Predigt über Hebräer 13,20–21 mit Konfirmandinnen und Konfirmanden, Christoph Fleischer, Werl 2014

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Hebräer 13, 20–21 (Gute Nachricht Bibel)
Gott ist es, der Frieden bringt. 
Er hat den großen Hirten der Schafe aus dem Reich der Toten heraufgeführt, Jesus, unseren Herrn, durch dessen Blut er den ewigen Bund in Kraft gesetzt hat. 
Er mache euch fähig, all das Gute zu tun, das er haben will; er schaffe in uns durch Jesus Christus, was ihm gefällt. 
Ihm gehört die Herrlichkeit für alle Ewigkeit! Amen.

Liebe Gemeinde!
Heute ist der Hirtensonntag, zugleich der zweite Sonntag nach Ostern, das heißt: Jesus sammelt nach seinem Tod die Jüngerinnen und Jünger wie eine Herde und leitet sie. „Wo zwei der drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20)

Jesus ist der gute Hirte. Dazu gibt es verschiedene Aspekte, die auch in den Lesungen genannt wurden. Hier heißt es, dass Gott den großen Hirten aus dem Totenreich heraufgeführt hat.
Christus ist als Hirte gegenwärtig in unserem Leben und in der Kirche. Man kann sagen, dass die Kirche seine Herde ist.
Dazu ein Beispiel: die Katakomben in Rom, christliche Begräbnisstätten, enthalten viele Wandbilder aus dem 2. und 3. Jahrhundert und sind somit Zeugen der Religion der ersten Christen. Drei Bilder habe ich mitgebracht (werden gezeigt).
Dazu einige Infos:
„In den Katakomben, den Grabstätten der Christen im 3. und 4. Jh. zu Rom, finden wir über 140 mal dieses Bild, vielleicht das älteste Christus-Bild. Es zeigt Jesus als den Guten Hirten. Eine jugendliche Gestalt. Von ihr geht Kraft, Zuversicht und Geborgenheit aus. Dieser Jesus sagt von sich selbst: „Ich bin der gute Hirt. Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.“ Jesus kennt mich, das bedeutet: Er kennt meine Schwächen, meine Angst. Gott nimmt mich an, so wie ich bin. Der Gute Hirt liebt seine Schafe. Er macht sich Sorge, er sorgt für uns. Er weiß vor allem, was wir brauchen. Und wenn sich ein Schaf verirrt, dann „geht er dem verlorenen nach, bis er es findet.
Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf seine Schultern“ und feiert ein Fest. So freut sich Gott über Menschen, die er wiederfindet! (Lukas 15,7) Die Christen schauten zu diesem Bild auf. Sie wussten: Dieser Jesus (setzt sich für uns ein und) verteidigt uns gegen das Böse. Er rettet uns, wenn wir verloren sind. Ja noch mehr, er verspricht uns: „Ich gebe mein Leben hin für die Schafe.“ Für uns tut er alles, auch das Äußerste. … Gibt es eine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für andere? Die Christen vertrauten auf diesen Hirten. Sie glaubten fest: Er besiegt auch den Tod. Er schenkt ihnen – Unsterblichkeit; denn noch einmal sagt dieser Gute Hirt: „Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen.“ (Johannes 10,28) Vorausgesetzt: Wir bleiben in seiner Hand! Wir hören auf seine Stimme und folgen ihm! Und wenn wir dennoch aus Dummheit weglaufen sollten, vergessen wir nie: Der Gute Hirt – geht uns nach!“ (Erklärung zum Bild aus dem Internet, http://www.kunst-fuer-alle.de/index.php?path=%2Fdeutsch%2Fkunst%2Fkuenstler%2Fkunstdruck%2F3–jahrhundert%2F17782%2F1%2F153912%2Fchristus-als-guter-hirte-fruehchristlich%2Findex.htm&trafficstat=recentlyviewed).

Die in diesem Text genannten Stellen waren alle aus dem Neuen Testament. Vermutlich bezieht sich der Hebräerbrief aber auch auf das Alte Testament, da er sich an die getauften Juden richtet. Besonders Mose wird dort einmal als Hirte bezeichnet, der im Auftrag Gottes das Volk Israel aus der Sklaverei befreit und durch die Wüste geführt hat.
Dann gibt es aber noch den 23. Psalm, in dem Gott selbst als Hirte bezeichnet wird. Für uns Christen sind Gott und Christus eins. Gott ist in Christus Mensch geworden. Und so trifft das, was hier auf Gott bezogen wird auch auf Christus zu.
Interessanterweise wissen wir nicht, ob Jesus diesen Psalm auch gebetet hat. Aber er wird sicherlich bekannt gewesen sein. Bilder vom Hirten, die hier vom König David aufgezählt werden.
Auswendig wiederholen: Der Herr ist mein Hirte… (Psalm 23, alle Verse)
Ich möchte nun mit der Gemeinde etwas aktiv werden und bitte die Konfis, mich zu unterstützen.
In diesem Psalm sind Farben versteckt, die sicherlich auch auf den Bildern vorkommen, die gemalt worden sind. Zuerst wollen wir uns daher die Bilder ansehen.
Bilder werden gezeigt und wenn möglich einige kurz erklärt.
Nun möchte ich die Farben zum Psalm sammeln.
Es gibt keine Reihenfolge, zuerst werden genannt: Grüne Aue, blaues Wasser, dunkles, schwarzes Tal. Der Umhang des Hirten hatte auf den Bildern der Konfirmanden verschiedene Farben, blau, grün, rot. Wir entscheiden uns mit einer älteren Dame für einen dunkelgrünen Mantel (gut westfälisch). Das Tischtuch ist weiß, die Straße grau, die Seele ist auch weiß, oder creme, hellgelb. Das Haus soll orange sein, die Farbe des Öls wird in einem cremefarbenen beige gezeichnet. Welche Farben gibt es noch? Womit ist der Tisch gedeckt?
Zusammenfassung: Gott ist in Christus bei uns als der große Hirte. Wir vertrauen auf die Gegenwart Gottes und auf die Gegenwart Christi. Beide zusammen sind der große Hirte. Gottes Herde ist die ganze Menschheit. Christus sammelt und rettet die Verlorenen. Er vereinigt alle Menschen und zeigt den Frieden Gottes. Das Bild des Hirten ist ein Bild des Hirten.
Der Psalm 23 kann auch als Muster des Gebets gebraucht werden, obwohl hier Gott nicht direkt angeredet wird. Zum Gottvertrauen gehört auch das Gebet zu Gott oder zu Christus, das ist dasselbe. So bekommen wir immer wieder neue Kraft, das Gute zu tun. Der gute Hirte ist also zugleich ein Begriff für Gott wie für Christus, die ganze Erde ist Gottes Herde. Es gibt immer einen gemeinschaftlichen und einen persönlichen Aspekt.

Zum Schluss wird der Predigttext noch einmal langsam vorgelesen.
Gott ist es, der Frieden bringt.
Er hat den großen Hirten der Schafe aus dem Reich der Toten heraufgeführt,
Jesus, unseren Herrn, durch dessen Blut er den ewigen Bund in Kraft gesetzt hat.
Er mache euch fähig, all das Gute zu tun, das er haben will;
er schaffe in uns durch Jesus Christus, was ihm gefällt.
Ihm gehört die Herrlichkeit für alle Ewigkeit!
Amen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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