Die islamischen Friedhöfe des Kreises Soest, Laura-Kristin Skirka, Soest, 2013

Recherche im Rahmen einer Hausarbeit zum Thema „Soester Friedhöfe“

Der Anteil der Muslime im Kreis Soest ist weitaus höher, als etwa die der Juden. Eine eigene Moschee in Soest hat ihren Sitz am Brunowall, in welcher sich regelmäßig die Gläubigen des Islams zum Gebet treffen. Jedoch war es deutlich schwieriger, Informationen über die islamische Bestattungskultur und deren Friedhöfe heraus zu finden. Literatur zu dem Thema existiert nicht und Anfragen an den Imam oder ein Islam-Archiv blieben unbeantwortet. Letztlich kontaktierte ich Pfarrer Fleischer, welcher den christlich-islamischen Dialog im Kreis fördert und Soester Muslime, um etwas über das Thema zu erfahren.

Viele Gläubige ziehen es aus Glaubensgründen vor, ihre verstorbenen Angehörigen in das Heimatland zu überführen und dort bestatten zu lassen. „Zu den Wesenszügen der islamischen Religion zählt, dass für einen Verstorbenen das Grab in der Heimat angelegt und nicht wieder belegt wird. Dieser Tradition fühlen sich selbst die meisten säkularisierten Muslime verpflichtet“[1]. Doch wegen hoher Kosten und der Aussicht, dass die Gräber in den muslimischen Ländern meist verwahrlosen, da sich kaum jemand darum kümmern kann, bevorzugen die deutschen Muslime immer mehr eine Bestattung in Deutschland. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden in manchen Städten einige Friedhofsbereiche für islamische Bestattungen abgetrennt.

„Nach deutschem Recht sind die islamischen Religionsgemeinschaften jedoch nicht zur Trägerschaft von Friedhöfen berechtigt, weshalb es ‚nur‘ islamische Gräberfelder auf kommunalen oder auch kirchlichen Friedhöfen gibt.“[2] Neben den christlichen, gibt es zahlreiche jüdische Friedhöfe in Deutschland. Eigene islamische Friedhöfe existieren momentan jedoch noch nicht. Somit gibt es auch in Soest keinen eigenen muslimischen Friedhof. Jedoch ist ein Bereich des Osthofenfriedhofs abgetrennt und wird für muslimische Bestattungen genutzt. Ebenso gibt es in Lippstadt einen Friedhofsbereich für islamische Grabstätten.

muslimische GräberIn der Stadt Werl, im Westen des Kreises Soest gelegen, existieren ebenfalls wenige muslimische Gräber. Allerdings zeigt die Planung der Stadt Werl für weitere Friedhofsnutzungen, keine Fortschritte. In Werl und Soest ist es auch möglich, in einem speziellen Raum der Moschee, die Leiche rituell zu waschen oder die Räumlichkeiten als Abschiedsraum im Fall einer Überführung zu nutzen.

Die muslimischen Glaubensgrundsätze kollidieren allerdings oftmals mit den geltenden Bestattungsgesetzen. In Deutschland ist es, hauptsächlich aus hygienischen Gründen, vorgeschrieben, dass die Zeitspanne zwischen dem Tod und der Bestattung mindestens 48 Stunden beträgt. Im Islam sollte der Leichnam möglichst am selben Tag beerdigt werden. Das deutsche Gesetz legt eine Sargpflicht bei der Erdbestattung fest, die Muslime ziehen es jedoch vor, den Toten in Leinentücher gehüllt zu begraben. Die immer populärer werdende Feuerbestattung lehnt der Islam vollkommen ab. Da es islamische Gläubige gibt, die sich der westlichen Kultur immer weiter anpassen, erfreuen sich die deutschen Bestattungen von Muslimen immer mehr Beliebtheit.

In Soest werden die muslimischen Leichen zunächst rituell gewaschen und danach in Leinentücher gehüllt in ein Grabloch gelegt. Anschließend werden Bretter darüber gelegt und das Grab wird mit Erde zugeschüttet. Somit wurde ein Kompromiss zwischen der Tücher- und Sargbestattung gefunden. Besonders wichtig ist es für die Soester Gläubigen nach wie vor, die Gräber nach Mekka auszurichten. Die Grabsteine sind meistens in Arabisch verfasst. Teilweise werden aber auch beschriftete Holzbretter verwendet.

Die Trauerzeit im Islam dauert ungefähr 40 Tage. Somit kommt es häufig vor, dass in dieser Zeit die Grabstätten mit Blumen und Dekoration überladen werden. Nach dieser Zeit wird die Grabpflege jedoch nicht mehr so sorgfältig betrieben. Somit wirken die muslimischen Gräber auf die Christen meist vernachlässigt oder verwahrlost. Auch in Soest ist diese kulturelle Besonderheit teilweise erkennbar. Es existieren allerdings ebenfalls genügend Gräber, welche sorgfältig gepflegt und bepflanzt werden.

Im Kreis Soest existieren die muslimischen Gräber erst seit ein paar Jahren. Daher ist es nicht möglich, eine derartige historische Entwicklung aufzuzeigen wie bei den jüdischen oder christlichen Friedhöfen. Es ist jedoch erfreulich, dass selbst im Kreis Soest die Integration so voranschreitet, dass auch Muslime hier ihren Glauben ausleben können und ihnen eine Ruhestätte für die Verstorbenen zur Verfügung steht.



[1] Sörries, Reiner: Nach Mekka gewandt. Zur Geschichte und Gegenwart islamischer Friedhöfe in Deutschland. In: Raum für Tote. Hg. v. Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur Kassel. Braunschweig: Thalacker Medien 2003. S. 283.

[2] Ebd.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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