Religion im Schulbuch, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2012

Print Friendly, PDF & Email

zu: Ortswechsel 10, Zwischenraum, Evangelisches Religionsbuch für Gymnasien, herausgegeben von Ingrid  Grill-Ahollinger, Sebastian Görnitz-Rückert, Peter Samhammer, Andrea Rückert, Claudius Verlag München 2012, ISBN 978-3-532-70015-0, Preis: ab 19,80 €

Zwischenraum – so lautet das Thema des ersten Abschnitts und der Titel des Religionsbuchs insgesamt für das zehnte Schuljahr an Gymnasien, das für den Religionsunterricht an bayerischen Schulen zugelassen ist (Zulassungsnummer ZN 28/12-G). Es ist also für die Abschlussklasse der Sekundarstufe vorgesehen. Die zwei Bände für die Oberstufe folgen in den Jahren 2013 und 2014.

Der Aufbau und die Zusammenstellung des Unterrichtsbuches ist zwar auf den bayerischen Lehrplan ausgerichtet, kann jedoch auch unabhängig davon einmal betrachtet werden. Die Beobachtungen sollen bzw. könnten dafür als Anregung verstanden werden, um die Reihe, wie vorgesehen, auch für andere Bundesländer zugänglich zu machen.

Der Aufbau der einzelnen Kapitel orientiert sich am Gesamtkonzept und bietet reichlich Platz zur Gestaltung des Unterrichts mit unterschiedlichen Methoden. Ein Teil der Methoden ist am Ende des Buches erläutert, so dass die Schülerinnen und Schüler die Methoden selbstständig wählen können. Weitere Methoden entstammen den vorherigen Bänden, können jedoch auch dem Internet entnommen werden (www.claudius.de/ortswechsel). Die Methodensammlung steht damit im Unterricht zur Verfügung.

Wie Schulbücher von jeher, enthält es eine reichliche Anzahl von Texten, deren Quellen im Anhang belegt werden. Die eigene Arbeit der Schülerinnen und Schüler wird durch einen Lexikonteil im Anhang unterstützt. Obwohl das Buch diese Textfülle bietet, soll es kein Kompendium sein. Schon im Unterricht wird ausgewählt. Die Aufgabenfenster geben unterschiedliche methodischen Vorgaben und sind offen für Einzel- und Gruppenarbeit bis hin zur Vorbereitung von Projekten oder Exkursionen.

Die Vielfalt der Textangebote lädt ein zum Flanieren, zum exemplarischen Einstieg und zur eigenständigen weiteren Arbeit. Die methodische Vielfalt spiegelt sich in der graphischen Gestaltung des Lehrbuches wieder. Die Kapitel können mit der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler in Resonanz gebracht werden.

Das Religionsthema wird in verschiedenen Perspektiven bearbeitet. Im Spannungsfeld zwischen Mission und Religionsfreiheit findet sich das Thema „Wahrheit und Toleranz“. Die Wahrnehmung der eigenen Religion geschieht im Kontext der Vielfalt. Ein Kapitel beschäftigt sich mit der Bibel. Exemplarisch wird das Buch Hiob bearbeitet. Unterschiedliche Aspekte des Zugangs zur Bibel bis hin zur historisch kritischen Methode werden angesprochen.

Das Thema „Tod und Sterben“ konfrontiert Schülerinnen und Schüler mit der Bedeutung von Sinnfragen, führt aber auch in die Anthropologie und Ethik (Trauer, Organspende, Abschied und Sterbebegleitung). In einem gesonderten Kapitel wird der Buddhismus gründlich behandelt, als Weltreligion, aber auch aus der Perspektive dieser Religion im Zusammenhang der westlichen Gesellschaft. Das letzte Kapitel führt in die Grundfragen der Ethik ein, konfrontiert die Schülerinnen und Schüler mit der Frage nach Regeln und zeigt Möglichkeiten auf, mit Wertfragen, ethischen Entscheidungen und moralischen Konstruktionen umzugehen. Dass die Konkretion zwei Gebote heraus greift und dazu konkret das Thema des „Schwarzfahrens“ behandelt, zeigt beispielhaft, wie in diesen Buch die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler vorkommt.

Die Vielfalt der Textblöcke wirkt zunächst schroff, erschließt sich aber im Kontext der Methodenvielfalt, Kompetenzorientierung und exemplarischen Angebote. Die Texte bauen nicht auf einander auf, sondern ergänzen sich. Der Religionsunterricht sollte Freude machen. Mit diesem Buch ist es möglich.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Kommentar verfassen