Kleines Bonhoeffer Handbuch – Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2010

Zu: Dietrich Bonhoeffer von A bis Z. Sein Denken und Reden, sein Predigen und Beten in Schlagworten erschlossen. Hrsg. Von Manfred Weber, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2010, ISBN978-3-579-07140-4, Preis: 19,95 Euro (jetzt reduziert auf 9,99 Euro!)

Manfred Weber legt nach seinem Dietrich Bonhoeffer Jahreslesebuch und dem Bonhoeffer Textbuch für Jugendliche zum dritten Mal ein Buch vor mit Texten Dietrich Bonhoeffers vor, hier nach Stichworten alphabetisch gegliedert. Eine Auswahl von Texten eines Autors wird zweifelsohne subjektiv sein müssen. Dennoch ist die Orientierung an Stichworten eine gute Hilfe, wenn z. B. für die Predigt oder ein Vortrag bzw. die Unterrichtsvorbereitung ein passender Text Bonhoeffers zu einem Stichwort gesucht wird oder wiedergefunden werden will. Sie orientiert sich an den Fragen „menschlicher Existenz“. Diese Auswahl soll bewusst subjektiv sein und so kann und darf gar nicht jedes prägnante Bonhoeffer Wort hier zu finden sein, wozu ja schließlich auch die Lektüre in seinem Gesamtwerk dienen sollte. Die Zitate sind deshalb mit Quellvermerken versehen. (Leider fehlt das im Vorwort angekündigte „Verzeichnis der Bonhoeffer Werke am Schluss des Buches“.) Eine Auswahl in Stichworten eignet sich genauso für die meditative oder assoziative Arbeit, wie für die Suche nach einem Einstieg oder einer Pointe; sie eignet sich dazu, Gedanken fließen zu lassen und ebenso dazu, sich von der brillanten Formulierungsgabe Dietrich Bonhoeffers anstecken zu lassen. Leider fehlt am Schluss des Buches ein erneuter Sichtwortindex, da sich einige Zitate sicher auch von anderen Stichworten als den hier ausgesuchten finden ließen. So steht z.B. das bekannte Bonhoeffer Gedicht „Von guten Mächten“ ganz am Schluss unter dem Stichwort „Zuversicht“, nicht unter „geborgen“ oder „Erwartung“.
Liest man die Zitate dieses Buches einfach in der hier abgedruckten alphabetischen Reihenfolge kursiv durch, so fallen drei Schwerpunkte der Theologie Bonhoeffers ins Auge, die kurz mit den Begriffen Christologie, Spiritualität und Welt-Bezug umschrieben sein sollen. Zugegeben, auch diese Auswahl ist wiederum subjektiv. Außerdem kann, wie es bei einer solchen Stichwortsammlung kaum anders zu erwarten ist, keine zeitliche Entwicklung der Theologie Bonhoeffers nachvollzogen werden. Umso deutlicher wird durch die Auswahl dieser drei Themen bezogen auf die hier gebotenen Stichworte, dass sich diese inhaltlichen Schwerpunkte nicht auf eine Periode der Schaffenszeit Bonhoeffers beschränken lassen, sondern einen Querschnitt bilden. Bonhoeffers Texte zeichnen sich aus durch ihre prägnanten christlogischen Aussagen, die oft im Sinn der bekennenden Kirche formuliert sind. Die Stichworte, unter denen sich solche Zitate finden lassen, sind jedoch alles andere als nur im Christusbezug formuliert: z. B. Abend und Morgen, Abendmahl, Denken, Altes Testament, Ethik, Dreieinigkeit, Gestaltung, Jesu Liebe, Idee, Mündigkeit, Leben, Christus, Berufung, Auferstandener. Schon die Stichworte zeigen, dass bei Bonhoeffer die Christologie nicht in die dogmatische Ecke gehört, sondern sich mit allen theologischen und persönlichen Inhalten verbindet. Wer also ein Zitat sucht, das einen prägnanten christologischen Bezug bieten möchte und dazu die Gestalt Bonhoeffers als Bürgen heranziehen möchte, wird hier fündig. Die Predigt erhält so einen christlich religiösen Bezug und kann eindeutig sein, ohne allerdings fundamentalistisch zu klingen, da Bonhoeffer-Zitate nie kitschig sind. Das gilt sogar für die für Bonhoeffer Worte manchmal doch etwas zu sehr ausgewalzten Zitate zur Spiritualität, die dennoch in Bezug auf sein Werk nicht fehlen dürfen. Der Glaubensbezug und die Glaubensquelle gehören zusammen, nicht als Gesetzlichkeit, sondern als Notwendigkeit, die Kraft zum Leben als Christ und Christin zu gewinnen. Unter diesen Begriffen finden sich u. a. Formulierungen zur Spiritualität: Abendgebet, Einsamkeit, Advent, Erwartung, Gebet, Geheimnis, Krankheit, Meditation, Zuversicht, Lüge, Danken, Christenleben, usw.Die Spiritualität Bonhoeffers ist gedacht als Kraftquelle für das Leben in der Welt. Daher gibt es kaum Zitate, in denen der Weltbezug fehlt. Manchmal ist er gerade zu provokativ, etwa in der Anwendung der Ethik auf die Friedensfrage oder in der Wahrnehmung der nichtreligiösen Denkweise der Menschen. Stichworte mit Weltbezug sind: Abstumpfen, Bürger, Bekennen, Beruf, Anfang, Christ, Christentum, Erlösungsmythen, Frieden, Gott, Krieg, Prinzip, Handeln, Diesseitigkeit, Dasein für andere, Begegnung, Auseinandersetzung. Auch diese Linie ist keinesfalls nur auf die letzten Lebensjahre Bonhoeffers beschränkt. Dieses Handbuch demonstriert einen Grundzug der Theologie Dietrich Bonhoeffers: Christusbezug, Spiritualität und politische Theologie müssen keine Gegensätze sein.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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