Welt-Wirtschaft neu denken, Rezension von Christoph Fleischer, Werl 2013

Zu: Ross Jackson: Occupy World Street, Roadmap für den radikalen Wandel, Hirzel-Verlag Stuttgart 2013, ISBN 978-3-7776-2342-9, Preis 19,80 Euro

Dieses Buch von Ross Jackson verbindet Sachkunde von Ökologie und Ökonomie auf vielleicht bisher so nicht erkannte Art und Weise. Vielleicht könnte es noch mehr Leserinnen und Leser erreichen, wenn Jackson mit der eigentlichen Hauptthese begonnen hätte, anstelle die inzwischen doch recht bekannten Zukunftsszenarien des Peak Oil darzustellen. Der Begriff „Gaia-Weltordnung“ mutet auch ein wenig mythisch an, zumal man weiß, dass Gaia der Name für die Göttin Erde ist.

Doch dass der Autor nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch ein ausgewiesener Ökonom ist, ein gebürtiger Kanadier, der jetzt als Biobauer und Anteilseigner einer Biolebensmittelgroßhandelskette in Dänemark ansässig ist, zeigen die Kapitel über Ökonomie. Sicherlich kritisiert er die Ökonomie des Kapitalismus und des Neoliberalismus nicht als einziger, zumal er schon vom Buchtitel her als Globalisierungsgegner erkennbar ist. Doch seine Argumentation ist bemerkenswert. Einmal zeigt er, dass die Ökonomie die Krise nur verschärft, solange sie die Ökologie nur als eine Bezeichnung für Ressourcen behandelt. Zum anderen stellt er das Theoriegebäude der Ökonomie insofern in Frage, da dieses in entscheidenden Punkten einer Grundregel der Physik zu widersprechen scheint. Die Wachstumsidee ignoriert den Erhaltungssatz der Physik.
Er folgert: Eine Ökonomie der Gegenwart muss das Ganze im Blick haben. Hierbei greift er auf ein wissenschaftliches Konzept zurück, das in der Weltraumforschung entstanden ist. In der Frage, ob Planeten im Weltall Leben wie auf der Erde entwickeln können, wurde anhand von Kriterien festgestellt, dass das Leben der Erde aus einem sich selbst regulierenden System besteht. Auf dieser Grundlage, die er „Gaia“ nennt, entwickelt Ross Jackson in den Schlusskapiteln konkrete politische und ökonomische Ideen, zur Entwicklung der „Gaia-Weltordnung“ mit einer „Handelsorganisation“, „Verrechnungsunion“ und einer „Gaia-Entwicklungsbank“.
Der Autor zeigt auf, wie von einzelnen Staaten aus die Situation des Welthandelns und der Weltpolitik im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn schon nicht gesteuert, so doch wenigstens beeinflusst werden können.
Die praktischen Modelle, die Ross Jackson entwickelt, sind keine Neuerfindung, sondern knüpfen an bestehenden Organisationen wie der EU oder der WTO an. Daher lassen sich konkrete Vorschläge des Buches in politische Maßnahmen umsetzen, wenn einzelne Entscheidungen anstehen.
Die Hauptprobleme der Welt-Situation werden auch in der verfahrenen Situation der Erderwärmung noch dann zu bewältigen sein, wenn die Staaten nach den Kriterien „Nachhaltigkeit, Demokratie, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung“ (S. 337) handeln. Das Buch muss gar nicht in jedem seiner Vorschläge aufgegriffen werden, sondern könnte auch dann seinen Zweck erreichen, wenn die Grundgedanken der „Gaia-Weltordnung“ aufgegriffen und einzelne politische Maßnahmen umgesetzt werden. Es ist ein Buch, dass gerade durch seine Akribie und Zielorientierung eine gute Perspektive in die zum Teil orientierungslose Klimadebatte bringt, anstelle nur schwarzmalerisch vor dem Weltuntergang zu warnen.

Siehe auch: http://occupyworldstreet.wordpress.com/

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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