Geschlechterdifferenzierung oder „Gender-Mainstream“ – Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2012

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zu: Axel Dammler: Rosa Ritter & schwarze Prinzessinnen, Was wirklich „typisch männlich“ und „typisch weiblich“ ist, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2011, ISBN 978-3-579-06693-6, Preis: 14,99 Euro

 

Der Autor Axel Dammler versteht sich u. a. einerseits als Mitarbeiter eines Instituts, das psychologisch passende Entwürfe für die Werbung liefert und andererseits als Ehemann und Vater zweier Töchter im Grundschulalter. Er wünscht seinen Töchtern, nicht in die Jungs-Rolle der „schwarzen Prinzessin“ hineingedrängt zu werden. Er selbst siedelt seine Position in der Mitte zwischen reiner Geschlechter-Unterscheidung und dem von ihm in der Bundespolitik verortetem „Gender-Mainstream“ an. Es geht ihm nicht um ein Zurück in die Geschlechter-Trennung der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts und auch nicht darum, die bunte Gender-Vielfalt grau anzumalen. Es geht ihm eher darum festzustellen, dass unterschiedlichen Grundbedürfnissen auch unterschiedliche Angebote zuzuordnen sind, wobei letztlich offen bleiben muss, ob das Geschlecht biologisch definiert wird. Er geht von seiner Berufsrolle als Psychologe in der Werbe-Branche aus und wundert sich, warum das, was dort selbstverständliches Credo ist, in Schule und Gesellschaft z. T. als Tabu gilt. Dennoch eröffnet die Lektüre seine Buches mehr Fragen als es selbst stellt. Gibt es wirklich eine „Mittelposition“ zwischen „Gender-Mainstream“ und der Vorstellung der Geschlechter-Identität? Wie erklärt sich der Widerspruch zwischen der Männer-Dominanz in der Gesellschaft und der Frauen-Perspektive in der „Gender-Mainstream“-Debatte? Ist das Buch auch an Frauen gerichtet und wenn ja, nur an solche, die sich um ihre „Jungs“ Sorgen machen? Werden Männer in Zukunft wirklich nicht mehr gebraucht? Und vor allem zur Kernthese: Lässt sich alles auf den Unterschied zwischen Status-Erwerb und Beziehungspflege zurückführen, und sind das nicht einfach neue Worte für alte Klischees? Sind Frauen wirklich mit einem niedrigeren Gehalt als Männer zufrieden?
Trotz dieser Fragen: Die festgestellte Kluft zwischen Pädagogik einerseits und der Werbe-Branche andererseits bedarf der Bearbeitung, von welcher Seite auch immer. Dazu trägt dieses Buch bei, zudem es anschaulich gestaltet und ansprechend formuliert ist.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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