Notizen zur Metaphysik, Markus Chmielorz, Christoph Fleischer, Werl 2013

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Einige Gedanken zu Jean-Luc Nancys Text „singulär plural sein“ (diaphanes Zürich 2004, Durchgesehene Neuauflage 2012, S. 19 – 55),
Zusammenfassungen von Christoph Fleischer, Kommentare von Markus Chmielorz

Ich fasse zusammen Kapitel eins:
Der Sinn sind wir selbst. Sinn ist Kommunikation, ja sogar das Sein selbst ist der Sinn. Wir machen Sinn, in dem wir Welt sind. Die Zirkulation der Welt ist nicht Wiederkehr im Sinn einer Wiederholung, sondern wie ein Kreisverkehr, bei dem man an jeder Stelle herauskommt. Die Welt ist sinnvoll, in dem sich der Sinn immer erneut herstellt, so auch wir, jeder einzelne.

Kommentar:
seit ich mich mit ästhetischen erfahrungen beschäftigt habe, bin ich ein großer anhänger davon, sich mit der frage des sinns, buchstäblich und im übetragenen sinn zu beschäftigen. jede berührung ist sinn-voll, in beiden bedeutungen. wie sollte ich meine hand auf deine schulter legen, ohne dass du es spürst?

Kapitel zwei:
An die Stelle des Heideggerschen „man“ tritt die Wendung „die Leute“. Hier ist von Beziehung die Rede, „Berührung des Sinns“. Der andere ist fremd, wie du dir selbst fremd bist. Jede und jeder ist singulär und dient zum/als Teil der Anderen. Dabei ist der Faktor Zeit wichtig. Jeder ist in jeder Begegnung ein anderer. Kein Tag gleicht dem anderen. Der Sinn ist nicht die Wahrheit, sondern eher die Existenz. Jede Alltags-Begegnung ist ein Teil der Welt und ist der Sinn der Welt, die Ausnahme wird zur Regel.

Kommentar:
ja, was bedeutet es, wenn ich mich in jeder neuen berührung neu be-sinne? dann wird noch einmal deutlich, wie oft wir einem geradezu falschen begriff von identität hinterherjagen, denn nichts kommt festgeschrieben zur deckung, sondern es geht immer wieder um ein aushandeln dessen, was wir in einer berührung zulassen.

Kapitel drei:
Zunächst wird der Sinn verräumlicht, die anderen sind alle. Das Seiende ist wirklich Plural. Position ist Dis-Position, steht also im Verhältnis. Der Ursprung ist geteilt, zugehörig und fremd zugleich. Der Ursprung ist kein Ziel, da alles Sein singulär und Plural ist. Jeder Zugang zur Welt ist anders, jede Welt ist verschieden.

Kommentar:
die vorstellung eines raumes, in dem sich sinn verkörpern kann, gefällt mir außerordentlich gut. im übrigen ist das ganz nah an der bindungsforschung und der forschung des frühen kindesalters. die frage nach dem ziel kommt dann erst hinzu. foucault hatte sie ja bekanntlich damit beantwortet, dass unser leben dem ziel des todes zustrebt.

Kapitel vier:
Aus den Wortschöpfungen folgt der Begriff der Existenz. Die Kreaturen sind die Wirkungen Gottes. Existenz ist immer Begegnung mit dem Ursprung. Der Ausdruck dafür ist die menschliche Neugier.

Kommentar:
und nun? wie kommt gott ins spiel? als neugier des menschen, die sich auf seine existenz richtet? by the way: „gott“ als raum, in dem sinn-volle berührung möglich wird? ist das denkbar?

Kapitel fünf:
In Kapitel fünf geht es um die Neufassung der Metaphysik. Die Aufgabe ist ontologisch. Doch es gibt singulär keinen Sinn. Sinn gibt es nur im „zwischen“ und im „mit“. selbst ist der Sinn. Wir machen Sinn, indem wir Welt sind. Zirkulation ist nicht Wiederkehr im Sinn einer Wiederholung, sondern wie ein Kreisverkehr, bei dem man an jeder Stelle herauskommt. Die Welt ist sinnvoll, in dem sich der Sinn immer erneut herstellt, so auch wir, jeder einzelne.

Kommentar:
ich be-sinne mich nicht für mich selbst, um einen sinn zu spüren und aus, in, mit diesem sinn eine be-deutung zu erfahren, brauche ich gerade die überschreitung in dem sinne, in dem ich meine grenze für den anderen erfahrbar mache.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

2 Gedanken zu „Notizen zur Metaphysik, Markus Chmielorz, Christoph Fleischer, Werl 2013“

  1. …im Übrigen glaube ich, dass die integrale Theorie von Ken Wilber, Jean Gebser und Don Beck (spiral dynamics) nicht mehr fragen muss, wo Gott ins Spirel kommt. Das ganze Spiel ist möglicherweise Gott.

  2. Der Spruch von auto-sender@gratefulness.org passt zum oben beschriebenen:

    Gott stirbt nicht an dem Tag, wenn wir nicht mehr an ihn glauben. Aber wir sterben an dem Tag, an dem unser Leben nicht mehr erleuchtet wird von einem Glanz, täglich erneuert, von einem Wunder, dessen Quelle jenseits aller Vernunft fliesst.
    Dag Hammarskjold

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