Die Moral auf der Grundlage der Ethnologie. Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2012

Klaus E. Müller: Die Grundlagen der Moral und das Korn Gorgonenantlitz der Globalisierung, UVK Verlagsgesellschaft Konstanz 2012, (Zweite Auflage; die erste Auflage erschien beim Verlag Otto Lembeck Frankfurt am Main 2012), ISBN 978 – 3 – 86764 -361 – 0, Preis: 29,99 Euro

 

Klaus Müller legt ein sorgfältig ausgearbeitetes Fachbuch über die Moral auf der Grundlage der Ethnologie vor und widerspricht damit über 100 Jahre später der Streitschrift Friedrich Nietzsches über die Genealogie der Moral. Das Buch wird nun vom UVK Verlag Konstanz verlegt, weil der renommierte protestantische Verlag Otto Lembeck in der Zwischenzeit Insolvenz angemeldet hat. Ein wenig misslich ist, dass der Autor im zu detaillierten und zu umfangreichen Anfangskapitel die Relevanz der Moral aus der Ethnologie ein wenig umständlich belegt. Dennoch wird gerade damit klar gezeigt, dass nicht die Religion wie auch immer die Erfinderin der Moral ist, sondern dass moralisches gelenktes Verhalten in den wichtigsten Traditionen aller Völker, einschließlich ihrer Religionen, enthalten ist. Parallelen zu biblischen Traditionen werden hin und wieder eingeschoben, drängen sich aber auch sonst auf. Im Prinzip hätte es dem Buch gut getan, wenn die Kapitel, die einzelne konkrete Themen wie z. B. Rassismus und so weiter bearbeiten, den Anfang des Buches gebildet hätten. Das Fazit jedoch ist klar: Die globalisierte Zivilisation hat nicht die Moral begründet, sondern trägt eher dazu bei, wertorientiertes Verhalten aufzulösen. Immanuel Kant lässt grüßen, der die praktische Notwendigkeit der Religion in der Bewältigung eines menschlichen Hangs zum Bösen gesehen hat.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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