Brand beim Kloster. Zen – Geist im Tassajara Zen- Mountain – Center, Kalifornien. Rezension von Gerd Kracht, Recklinghausen 2013

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Rezension zu „Furchtlos durchs Feuer. Wie Zen-Geist ein Kloster vor den Flammen rettete,“ Colleen Morton Busch, Verlag Weltinnenraum, Bielefeld, ISBN: 3899016408, das Buch ist von Mitte September an im Handel.

IMG_0090Durchgängig spannend berichtet die Autorin von dem Feuer, im Jahre 2008, das sich um das Kloster, Tassajara-Zen-Mountain-Center, Carmel – Valley/CA, ausbreitete. In Kalifornien, das von enormer Trockenheit heimgesucht wurde, gehören die Herausforderungen zur Flächenbrandbekämpfung zum klösterlichen Sommer-Alltag dazu. Die Bewohner des Zen-Klosters hatten mit der verschlingenden Kraft des Feuers schon mehrfach diverse Erfahrungen gemacht. Der Ort der Übung, das Zen- Dojo, wo die Praxis der stillen Meditation im Sitzen, als Basis-Praxis der Zen-Studenten stattfindet, stand vor dreißig Jahren urplötzlich in Flammen und brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Das Zen-Kloster liegt in einem engen Tal. Die Feuer können praktisch von den umgebenden Bergen das Kloster in Tal erreichen, bzw. von oben niederwalzen.
Um das Kloster vor den Flammen zu retten, entschieden sich 5 Mönche im Juli 2008 das spirituelle Ausbildungszentrum zu schützen. Zusammen mit dem leitenden Abt des Klosters, Steve Stücky, setzen sich fünf Mönche über die Anordnungen der Feuerwehrleute hinweg.
Die Brandspezialisten hatten der Mönchsgemeinschaft unmissverständlich zum Verlassen des Klosters geraten. Doch während der Evakuierung entschieden sich die besagten Mönche, vier Männer und eine Frau, für den Versuch, das Kloster zu erhalten.
Das 1966 gegründete Kloster würde ohne menschlichen Einsatz dem unkontrollierbaren Feuer vollständig zum Opfer fallen. „Die Feuer können,“ so argumentieren die Fachkräfte der Brandwehr, „je nach Wetter und Windrichtung einen Sturm entfalten, der das Tal in einen glühenden Schmelzofen mit 1000° Celsius verwandelt. “

Die Bewohner des Klosters waren sich der Gefahren bewusst. Was würde passieren, wenn das Feuer die Brennstofflager, Holzschuppen und den Propangasbehälter erfasst?

Was also blieb den Zen-Adepten anderes übrig, als mit vorhandenen Ausrüstungen und Gerätschaften die Klostergebäude vor den herannahenden Feuerwalzen zu beschützen?

„Wenn ihr weiter hier leben wollt, solltet ihr euch besser daran gewöhnen, wie man mit Bränden lebt,“ hatte ein Feuerwehrmann schon 1999 gesagt.
Jeder war sich der besonderen Lage des Klosters, und der damit verbundenen Gefahr durch Brände bewusst.

Colleen Busch, die Autorin, kennt die Zen-Praxis, die Örtlichkeiten in Tassajara. In ihrer Begeisterung für die Taten der fünf Mönche fast sie den Untertitel des Buches zusammen: „Wie der Zen-Geist ein Kloster vor den Flammen rettete.“

Die Begeisterung der Autorin, mit der sie Zen-Geist in besonderer Entfaltung darstellt, kommt in durchweg allen Kapiteln zum Ausdruck.
Die Leserin mag annehmen, dass Zen-Geist etwas Besonderes ist. Doch gegen Ende des Buches wird auch klar, dass Zen-Geist nichts Besonderes ist, wie eine amerikanische Zen-Lehrerin, aus San Diego in einem Vortrag entfaltet: „Nothing spezial,“ nennt sie Zen-Geist.
Den zurückgebliebenen Mönchen wird während des Brandeinsatzes und danach klar, dass sie aus dem Geist handelten, den Shunryu Suzuki-Roshi, der japanischen Zen-Lehrer, der das Kloster Tassajara ins Leben gerufen hat un den er noch immer überliefert:

„Im Anfänger-Geist gibt es viele Möglichkeiten

im Geist des Experten nur wenige.“

Der „Weiß- nicht- Geist“ des Anfängers, eröffnet den erfahrenen und unerfahrenen Rettungs- Beteiligten neue, unbekannte Möglichkeiten. Staunen und Dankbarkeit über den Ablauf Rettungsgeschehens im Kloster und im eigenen Inneren bringt eine ehemalige Bewohnerin des Klosters zum Ausdruck:

„Die Zeit geht weiter, es gibt ständig Erneuerung“, sagte eine Tassajara-Lehrerin der Autorin im Gespräch. „Und ich bin ein Teil dieser Erneuerung.“

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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