Karfreitagspredigt über Jesaja 53, 1-12, Christoph Fleischer, Werl 2014

Jesaja 53, 1 – 12:

Wer hätte geglaubt, was uns da berichtet wurde? Wer hätte es für möglich gehalten, dass die Macht des HERRN sich auf solche Weise offenbaren würde? Denn sein Bevollmächtigter wuchs auf wie ein kümmerlicher Spross aus dürrem Boden. So wollte es der HERR.
Er war weder schön noch stattlich, wir fanden nichts Anziehendes an ihm. Alle verachteten und mieden ihn; denn er war von Schmerzen und Krankheit gezeichnet.
Voller Abscheu wandten wir uns von ihm ab. Wir rechneten nicht mehr mit ihm. In Wahrheit aber hat er die Krankheiten auf sich genommen, die für uns bestimmt waren, und die Schmerzen erlitten, die wir verdient hatten.
Wir meinten, Gott habe ihn gestraft und geschlagen; doch wegen unserer Schuld wurde er gequält und wegen unseres Ungehorsams geschlagen. Die Strafe für unsere Schuld traf ihn und wir sind gerettet. Er wurde verwundet und wir sind heil geworden.
Wir alle waren wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging seinen eigenen Weg. Ihm aber hat der HERR unsere ganze Schuld aufgeladen. Er wurde misshandelt, aber er trug es, ohne zu klagen. Wie ein Lamm, wenn es zum Schlachten geführt wird, wie ein Schaf, wenn es geschoren wird, duldete er alles schweigend, ohne zu klagen. Mitten in der Zeit seiner Haft und seines Gerichtsverfahrens ereilte ihn der Tod.
Weil sein Volk so große Schuld auf sich geladen hatte, wurde sein Leben ausgelöscht. Wer von den Menschen dieser Generation macht sich darüber Gedanken? Sie begruben ihn zwischen Verbrechern, mitten unter den Ausgestoßenen, obwohl er kein Unrecht getan hatte und nie ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen war. Aber der HERR wollte ihn leiden lassen und zerschlagen. Weil er sein Leben als Opfer für die Schuld der anderen dahin gab, wird er wieder zum Leben erweckt und wird Nachkommen haben.
Durch ihn wird der HERR das Werk vollbringen, an dem er Freude hat. Nachdem er so viel gelitten hat, wird er wieder das Licht sehen und sich an dessen Anblick sättigen. Von ihm sagt der HERR: »Mein Bevollmächtigter hat eine Erkenntnis gewonnen, durch die er, der Gerechte, vielen Heil und Gerechtigkeit bringt. Alle ihre Vergehen nimmt er auf sich. Ich will ihn zu den Großen rechnen, und mit den Mächtigen soll er sich die Beute teilen. Denn er ging in den Tod und ließ sich unter die Verbrecher zählen. So trug er die Strafe für viele und trat für die Schuldigen ein.«

Liebe Gemeinde!

Kreuzigung? Ja, vom Tod eines Menschen ist die Rede, der Gott nahe stand. Zu Recht fragt der Kämmerer in der Apostelgeschichte 8, nachdem er eine Stelle dieses Textes Philippus vorgelesen hat: „‚Bitte, sag mir doch: Um wen geht es hier eigentlich? Meint der Prophet sich selbst oder einen anderen?‘ Da ergriff Philippus die Gelegenheit und verkündete ihm, von dem Prophetenwort ausgehend, die Gute Nachricht von Jesus.“ Also: Von wem redet Jesaja hier, von sich selbst oder von jemand anderem?
Ein Bild, das auf beide Beschreibungen passt ist die weisse Kreuzigung von Marc Chagall (das Bild kann hier aus Gründen des Urheberrechts nicht angezeigt werden. Bitte googeln!) Ich kommentiere das Bild nur kurz und fahre dann die Predigt wie angedacht fort:

Jesus wird in dieser Beschreibung wiedererkannt, denn, so nach Luther: „Er lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Sünde willen geschlagen und durch seine Wunden sind wir geheilt.“
Stimmt das eigentlich aus unserer persönlichen Perspektive? Einerseits haben wir den Tod Jesu am Kreuz doch wahrhaftig nicht Gott angelastet, sondern denen, die die ihn ans Kreuz gebracht haben, direkt oder indirekt. Sicherlich kann man aus bereits vorhandenen Vorstellungen die Deutung für Jesu Kreuzigung ableiten, doch andererseits geht es aus heutiger Sicht nicht zu sagen, dass hier Jesus gemeint sein kann, auch wenn wir ihn als Sohn Gottes bezeichnen und in ihm den Messias Israels sehen, weil der Text mindestens dreihundert Jahre vor Jesus geschrieben wurde.
Richtig ist, dass der Tod Jesu am Kreuz für unseren Glauben kein Unfall war, obwohl sicher Unrecht, aber auch nicht von Gott selbst herbeigeführt. Genauso richtig ist aber auch, dass der Tod des Messias am Kreuz seine Auferstehung zur Folge hatte, und zwar sogar so, wie es Paulus sagt, dass er genauso darin der „Erstling der Verstorbenen“ ist. Jesus ist für uns gestorben, damit unser Tod mit ihm geschehen kann und genauso wie bei ihm, der Weg in das Leben bei Gott ist.
Doch warum musste Jesus – für uns – genau diesen Weg gehen? Wäre er als der politische Messias nicht besser diesem Weg ans Kreuz aus dem Weg gegangen? Doch auch dieser Satz ist hypothetisch. Der politische Messias gewinnt oder scheitert in jeweils nur einer einzigen Aufgabe. Er besiegt die Römer, oder er landet im Untergrund, weil er sie nicht besiegen kann. Beides ist politisch gesehen möglich, und ein solcher Messias ist und bleibt eine historische Gestalt. Politik ist ein fortwährender Befreiungsprozess, der nicht an einer menschlichen Gestalt ein für allemal festgemacht werden kann. Wenn das Judentum nun sagt, dass es diesen neuen David seitdem nicht gegeben hat, sondern (noch) immer nur erwartet werden kann, hat das doch einiges für sich. Ein politischer Messias wird nach seinem Tod niemals auferstehen, sondern eine historische Gestalt bleiben, an den bestenfalls Gedenktage erinnern.
Um Christus zu verstehen, sollten wir heute vor dem Hintergrund von Jesaja 53 mal ehrlich fragen, was einen Messias zum Messias macht und inwiefern Christus dann auch tatsächlich der Christus war und ist, inwiefern er der gekreuzigte und auferstandene Messias ist, der in der Gegenwart Gottes wirkt und regiert, symbolisch, mythisch, in Gesten, Riten und Worten, im Evangelium.
(Anmerkung: Dazu setze ich nun Zitate von Emanuel Levinas aus dem Buch von Rolf Kühn: aus Rolf Kühn (Hrsg.): Religio und passio, Echter Verlag Würzburg 2014 (S. 50, 53f, 55)).
Emanuel Levinas zitiert in einem Text mit der Überschrift „Wer ist Messias?“ eine rabbinische Überlieferung, die sich mit den unterschiedlichen Namen für den Messias im Judentum beschäftigt. Hierzu sollte man kurz in Erinnerung rufen, dass auch im Neuen Testament der Name Jesu ein Bedeutungsträger ist. Der Name Jesus kommt von Jehoschua, also dem biblischen Josua und heißt: Gott rettet. Durch die Namensgebung wird im Judentum eine bestimmte Vorstellung verdeutlicht und ausgedrückt, welche Bedeutung man der Person dieses Namens gibt. Es ist also mehr eine Bezeichnung als ein Name. Der Knecht Gottes im Gottesknechtslied Jesajas dagegen hat keinen Namen, ist also noch bedeutungsoffen und kann auf eine beliebige Person übertragen werden, rückwirkend oder vorausblickend.
Levinas nennt Rabbinen, die dem Messias einen Namen geben:
„Wie lautet sein Name? In der Schule des Rabbi Schila sagten sie, sein Name sei Schilo, denn es heißt (Genesis 49,10), ‚bis Schilo kommt‘.
In der Schule des Rabbi Jannai sagten sie, sein Name sei Jinnon, denn es heißt (Jeremia 16,13) ‚Sein Name soll ewig bestehen; vor der Sonne soll sein Name sprossen (hebräisch jinnon)‘.
In der Schule des Rabbi Chanin sagten sie, sein Name sei Chanina, denn es heißt (Jeremia 16,13): ‚Ich werde euch keine Gnade mehr schenken (hebräisch: chanina)‘ (S. 50).
Später fügt Levinas einen vierten und einen fünften Namen hinzu:
„Manche sagen: sein Name sei Menachem, Sohn Hiskias, denn es heißt: (Klagelieder 1,16): ‚Fern ist der Tröster (hebräisch: menachem), mich zu erquicken.'“(S. 52)
„Und die Rabbinen sagten: sein Name sei der ‚Aussätzige des Lehrhauses’…“ (S. 52)
„… Denn es heißt (Jesaja 53,4): ‚Aber er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt.'“(S. 53)

Auffällig ist für Levinas zunächst, dass die Namen, die die jeweiligen Lehrgruppen für den Messias wählen, zwar einer bestimmten Bibelstelle entsprechen, diese aber jedoch auch immer vom Klang her an den Namen des jeweiligen Rabbiners erinnern, der diese Gruppe prägt. Die Vorstellung, der Messias sei eine historische Person, ist also schon kaum haltbar. Es ist auffällig, dass der Messias eine Umschreibung erhält, der sein Wesen und seine Aufgabe und Bedeutung ausdrückt. Von daher, und nun gerade auch von unserem Predigttext Jesaja 53 ausgehend, stellt er nun fest, dass das, was Messias heißt, ein Element jeder einzelnen Person sein kann, hier bei Jesaja speziell die Erfahrung des Leidens, die gar nicht auf eine bestimmte Ursache zurückgeführt wird. Es heißt, gemeint sei bei Jesaja ein Aussätziger, der sich ins Lehrhaus flüchtet, eventuell ein aussätziger Prophetenschüler. Der Messias soll nicht historisch gedeutet und verstanden werden, aber wie dann? Messias ist eine Erfahrung, die für einzelne Menschen gilt, aber auch typisch für das ganze Volk sein kann. Noch einmal greift Levinas eine rabbinische Tradition auf, die betont, der Messias sei weder zukünftig noch eine Person der Vergangenheit, sondern er sei gegenwärtig:
„Raw Nachman sagte: ‚Gehört er zu den Lebenden, so bin ich es, denn es heißt (Jeremia 30,12): ‚Sein Machthaber wird ihm selbst entstammen, sein Herrscher aus seiner Mitte hervorgehen.'“ (S. 54).
Hier fällt Emanuel Levinas nicht zufällig auf, dass sich das, was im Judentum Messias bedeutet, ebensowenig zufällig mit dem verbindet, was im Christentum christlich heißt. Vom letzten Zitat aus dem Buch Jeremia ausgehend stellt er nun fest, dass die besondere Art des Messias seine Gegenwärtigkeit ist, dass also Messias immer jemand ist, der in der Gegenwart lebt. Die Zitate der Bibel oder der Geschichte, durch die Rabbinen oder darüber hinaus haben immer einen symbolischen Sinn, der die gegenwärtige Erfahrung deutet. Letztlich ist jeder, der diese biblischen Sätze für sich akzeptiert, Messias. Levinas schreibt seine Beobachtungen und Rückschlüsse ausgehend in der jüdischen Auslegung von Jesaja 53 und wendet das Gesagte auf die Gegenwart an:
„Wie wir sahen, ist der Messias der Gerechte, der leidet, der das Leid der anderen auf sich geladen hat. Wer lädt letztlich das Leid der anderen auf sich, wenn nicht das Sein, das ‚Ich‘ sagt? Gerade die Tatsache, sich der Last, die das Leid der anderen auferlegt, nicht zu entziehen, definiert die Selbstheit. Alle Personen sind Messias. Das Ich als Ich, das alles Leid der Welt auf sich nimmt, bestimmt sich ganz allein für diese Rolle. Sich auf diese Weise zu bestimmen, sich nicht zu entziehen, so dass man antwortet, noch bevor der Ruf ertönt, genau das heißt Ich zu sein. Das Ich ist derjenige, der sich selbst dazu ernannt hat, alle Verantwortung der Welt zu tragen.“ (S. 55).
An dieser Stelle verschmelzen tatsächlich die Aussagen des Gottesknechtslieds mit der Erzählung von Golgatha. Golgatha ist ein Beispiel für das menschliche Erleben, das mit Gott identisch ist, und hier den Namen Jesus Christus trägt. Es ist doch gerade im Sinne dessen, was Levinas anhand der rabbinischen Traditionen beschreibt ganz folgerichtig, dass Christus nach der Auferstehung und durch die Auferstehung an jeden glaubenden Menschen weitergegeben wird, als Zuspruch und Anspruch. Getauft zu sein auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilige Geistes heißt: Ich bin Messias, ich bin Christ, ich bin Sohn, Kind Gottes.
Jesus ist also tatsächlich für uns gestorben. Nicht um sein vergossenes Blut zu einem Opfer zu machen, sondern um genau das zu ermöglichen, dass der Glaube an ihn Menschen dazu bringt, wie er von Gott und von sich selbst zu denken, messianisch: Ich bin getauft, ich bin Christ, ich bin Messias, das ist dasselbe. Dadurch wird die Idee vom politischen Messias ad absurdum geführt, weil Messias immer in der Gegenwart geschieht und als eine Hoffnung für das Ende aller Tage besteht, aber nicht für einen Übergang. Gerade Jesaja 53 und auch die vielen anderen Bibelzitate in der Kreuzigungsgeschichte und bei Jesus allgemein bringen uns heute dazu, die jüdische und christliche Interpretation des Messias und Jesu miteinander zu verbinden, und nicht gegeneinander zu setzen.
Über das Judentum hinausgehend, aber dennoch, so meine ich, ganz auf dieser Linie ist die Interpretation des Kreuzes, als Symbol und als Zeichen genau dieses Glaubens an den Gekreuzigten, an den gegenwärtigen Messias, an Christus.
Das Wort Kreuz steht als Symbol für jede Form von Leiden. Zugleich ist das Kreuz auch in seiner Gestalt ein symbolischer Ausdruck. Die waagerechte Linie ist das Zeichen der Gegenwart, in der der Mensch lebt und leidet. Die senkrechte Linie durchkreuzt die Gegenwart. Sie stellt die Verbindung von oben und unten dar. In der Mitte befindet sich der Gekreuzigte, der Mensch. Durch die senkrechte Verbindung wird gezeigt, dass die Existenz des Menschen immer über sich selbst hinaus geht. Sie ist nach unten angebunden und verwurzelt, wie sie genauso gut nach oben offen ist. Die Waagerechte steht für das Begrenzte des Lebens. Das Leben hat Anfang und Ende. Die senkrechte Linie zeigt, dass das Leben des Menschen in der gesamten Schöpfung und Ewigkeit zu Hause ist. So sagt es auch der 90. Psalm, der vom Tode handelt. Er beginnt mit den Worten „der Herr ist unsere Zuflucht von Ewigkeit zu Ewigkeit“.
Ich möchte nun noch abschließend ins Gesangbuch schauen und am Beispiel einiger Passionslieder zeigen, dass schon diese Lieder das eigene Ich mit dem Kreuz Jesu verbinden.
Um das Ergebnis vorweg zu nehmen zitiere ich Paul Gerhardt, die neunte Strophe des Liedes „O Haupt voll Blut und Wunden“:
„Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; wenn mir haben allerbängsten wird um das Herz zu sein, so reißt mich aus den Ängsten Kraft deiner Angst und Pein.“ (EG 85,9)
Dieser Gedanke bedeutet doch ganz klar, dass uns die Beschäftigung mit der Kreuzigung Jesu die Gelegenheit bietet, über unseren eigenen Tod nachzudenken. In der Betrachtung des Kreuzes Jesu stellt sich der Gedanke des Glaubens heraus, dass wir auch in unserem Sterben nicht allein sind, sondern in der Hand Gottes bleiben.
Doch es geht ja nicht nur um den Tod, sondern auch um das Leben. So heißt es in dem Lied „O Welt sieh hier dein Leben“, ebenfalls von Paul Gerhardt:
„Du nimmst auf deinen Rücken die Lasten, die mich drücken viel schwerer als ein Stein; du wirst ein Fluch, dagegen verehrst du mir den Segen; dein Schmerze muss mein Labsal sein.“ (EG 84,5)
Es sind also nicht nur die Vorstellungen des Leidens und der Schmerzen, die wir mit dem Tod verbinden, sondern ganz allgemein die Leidensumstände des Lebens, die wir am Kreuz Jesu wieder finden.
Das Kreuz Jesu ist also das Symbol des Glaubens, der etwas mit unserem Leben zu tun hat. Im gleichen Lied heißt es:
„Nun, ich kann nicht viel geben in diesem armen Leben, eins aber will ich tun: es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhen.“ (EG 84,8)
Hier kommt nun die senkrechte Linie zum Tragen: Das Kreuz ist das Symbol des Glaubens, und in ihm bleibt Christus unsichtbar an unserer Seite. Ja genau genommen wird unser Leben zur christlichen Existenz umgestaltet.
So wird nun auch das freiwillige Leiden des Gottesknechts bei Jesaja zur symbolischen Bedeutung des Todes Jesu herangezogen:
„Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und büßet in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank, entsaget allen Freuden; es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: ‚Ich will’s gern leiden‘.“ (EG 83,1)
Wie in einem Brennglas wird die Schuld der Welt und ihrer Kinder mit dem Kreuz in Verbindung gebracht. Durch das stellvertretende Leiden Jesu, des Gottesknechts, des Messias, wird die Schuld der Welt überwunden. Dieses Leiden, so haben wir es gerade vorher gesehen, findet sich im Leben jedes einzelnen Menschen wieder. Also findet auch im Leben jedes einzelnen Menschen die Überwindung dieses Leidens statt. Das Kreuz ist mehr als ein historisches Ereignis. Es wird im Text, in der Lesung, in der Predigt, im Abendmahl, im Gebet und in den Liedern immer wieder inszeniert und vergegenwärtigt. Das einmalig Geschehene wiederholt sich in Gedanken immer wieder neu.
Deshalb gehört das letzte Wort dieser Predigt der Dankbarkeit. Wie Dankbarkeit ohnehin die Grundstimmung des Glaubens sein sollte, so zeigt sich dies besonders in Gedenken der Kreuzigung:
„Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennot, in das äußerste Verderben, nur dass ich nicht möchte sterben: tausend-, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür.“ (EG 86,1)
Amen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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