Opherdicker Ausstellung endet – Hans Thuar noch bis Sonntag zu sehen

Print Friendly

Kreis Unna. (PK) Die vom Kreis Unna in Kooperation mit dem August Macke Haus in Bonn auf Haus Opherdicke in Holzwickede präsentierte Ausstellung „Im Garten der Kunst“ endet am Sonntag, 16. Juni. Die mit über 80 eindrucksvollen Arbeiten bisher umfassendste Werkschau des rheinisch-expressiven Künstlers Hans Thuar (1887-1945) wurde bisher von rund 8.000 begeisterten Besuchern gesehen.
Thomas Hengstenberg, Leiter des Fachbereichs Kultur, zeigt sich sehr erfreut über die beeindruckende Resonanz. „Hans Thuar war nicht nur der beste Freund von August Macke, sondern durch ihn auch künstlerisch beeinflusst. Thuars persönliches Schicksal und die kriegsbedingten Umstände seiner Zeit erschwerten jedoch die Wertschätzung seiner Werke. Wir sind dankbar, dass wir diesen zu Unrecht vergessenen Künstler nun mit solch großer Akzeptanz würdigen konnten“, so Hengstenberg.

Zu sehen ist die Werkschau bis einschließlich Sonntag täglich von 10.30 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt beträgt 4 Euro (3 Euro ermäßigt). Kostenlose öffentliche Führungen finden am Sonntag um 11.30 Uhr und um 14.30 Uhr statt.

Das Leben Hans Thuars wurde nachhaltig von August Macke geprägt, den Thuar schon während der Schulzeit kennenlernte. Nachdem der elfjährige Junge 1899 durch einen schrecklichen Unfall mit der Pferdebahn beide Beine verlor, war es August Macke, der Hans Thuar zu ersten Malversuchen ermutigte und ihm neuen Lebensmut gab. Diesem künstlerischen Weg folgend, nahm Thuar 1903 Malunterricht in Köln und besuchte von 1907-1908 die Kunstakademie Düsseldorf. Viel stärker jedoch prägte ihn die Auseinandersetzung mit der Avantgardekunst seiner Zeit, deren Impulse den Künstler zu seiner eigenen farbenkräftigen und ausdrucksstarken Bildsprache führten. Besonders deutlich wird dies in den Landschaftsmotiven, die Thuars Werke dominieren.

Als zu Beginn des Ersten Weltkrieges August Macke 1914 in Perthes-lès-Hurlus/Champagne fiel, löste der Tod seines Freundes eine tiefe Depression und Zäsur im künstlerischen Schaffen Thuars aus. Sechs Jahre lang entstand kein einziges Bild mehr. Erst 1920 fand der Künstler zu seiner Malerei zurück, die er aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten aber immer wieder unterbrechen musste. Die Hochzeit seiner Tochter Gisela mit Wolfgang Macke, dem Sohn August Mackes, im Jahr 1937 vereinte die Familie Macke-Thuar auf besondere Weise. Diese enge familiäre Bindung mochte neben seiner Liebe zur Kunst und zur Natur ein Trost für Hans Thuar gewesen sein. Hans Thuar verstarb 1945 kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Selten waren zwei Künstlerleben so miteinander verwoben wie das von Hans Thuar und August Macke. Die schicksalshafte Freundschaft war nicht nur Auslöser und Wegbereiter für das künstlerische Schaffen Hans Thuars, sondern zugleich eine der wichtigsten Triebkräfte seines Lebens.

Bildzeile: Thuars Gemälde „Blühende Obstbäume“ (Endenich, 1911) erinnert stilistisch an die Werke von August Macke. Foto: Kreis Unna

20130611-153915.jpg

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Kommentar verfassen