Austausch über Rechtfertigung mit Gerd Kracht, Christoph Fleischer, Werl 2012

Anlass:

Eine Rundmail, die ich täglich abonniere ist ein Zitat von Neal Donald Walsch aus seinen Büchern „Gespräche mit Gott“ (Quelle: www.gespraechemitgott.org).
Am 1.10.2012 bekam ich den folgenden Spruch zugeschickt, der mich zu einer Nachfrage animierte:

Ihr definiert euch selbst über das, was ihr das Böse nennt, und über das, was ihr als das Gute bezeichnet. Von daher wäre es der größte Frevel, wenn ihr überhaupt nichts als böse bezeichnen würdet. GmG 1, Seite 206

Dieser Satz besagt doch ganz einfach, dass derjenige, der sich über den Unterschied von gut und böse definiert, wie das mit der christlichen Religion allgemein der Fall ist, dann einen Frevel, also etwas Böses begehen würde, wenn er nichts als böse bezeichnen würde. Es ist mir eigentlich egal, wie tief die Worte von Walsch philosophisch reflektiert sind, denn sie enthalten oft solche Wahrheit, die an die Sprüche eines Angelus Silesius erinnern. Die Wahrheit ergibt sich einfach aus der Konsequenz der Worte. Der Fazit dieses Satze ist,d ass der unterschied zwischen Gut und böse das Böse erst erschafft. Walsch lehnt diese System selbstverständlich ab. Mein Frage war nun, ob er damit, wohl im selbst nicht bewusst, nicht eigentlich einen recht berühmten Menschen im Boot hat, nämlich Martin Luther. Also habe ich meinen Kollegen und ehemaligen Weltanschauungsbeauftragten Gerd kracht nach seinem Rat gefragt, indem ich den Spruch von Walsch mit folgender Frage weiterleitete:

Sieh mal, dieser Spruch ist doch eine Version von Dankbarkeit. Wer die  Welt in gut und böse aufteilt, muss dann sein Erleben und sich selbst in gut und böse aufteilen und ist ständig mitnichten anderem beschäftigt, alles danach zu beurteilen, ob es gut oder böse ist. Dankbarkeit ist eine Form von Gelassenheit. Doch kann man nicht doch an der Idee des Guten festhalten? Ist dann alles gleich gut?

Mit den Wort Dankbarkeit meinte ich eine Einstellung, die sich von David Steindl-Rast (Credo) herleitet, und die im Englischen Gratefulness bedeutet. Es ist im Grunde eine ähnlich spirituelle und zugleich lebensbezogene Einstellung  wie sie der Autor Neale Donald Walsch in seinen Schriften verbreitet, dort allerdings mit weitgehendem Verzicht auf einen Gottesbezug. Walsch ist damit für mich der Vertreter einer säkularen Religion und damit ein Beweis dafür, dass Säkularität nicht atheistisch gedacht werden muss. (C.F.)

Welcher Spruch jetzt genau, als Version zur Dankbarkeit gemeint ist, geht für mich nicht klar hervor… (Bemerkung, da habe ich wohl eine Assoziation nicht weitergegeben, C.F.)
Du sagst aber weiter, Dankbarkeit ist eine Form der Gelassenheit.

Ja, lass mich das neu, genauer formulieren: Dankbarkeit ist eine Form, die in die Gelassenheit führt. Dankbarkeit ist Gelegenheit auf eine gegebene Situation zu antworten. Man vermag aber immer nur zu antworten, wenn man sich,-  der in diesem Augenblick gegebenen Situation
ganz leibhaftig und mit allen Sinnen, bewusst ist. Ist man in der Situation sich bewusst, ist man gegenwärtig.
Ich stimme Dir zu, wenn Du, wie unten schreibst, „Wer die  Welt in gut und böse aufteilt, muss dann sein Erleben und sich selbst in gut und böse aufteilen und ist ständig mitnichten anderem beschäftigt, alles danach zu beurteilen, ob es gut oder böse ist.“
Dankbarkeit bedeutet aber, nicht im Urteilen, also nicht in Gedanken zu sein, (was immer nur heißen kann: in der Vergangenheit, oder Zukunft) sondern, sich mit selbst ganz mit der gegebenen Situation verbunden zu fühlen.

(Der Spruch von Walsch) …erinnert mich stark an „simul iustus et peccator.“ (G.K.) (Das heißt auf Deutsch: „gleichermaßen gerechtfertigt und sündig “ und ist ein Zitat von Martin Luther)

Auf diese Email, reagierte ich kurz vom Handy aus:

Danke für Deine Antwort. Die Parallele zu Luther ist mir eben aufgefallen. Versteh mich richtig, ich werde nicht ins Walsch-Lager überwechseln, sondern ich möchte seinen Denkweg christlich-religiös beschreiben, eine Gottesoffenbarung, die Nihilismus und Pantheismus verbindet. Geht allerdings in Richtung Allversöhnung, oder? Hierzu ein paar Lutherworte, das wäre gut.

Im Prinzip ist mir die Bedeutung des Wortes Allversöhnung selbst nicht ganz klar gewesen. Ich habe den Begriff aus einem polemischen Diskurs gegen eine Versöhnungslehre in Erinnerung, die im Prinzip jedem Menschen als einem Geschöpf Gottes auch die Liebe Gottes zuschreibt und diese nicht von einer zu tätigenden, verbalen oder auch nur mentalen Leistung abhängig macht. Ich meine jedoch, dann man die Rechtfertigungslehre Martin Luthers aus heutiger Sicht so weit zuspitzen müsste, da sie sonst eher selektiert als verbinden (nach der Devise von Johannes Rau: Versöhnen statt Spalten). (C.F.)

Danke auch,…
ich denke ebenfalls, dass wir profitieren können von Luther und Walsh.

Und gute Denkwege bieten beide. Mir kommt es auf die Erfahrungswege der beiden an.  Beide haben eine tiefe verändernde Erfahrung gemacht im Leben.
Luther, in der Auseinandersetzung mit der Weltkirche, Walsh, persönlich nach einen Unfall und sozialem, vermeintlichen Absturz.

Ich gehe auf Luthers zeitlos erfahrbare Wahrheit,  „simul iustus et peccator“ ein.

Unter „peccator“ verstehe ich den Infinitiv von „harmatanein“ so, „harmatanein“ wurde im Militärischen benutzt und meint, „sein eigenes Ziel verfehlen.“ Wir wissen von Luther, dass er sich über sein Ringen mit der Frage, „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ zu diesem tiefen Erlebnis gekommen war.

Zeitlos ist für mich die Wahrheit deshalb,  weil sie den Zustand beschreibt,  in dem wir in unserem Herzen sowieso immer sind.  Ohne jede erdenkliche Vorbedingung sind wir das immer: „simul iustus et peccator.“

Der Unterschied ist der, ob wir das nur denken,  oder im Sinne von „für wahr halten“ glauben, oder, ob wir dessen auch wirklich gewiss sind, weil wir das tief erfahren haben. Dann glauben wir nicht nur,  sondern sind uns dessen gewiss. Von der tiefe der Erfahrung war Luther sich in seinem Herzen so gewiss,  dass er es wagte, gegen die damalige Weltkirche anzutreten.

Luther bezog sich stark auf Paulus. Warum wohl? Auch von seiner Erfahrung berichtet das Neue Testament. Das NT übersetzte er gerade oben auf der Wartburg. Glücklicherweise boten die Umstände gerade eine Gelegenheit der Atempause.  Luther hatte dort Zeit, sich selbst nach seiner Metamorphose im Kloster neu auszurichten. Er stellte wohl bei der Übersetzung fest, dass es Paulus genauso ergangen war. Seinen griechischen Übersetzungs- Vorlagen
hatte er entnommen, dass Paulus sich,- nach der Erfahrung vor den Toren von Damaskus,  ca. zwei Jahre in „Arabia“ aufgehalten, um sich neu zu sortieren.

Ich denke, dass das Christentum eine Erfahrungsreligion ist.  Sie ist entstanden aus den Erfahrungen des Paulus: Christentum,  unserer Zweig durch die Erfahrungen, des jungen Martin Luthers im Trainingslager in Erfurt.

(Hatte die Gelegenheit, das Luthers Trainingslager, auf der Fahrt mit unserer Pfarrkonferenz Winter 2004 in Erfurt zu sehen. Ich würde sagen, dagegen sind all die heutigen Klöster in Ost und West Wellnessoasen. Man ging eh nur davon aus, dass  keiner älter wird als 30 max. 35. Spätestens dann hat die Schwindsucht den Rest erledigt.)

Mit zeitlose Wahrheit, meine ich „simul“ von „simul iustus et peccator.
„simul“ bedeutet „zugleich“.  Für mich bedeutet das „immer.“  Mit immer kann nur der jetzt gegebene Augenblick gemeint sein. Ich erfahre das in Momenten, ich mir außerordentlich bewusst bin, dass ich bin. Auch wenn ich gerade sehr unbewusst bin, kann ich mir meines ganzen Menschseins sicher sein.
 
Von der Allversöhnungslehre habe ich natürlich etwas gelernt oder besser gehört. Aber niemand weiß genau, was allgemein damit gemeint ist. Ich weiß das auch nicht, weil ich diesen Begriff nicht erfahren habe.

Du siehst,  ich fange an, meiner eigenen Theologie zu trauen, sofern von Erfahrung die Rede ist. Da habe ich eine Chance, mich einzuklinken. (G.K.)

Am Abend des 2. Oktober wollte ich den (meinen) Gedanken weiterführen und hatte die Email von Gerd Kracht auch nicht direkt vor Augen. Der nun folgende Text ist also nicht als eine direkte Antwort zu lesen, sondern eine Weiterführung der begonnenen Gedanken:

„Simul“ – das bezeichnet man oft als Paradox, denn die Gegensätze werden so aufgehoben. Der Satz ist also logisch eine Tautologie.

Trotzdem sieht Luther in dieser Paradox-Erfahrung die Möglichkeit, seiner Frage nach Gott (dem gnädigen) zu entkommen. Gott ist sowohl als auch. Gott ist nicht festzulegen. Zuerst funktioniert das negativ (meine erste Seminararbeit über servo arbitrio): Die scholastische Theologie sieht die Mitwirkung des Gläubigen als Möglichkeit an, sein eigenes Seelenheil quasi zu verdienen. Zwar liegt der Schwerpunkt bei Gott, aber das Begehren genügt dazu. – Hier ist bei jeder Kritik Vorsicht angesagt, denn dieses Begehren kommt allemal bei jedem guten Lutheraner durch die Hintertür wieder herein. Vielleicht war es schon Melanchton, der diese Hintertür geöffnet hat.

Luther dagegen: Ich kann es mir nicht verdienen. Gott macht es allein. Hier wird das „simul“ zuerst zur verschlossenen Tür. Er hat die Beichte faktisch ausgehebelt, obwohl er ja wohl eigentlich als Institution daran festhalten wollte. Das lief dann aber immer auf Belehrung hinaus, das war keine Religion mehr. Wie kommt nun Luther trotzdem zur Religion, oder wie Du sagst, Spiritualität?

 Walsch sagt: Ihr definiert euch selbst über das, was ihr das Böse nennt, und über das, was ihr als das Gute bezeichnet. Von daher wäre es der größte Frevel, wenn ihr überhaupt nichts als böse bezeichnen würdet.

 Das ist klar philosophisch: Wer das Gute durch eine Art Polarisierung erschafft, macht das Böse damit zugleich notwendig. Erst der, der wie Luther auf die Mitwirkung zum Guten verzichtet, macht das Böse überflüssig, weil er aus der Polarität aussteigt, das die Metaphysik notwendig macht. Ohne Metaphysik heißt, da ist nur die Bibel und das Leben, und in beiden Gott.

 In dieser Hinsicht sind Theologie und Philosophie gleichviel wert, nicht viel, denn sie funktionieren nach dem alten Spruch: „Wie ich in den Wald hereinrufe, so schallt es heraus.“ Das Prinzip, frage einen Theologen nach seinem Vorverständnis und durch findest seine Antworten heraus, funktioniert bei fast jedem Buch, es mag noch so wissenschaftlich klingen. Da gibt es nur eine Möglichkeit, hier wieder zur christlichen Religion zurückzufinden, und die ist der persönliche Glaube, das eigene Hören Gottes, so subjektiv es auch sein mag. Ich behaupte keine Allgemeingültigkeit, sondern spreche nur darüber, inwieweit es mich persönlich angeht. Martin Luther und die Mystik! Sein erstes Buch war die Herausgabe eine Mystikbuches in deutscher Sprache!

 Inwiefern nun Walsch? Wenn er beim Nihilismus und der Aussage, dass Gott nichts will, stehen geblieben wäre, hätte er nichts gewonnen. Gott offenbart sich für ihn gleichzeitig als das All, als alles, was irgendwie lebt. Gott ist der Grund allen Seins, ist das Leben selbst. Gott will Leben, vor allem und zuerst Leben und lebt selbst in diesem Leben, als Kraft, als Erfahrung, als Energie, irgendwie. Gott will, und das ist jetzt Luther: Dass der Sünder lebt. Das ist Luthers Evangelium. Der Sünder lebt (durch Glaube an die Auferstehung auch über den Tod hinaus), aber eben auch hier und jetzt ganz konkret.

 Und hier ist klar, warum „der gnädige Gott“ oder „simul justus“ nur Formeln sind, weil sie erst wahr werden, indem Du mir sagst, inwieweit sich das zu Glaubende auf das Leben selbst bezieht.

 Es ging heute im Religionsunterricht um Werte. Da war der Unterschied zwischen Wert-los und wert-voll. Und ich sagte, um das zu illustrieren, dass Muslime den Erschaffer des Mohammed Plagiats als wertlosen Menschen bezeichnen. Ich sagte: Es gibt keinen wertlosen Menschen, es gibt nur ein wertloses Verhalten. 

 Walsch demonstriert im Grunde aus einer intuitiven oft gar nicht philosophisch durch reflektierten Art eine ganz einfache religiöse Wahrheit. Das selbsterdichtete Gottesbild zerbricht an seinen eigenen Widersprüchen. Was bleibt, ist der lebendige Gott, der das Bild des Lebens selbst ist (Gott schuf den Menschen zu seinem Bild…). Gott ist unverfügbar, wie das Leben.

Walsch sagt: Das Leben selbst ist Zuspruch und Anspruch, da findest Du Barmen II wieder.

Wo ist Christus hierbei? Ich denke, der Schlüssel zu dem allen. Gottes Menschlichkeit, Gottes Geschöpflichkeit in diesem einen Menschen von Geburt bis zum Tod und darüber hinaus. (C.F.)

Irgendwie habe ich auf diese Gedanken keine Antwort bekommen, wahrscheinlich weil nicht genau ersichtlich war, inwiefern ich auf die Gedanken von Gerd kracht eingegangen bin.

Darauf habe ich erneut geschrieben, und habe eine Frage zum Thema „Gewissheit“ und „Erfahrung“ gestellt, da mit letztlich nicht klar war, ob man so, wie es Gerd Kracht hier ausdrückt, noch von Gewissheit im alten Sinn sprechen kann, da Lebenserfahrung  als die ich diese Art von Offenheit ansehe, immer letztlich unverfügbar ist und man nie im Vorhinein weiß, was eigentlich Zuspruch ist und was Anspruch.

Nachdem ich mich gewundert habe, warum Du nicht geantwortet hast, lese ich Deine Mail noch einmal und entdecke auf einmal, dass Du aus Erfahrung eine Gewissheit herleitest. Dieses fundamentalistische Denken hast Du doch gerade abgelegt. Und jetzt dies? Ich habe mich gerade doch gewundert, warum ich das beim ersten Lesen nicht gefunden habe.

Der schwache Glaube ist ein Glaube ohne Gewissheit. Gewissheit ist ein Verkehrsmittel mit festem Grund, so wie ein Auto oder eine Bahn. Der Glaube aber ist ein Schiff mit schwankendem Grund. Erst die Erfahrung, darin sind wir uns einig, dass das Wasser trägt, macht Glauben möglich. Diese Erfahrung ist aber nie Gewissheit, sondern immer in jedem Moment Wagnis, ist der Versuch, zu existieren.

Wenn ich das falsch verstanden habe, dann entschuldige dies. Aber bastle nicht herum und bau auf die Gewissheit eine Metaphysik auf. Da sind wir schnell bei Billly Graham und anderen.

Kennst Du eine Todesmeditation? Es ist eine alte Tradition im Christentum. Gibt es die auch etwa im Buddhismus? Dabei stellt man sich seinen eigenen Tod vor und überlegt, was das wohl bedeuten könnte. Dabei stößt man natürlich als Christ auf die Frage nach dem ewigen Leben usw.. Bei aller rhetorischen Fragwürdigkeit etwa in einer Predigt oder Evangelisation, halte ich die Frage nach dem eigenen Tod durchaus für sinnvoll. Es kommt auf die Art und Weise des Vertrauens an, so denke ich. Im Vertrauen auf Gott, nicht in der Gewissheit, dass etwas so oder so sein wird, könnte ich mir das Ergebnis vorstellen. Der Tod ist die Konfrontation mit dem Nichts, da es keine Antwort gibt über die Frage danach und die Frage, wie es für mich sein wird. (C.F.)

Daraufhin erhielt ich nun eine Antwort:

Gerade erst lese ich Deine Mail, nachdem ich im BLOG „Der Schwache Glaube“ den Text vom Dalai Lama gepostet habe.

Ja, die fundamentalistische Einstellung habe ich abgelegt. Die galt bei mir zunächst für meine evangelikale Existenz bis zum Studium der Theologie. Mit Bultmann und Sölle verlor ich den persönlichen Gottesbezug- und stand ehrlich gesagt auf dem Schlauch.
Ich hatte keinen „jemand“ mehr der göttlich neben mir stand. Aber so leicht verlor ich meine Fundi-Einstellung nicht.  Ich glaubte während und nach dem Studium, nach lange an die „einzigartige“ Praxis des Za-Zen. Das war aber genauso fundamentalistisch.
Buddha wurde „jemand“ in meiner Gottesvorstellung. Ich konnte da nichts machen. Schließlich bin ich auf christlichem Boden aufgewachsen – und mit westlicher religiöser Vorstellung vertraut… 

…oder bin dadurch im eigenen Bewusstsein blockiert?

Du sagst: „Diese Erfahrung ist aber nie Gewissheit, sondern immer in jedem Moment Wagnis, ist der Versuch, zu existieren.“

Diese Erfahrung ist für mich Gewissheit, seit dem ich aufgehört habe, jenseits von jedem Moment existieren zu müssen. Die Übung, jeden Augenblick als Geschenk zu betrachteten, d. h. die Übung in jedem Moment gegenwärtig zu sein, löscht Zukunft oder Vergangenheit in meinen Gedanken.  Jenseits meiner Vorstellungen von Vergangenheit und Zukunft.
Eine Gewissheit für die Zukunft gibt es nicht. Ebenso keine Gewissheit darüber, was ich in der Vergangenheit gewesen bin.
Es gibt aber die Gewissheit, einmalig zu sein, nur in der Gegenwart, im alltäglichen Leben.
Lernen musste ich, emphatisch und voller Mitgefühl und Liebe,  für mich selbst sein. 
Die Hirn-und Bewusstseinsforschung, die interdisziplinäre theoretische Philosophie
zeigen theoretisch,  wie sich jeder, dieser Gewissheit, bewusst werden kann.
Natürlich gehen diese Forschungsergebnisse über ein traditionelles protestantisches Verständnis von „Im Status des Sünder -Seins“ hinaus. Mit anderen Worten, die Erfahrung, die Luther und Paulus gemacht haben,  können wir jederzeit auch machen.

Zur Todesmeditation: das am meisten aufgelegte Buch im buddhistischen Bereich
ist das von Sogyal Rimpoche. „Das tibetische Buch vom Leben und Sterben.“
Standardwerk, sogar in christlichen Hospizen zu finden.  Hier gibt es Todesmeditationsanleitungen. Dort muss Du Dich aber auch inclusive mit tibetisch-buddhistischen Begriffen auseinandersetzen… so dass mir jetzt die Todesmaditation von Steve Jobs einfällt:

„Als ich 17 war, las ich irgendwo ein Zitat, das ungefähr so lautete: “Lebt man jeden Tag, als wär’s der letzte, liegt man eines Tages damit richtig.” Das ist hängen geblieben. Seitdem frage ich jeden Morgen mein Spiegelbild: “Wenn heute der letzte Tag meines Lebens ist, würde ich dann gern das tun, was ich heute tun werde?” Und wenn die Antwort an zu vielen Tagen hintereinander Nein lautet, weiß ich, dass ich etwas ändern muss.“ Seine Antwort war: Du musst finden, was du liebst. http://macversus.de/jobs-stanford/ (G.K.)

Dieses konnte und wollte ich so nicht weiter rechthaberisch kommentieren. Es klang schlüssig, auch mit Lebenserfahrung belegt.

Eine letzte Email, die schon auf die Möglichkeit der Veröffentlichung hinwies, enthielt folgenden Abschnitt:

Ich danke Sir für Deine ehrliche Email. Das mit der Gewissheit, habe ich anders verstanden, wahrscheinlich eher religiös. Etwa so: Durch Erfahrung wird der Gedanke X zur Gewissheit, so eine Art Wahrheitsbeweis. Das was Du schreibst ist völlig klar und in diesem Sinn auch keine Gewissheit, sondern eher Bewusstheit. Aber das wäre dann ein Streit um Worte. Jedenfalls kann ich es so selbstverständlich nachvollziehen. (C.F.)

 

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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