Einladung an alle, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2013

Zu: Jörg Zink: Das offene Gastmahl, Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 2013, ISBN 978-3-579-06592-2, Preis: 22,99 Euro

Das offene Gastmahl von Joerg ZinkMit dem Buch „Das offene Gastmahl“ legt der inzwischen neunzigjährige Jörg Zink, Pfarrer und Publizist, eine seiner besten Veröffentlichungen vor. Aufs Ganze gesehen liest sich das Buch wie eine Bilanz, in die alle Aspekte seiner theologischen Auffassung eingegangen sind, die Beschäftigung mit der Bibel in heutigem Deutsch, die Publizistik und Kirchentagsarbeit, die Friedensbewegung und Arbeit für die Schöpfung, sowie zuletzt die Mystik.

Das Buch beinhaltet zwei große Textabschnitte. Der erste Teil schildert die wichtigsten Texte der Evangelien, der Paulusbriefe und einer urchristlichen Schrift zum Thema der Mahlzeit, die später zur Eucharistie, zum Abendmahl wurde. Von der Botschaft Jesu her gesehen nennt er dieses Ereignis das „Offene Gastmahl“. Er zeigt damit, wie die junge Kirche mit dieser Vorgabe des Urchristentums umgegangen ist und welchen hohen Stellenwert diese Mahlzeit in der Kirche bis heute behalten musste. Manches, wie das Sättigungsmahl hat sich nicht bewährt, während das schlichte, symbolische Mahl, das auch schon von Judentum her zur Umrahmung einer festlichen Mahlzeit gehörte, zur Mitte der christlichen Feier wurde. Die Erzählungen, die Jörg Zink vorlegt, sind ansprechend formuliert und enthalten jeweils die entsprechende Deutung zum Thema.

Der zweite Teil dient zunächst der Auswertung der biblischen Position und ihrer Anwendung. Darunter sind die Themen „Bedeutung des Todes Jesu“ und die „Einheitsbestrebungen der Kirchen“ im 20. Jahrhundert, besonders in der Zeit des 2. Vatikanischen Konzils. Auch sind die Kirchentage präsent, wie zum Beispiel das Experiment einer symbolische Mahlfeier auf dem 2. ökumenischen Kirchentag mit 20.000 Gästen in einer Fußgängerzone. Jörg Zink bleibt aber nicht bei der Frage der konfessionellen Einheit stehen, sondern betrachtet dann den interreligiösen Dialog. Die Idee der Vereinigung der Konfessionen greift für die Vorstellung des offenen Mahles noch zu kurz, da ja alle eingeladen sind. Das Ziel der Einladung ist die Dialogfähigkeit allgemein. Hierbei betont Jörg Zink allerdings, dass die Mahlfeier im engeren Sinn als Abendmahl der Vergewisserung der Gemeinde dient, während ihr inhaltlicher Anspruch als Offenheit für alle Menschen zum Dialog mit allen Religionen und Weltanschauungen führen müsste. Der Dialog selbst ist dann entsprechend nicht unbedingt als Mahlfeier, sondern als Gespräch oder als Fest gedacht, Veranstaltungen, bei denen es auf die Begegnung ankommt. Dazu enthält das Buch einen kleinen Materialteil, in dem Jörg Zink eine Sammlung von ihm bearbeiteter Texte aus unterschiedlichen Religionen anbietet, die eine Brücke zur christlichen Religion schlagen.

Zuletzt wird die Botschaft des offenen Gastmahls als Kern-Botschaft für unsere Zeit formuliert, in Thesenform die Zusage der Zuwendung und der Offenheit entfaltet und dann ebenso schlaglichtartig die nötigen ethischen Konsequenzen angedeutet. Hier verbindet sich die Offenheit des Mystikers Zink mit dem Engagement für die Kirche im Sinne Jesu. Die Konsequenzen dieser Verbindungen werden in Ich-Sätzen formuliert, in denen es unter anderem heißt:

„In mir ist Gott. Ich bin in Gott. Ich ruhe in der Ruhe Gottes. …

Ich höre eine ferne Musik. Ich höre, dass alles gut sei. Gott ist alles in allem. Er ist das Ganze auch in mir.“ (S. 231)

Der Weg der Religion führt aus der Stille und der Anbetung in den Alltag hinein. In Segensworten wird im Schlussabschnitt deutlich, wie Religion und Alltag zusammengehören.

Die Einladung zum Gastmahl spiegelt die Einladung Gottes wieder, als Teil allen Lebens auf der Erde zu leben. Die Worte wirken schlicht, ordnen sich aber immer auf die Mitte hin, die Gegenwart Gottes als Zusage und als Auftrag, als Einladung zum Leben zu verstehen.

Die Texte, die hier vor allem im biblischen Teil, sind auch einzeln als Lesung oder Kurzpredigt geeignet oder könnten gemeinschaftlich gelesen werden.

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Ein Gedanke zu „Einladung an alle, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2013“

  1. Hallo,

    vielen Dank für diese ausführliche Rezension. Jetzt habe ich wirklich Lust auf das Buch bekommen und denke das ich es mir nächste Woche bestellen werde, denn ein alter Roman den ich gelesen habe, ist bald aus!

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