Sind Muslime und Christen Geschwister im Glauben

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Werl. Mit 30 Gästen sehr gut besucht war der Gesprächsabend des interreligiösen Dialogkreises Werl am Dienstag, den 25.06.2013 um 19:00 Uhr in der Werler Fatih Moschee. Das Thema „Sind Muslime und Christen Geschwister im Glauben“ hat ein reges Interesse hervorgerufen, da die Nähe der Religionen des Christentums und des Islams zueinander mehr in der öffentlichen Dialogkreis mit Gästen 25.06.2013 007Wahrnehmung dazu veranlasst, die Unterschiede deutlich zu machen, als die gemeinsamen Grundlagen zu betonen. Die öffentliche Wahrnehmung sieht den Islam oft eher als eine Bedrohung, denn als eine Bereicherung der monotheistischen Glaubensvielfalt. Der Imam Siddik Yilmaz skizzierte deshalb die gemeinsame Abstammung der Religionen, Judentum, Christentums und Islams, zurückgehend auf Abraham bis hin zu Adam. Moses und Jesus genießen einen sehr hohen Stellenwert als Propheten im Islam, der so weit geht, dass Jesus als Sohn von Maria eine ganze Sure im Koran gewidmet wird. An vielen Stellen des Korans, die benannt und zitiert wurden, wird die Bedeutung des friedlichen Nebeneinanders der drei abrahamitischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam, dargestellt. Es soll ein positiver Wettstreit der Religionen stattfinden. Der evangelische Pfarrer Christoph Fleischer hatte den diesbezüglich schwereren Standpunkt, als er die gemeinsamen Grundlagen der Religionen herausstellen wollte, da der Islam zur Lebenszeit Jesu und der Niederschrift der Bibel noch nicht existierte. Die Berufung auf denselben Gott und das historische Entstehen der Glaubensrichtungen lasse jedoch keinen Zweifel zu, dass diese Religionen die gleichen Wurzeln haben. Frau Lucia Lukas verdeutlichte, dass sie in ihrer Kindheit in einem katholischen Dorf eine Glaubensausübung erlebt hat, die der heutigen Ausübung des Islams entspricht. So waren fünf feste Gebetszeiten am Tag genauso die Regel, wie eine feste Fastenzeit. Auf den Hinweis von Gästen über Verse im Koran, die Gewalt zuließen, äußerte Frau Lukas, dass man dann, wenn man die Bibel sorgfältig lese, sehr viele ähnlich geartete Ausführungen finde. Insoweit sei dies eher als Merkmal der seinerzeitigen Zeit, denn als Wertegrundlage des Glaubens zugrunde zu legen. Die Nächstenliebe bis hin zur Feindesliebe ist Wesensmerkmal beider Religionen. Der Lehrer für katholische Religion am Aldegrever Gymnasium in Soest, Herr Gerd Born, verwies insoweit auf den Weltethos des katholischen Theologen Hans Küng. Dieser Weltethos beinhaltet die Grundlage des Sprichworts: „ Was du nicht willst, was man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu. Im Christentum wird dies in der Bibel formuliert: „Alles was Ihr wollt, dass Euch die Menschen tun, dass tut auch Ihr Ihnen ebenso.“ Im Islam wird dieses so benannt: „Keiner von Euch ist ein Gläubiger, solange er nicht seinem Bruder wünscht, was er sich selbst wünscht.“ Dieser Weltethos bezieht alle Religionen, so auch den Hinduismus und Buddhismus, mit ein. Über zwei Stunden fand ein intensiver Austausch in Gesprächen mit den Besuchern statt. Als Resümee des Abends konnte der Moderator Torsten Bechhaus aus der Distanz eines buddhistisch Gläubigen daher festhalten, dass die große Nähe des Christentums und Islams mit identischen Wurzeln und vielen Parallelen dazu führt, dass in der Öffentlichkeit ein besonderer Wert auf die Unterscheidung gelegt wird und nicht auf die Gemeinsamkeiten. Dies sei wie der Streit unter Geschwistern. Der interreligiöse Dialog funktioniert in Werl aber deshalb so gut, weil in Respekt und Freundschaft die Gemeinsamkeiten in den Werten betont werden.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

4 Gedanken zu „Sind Muslime und Christen Geschwister im Glauben“

  1. Warum sollte ich den Kommentar nicht freischalten? Ist doch auch eine Form von Diskussion.
    Und ich danke für die Korrektur des Namens „Khorchide“.
    Dass meine Meinung von der Ihren abweicht, haben Sie ja selbst geschrieben. Das muss ich nicht erneut bestätigen. Ich werde mich an solchen Prognosen nicht beteiligen, die jetzt schon wissen, wohin sich jemand entwickeln wird, vielleicht ausgenommen den Ölpreis betreffend, der bei steigender Nachfrage und knapperen Ressourcen steigen wird.
    Herzliche Grüße

  2. Ich habe ausdrücklich „der orthodox-sunnitische Islam“ geschrieben. Der türkische Staatsislam, der lange ein vom kemalistischen Establishment dekretierter, vergleichsweise moderater hanafitischer Islam war, wird unter Erdoğan immer orthodoxer.

    Zudem genießt dieser türkische Staatsislam außerhalb der Türkei unter gläubigen Muslimen so gut wie keine Wertschätzung,.

    „Es gibt aber auch schon weitergehende, wie M. Kourchide“

    Herr Khorchide (nicht „Kourchide“, arabisch: خورشيد) ist ein weitestgehend isoliertes Irrlicht, auch wenn er vom westlichen Establishment gepuscht wird. Ihre Wortwahl impliziert zudem, dass sich der Islam insgesamt liberalisieren würde, was bei genauer Betrachtung jedoch keineswegs zutrifft, ganz im Gegenteil, seit den 1970er Jahren bewegt sich der Islam weltweit immer mehr in Richtung Orthodoxie.

    All dies können Sie, der Sie völlig verstrickt sind in die Islam-Verharmlosungsindustrie, natürlich niemals zugeben, ohne zugestehen zu müssen, dass sie sich jahrelang völlig getäuscht haben. Das lässt Ihr Stolz und Ihr soziales Umfeld nicht zu, denn dafür müssten Sie wirklich mutig sein.

    Deshalb müssen Sie den einmal eingeschlagenen falschen Weg immer weiter gehen, bis zum bitteren Ende.

    Ich bin sehr gespannt, ob Sie den Mut haben, diesen Kommentar freizuschalten.

  3. Es gibt nicht den Islam, genauso wenig wie es das Christentum gibt. Ich kenne die fundamentalistische Auslegung, aber sie ist nicht die einzige. In Deutschland wird sie nur von den Salafisten vertreten. In den meist türkischen Moscheen überwiegt die moderate Auslegung. Es gibt aber auch schon weitergehende, wie M. Khorchide.

  4. Da wurden die anwesenden mal wieder nach Strich und Faden über den Islam belogen!

    Der orthodox-sunnitische Islam, der in den meisten Ländern der islamischen Welt herrscht, teil die Menschen in Muslime, Dhimmis und Harbis ein. Dhimmis, das sind im wesentlichen Juden und Christen, die sich dem Islam unterworfen haben und eine Kopfsteuer (Dschizya) bezahlen, sind Bürger zweiter oder dritter Klasse. Alle anderen Nichtmuslime sind Harbis, die sünd- und straflos getötet werden dürfen.

    Der Angriffskrieg zu Eroberung immer neuer Gebiete ist nach klassischer Lehre eine kollektive Pflicht (fard kifaya) aller Muslime.

    Das Lügen ist im Krieg, und zwar nicht nur im militärischen, sondern bei jeder Auseinandersetzung zur Verteidigung oder Ausbreitung des Islam nach klassischer Lehre erlaubt.

    Davon ist bei obiger Veranstaltung wieder mal ausgiebig Gebrauch gemacht worden. Weshalb Kirchenvertreter bei diesem Spiel mitmachen, ist mir jedoch völlig rätselhaft.

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