Die feministische Theologie ist politisch, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2013

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Zu: Stefanie Schäfer-Bossert, Elisabeth Hartlieb (Hg.): Feministische Theologie – Politische Theologie, Entwicklungen und Perspektiven, Ulrike Helmer Verlag Sulzbach/Taunus 2012, ISBN 978-3-89741-341-2, Preis: 29,95 Euro

Feministische TheologieDOWNLOADDie Tagung der Europäischen Gesellschaft für Theologische Forschung von Frauen im November 2010, die in diesem Band dokumentiert wird, fand zum oben genannten Thema in Hofgeismar sozusagen an einem historischen Ort statt. Denn etwa 40 Jahre zuvor, Ende des Jahres 1970, hielt am selben Ort Dorothee Sölle ihren Vortrag über „Politische Theologie“ vor dem „Theologen Arbeitskreis der Alten Marburger“, einem Arbeitskreis der sogenannten Bultmannschule, zu der sie sich rechnete.
Marie-Therese Wacker knüpft an die Verbindung zwischen politischer Theologie und feministischer Theologie bei Dorothee Sölle an und zeigt weitere Verbindungslinien auf, z. B. am Lehrstuhl für Fundamentaltheologie der katholischen Fakultät in Münster von Jean-Baptist Metz. Die sich aus der politischen Theologie entwickelnde feministische Theologie ist mit den Namen Elisabeth Schüssler (Fiorenza), Elisabeth Moltmann-Wendel, Christine Schaumberger und Luise Schottroff verbunden. Eine Wendung ereignete sich, als durch die Arbeit der Philosophin Judith Butler der „Feminismus“ zur „Gender-Forschung“ ausgeweitet wurde. Wacker weist allerdings darauf hin, dass auch darauf folgend der politisch-theologische Impuls der Befreiungstheologie weitgehend erhalten blieb, wenn auch die Perspektive sich änderte. Zur Bestandsaufnahme der feministischen Theologie, die in diesem Buch vorgenommen wird, gehören alle Disziplinen, vor allem aber die Exegese mit den Autorinnen Klara Butting und Claudia Janssen, die auch an der Herausgabe der “Bibel in Gerechter Sprache“ mitgewirkt haben, sowie die Praktische Theologie mit den Autorinnen Andrea Bieler und Sabine Plonz.
Der Tagungsvortrag von Amélé Ékné über die „Theologische Herausforderung der Globalisierung“ konnte nicht in den Band aufgenommen werden. Die Einleitung berichtet kurz darüber und zitiert daraus. Amélé Ékné zeigt auf, dass der Begriff „Unterdrückung“ als Leitbegriff der Befreiungstheologie inzwischen von eigenständigen Stimmen der Theologie des Südens abgelöst worden ist. Als Zwischenergebnis wird ein Satz notiert, der so auch für die feministische Perspektive gilt: „Die Orte zwischen den Kontexten sind es, in denen sich Menschen neu verorten.“ (S. 12). Was zunächst tautologisch klingt, meint nun eben nichts anderes, als dass die Frage nach dem Kontext des jeweiligen Lebens in den Vordergrund der theologischen Forschung gestellt wird. Diese sogenannte Kontextualisierung ist der aktuelle und historische Beitrag der theologischen Frauenforschung bis heute. Dementsprechend bringen die Vorträge bzw. Aufsätze in diesem Buch gesellschaftliche, politische, nationale wie globale Kontexte zur Sprache und zeigen, wie und wo sie darin den Ort theologischen Fragens und Antwortens gefunden haben. Deutlich wird dabei, wie neben der Wahrnehmung der sexuellen Orientierung auch das Feld des interkulturellen und interreligiösen Dialogs sowie umweltpolitische Fragestellungen präsentiert werden, was deutlich zeigt, dass der Impuls der „politischen Theologie“ weiter wirkt und sich gehalten hat.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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