Die Judenschule – Neue Sonderausstellung im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten.

Diese Fotoausstellung und das gleichnamige Buch waren zunächst nicht geplant. Der Auftrag für den Fotografen Thomas Sandberg lautete, Fotos für die Webseite einer Jeschiwa in Berlin, einer orthodoxen Schule, zu machen. Erst später bei der Sichtung des Materials entstand bei ihm die Idee, auch eine Ausstellung und einen Bildband zu produzieren. Bei den Porträtierten handelt es 127865Vsich um Mitglieder einer jungen orthodox jüdischen Gemeinschaft, die alle aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Berlin gekommen sind. Die meisten stammen aus säkularisierten Elternhäusern. Sie selbst als die Kinder und Enkel suchen nach ihren religiösen und kulturellen Wurzeln und wollen dort wieder anknüpfen, wo ihre Groß- oder Urgroßeltern aufhören mussten. Einige möchten die Lebensformen des Chassidismus wieder aufleben lassen. Die von dieser Gruppe gesuchte und gelebte Jüdischkeit fand durch die Schoa ein grausames Ende. Deshalb, so Thomas Sandberg, zeigt die Ausstellung eine sehr besondere Gruppe, die nicht mit orthodoxen Juden in Brooklyn oder Jerusalem vergleichbar ist.

Bild: Garderobe in der Jeschiwa

Der Bildband drei verschiedene Ebenen. Thomas Sandberg hat, wie er sie nennt, erzählende Bilder gemacht. Durch sie lernt man die Personen kennen und sieht, wie es in der Jeschiwa zugeht. Diese Bilder bilden die erste Ebene. Dann habe er „malerische Bilder“ gemacht, Fotos, die ausschnitthaft sind und einer Idee nachspüren, ohne dass er diese näher begründen kann. Dann gibt es noch die Porträts der beteiligten Personen. In der Ausstellung werden zwei Ebenen gezeigt.

Thomas Sandberg mag es nicht, wenn er bei den Aufnahmen als Fotograf wahrgenommen wird und die Leute auf seine Kamera reagieren. Er möchte einer von ihnen werden, um so für seine Fotos nahe an sie heranzukommen, braucht aber auch wiederum die Distanz, damit er die Motive für seine Bilder richtig sehen kann. Das Arbeiten nach einem starren Konzept bei seinen Aufträgen ist nicht Sandbergs Sache. Dennoch kann sich „vor Ort“ durchaus ein Konzept ergeben. Aber auch in einem solchen Fall folgt Sandberg nicht stur einer Idee, sondern variiert diese durchaus von Foto zu Foto. Im Fall der „Judenschule“ hatte er sich entschieden, die Lehrer und Schüler vor einem neutralen weißen Hintergrund zu fotografieren und als Unterscheidung zu seinen Reportagebildern in schwarzweiß. Die einzige Frau in dieser Gruppe, die junge Ehefrau eines Rabbiners, habe er aber dann in Farbe fotografieren „müssen“. Der 1952 in Berlin geborene Thomas Sandberg arbeitet seit 1969 als Fotograf, zunächst für eine Berliner Werbeagentur, dann von 1972 bis 1989 als Fotojournalist für die Neue Berliner Illustrierte. Zwischen 1982 und 1987 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und schloss mit dem Diplom als Fotografiker ab.1990 gründete er mit einigen Kollegen und Kolleginnen in Berlin die Fotoagentur Ostkreuz. Nach einer Tätigkeit als Dozent für Reportagefotografie an der Akademie Fotografie am Schiffbauerdamm in Berlin gründete er 2005 die Ostkreuzschule für Fotografie, deren Leiter er bis heute ist.

Jeschiwa Beis Zion

Die Fotoausstellung „Die Judenschule“ besteht aus 57 großformatigen Fotos, darunter 20 Porträts in schwarzweiß und 37 „erzählerische“ Bilder in Farbe. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, dem 14. Juli 2013, um 11:00 Uhr in Anwesenheit des Fotografen. Zu sehen sind die Arbeiten von Thomas Sandberg bis zum 25. August.

Foto: Medienarchiv „Schüler einer Jeschiwa“

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Kommentar verfassen