Nicht unvorbereitet alt werden! Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2013

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Zu: www.amiato.de (Hg.): EBook-Ratgeber Wohnen im Alter, http://www.amiato.de/files/ebooks/wohnen-im-alter.pdf

Einen alten Baum verpflanzt man nicht, sagt der Volksmund. Leider ist das heute manchmal anders, da sich im Alter Krankheiten einstellen oder  sogar Pflegebedürftigkeit eintreten kann. Wenn der Ehepartner stirbt und  der andere bleibt allein zurück, ändert sich die Situation sofort , womit unter anderem auch die Wohnsituation gemeint sein kann. Wohnen im Alter ist also oftmals eine ganz neue Herausforderung, da das gewohnte Umfeld sich verändert. Die Kinder sind nicht nur aus dem Haus, sondern längst selbst älter geworden. Auch wenn man auf mehr Hilfe angewiesen ist, können doch die Angehörigen immer weniger einspringen. Die oftmals notwendige Entscheidung zur Veränderung der Wohnsituation wird in dem hier angezeigten EBook entfaltet.
Dabei werden ebenso die Unterstützungsmodalitäten der Pflegekassen erläutert, so dass die Leser zwischen Altenwohnmöglichkeiten oder Pflegeeinrichtungen unterscheiden können. Manches scheint unter bestimmten kommunalen Voraussetzung gewertet. So werden Seniorenresidenzen hier durchweg als Altenwohnanlagen angesehen. Dabei ist es regional unterschiedlich, ob auch Pflegeeinrichtungen als „Residenz“ bezeichnet werden. Ebenso kann man heute zwischen Altenheim und Altenpflegeeinrichtung nicht klar unterscheiden, da jedes Altenheim eine (Alten-)Pflegeeinrichtung ist. Andere Wohnformen, seien es große Häuser mit Altenwohnungen oder auch  eine Senioren-WG, werden pflegerisch ambulant betreut.
Die Broschüre schildert diese Alternative recht sachkundig und bietet Entscheidungshilfen: Wie lange kann man andererseits im gewohnten Wohnumfeld bleiben und welche Möglichkeiten bieten ggf. behindertengerechte Umbauten oder die ambulante Unterstützung bis hin zu „polnischen Pflegekräften“ im eigenen Wohnumfeld?
Sicherlich hängt es von den räumlichen Möglichkeiten und der finanziellen Ausstattung ab, wie lange ein aller Mensch in der eigenen Wohnung bleiben kann. Der Ratgeber rät dazu, sich recht- und frühzeitig auf die Problematik einzustellen und Vorsorge zu treffen. Dazu soll es ab 1.1.2013 Zuschüsse für eine eigene Pflegevorsorgezusatzversicherung geben.
Man kann nicht eine bestimmte Lösung pauschal als richtig oder falsch bezeichnen. Es kommt auf die eigene körperliche und seelische Verfassung und auf die Flexibilität an und auf die Bereitschaft, sich auf Veränderungen im Alter einzulassen. Wird im Alter mehr Flexibilität nötig, als diese in dieser Lebensphase notwendigerweise gegeben ist, so gerät man in eine Zwangslage. Um  diese  beurteilen zu können, benötigt man die aktuellen Informationen über die Zuwendungen der Pflegeversicherung. Hierbei fehlt das ab 1.1.2013 vorgesehene ambulante Betreuungsangebot für Menschen, die zwar noch nicht unter eine Pflegestufe fallen, aber dennoch in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind. Auch ein kritischer Hinweis darauf, dass die Pflegeversicherung auf keiner Stufe die hauswirtschaftlichen Leistungen finanziert, wäre hilfreich gewesen.
Das EBook lädt jedoch sachkundig dazu ein, sich auf das Alter einzustellen und Vorsorge zu treffen, sowie sich selbst und seine Angehörigen rechtzeitig auf diese Situation vorzubereiten.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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