Gott mit wirklichen Worten beschreiben. Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2012

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Zu: Klaus Vellguth, Berthold Weckmann (Hg.): Welcher Engel leiht uns Flügel, In Erinnerung an Wilhelm Willms, Verlag Butzon & Bercker Kevelaer 2005, ISBN 978-3-7666-0485-9. Preis: 19,90 Euro.

„Der Himmel geht über allem auf, auf alle über…“ (S. 68) – kürzer kann man die säkulare Dimension des christlichen Glaubens nicht ausdrücken als Wilhelm Willms in seinen Gedichten, Gebeten und Liedtexten. Willms, geboren 1930, war katholischer Pfarrer in Aachen, Viersen, Krefeld und Heinsberg. Im Ruhestand war er nach einem Schlaganfall 1990 und starb mit 72 Jahren im Jahr 2002. Das neue geistliche Lied, angeregt durch Studentenrevolte und den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils, präsentiert auf Kirchen- und Katholikentagen, ist nicht denkbar ohne die Zusammenarbeit von Autoren wie Wilhelm Willms mit den Musikern und Komponisten wie zum Beispiel Peter Janssens, Ludger Edelkötter, Reinhard Horn und anderen.

Dieser Band, als Gedenk-Buch quasi posthum zum 75. Geburtstag erschienen, bietet einen umfassenden Einblick in das Wirken und Schaffen des Dichters und Pfarrers Wilhelm Willms. Eingeleitet durch mehrere biografische Texte und ein ausführliches Interview, ergänzt um einige Fotos aus seinem Leben, ist das Buch hauptsächlich geprägt durch die Bitte an Weggefährten, einige Zeilen zu einem oder mehreren Lieblingstexten in Willms Schaffen zu erläutern. Da ist Uwe Seidel genauso vertreten wie der Aachener Bischof Mussinghoff, Wilgard Janssens wie Ludger  Edelkötter. Diese persönlichen Zugänge zeigen, wie Wilhelm Willms menschlich und pastoral mit gesetzten Worten zu wirken verstand.

Das ganze Buch ist eine anschauliche Darstellung der Erfahrung, dass Worte und Gesten im Geist Gottes im Himmel auf Erden liegen, wie im Sinn Jesu auf der Erde schon göttlich zu leben sind:

„Weißt Du, wo der Himmel ist?
Du brauchst nicht weit zu gehen,
Der Himmel, der ist überall,
Wo Menschen sich verstehen.“ (S. 183)
Da hat das „Rote Meer Grüne Welle“ (wie bei einer grünen Ampel)(S. 96).
Da „wirst du für mich/ werd ich für dich/ der Engel sein“ (S. 131).
Da „springen alle Knospen auf (und) fangen an zu blühen“ (S. 244).

Ein kurzes Kapitel widmet sich auch dem bildnerischen Werk Wilhelm Willms. Vita, Werkverzeichnis, Sekundärliteratur und Autorenverzeichnis schließen das Buch ab. Bei aller berechtigten Würdigung des sprachlichen, dichterischen Schaffens, ist die bewusste theologische Weichenstellung, die seine säkular anmutenden religiösen Texte durchzieht und durch die Rede vom verborgenen Gott untermauert wird, durch dieses Buch noch nicht erschöpfend gewürdigt. Immerhin wird klar, dass Wilhelm Willms nach wie vor aktuell ist. Viele seiner Texte warten darauf, eventuell redaktionell aktualisiert, neu gelesen, gebetet und besprochen zu werden. Wilhelm Willms ist neben Dorothee Sölle der wichtigste Lyriker der religiösen Moderne. Seine Liedtexte, Gebete, Bibelmeditationen und Kurzansprachen haben nichts an Aktualität verloren. Dem Verlag Butzon & Bercker sei für die Herausgabe dieses Buches ausdrücklich gedankt. Viele Bücher von Willms sind bei diesem Verlag nach wie vor lieferbar.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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