Bach im Bahnhof

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Hamm. Bevor Alban Gerhardt das Publikum am morgigen Abend um 20 Uhr im Kurhaus Bad Hamm mit Johannes Brahms‘ Doppelkonzert 127309Pbegeistert, wird er mittags in der Eingangshalle des Essener Hauptbahnhofs zu hören sein. Im Mai dieses Jahres hat Gerhardt das weltweit einzigartige Tourneeprojekt „Bach im Bahnhof“ gestartet: kostenlos spielt er inmitten des Reisebetriebs die Cello-Solosuiten von Johann Sebastian Bach für die Reisenden. Morgen um 12 Uhr ist es in Essen soweit, auf dem Programm stehen die Cellosuiten 1 und 4.

Alban Gerhardt hat sich längst als einer der größten Cellisten unserer Zeit etabliert. Nach frühen Wettbewerbserfolgen und seinem Debüt als 21-Jähriger bei den Berliner Philharmonikern begann seine internationale Karriere, doch der Virtuosenkult unserer Zeit ist ihm suspekt. Er versteht sich als „Musikvermittler“ und schätzt sich glücklich, mit seiner Kunst auch seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Die Idee zum ungewöhnlichen Projekt kam ihm vor einem Jahr im Rahmen eines eintägigen Konzerts, in dem er alle sechs Suiten im Berliner Hauptbahnhof spielte: „Ich war perplex, als sich dort Konzertatmosphäre ergeben hat, teilweise eine bessere als in manchen Konzerthallen. Nachdem ich ursprünglich eigentlich nur beweisen wollte, dass Bachs Musik auch für den ungeschultesten Hörer zum unerwartetsten Moment eine Erfüllung sein kann, so möchte ich nach meiner Erfahrung am Berliner Hauptbahnhof zeigen, dass sich der unwirklichste Ort durch Musik und Höreraufmerksamkeit in einen Konzertsaal verwandeln kann. (…)“

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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