Fastenzeit, Gedanken für einen Grundschulgottesdienst, Christoph Fleischer Werl 2014

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Eigentlich müsste man ja sagen: Wer nicht Karneval feiert, braucht auch nicht zu fasten. Dann wäre das Fasten so etwas wie eine selbstauferlegte Strafe, um wieder mit Gott ins Reine zu kommen.
Eine andere Erklärung, die genauso wenig einleuchtet, ist die Tatsache, dass bei uns die Fastenzeit in die Zeit fällt, in der am wenigsten geerntet wird. Der Winter ist ja ohnehin die Zeit, in der die Mitteleuropäer von ihren Vorräten gelebt haben. Und damit musste man sparsam sein. Auch die Indianer in Nordamerika und Kanada sollen im Spätwinter gefastet haben.
Aus beiden Erklärungen wird aber deutlich: Fasten muss Verzicht bedeuten, Sparsamkeit und bewusstes Leben. Eine gute Anregung ist vielleicht, ein Fastentagebuch zu führen. Ich will das mal versuchen.

Für mich persönlich hat das Fasten gesundheitliche Gründe. Ich möchte weiter abnehmen, um meinen Blutdruck dauerhaft zu senken, ohne mehr Tabletten nehmen müssen. Wer sich in meinem Alter daran nicht hält, riskiert einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall und beides ist sehr unangenehm und kann tödlich sein.
Am besten finde ich die Aktion sieben Wochen ohne. Ich habe selbst davon profitiert. Das Grundprinzip dieser Aktion besteht darin, in der Fastenzeit auf eine Sache zu verzichten, die mir selbst vielleicht sogar schadet, die ich aber gern mache. Das bekannteste Beispiel ist das Essen von Süssigkeiten. Ich sage dass bewusst hier im Schulgottesdienst, weil bei mir das Essen von Süssigkeiten schon im Kindesalter angefangen hat. Letztlicht hat mich kein Zahnarzt davon anbringen können. Wichtig ist bei der Aktion sieben Wochen ohne, dass man bewusst nur auf eine Sache verzichtet. Ich nenne mal drei Beispiele und bitte diese Leute jetzt aufzustehen.
Wer ist gern Süssigkeiten?
Wer spielt gern Playstation oder eine andere Konsole?
Wer gebraucht schon einmal Schimpfworte oder lästert über andere?
Bei manchen trifft alles drei zu. Die dürfen z. B. weiterhin lästern oder Süssigkeiten essen, verzichten auf die Konsole. Oder sie verzichten auf Süssigkeiten, dürfen aber weiter Schimpfworte gebrauchen.
Das ursprüngliche Fasten ist ein Verzicht auf Zeit. Da denkt man auch meist nur an die Ernährung. Meist sprach man dabei von Fleisch. Doch nur auf Fleisch zu verzichten, finde ich ziemlich wenig. Manche sind ja sowieso schon Vegetarier, für die würde die Fastenzeit dann ausfallen.
Was gewinnt man dabei? Es geht um die Erfahrung von Religion. Jesus sagt: Sorget nicht! Das ist leichter gesagt als getan. So leicht lässt sich das eben nicht anstellen. Wir sorgen uns eben um Kleidung, um Wohnung, um Bildungsabschlüsse, um Arbeitsplätze, um die Zukunft der Erde. Diese Sorge ist auch wichtig.
Es geht eher um die Sorge um das Unwesentliche. Die Fastenzeit soll uns helfen, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren; dazu gehört such der Glaube an Gott, der immer mehr in Vergessenheit gerät. Es kann im Leben passieren, dass uns irgendetwas dazu zwingt, verzichten zu müssen. Die Fastenzeit ist dazu nützlich. Es kommt auf das Leben allein an, das ist das Wichtigste. Viel Drumherum, Auto, Computer, Urlaub, Haus, Hobby, das hat seinen Wert, keine Frage. Aber wer fragt sich noch, was der Sinn seines Lebens ist. Verzichten auf etwas, was uns vom Sinn des Lebens ablenkt, das ist für mich Fasten.

Amen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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