Orte magischer Ausstrahlung in München, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2013,

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Zu: Christopher Weidner: Mystische Orte in München, Pichler Verlag in der Verlagsgruppe Styria Wien, Graz, Klagenfurt 2013, ISBN 978-3-85431-631-2, Preis: 24,99 Euro

20130910-072526.jpgChristopher Weidner, selbst in München zu Hause, hat sich laut Klappentext auf die Auffindung von „Kraftorten“ in Europa spezialisiert. Zunächst scheint sich der Begriff „mystisch“ im Titel, was sich wohl mit der Bedeutung „geheimnisvoll“ verbindet, mit dem Wort „mythisch“ zu überschneiden, das auf den religiösen Ursprung geschichtlicher Zeugnisse hinweist. In München bietet Christopher Weidner thematisch orientierte Stadtführungen an, so dass man davon ausgehen kann, dass der Erzählstoff dieses Buches aus dieser Arbeit entstanden ist.

So ist dieses Buch zunächst ein Ortsführer für München, der passend zu den Bedürfnissen der Touristen zunächst nach den geschichtlichen Wurzeln fragt und vom Anfang her weiter den Verlauf der Geschichte entlanggeht. Im Unterschied zum gewöhnlichen Ortsführer geht es in diesem Buch nicht in erster Linie um die Baugeschichte, sondern um die dahinter verborgenen Intentionen, um für die Entstehung der Stadt und ihrer Strukturen wichtige Beweggründe. Liegen diese im religiösen Erleben, wie anzunehmen ist, dann wird die Geschichte der Stadt und ihrer Anlage, Orte und Gebäude fast zwangsläufig zu einer Erzählung der Bedeutung von Symbolen. Der Fluss Isar etwa steht für die mystische Kraft, da er zur Schneeschmelze bedrohlich wird, während er sonst ruhig dahin fließt. Das Symbol für diese Kraft ist der Drachen, der sich dann entsprechend oft als Abbild in der Stadt und ihren Gebäuden wiederfindet. Der Autor geht dem Ursprung des Symbols in der heimischen Tradition genauso auf die Spur, wie er an andere mythische Überlieferungen dazu erinnert. Es geht also niemals um eine exklusive Tradition, sondern eher um eine, die sich im Erleben und in der Deutung einer geographisch gegebenen Macht spiegelt, wobei das Buch der Religion in diesem Fall ein religiös gedeutete Natur ist.
Religion spiegelt sich aber genauso in den formalen Entscheidungen der Stadtanlage wieder. Die Gründung der Stadt ist im mittelalterlichen Christentum ein schöpferischer Akt, der die Schöpfung der Welt im Ganzen abbildet. Gut ist, wenn sich am Ort der Neugründung eine Quelle befindet. Wobei es nicht nur um die Trinkwasserversorgung geht, sondern darum, in der Gestalt eines Brunnens die Verbindung zum Wasser der Tiefe wieder zu erkennen. In der Anlage der Stadt kommt eine Zahlensymbolik zum Tragen, wenn etwa die Zahlen Fünf, Sieben und Zwölf in der Anzahl der Tore und ihre Stellung zueinander und zur Mitte der Stadt wiederfinden lassen.
Immer wieder tauchen Mythen und Sagen aus der religiösen Welt oder der profanen Literatur im Stadtbild auf: Wilder Mann, Himmelskönigin, Drache, Brunnenwasser, usw. Der Autor spürt die Zeichen der Geschichte an den Gebäuden und Orten auf und gibt ihnen ihre Bedeutung zurück. Das Buch sprudelt nur so aus der Fülle der Erzählungen in den Stadtführungen und ist so auch eine Anleitung dafür, wie sich anderorts Gebäude und Ortes als „magische Orte“ erschließen lassen. Laut Vorwort soll die Orientierung am Mystischen dazu dienen, in der Frage nach dem Ursprung auch einen neuen Zugang zu sich selbst zu finden. Ob dieser Gedanke religiös gemeint ist oder eher psychologisch, ist wohl jedem und jeder selbst überlassen. Der Autor schreibt nur allgemein: „Die Kraft des Mystischen schafft einen positiven Raum des Möglichen in unserer so rational durchstrukturierten Welt.“ (Vorwort, S. 9)
Der Band von Christopher Weidner ist mit eigenen Fotos reich illustriert und mit einem Personen- und Sachregister versehen. Literatur zur Weiterarbeit ist den Anmerkungen zu entnehmen, die am Ende des Buches übersichtlich aufgeführt sind. Es ist ein Buch entstanden, das Touristen wie Einheimische gleichermaßen im Blick hat und auch darüber hinaus sinnvoll und gut lesbar ist. Weitere Informationen auch zu den Stadtführungen: www.mystisches-muenchen.de, Informationen zu Orten der Kraft auch über München hinaus: www.mystische-orte.de.

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Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Ein Gedanke zu „Orte magischer Ausstrahlung in München, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2013,“

  1. Vielen Dank für die Buchempfehlung! Es muss eben nicht immer ein „normaler“ Reiseführer sein, wenn man eine Stadt wie München für sich entdecken will.
    Viele Grüße,
    Martin

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