Tauferinnerung im Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden in Borgeln, Christoph Fleischer 2011

Liebe Gemeinde, liebe Tauffamilien, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Als ich nach einem Motiv für die Tauferinnerung in dieser Kirche in Borgeln suchte, fiel mir das Motiv dieses Baumes ins Auge, das wir alle nun auf einem kleinen Zettel vor uns liegen haben. Es befindet sich als Deckengemälde über der Empore. Dem kleinen Buch über die Borgelner Kirche kann man entnehmen, dass bei einer Erneuerung des Deckengemäldes im Jahr 1933 dieses Motiv als alte Untermalung freigelegt werden konnte. Es ist wohl um 1200 entstanden und gehört somit zu den ältesten Austattungsmerkmalen der Kirche überhaupt.

Das Deckengewölbe bildet ein Kreuz mit einer Borde von Blütenornamentik. Die freien Felder werden auf hellem Grund von diesen Bäumen gebildet, denen jeweils zwei Tiere zugeordnet sind. Es sind immer ein Vogel und ein Säugetier. Bei den Säugetieren unterscheide ich einen Hund von einer Art Ziege, einem Elch und einem Pferd, die Vögel erinnern an Schwäne oder Enten. Es sind also insgesamt keine besonders gefährlichen Tiere. Eher solche, die zum Umfeld des Menschen gehören. Der Baum hat einen senkrechten Stamm und Blätter, sowie kugelförmige Gebilde. Ich vermute, dass es sich um Früchte handelt.

Erst hatte ich an eine symbolische Übertragung gedacht, die ja auch nahe liegt. Das Wachstum des Menschen lässt sich mit einem Baum vergleichen. Auffallend ist das Fundament auf dem die Bäume jeweils stehen. Zwei klare Linien mit einem kleinen Zwischenraum, also entweder ein Weg oder ein Fluss. Ein Baum steht am Wasser. Um dieses Wasser wird es beim heute in Tauf- und Vorstellungsgottesdienst ja gehen. Die meisten Menschen können sich ja nicht an ihre eigene Taufe erinnern. Aber sie können immer wieder in der Kirche ein Taufe ansehen und dabei auch daran denken, dass sie selbst getauft sind. Dieses Wasser ist nichts anderes als die Gegenwart Gottes, die uns in unserem Leben zukommt. Wir empfangen sie aus dem Wort der Bibel und geben sie weiter, wenn wir sie in Glauben und Liebe praktizieren.

Doch als ich nun noch einmal diesen Baum an der Decke der Kirche sah, musste ich noch einmal innehalten. Warum sind an der Decke der Kirche solche Bäume? Vielleicht war sogar die gesamte damalige Kirche mit diesen Bäumen bemalt. Und da musste ich daran denken, dass man damals die Toten in der Kirche bestattet und  eine Beerdigung gehalten hat. Später war der Friedhof dann immer um die Kirche herum. Jede Kirche stand auf einem Kirchhof, der zugleich Friedhof war. Man konnte sich also vorstellen, dass die Toten von unten auf die Decke der Kirche blicken und dabei diese Bäume sehen.

So betrachtet kann es sich dabei nur um den Baum des Lebens handeln, von dem in der Paradiesgeschichte die Rede ist. Bekanntlich ist es Adam und Eva verboten von diesem Baum zu essen. Und sie tun es auch nicht. Der Baum von dem sie verbotenerweise essen, ist der Baum der Erkenntnis, aber der Baum des Lebens bleibt unberührt, und sie werden aus dem Paradies ja vertrieben, müssen auf der Erde leben, hart arbeiten und unter Schmerzen Kinder gebären. Der Glaube an Jesus besagt nun, dass mit dem Tod Jesu am Kreuz die Menschen mit Gott versöhnt sind und das Tor zum Paradies erneut geöffnet worden ist. Allerdings erst nach dem Tod, als Verheißung des ewigen Lebens wird es den Menschen zu teil, die getauft sind und zu Gott gehören.

Genau dieser alte Glaube ist die Mitte des Christentums, denn diese Verheißung über den Tod hinaus gibt auch dem jetzigen Leben einen Sinn. Unsere Beziehung zu Gott ist endlich wieder in Ordnung. Die Trennung von Gott, die wir als so schmerzlich erfahren, ist nicht ewig. Gott ist auf unserer Seite. Der Glaube gibt die Gewissheit. Die Taufe ist sozusagen die Eintrittskarte in dieses ewige Reich Gottes. Doch wir sollten so leben, dass wir dies nicht wieder eigenmächtig aufs Spiel setzen. „Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt der wird verdammt werden.“ Das soll nun keine Bedrohung sein, sondern eine Aufforderung: Lebt als getaufte Menschen in der sicheren Zuversicht des Lebens mit Gott, dass durch den Tod nicht zertrennt werden kann. In alter Sprache: „Heut schleußt er wieder auf das Tor zum schönen Paradeis. Der Cherub steht nicht mehr herfür, Gott sei Lob Ehr und Preis.“ (Weihnachtslied: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich,… von Nikolaus Hermann, 1560, Evangelisches Gesangbuch Nr. 27).

Das Bild des Baumes, der am Wasser steht, wird im Psalm 1 auf das Leben mit Gott angewandt, daher sprechen wir diesen Psalm jetzt im Wechsel aus dem Gesangbuch.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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