Das trinitarische Denken von Gott. Eine Sammlung von Zitaten. Christoph Fleischer, Werl 2009

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1. a) Die trinitarische Doxologie. Jürgen Moltmann. Der Geist des Lebens. S. 317f
„Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.“
Die trinitarische Doxologie bringt in der Liturgie etwas zum Ausdruck, das zum Erleben des Lebens selbst dazu gehört, …Sie feiert das Fest Gottes.. Die trinitarische Doxologie in der göttlichen Liturgie entspricht im Leben der Wahrnehmung des ewigen Augenblicks. Ich meine damit eine Wahrnehmung der Gegenwart, die so intensiv ist, dass sie den Zeitfluss unterbricht und die Vergänglichkeit aufhebt.
Es ist verständlich, dass die Trinität in der menschlichen Doxologie zu einem unfasslichen und alle Vorstellungen und Begriffe übersteigenden Geheimnis wird.
Wird in der trinitarischen Doxologie Gott um seiner selbst willen angebetet und verehrt und ist sie der Anfang des „Schauens von Angesicht zu Angesicht“, dann kommt die göttliche Trinität in der ewigen Gegenwart ihrer Herrlichkeit zur Ruhe und ruht in sich selbst und wird also vom Menschen in ihrer ewigen Gegenwart als ewiges Gegenüber wahrgenommen.

1. b) Die trinitarische Doxologie von Seoul 1990
Nachdem wir uns im Bundesschluss zur Solidarität verpflichtet haben und eingedenk dessen, dass wir Haushalter der Schöpfung sind, wollen wir gemeinsam mit allen deinen Geschöpfen deinen Rum verkündigen und dich preisen:
Ehr sei Gott, der am Anfang alle Dinge schuf und sah, dass sie gut waren.
Ehre sei Jesus, dem Erstgeborenen der neuen Schöpfung, der uns alle erlöst.
Ehre sei dem heiligen Geist, der am Anfang über den Wassern schwebte und der die Schöpfung mit deiner Liebe erfüllt.

2. a) Trinität (Konzepte). Jürgen Moltmann. Der Geist des Lebens. S. 304f und 312.
1. Das monarchische Konzept der Trinität.
Die Einheit Gottes geht der Dreieinigkeit voran. Es ist eine einzige Bewegung, in der der Eine Gott sich selbst durch sich selbst offenbart und sich den Menschen mitteilt. Diese Bewegung geht vom Vater durch den Sohn im Geist vor sich und breitet sich durch die vielfältigen Energien des Geistes in der Schöpfung aus. … Immer handelt der Vater durch den Sohn im Geist. Der Vater schafft, versöhnt und erlöst die Welt durch den Sohn in der Kraft des Geistes. Alle Aktivität geht vom Vater aus, der Sohn ist immer der Mittler und der Heilige Geist die Vermittlung. Der Vater ist der Offenbarer, der Sohn die Offenbarung und der Geist das Offenbar sein Gottes.
2.Das geschichtliche Konzept der Trinität.
Wie der Vater durch den Sohn im Geist die Welt erschafft, so erleuchtet der Geist die Welt durch den Sohn in dem Vater. … Indem der Vater, der Sohn und der Heilige Geist nacheinander die Führung übernehmen, bestimmen sie die eschatologische Dynamik der Heilsgeschichte. Was der Vater beginnt, weist auf die Vollendung im Geist hin.
3. Das eucharistische Konzept der Trinität.
Hier geht alle Aktivität vom einwohnenden Geist aus, alle Vermittlung geschieht durch den Sohn und der Vater ist der reine Empfänger der Danksagung und Lobgesänge seiner Geschöpfe. Der Geist verherrlicht den Sohn und durch den Sohn den Vater. Der Geist vereinigt mit dem Sohn und durch den Sohn mit dem Vater („zur Ehre Gottes des Vaters“ (Philipper 2,11)

2. b) Der drei-einige Gott. Jürgen Moltmann. „Sein Name ist Gerechtigkeit“. S. 140.
Doch welchen Begriff von Trinität auch immer wir verwenden, wir bringen damit zum Ausdruck, dass Gott kein einsamer Himmelsherr ist, der sich alles unterwirft, wie es irdische Despoten in seinem Namen immer getan haben. Gott ist auch keine kalte, stumme Schicksalsmacht, die alles bestimmt und von nichts berührt wird. Der dreieinige Gott ist ein gemeinschaftlicher Gott, reich an inneren und äußeren Beziehungen. Nur von dem lebendigen Gott kann man sagen: „Gott ist Liebe.“ Denn Liebe ist nicht einsam, sondern setzt verschiedenes voraus, verbindet Verschiedene und unterscheidet Verbundene. Sind der „der Vater und der Sohn und der Heilige Geist“ durch ewige Liebe untereinander verbunden, dass besteht ihre Einheit in ihrer Einigkeit. Sie bilden ihre einzigartige, göttliche Gemeinschaft durch ihre Hingabe aneinander. Kraft ihrer überschwenglichen Liebe gehen sie über sich hinaus und öffnen sich in Schöpfung, Versöhnung und Erlösung für das andere Wesen der endlichen, widersprechenden und sterblichen Geschöpfe, um ihnen Raum in ihrem ewigen Leben einzuräumen und sie an ihrer eigenen Freude teilnehmen zu lassen.

3. a) Die trinitarischen Prinzipien. Paul Tillich. Systematische Theologie Teil 1, S. 289.
Das erste Prinzip ist die Basis der Gottheit, das, was Gott zu Gott macht. Es ist die Basis seiner Majestät, die unnahbare Intensität seines Seins, der unerschöpfliche Grund des Seins, aus dem alles entspringt. Es ist die Seinsmächtigkeit, die dem Nichtsein unbegrenzten Widerstand leistet, und allem, was ist, Macht verleiht zu sein.
Der klassische Begriff des Logos ist für das zweite Prinzip, das des Sinnes und der Struktur, am angemessensten. Es verbindet die sinnvolle Struktur mit Kreativität. Der Logos enthüllt den göttlichen Grund, seine Unendlichkeit und seine Dunkelheit, er macht seine Fülle unterscheidbar, begrenzt, endlich. Im Logos spricht Gott sein Wort, sowohl in sich selbst als auch über sich selbst hinaus.
Als Aktualisierung der beiden anderen Prinzipien ist der göttliche Geist das dritte Prinzip. Sowohl Macht als auch Sinn sind in ihm enthalten und vereinigt. Er macht beide schöpferisch. Das dritte Prinzip ist in einer Hinsicht das Ganze (Gott ist Geist) und in einer anderen Hinsicht ein besonderes Prinzip (Gott hat den Geist wie er den Logos hat). Es ist der Geist, in dem Gott aus sich heraus geht. Er verleiht Aktualität dem, was im göttlichen Grunde potentiell ist und im göttlichen Logos aussprechbar wird. Es ist der Grund alles Überflusses und fließt selbst über.

3. b) Der trinitarische Symbolismus. Paul Tillich Systematische Theologie Teil 3, S. 334
Wird es je wieder möglich sein, die großen Worte „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ auszusprechen, ohne theologische Verwirrung zu stiften oder in die Gewohnheit einer bloßen Tradition zu verfallen? Und wird es wieder möglich werden, um Segen zu bitten durch die „Liebe Gottes des Vaters und die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes“, ohne abergläubische Vorstellungen in den Zuhörern zu wecken? Ich glaube, dass es möglich ist, aber es erfordert eine radikale Prüfung und Neufassung der trinitarischen Lehre, sowie ein neues Verständnis der Begriffe „göttliches Leben“ und „göttlicher Geist“.
Wenn die Frage gestellt wird, warum die Zahl „drei“ trotz der Möglichkeit anderer Zahlen den Vorrang erhalten hat, so ist die Antwort: weil die Zahl „drei“ der inneren Dialektik des Lebens entspricht und daher am ehesten geeignet ist, das göttliche Leben zu symbolisieren. „Leben“ ist von uns beschrieben worden als Prozess des Herausgehens aus der Identität mit sich selbst und der Rückkehr zu sich selbst. Wenn die Rückkehr des Getrennten zur Einheit als besonderes Prinzip gerechnet wird, so haben wir die Dreizahl. Die dialektische Philosophie war sich dieser drei Elemente des Lebensprozesses bewusst.

4. a) Das Bekenntnis der Väter und die bekennende Gemeinde (Betheler Bekenntnis) hrsg. von Martin Niemöller 1933
III. Von dem Dreieinigen Gott.
Die Kirche lehrt, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist, in einem göttlichen Wesen und Natur drei unterschiedliche Personen, ein einiger Gott ist, der Himmel und Erde geschaffen hat, dass der Vater von niemandem, der Sohn vom Vater geboren, der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgehe, welches das größte Geheimnis im Himmel und auf Erden sei. Dieser dreieinige Gott hat sich uns Menschen offenbart in Jesus Christus, daher die ganze Dreifaltigkeit auf Christus weist als auf das Buch des Lebens. So bezeugt die Schrift: Niemand kommt zum Vater denn durch Christus (Joh. 14,6); niemand kommt zum Sohn, es ziehe ihn denn der Vater (Joh. 6,44); niemand kann Christus einen Herrn heißen außer durch den Heiligen Geist (1. Kor. 12,3); der Heilige Geist geht aus vom Vater und vom Sohn (Joh. 15,26; 14,26). So wird der dreieinige Gott vom Glauen erkannt als Vater durch den Sohn, als Sohn durch den Vater, als Vater und Sohn durch den Heiligen Geist, als Heiliger Geist durch Vater und Sohn. In solchem Glauben bekennt und bezeugt den dreieinigen Gott die gesamte christliche Kirche. Keine menschliche Vernunft vermag dies Geheimnis der Offenbarung des dreienigen Gottes aufzulösen.
Wir verwerfen jeden Versuch, die Offenbarung des dreieinigen Gottes auseinanderzureißen und so entweden den Schöpfer und seine Schöpfung oder den Erlöser und seine Erlösung oder den Heiligen Geist und sein Wirken getrennt voneinander begreifen zu wollen.

4. b) Heinrich Reiß, ehemaliger Präses der Ev. Kirche von Westfalen:
Wir bekennen das Geheimnis der Person Gottes, als Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist.
Dreieinigkeit heißt:
Gott beschenkt uns mit seiner Liebe
und hat diese Liebe in Christus sichtbar werden lassen,
und der Heilige Geist hat uns unter dem Hören dieser Botschaft zum Glauben geführt und uns einen beständigen Grund zur Freude gegeben.
Darum können wir Gott loben und ihm danken für seine Güte und Barmherzigkeit. Wahrlich wir haben Grund zum Danken.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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