Predigt über 1. Timotheus 3,16 in einer Christvesper an Heiligabend

16 Niemand kann es bestreiten:
Groß und einzigartig ist die geheimnisvolle Wahrheit unseres Glaubens:
In der Welt erschienen als schwacher Mensch,
im Himmel in seiner göttlichen Würde bestätigt –
so wurde Christus den Engeln gezeigt
und den Völkern der Erde verkündet.
Überall in der Welt fand er Glauben,
und im Himmel erhielt er die höchste Ehre.

Liebe Gemeinde,

Dieser recht kurze Abschnitt aus dem 1. Timotheusbrief von Paulus zeigt eindeutig, dass die Weihnachtsgeschichte vom Stall und von der Krippe selbst schon Verkündigung ist.
Der in göttlicher Würde als schwacher Mensch erscheint, ist Jesus, der Retter, der aus dem Himmel von Engeln herab angekündigt wird und als Baby in einer Futterkrippe liegt. Diese doppelte Heimat Christi im Himmel und auf der Erde ist die christliche Verkündigung schlechthin.

Es ist also kein Problem, auf dieser Linie die Weihnachtsgeschichte ein wenig zu ergänzen. Aus einer Andeutung des Lukas entnehmen wir, dass die Hirten vielleicht auch einige Schafe dabei hatten, als sie zur Krippe kamen. Auf jeden Fall hatten sie aber ihren Hund mitgenommen, der als Schäferhund zu einer Herde hinzugehört. Es heißt in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas, Maria und Josef hätten keine andere Stelle als eine Futterkrippe als Bett für ihr Kind gehabt. Also müssen wir nach den Tieren suchen, für die der Futterplatz eigentlich gedacht war. Wozu ist eine Futterkrippe da, wenn nicht für die Reittiere, die in der Herberge untergestellt wurden, meistens wahrscheinlich Esel.
Womit wir schon einmal drei Tiere hätten, die möglicherweise etwas von der Geburt Jesu mitbekommen haben, ein Schaf, einen Hund und einen Esel. Vielleicht und möglicherweise gab es in einer solchen Herberge auch Hühner und einen Hahn, der sich zu dieser Runde gesellt hat.
„Als ich wie gewöhnlich ein paar restliche Weizenkörner aus dem Stroh in der Futterkrippe picken wollte,“ erzählte der Hahn, „dann lag darin auf einmal ein kleines Menschenkind. Ich sah ihm in die Augen und wusste, dass mir dieser Mensch noch einmal begegnen würde.“
„Klar,“ bestätigte das Schaf, „wenn es stimmt, was der Engel verkündet hat: euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“
„Ja,“ meinte auch der Hund, „hier in der Futterkrippe sollte das Kind liegen, in richtige Windeln gewickelt, ein ganz normales Baby. Müssen wir also nie mehr auf die Brotkrumen warten, die die Reichen vom Tisch herab werfen und müssen wir den Armen und Leidenden nicht mehr die Wunden und Geschwüre lecken. Die Verhältnisse können und müssen sich ändern.“
„Ja,“ sagte der Hahn, „ich habe am frühen Morgen dreimal laut gekräht, so wie ich immer den neuen Tag anzeige. Jeder Tag ist immer neu und dieser Tag ist ein besonderer Tag, der Geburtstag Jesu. Die Rettung hat in diesem Kind angefangen. Die Veränderung kommt aber nicht von einem Tag auf den anderen. Da müssen noch viele hundert Jahre ins Land gehen. Aber immer wieder keimt neue Hoffnung auf. Weil immer wieder Menschen im Namen von Jesus Schritte hin zu Gerechtigkeit und Frieden gehen.“
„Genau,“ wusste der Esel. „er wird auf mir geritten kommen, nicht auf einem großen Pferd. Er, der die Menschheit ändert, reitet nicht auf einem hohen Ross, sondern macht sich klein. In diesem Menschen ist Gott in der Welt. Zu Recht rufen die Menschen an der Straße: ‚Hosianna dem Sohn Gottes, dem der da kommt im Namen des Herrn.'“
Da fragte der Hund die anderen: „Wie kann denn dann die Verheißung in Erfüllung gehen, dass in diesem neugeborenen Kind der Retter der Welt zu wirken beginnt?“
Das Schaf antwortete gleich: „Gott ist mein Hirte, mir fehlt nichts, weil er mir eine grüne Wiese gibt, auf der ich gehen kann, immer wieder. Gott führt mich immer wieder auf den richtigen Weg zurück. Wenn ich krank und mutlos bin, dann hilft er mir wieder auf die Beine, und wenn ich mich verlaufe, dann sucht er mich. Wenn ich in einem dunklen Tal laufen muss, kann ich mich an ihm orientieren. Auch wenn ich mich manchmal bedroht fühle und Angst habe, finde ich immer einen gedeckten Tisch vor. Mir geht es doch oft so wie einem König.“
Da sagte befand der Esel, dass das doch auch auf alle zutreffen würde, vielleicht ein wenig anders. „Wir alle sind von Gott geliebt, wir alle sind Christus.“ Und er redete dabei wie ein Staatsmann.
„Ja“, stimmte der Hahn zu, „vielleicht wollte er uns das sagen, dass es nicht auf die Größe und Bedeutung ankommt, sondern auf den Geist, in dem wir leben und handeln. Ich rufe den neuen Tag herbei, jeden Morgen. Jeder neue Tag ist ein Geschenk Gottes.“
Und der Hund sprach das Schlusswort: „Dann werden die Menschen hoffentlich verstehen, dass sie uns Tiere nötig brauchen. Wir wollen doch auch dazu beitragen, dass es allen gut geht. Und hier im Stall hat es angefangen, was später der Glaube genannt wurde, der die Welt verändert. Was in einem kleinen Baby anfängt, ist der Friede, der die ganze Welt umfasst. Christus schenkt uns den Glauben, mit dem Gottes Geist die Welt verändert.“

Amen.

Über die Erstausstattung von Maria und Josef ist außer Windeln nichts bekannt. Die Krippe war herbergsseitig vorhanden. Was würden Sie einer schwangeren Flüchtlingsfrau aus Syrien raten? Was steht dagegen unseren jungen Eltern zur Verfügung?

Amen.

Windeln und andere Babysachen:

http://www.bambiona.de/thema/babyausstattung

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Kommentar verfassen