Naturschutz im Hemmerder Ostfeld westlich von Werl

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Kreis Unna bittet: Naturflächen schützen – Neue Hinweisschilder im Hemmerder Ostfeld

Die Feldlandschaft im Osten von Unna und Teilen von Fröndenberg ist Bestandteil des kreisübergreifenden Vogelschutzgebietes „Hellwegbörde“.
Landschaftsbehörde und Landwirtschaftlicher Kreisverband sind aber wegen der wachsenden Zweckentfremdung der dort für Naturschutzzwecke hergerichteten Flächen besorgt. Sie bitten, die für Naturschutzzwecke angelegten Raine, Säume und Ackerbrachen, aber auch Anbauflächen, nicht zu betreten, nicht zu befahren oder als Hundeauslaufstrecke zu missbrauchen. Neue Hinweisschilder an neuralgischen Punkten werden diese Bitte in den nächsten Wochen unterstreichen.
In dem Vogelschutzgebiet „Hellwegbörde“ kommen seltene Brutvogelarten wie Wiesenweihe, Rohrweihe und Wachtelkönig sowie rastende bzw. bestandsbedrohte Vogelarten wie Mornellregenpfeifer und Goldregenpfeifer vor. Diese Arten waren für die Meldung der Hellwegbörde als Vogelschutzgebiet Ausschlag gebend, weil NRW für diese Arten eine besondere Verantwortung hat. Ebenfalls bedeutsam sind Vogelarten wie Kiebitz, Feldlerche, Rebhuhn, Wiesenpieper und Schafstelze, die innerhalb des Kreisgebietes in Teilen des Vogelschutzgebietes einen der wenigen Verbreitungsschwerpunkte aufweisen.
Eine Hochburg für Feldvogelarten ist hier die offene Ackerlandschaft östlich von Hemmerde zwischen Eisenbahnlinie im Norden, B1 im Süden und der Kreisgrenze im Osten. Der Kreis Unna hat in diesem Gebiet in Kooperation mit den vor Ort wirtschaftenden Landwirten unter anderem bereits etliche der im Landschaftsplan Unna verankerten Maßnahmen umgesetzt.
Damit der offene Landschaftscharakter erhalten bleibt, konzentrieren sich diese Maßnahmen auf die Anlage von Feldrainen und von bis zu fünf Meter breiten Säumen. Diese Streifen stellen für Vogelarten wertvolle Rückzugs-, Brut – und Jagdgebiete dar und beherbergen viele Insektenarten – wichtige Nahrungsgrundlage für die Vögel. Auch zahlreiche Schmetterlingsarten benötigen solche Hochstaudenfluren, damit sich deren Raupen während der Sommermonate zu farbenprächtigen Faltern entwickeln können.
Einzelne Landwirte beteiligen sich auch am Vertragsnaturschutz und stellen Ackerbrachen gegen eine finanzielle Entschädigung für Zwecke des Feldvogelschutzes zur Verfügung. Auf einer dieser Flächen haben in den vergangenen Jahren mehrere Kiebitzpaare, Feldlerchen, Schafstelzen, Rebhühner erfolgreich Jungvögel groß gezogen.
Darüber hinaus engagieren sich etliche Landwirte beim praktischen Gelegeschutz, in dem gefundene Gelege von Kiebitzen bei der Bewirtschaftung ausgespart werden. Nach Aussage von Christian Makala, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Unna, sind das „wichtige Beiträge, um den rückläufigen Bestandsentwicklungen vieler Tierarten entgegen zu wirken und die Biodiversität zu fördern“.
Das Betreten und Befahren dieser Flächen führe zu einer zusätzlichen Beunruhigung der Feldfluren. Dabei ist das Hemmerder Ostfeld von mehreren befestigten Wirtschaftswegen durchzogen, die als beliebte Spazierwege genutzt werden und auch weiter genutzt werden können. „Das Betreten und Befahren der für Naturschutzzwecke angelegten Randstreifen sowie angrenzender Kulturflächen beeinträchtigt das Ziel der Maßnahmen“, so Christian Makala.
Meist geschehe dies aus Unkenntnis. „Der Zweck dieser Streifen und Flächen ist oft nicht bekannt und nach einer Mahd und nach einem Befahren mit schweren Maschinen entsteht der Eindruck, es handele sich um grüne Feldwege, die es aber nicht sind“, so Heinz-Wilhelm Büscher, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes (WLV). Aus Sicht der Landschaftsbehörde sollten Randstreifen nur zurückhaltend und nur auf Grundlage abgeschlossener Verträge bzw. Absprachen mit dem Kreis gepflegt werden.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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