Was können wir gegen Gewalt tun? Beispiele aus dem Unterricht einer Berufsschulklasse.[1] Christoph Fleischer, Werl 2013

Abschluss der Reihe über Gewalt. Es werden die Stichworte ausgewertet, die auf die Frage, was man gegen Gewalt tun kann, aufgeschrieben wurden. Diese Stichworte werden als Material für die darauf folgende Aufgabe verwendet, einen Brief aus dem Knast zu schreiben.

Allgemein, Beobachter: Mehr Toleranz. Familie, Bekannte informieren. Nach einer Lösung suchen, indem sich das „Opfer“ und der „Täter“ zusammensetzen und reden. Schlichtung. Aussprache. Mehr miteinander reden. Informationsaustausch. Mit Lieblingstätigkeiten beschäftigen. Zeit vertreiben. Tabletten. Mehr publik in der Öffentlichkeit. Das Thema soll mehr Aufmerksamkeit bekommen, damit die Opfer sich auch trauen, Hilfe zu holen. Familientherapie. Gewalt abbauen. Streitschlichtung.

Täter: Viele müssen lernen, dass Gewalt keine Probleme löst. Erfahrungen sammeln. Mit den Tätern über die Situation reden. Eine Therapie machen. Beschwichtigung. Sie müssen lernen, besser über Probleme reden zu können. Hobbies zum Abreagieren. Kickboxen. Die Menschen müssten weniger aggressiv werden. Antiaggressionstraining. Sport. Nicht sofort ausrasten. Schokolade essen. Ärztliche Behandlung. Ein Camp gegen Gewalt.

Opfer: Sich mit welchen unterhalten, die dasselbe durchgemacht haben. Pfefferspray[2], sich (so weit wie möglich)wehren. Weglaufen. Polizei anrufen, Meinung eines Rechtsanwalts holen. Beratungsstellen aufsuchen. Selbsthilfegruppen zur Verteidigung aufsuchen. Mit der besten Freundin darüber reden. Verwandte informieren. Öffentliche Zufluchtsorte für die Opfer.

Lernsituation: Du bist 18 Jahre alt und wegen mehrerer Gewaltdelikte im Jugendknast gelandet. Bei einem Besuch Deines Bruders erfährst du, dass sich deine Freundin jetzt von dir trennen will, weil sie glaubt, dass du dich nicht änderst. Du führst ein Gespräch mit dem Gefängnispfarrer, weil du sauer bist. Danach entwirfst du einen kurzen Brief an die Freundin, in der du beschreibst, wie dein Umgang mit Gewalt in Zukunft sein wird.

Ein Brief lautete:

Hallo Schatz!
Ich habe viel nachgedacht, und will meine Gewalttätigkeit hinter mir lassen. Ich möchte mit dir ein neues leben anfangen. In dem Jugendknast ist mir bewusst geworden, was ich den Opfern alles angetan habe. Ich bin dort in einer Therapie und mache ein Antiaggressionstraining. Wenn ich wieder rauskomme, bitte ich dich um ein Gespräch, um dir zu zeigen, dass ich mich geändert habe.

Zusammenfassung der Ergebnisse an der Tafel:
– Entschuldigung
– Einsicht der Reue
– Frau ist alleine und musste ihn verteidigen
– Er verspricht, sich ändern zu wollen
– Therapie anfangen
– aus sich herausgehen und Gefühle zeigen



[1] Die folgenden Stichworte wurden von den Schülerinnen und Schülern erfragt, nachdem in einer Reihe von Referaten verschiedene Orte von Gewalt thematisiert worden sind z.B. in der Disko, am Bahnhof, in der Schule, in der Familie, in der Nachbarschaft usw. Die Gliederung in Allgemein, Beobachter/Täter/Opfer hat ich als Unterichtender nachträglich vorgenommen.

[2] Im Unterrichtsgespräch wurde die Frage diskutiert, ob Pfefferspray unter das Waffengesetz fällt. Es ist unklar, ob der Einsatz trotzdem zur Selbstverteidigung möglich ist. Die Auskunft der Schüler, Reizstoffsprühgeräte sind zum Einsatz gegen Tiere frei gegen und daher auch mit einer Altersbeschränkung frei verkäuflich. Gegen Menschen dürfen sie in einer Notwehrsituation dann auch eingesetzt werden. Die Schülerinnen und Schüler berichteten über den Einsatz der Polizei von Tränengas gegen randalierende Jugendliche auf einer Kirmes.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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