Psalmen gründlich und kompakt kommentiert, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2013

Zu: Die neue Echter Bibel, Kommentar zum Alten Testament mit der Einheitsübersetzung, Die Psalmen III, Psalm 101-150, von Frank-Lothar Hossfeld, Erich Zenger +, Echter Verlag Würzburg 2012, ISBN 978-3-429-02360-7, Preis: 34,00 Euro

DNEB_Psalmen 101-150.inddDer 2012 erschienene Band „Psalmen III“ vollendet nicht nur die Trilogie der von Frank-Lothar Hossfeld und dem verstorbenen Erich Zenger herausgegebenen Psalmen-Kommentare, sondern schließt auch die letzte Lücke in der Gesamtausgabe „Die neue Echter Bibel, Altes Testament“, die nun vollständig und zu einem für einen Kommentar erschwinglichen Preis zu haben ist. Die Orientierung an der Einheitsübersetzung folgt einem wissenschaftlich gut fundierten Text, wobei abweichende Übersetzungsvorschläge von den Autoren notiert werden. Da Hebräisch-Kenntnisse für die Kommentare nicht erforderlich sind, ist diese Reihe in der kirchlichen und pädagogischen Praxis gut zu benutzen. Da die Arbeiten des verstorbenen Münsteraner Exegeten Erich Zenger auch vor seinem Tod vollständig vorlagen, konnten für dieses Buch wie vorgesehen verwendet werden.

Der Aufbau ist im Prinzip immer gleich: Eine Einleitung zeigt die inhaltliche Struktur des Textes auf, differenziert zwischen Grundschrift und Redaktion und folgert aus dem Text theologische Inhalte. Danach wird der Text der Einheitsübersetzung angeboten. Zum Schluss wird er begriffsanalytisch Vers für Vers interpretiert. Jeder Text wird im engeren und weiteren Kontext der Bibel als ganzer gelesen und interpretiert, während historische und soziale geschichtliche Bezüge der Redaktionsgeschichte meist fehlen. Die neutestamentlichen Zitate werden aufgezeigt und die innere biblische Wirkungs- und Entstehungsgeschichte dargestellt. Die prägnant vorgestellten Inhalte, die auch in Spannung zueinander stehen können, sind deutlich für Predigt und Katechese ausgearbeitet. Die Kommentare stellen religionsgeschichtliche Bezüge zur antiken Welt her, so dass deutlich wird, wie sich der Inhalt der Psalmen in der altorientalischen Welt einbetten und zugleich theologisch von ihr abheben lässt. Die Konsequenzen der einzelnen Aussagen für das Gottesbild und die Rolle Jesu im Neuen Testament und im Christentum werden aufgezeigt. Die Bibel wird zwar als literarische Einheit, aber in einer ungeheuren Vielfalt und Gedankenwelt wahrgenommen. Eine gründliche Exegese führt eher zur Differenzierung und zur Welt-Orientierung als zur dogmatischen Einordnung in metaphysische Glaubens-Gebäude. Der Glaube der Bibel, wie er sich in den Psalmen darstellt, besteht aus vielfältigen inhaltlichen Bezügen und Symbolen, die sich in ihrer Auslegung auch gewandelt haben. Warum sollte das heute anders sein?

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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