einerseits und Verschwörungstheorien andererseits sollten von sachlichem Geschichtsbewusstsein abgelöst werden. Da helfen nur intensive genaue Recherche und mutige Schlussfolgerungen. Beides gibt Tobias Daniel Wabbel seiner Leserschaft. Kein Wunder, dass dann tatsächlich manch einer dieses Buch in 24 Stunden durchliest.

Dieses Sachbuch funktioniert durch einen geschickten Trick wie eine Erzählung. Es ist schlicht eine Roadstory, die hier mit einer sachbezogenen Analyse der an den jeweiligen Stationen anstehenden Fragestellungen durchzogen wird. Wie bei einer Rallye eröffnet sich an jedem der vom Autor besuchten Orte in Frankreich, meist gekennzeichnet durch berühmte und erstaunliche Baudenkmäler, aus der Lösung des dafür genannten Problems eine neue Fragestellung. Dabei werden erstaunlich viele Themen sachkundig bearbeitet. Zur Sprache kommt die Geschichte des Jerusalemer Tempels mit der Bundeslade, die Kreuzzüge, die Geschichte des Templerordens bis zu seiner gewaltsamen Auflösung, die Literatur über den heiligen Gral, der Beginn der Gotik in Frankreich und die Frage, woher der Orden der Tempelritter seinen Reichtum hatte, wie dieser Reichtum eingesetzt wurde und woran der Orden gescheitert ist.

Eine aktuelle Seite dieser Geschichte ist die Nähe des Templerordens zum Judentum. Er setzt sich mit dem Gründer der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux für die sachgemäße Übersetzung der Bibel aus dem Hebräischen ein und nimmt dazu auch Kontakt zu Rabbinern auf. Der Kontakt zum Judentum scheint auch dazu geführt  haben, dass sich der Orden zur Zeit der Kreuzzüge auf dem Tempelberg in Jerusalem ansiedelte. Leider muss allerdings auch das Ketzerurteil mit eben diesem Judaismus zusammenhängen, wobei wahrscheinlich zu Unrecht behauptet wurde, der Tempelorden wäre faktisch zum Judentum konvertiert. Wahrscheinlich hatte die gewaltsame Auflösung nur politische Gründe und hing damit zusammen, dass der französische König den Templerschatz an sich nehmen wollte. Die Auflösung des Ordens gelang, der Templerschatz jedoch war rechtzeitig versteckt worden. Wohin er gelangt ist und worin der Schatz genau bestand, liegt bis heute im Dunklen und wird durch die spannende Geschichte von Tobias Daniel Wabbel aufgehellt.

Wie so oft eröffnet sich am Schluss des Buches eine neue Frage, nämlich die, welche Konsequenzen aus den gesammelten Erkenntnissen wohl folgen mögen. Ich möchte nicht mehr schreiben, um die Spannung, die dieses Buch aufbaut, nicht durch Preisgabe der Pointe vorwegzunehmen. Eins ist klar: Diesem Buch ist ein hoher Platz in den Bestsellerlisten zu wünschen!

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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