Mario und der Zauberer als Theaterstück in Hamm

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Eine Inszenierung von Thomas Manns Novelle ist am 15.01. um 19.30 Uhr im Kurhaus zu sehen, um 18.45 Uhr gibt es für alle Interessierten eine Einführung.

Ein entspannter Urlaub in Italien sollte es werden, schließlich war man schon früher hier gewesen und hatte schöne Erinnerungen. Doch in diesem Jahr macht die deutsche Familie weniger gute Erfahrungen: schon in den ersten Tagen im Hotel spürt man eine eher unangenehme Stimmung, fühlt sich weniger willkommen als sonst. Die Unterkunft wird gewechselt, aber rechte Ferienstimmung kommt trotzdem nicht auf. Da kommt die Ankündigung einer Varietévorstellung mit einem Zauberer gerade recht. Die Eltern lassen sich von ihren Kindern nicht lange bitten und besorgen Karten. Zur Vorstellung strömen Gäste wie Einheimische, so ist auch der Kellner Mario, den die Familie sehr schätzt, unter den Zuschauern.

Cipolla nennt sich der Magier, der die Touristen unterhalten soll. Schnell wird klar, dass dieser Mann weit mehr ist als ein harmloser Taschenspieler, zu seinen Kunstfertigkeiten zählen arithmetische Kunststücke, Kartentricks und – Hypnose. Wo beginnt die Manipulation? Ohne eigenen Willen folgen die Mitspieler, die Cipolla zu sich auf die Bühne holt, seinen Befehlen. Die Show wird zu einem Versuchslabor, die Gäste zur Masse, die das Ereignis spannender finden, als den Widerstand gegen die Macht und Überlegenheit des Magiers. Der Protest bleibt klein und überschaubar, die Naivität des Glaubens an die Einhaltung der etablierten Regeln sichert Cipolla oben auf der Bühne seinen Vorsprung. Alle folgen ihm, sind beeindruckt von seinem Können. Als Letzter landet Mario auf der Bühne, den Cipolla durch Hypnose dazu bringt, ihn zu küssen – in dem Glauben, er habe seine heimliche Liebe vor sich. Diese Demütigung, die Bloßstellung seiner Liebe, kann und will Mario nicht akzeptieren – der Schein des Spiels explodiert in eine Katastrophe!

Einmal mehr hat sich das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel eines Klassikers angenommen und präsentiert seine Inszenierung von Thomas Manns Novelle am Mittwoch, 15. Januar, um 19.30 Uhr im Kurhaus. Alle Interessierten, die ein bisschen mehr über Hintergründe, Fakten und Besonderheiten des Stücks erfahren möchten, sind herzlich zum Einführungsgespräch um 18.45 Uhr eingeladen.

Thomas Mann (1875 – 1955) gilt als einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Schon seine erste Novelle, „Gefallen“ (1894), wurde publiziert und verschaffte ihm weitere Veröffentlichungsmöglichkeiten. „Buddenbrooks“, sein erster Roman, erschien 1901, 28 Jahre später sollte Mann dafür den Nobelpreis für Literatur erhalten. Nicht alle Werke erhalten eine gleichermaßen starke Resonanz, herauszuheben sind u. a. „Der Zauberberg“ (1924), „Tonio Kröger“ (1903), „Tod in Venedig“ (1912) und auch „Mario und der Zauberer“.

Die Novelle mit dem Untertitel „Ein tragisches Reiseerlebnis“ erschien 1930 und beruht laut Mann selbst auf einer wahren Begebenheit. Es liegt nahe, den Text als Parabel auf das Verhältnis des Einzelnen in Bezug auf den Faschismus zu lesen und sicherlich hat Mann die moralisch-politischen Untertöne bewusst gesetzt. Letztlich geht es um die Frage der Willensfreiheit des Einzelnen, die Zauberer Cipolla verneint: „Die Freiheit existiert, und auch der Wille existiert; aber die Willensfreiheit existiert nicht, denn ein Wille, der sich auf seine Freiheit richtet, stößt ins Leere.“

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Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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