Predigt über 1.Petrus 1,3-9, Christoph Fleischer, Werl 2012

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Sonntag Quasimodogeniti, 1. Sonntag nach Ostern

Hoffnung auf eine herrliche Zukunft

3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn* Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns neu geboren und mit einer lebendigen Hoffnung erfüllt. Diese Hoffnung gründet sich darauf, daß Jesus Christus vom Tod auferstanden ist.

4 Sie richtet sich auf das neue Leben, das Gott schon jetzt im Himmel für euch bereithält als einen Besitz, der niemals vergeht oder verdirbt oder aufgezehrt wird.

5 Wenn ihr Gott fest vertraut, wird er euch durch seine Macht bewahren, so dass ihr die volle Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbar wird.

6 Deshalb seid ihr voll Freude, auch wenn ihr jetzt – wenn Gott es so will – für kurze Zeit leiden müßt und auf die verschiedensten Proben gestellt werdet.

7 Das geschieht nur, damit euer Glaube sich bewähren kann, als festes Vertrauen auf das, was Gott euch geschenkt und noch versprochen hat. Wie das vergängliche Gold im Feuer auf seine Echtheit geprüft wird, so wird euer Glaube, der viel kostbarer ist als Gold, im Feuer des Leidens geprüft. Wenn er sich als echt erweist, wird Gott euch mit Ehre und Herrlichkeit belohnen an dem Tag, an dem Jesus Christus sich in seiner Herrlichkeit* offenbart.

8 Ihn liebt ihr, obwohl ihr ihn nie gesehen habt. Auf ihn setzt ihr euer Vertrauen, obwohl ihr ihn jetzt noch nicht sehen könnt. Und darum jubelt ihr mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.

9 Denn ihr wisst, dass euer Vertrauen, euer Glaube, euch die endgültige Rettung bringen wird.

 

Liebe Gemeinde!

 

Was uns hier in der Kirche miteinander verbindet, ist der christliche Glaube.

Ich könnte meine Predigt also so ähnlich beginnen, wie der Verfasser dieses urchristlichen Briefes: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ Vielleicht spüren wir hinter diesen Worten unseren gemeinsamen Hintergrund. Allerdings wird jeder von uns den Glauben in seinen eigenen Worten ausdrücken. Daher habe ich diesen Text, der fast wie ein Gedicht klingt, einmal in ein solches übertragen, was ich nun vorlesen möchte:

 

Gotteslob nach 1. Petrus 1, 3 – 9

 

Lasst uns heut´ mit allen Sinnen

Den Vater Jesu Christi preisen!

Mit seinem Geist wir neu beginnen

Und leben neu in tausend Weisen.

 

Am Anfang steht für uns Erbarmen,

Nicht mehr die alten, bösen Fragen.

Gott selbst läßt nicht im Tod den Armen.

Er hat ihn dort hindurchgetragen.

 

Mit ihm wir jetzt seine Erben:

Und sehen menschlich wir die Blüte.

Auch wenn ein Mensch von uns wird sterben,

Der Himmel zeigt für uns nur Güte.

 

Wir tragen dieses Licht im Glauben,

Um dadurch Gottes Heil zu kriegen,

Wie einst im Kelter alle Trauben,

So werden wir im Himmel liegen.

 

Dein Wort hilft uns und macht zufrieden,

Auch wenn der Alltag ist voll Leiden.

Im Krieg wir glauben an den Frieden;

Die Not soll uns kein` Schmerz bereiten.

 

Und wenn´s so ist, dann, so versprochen,

Trägt er uns durch die Lebensnöte.

Der Zukunftswind weht ungebrochen.

So uns das Leid und Angst nicht töte.

 

Aus solcher Tiefe folgt der Jubel

In himmlisch weiten Herrlichkeiten.

Der Glaubensweg umschließt den Trubel.

Gott will uns jenes Heil bereiten.

 

 

Ein Lied, ein Gedicht gebraucht blumige Worte, die eher die Phantasie anregen. Welche Gemeinsamkeit hat unser heutiger Glaube? Wie können wir uns in gemeinsamen Inhalten finden und treffen? Manche mögen einwenden und sagen: Wo ist denn das Problem, wo es doch genügend Texte aus der christlichen Tradition gibt, die Kirchenlieder Paul Gerhardts, die Worte des Glaubensbekenntnisses oder Martin Luthers im Katechismus, aber auch Texte von Dietrich Bonhoeffer oder Jochen Klepper aus der Zeit des Kirchenkampfes. Doch all diesen Worten ist mit dem Bibeltext gemeinsam, dass sie nicht unsere Worte sind, sondern nachgesprochene Worte. Das sind vorgefertigte Anzüge, die uns passen können, oder nicht. Vielleicht geht es manchen wie mir, dass auch sie Schwierigkeiten haben, solche Texte auswendig zu behalten, weil ihnen die Worte zu fremd und unpersönlich sind, und daher zu wenig in das eigene Denken passen.

Und doch wäre es schön und angemessen, auf diesen Text mit einem Satz zu antworten, mit dem wir die Gewissheit unseres Glaubens ausdrücken können.

Ich nehme dazu einmal das Gerüst dieses Satzes, den ich aus dem 1. Petrusbrief zitiert habe: Gott und Vater, Jesus Christus, Barmherzigkeit, lebendige Hoffnung, Auferstehung Jesu von den Toten.

 

Die Barmherzigkeit ist offensichtlich die einzige Lebensweise, die wirklich zukunftsweisend ist. Vielleicht können wir selbst manchmal nicht barmherzig sein, aber wir wissen, dass man mit Gewalt nicht weiterkommt. Wir wissen, dass Kriege immer Opfer kosten, die dann alle bezahlen müssen. Was Gewalt in wenigen Jahren zerschlägt, kann in Jahrzehnten nicht wieder neu errichtet werden. Vieles bleibt für immer verloren. Die Wunden werden zu Narben, die bleiben. Auch im persönlichen Bereich erzeugen Streitigkeiten solche Verletzungen, die noch später weh tun. Am besten richten wir uns nach der Barmherzigkeit. Wir können es auch deutlich sagen: Wir sind wahrlich nicht nur Opfer, sondern auch oft genug Täter des Unrechts, oder Mitwisser und stumme Nutznießer. Nur durch Barmherzigkeit gehört uns die Zukunft.

Die Barmherzigkeit Gottes schafft Vertrauen. Barmherzigkeit ist eine Grundlage, eine feste Basis. Wenn wir uns verdeutlichen, dass wir Beschenkte sind, dann können wir auch barmherzig sein. Wir können auf die Steigerung von Gewalt verzichten. Allein das ist ja wirkliche Stärke. Wer auf Nötigung oder Kränkung nur gewaltsam antworten kann, ist ja immer der eigentlich Schwächere. Stark sind nur die, die gewaltlos reagieren können. Gott ist also uns gegenüber stark, weil er barmherzig ist.

Die Barmherzigkeit Gottes, die unser Vertrauen schafft, gibt uns Zuversicht für die Zukunft, hier genannt: Lebendige Hoffnung. Die Farbe der Hoffnung ist grün. Diese Farbe durchzieht unser Lebensgefühl besonders im Frühling. Hoffnung ist das Gegenteil von Trostlosigkeit und Niedergeschlagenheit, Hoffnung ist Mut und Lebensfreude. Aus dieser Hoffnung, aus dieser Zuversicht können wir einander begegnen, und einander respektieren.

Die Barmherzigkeit Gottes, die unser Vertrauen schafft, gibt uns Zuversicht durch ein Ereignis, dass aus völligem Scheitern, ja aus dem Tod ein neues Leben erschafft. Dieses Ereignis des neuen Lebens ist die Auferstehung des Gekreuzigten. Wo ist die Auferstehung des Gekreuzigten mehr als nur eine Glaubensformel? Sie ist es dort, wo innerhalb des Glaubens der Gekreuzigte als der Auferstandene erfahren wird. Selig sind jene, die nicht sehen, und doch glauben. Christus erneuert seine Gemeinde. Christus lässt Christen Christi Kirche sein, indem sie miteinander Abendmahl feiern und durch die Taufe Christinnen und Christen gewinnen.

Und so müsste man diese Worte als unseren gemeinsamen Glauben zusammenfassen:

Wir haben in Worten und Zeichen erfahren, dass der gekreuzigte Jesus Christus im Glauben lebendig ist. Sein Leben im Geist lässt uns die Barmherzigkeit Gottes spüren, die unser Vertrauen schafft. Gottes Gegenwart gibt uns Zuversicht für ein neues heilvolles Morgen, da sie aus dem Tod Leben hervorbringen kann.

Wenn wir diesen Glauben erfahren, dann erleben wir Ermutigung und Stärkung. Der Glaube macht also aus Mutlosigkeit oder sogar Trauer, Freude und Optimismus. Der Glaube an die Auferstehung ist nichts anderes, als positives Denken.

Wenn Petrus den verstreuten Christinnen und Christen in Erinnerung an den Glauben schreibt, dann erreicht er dreierlei: Stärkung, Bestätigung, Zielorientierung. Diese drei Anstöße können wir als Kirche heute genauso gebrauchen, wie die Christen damals. Die um sich greifende Ratlosigkeit vieler Menschen, aus der auch Orientierungslosigkeit wird, verbreitet die Stimmung der Resignation, die durch die leeren Kirchenbänke noch verstärkt wird. Wenn diese negative Stimmung erst einmal da ist, dann greift sie um sich. Auch wir als Kirche brauchen heute Stärkung, Bestätigung und Zielorientierung.

Zur Stärkung. Im Konkreten geht es im 1. Petrusbrief um das Leiden unter Verfolgung. Klar ist: Das Blut der Märtyrer wurde zum Samen der Kirche. Es gibt nichts glaubwürdigeres als dass Menschen bis zum Tod für ihre Überzeugungen einstehen. Zudem sie dadurch noch Christus dem Gekreuzigten gleich werden und wissen, dass sie im Tod erst recht an seiner Seite sind. Auch wenn solche Opferbereitschaft durchaus auch problematisch ist, kann ich mir die Entwicklung der jungen christlichen Kirche kaum anders vorstellen. Der christliche Glaube ändert die Welt allenfalls durch Ungehorsam. Die Gewissheit des Glaubens wird zur Stärkung der Gemeinde.

Daraus folgt nicht nur Stärke nach außen, sondern auch nach innen, also Bestätigung. Der Glaube wurzelt in der Überzeugung der Auferstehung Jesu Christi, des neuen Lebens durch und in Gott. Im gemeinsame Gebet wird die Gegenwart des Auferstandene auch zu einer gemeinsamen Erfahrung. Wir sind Christi Zeugen. Also geht von der Gemeinde auch die christliche Friedensbotschaft und die Bereitschaft zur tätigen Nächstenliebe aus. Daher wachsen die Werke der Barmherzigkeit, die Sozialarbeit auf dem Boden des Christentums. Im Bereich des Christentums muss sich niemand mit seiner Situation abfinden, sondern findet Hilfe zur Selbsthilfe, um seine eigenen Lage zu verbessern.

Dadurch bekommt jeder Mensch eine Orientierung. Die Gewissheit des gemeinsamen Glaubens ermutigt also jeden zur Zielorientierung. Der Glaube setzt dem Leben jedes und jeder Einzelnen ein gemeinsames Ziel, das des ewigen Lebens, des Reiches Gottes. Das Ziel ist die Erfüllung der Erwartung, die Offenbarung des Geglaubten, die umfassende Herrlichkeit. Vielleicht ist es für uns nicht einfach, dieses Ziel im Alltag vor Augen zu haben, aber ich denke, dass uns die Zielorientierung wichtig sein sollte.

Stärkung, Bestätigung und Orientierung – das sind nur drei Begriffe von einigen mehr, in denen der Glaube, das gläubige Vertrauen im Leben eines Menschen konkrete Gestalt annimmt. Obwohl uns der Predigttext zunächst in die Zeit der ersten Christenheit geführt hat, geht er nun mit uns in die Gegenwart und zeigt uns, dass hier und heute der Geist des Auferstandenen Gestalt gewinnt. Jesus lebt unter uns, indem Menschen, indem wir mit ihm leben und so in seiner Gegenwart Stärkung, Bestätigung und Orientierung erfahren.

Amen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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