Predigt über 2. Korinther 13, 11 – 13 zum Sonntag Trinitatis, Christoph Fleischer, Werl 2014

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2. Korinther 13, 11-13 (Gute Nachricht Bibel)

11 Zuletzt, liebe Brüder, freut euch, laßt euch zurechtbringen, laßt euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
12 Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuß. Es grüßen euch alle Heiligen.
13 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!

Einstieg –  Assoziationen zum Text:
Streit schlichten: Ich musste an eine Versöhnungsgeste denken, nach einem Streit etwa. Wenn wir als Jungen einen Streit geschlichtet haben, dann wollten wir, dass sich die Kontrahenten die Hand reichen, um sicher zu gehen, dass der Streit nicht gleich woanders weitergeht. Der heilige Kuss muss eine solche Geste gewesen sein. Er dient auch zur Begrüßung von Freunden. Im Streit sind also aus Feinden Freunde geworden. Der Gruß ist ein Zeichen der Einheit. Dass die Menschen unterschiedlich sind, wissen wir. Aber sie sollen im Umgang miteinander geschult sein. Die Gemeinde erinnert an solche Einheit und dazu dient auch die Grußformel. So wie das Glaubensbekenntnis eine gemeinsame Basis herstellt: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.

Das trinitarische Gottesverständnis.
Im Dialog mit Muslimen, die ein sehr einheitlich strukturiertes Gottesverständnis haben, muss man sich fragen lassen, warum wir in der Dreiheit von Gott reden. Warum trinitarisch? Was ist eine Dreiheit? Sind es letztlich drei Personen, also drei Götter?
Dass in einer Einheit eine Dreiheit versteckt sein kann, zeigen Parallelen aus unserer normalen Umwelt:
Das Dreieck hat drei Seiten, ist aber dennoch nur eine Figur.

Das Wort „Ein“ hat drei verschiedene Buchstaben, sie bilden dieses eine Wort.

Ein Akkord besteht aus mehreren Tönen, zusammen aber bilden sie einen Klang.

Die Sonne ist nur eine, doch erscheint sie uns als Licht, Wärme und Strahlung.

Die Rose ist ein Wesen, besteht aber aus Blüte, Farbe und Geruch.

Der Mensch ist eine Ganzheit aus Leib, Seele und Geist.

– Gott bleibt Gott. Aber er begegnet uns als Vater, Sohn und heiliger Geist.

Das heißt, dass die Rede von der Dreiheit in einer bestimmten Situation der Einheit nicht widerspricht. Es kommt also darauf an, nach dem konkreten Ort zu fragen, an dem die Dreiheit als Einheit gedacht werden soll. Die Rede von Gott ist zunächst im Gottesdienst zu Hause, nämlich im Umgang mit den Texten der Bibel, in denen von Gott die Rede ist oder in denen zu Gott gesprochen wird, z. B. den Psalmen.

Am Anfang steht  das Anfangs-Votum „Im Namen des Vaters“ und nach dem Psalm der Lobgesang „Ehr sei dem Vater“.
Dieser Lobgesang lautet: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.“
Dieser Lobgesang auf die göttliche Dreiheit könnte genauso im Himmel angestimmt werden, dort wo Gott ist, und zwar von Anfang der Schöpfung an bis zur Gegenwart in der Zeit Jesu und bis in unsere Gegenwart hinein und damit zeitlich so umfassend, dass man auch sagen kann: Von Ewigkeit zu Ewigkeit oder in Ewigkeit.
Dieses ununterbrochene Fest Gottes wird in der Seele des anbetenden Menschen erfahren, als die Wahrnehmung des ewigen Augenblicks. Er erzeugt das Gefühl der Gegenwart Gottes in uns. Diese Erfahrung der Gegenwart ist so intensiv, dass sie den Zeitfluss unterbricht und die Vergänglichkeit aufhebt, also damit indirekt sogar in die Ewigkeit eintaucht.
Dies geschieht nun zunächst durch die Dreigestalt des Gottesnamens, die Gott zu einem Geheimnis werden lässt, auch Symbol genannt. Gott kann gleichzeitig als Vater, als Sohn und als Geist erfahren werden und ist dieses alles gleichzeitig. Als Bild für dieses Gleichzeitige von einer Person in drei Gestalten könnte man sich die russischen Holzfiguren vor Augen führen, die Puppe in der Puppe genannt werden.
(Die Gottheit wird in ihrer erfahrbaren Ewigkeit damit vom Menschen als ewiges Gegenüber wahrgenommen, und erzeugt das Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit.)
Damit hätten wir schon eine erste Antwort auf die Frage nach dem Sinn der Dreiheit im Gottesbegriff. Sie vereinigt eine mehrfache Gestalt mit der Form der Einheit.
Die Dreiheit ist umfassender als die schlichte Einheit, da sie in einer immer gegenwärtigen Zeitform alle Möglichkeiten der Begegnung mit Gott darstellt und abbildet, in der stets gegenwärtigen Vergangenheit und in der Gegenwart.
Die Gestalten dieser Begegnung mit Gott spiegeln sich wider in den Worten, in denen das Wort Gott und das was damit gemeint ist, im Gottesdienst vorkommen.
Der Gottesdienst selbst ist ein Abbild des Glaubensverständnisses. Die Dreiheit der Gottesgegenwart gibt es in verschiedenen Vorstellungen, die in der christlichen Kirche eine Rolle gespielt haben und in der Verkündigung auch heute noch durchscheinen.
Die erste Vorstellung betont immer wieder die Einheit in der Dreigestalt. Die Einheit Gottes geht der Dreieinigkeit voran. Gott, der sich den Menschen offenbart, ist immer derselbe und damit Einer. Das ist hauptsächlich gedacht als der Vater, der Schöpfer, der allmächtige Gott unseres Lebens. Die Einheit als dominierendes Modell findet sich ja auch im Bild der Puppe in der Puppe wieder. Alle Puppen haben abgesehen von einer eigenen Bemalung und der Größe je die gleiche Form, die der ersten großen Puppe. Gott findet sich genauso im Sohn, das heißt in der Verkündigung und Erfahrung mit und um Jesus Christus und in den vielen Formen und Gestalten des heiligen Geistes. Der Vater schafft, versöhnt und erlöst die Welt durch den Sohn in der Kraft des Geistes.
Zu dieser Form der Dreieinigkeit, die alles auf Gott, den Vater, zurückführt, kommt die heilsgeschichtliche Form, die in Gott als Vater den Anfang und Ursprung sieht, in Jesus Christus den Sohn und in der darauf folgenden Erfahrung des Glaubens den Geist. Als Bild für die heilsgeschichtliche Form der Trinität bietet sich etwa der Entwicklungsprozess eines Schmetterlings an, der in der Gestalt einer Raupe, einer Puppe und eines Falters existiert. Nähme man das Ei hinzu, hätte man die Quaternität.
Auch damit kommen wir sozusagen vom Ende gelesen zur Einheit, denn Gott wird im Glauben ausschließlich als Geist erfahren und ist doch darin zugleich der Vater und der Sohn. Beim Schmetterling ist es ja auch gerade die Endgestalt, die dem ganzen den Namen gibt, obwohl seine Lebensdauer manchmal sehr viel kürzer als die der beiden anderen Formen. Wie Gott der Vater, nach der ersten Vorstellung die alles prägende Gottheit ist, so ist nach der zweiten Vorstellung der Geist die Endgestalt. Das heißt auf den Gottesdienst angewandt, dass in der Feier des Gottesdienstes alles durch den Geist geschieht, der Sohn als Vermittler für uns spricht und der Vater der Gegenstand der Verehrung und Anbetung wird.
Die Vorstellung von Gott, die sich in der Trinität ausdrückt, zeigt uns von vornherein, dass der Begriff Gott gar nicht anders als ein Symbol verstanden werden kann. Schon in der alten Kirche hieß das Glaubensbekenntnis Symbol. Die Trinität zu lehren heißt, die Gottesvorstellung symbolisch zu ordnen.

Zurück zum Anfang, zur Dreischrittigkeit: Der Gottesglaube drückt sich aus in den Verstandeskriterien des Dreischritts, der sich in vielen Formen der menschlichen Erfahrung und des menschlichen Denkens wieder findet. Dass dies eine Zahlensymbolik ist, haben wir in den verschiedenen Betrachtungsweisen der trinitarischen Ordnung schon gesehen. Leben findet sich immer wieder in dieser Dreigestalt, zeitlich als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft oder gegenständlich gesehen als Herauskommen, als in etwas Bleiben und als wieder Zurückgehen. In der Beschreibung des Gottesverhältnisses in dieser dreifachen Form spiegelt sich also eine besondere Dreischrittigkeit in der Erfahrung des Lebens wider.
Gott als Einheit gedacht ist damit also zugleich das umfassendste Bild des Lebens, das es gibt. Gott in seiner Vielgestalt ist das Bild des Lebens in seiner Vielgestalt. Eine zwanghaft gedachte Einheit steht immer wieder mit der Freiheit der Vielgestalt im Konflikt. Zu starkes Einheitsdenken führt zu Uniformierung und Gleichmacherei. Gott in seiner Dreiheit lässt jeden Menschen zunächst wie dieser ist, und will ihm so in seiner Person begegnen, als der Ursprung, der Vermittler und als die Gegenwart des Heiligen in der geistvollen Erfahrung.
Die Dreiheit der Erfahrung Gottes spiegelt drei Prinzipien wider. Das erste Prinzip ist die Basis, die Grundlage. Damit ist Gott der Grund des Seins, aus dem alles entspringt. Es ist die Kraft, die dem Nichts unentwegt Widerstand leistet und allem was ist, Macht verleiht, zu sein. Das zweite Prinzip ist das des Sinns und der Struktur. Gott der Eine kann nicht allgemein bleiben, sondern wird kreativ und fordert daher eine Gestalt heraus. Hier spricht Gott sein Wort in sich selbst aber auch über sich hinaus. Dieses Wort ist Christus, der uns Menschen anspricht, uns die Liebe Gottes zusagt und gleichzeitig durch seinen Tod auch vermittelt. Das dritte Prinzip ist der göttliche Geist. In einer Hinsicht ist gerade der Geist das Prinzip der Einheit, da alle Erfahrung Gottes eine geistliche ist. Der Geist bindet die vielfältige Erfahrung Gottes wieder in diese eine Erfahrungsform zusammen. Es ist aber auch zugleich der Geist, in dem Gott aus sich herausgeht indem er uns menschlich begegnet.
Der Geist ist die Erfahrungswirklichkeit Gottes, die wir persönlich erfahren und die in unserer inneren Vorstellung das prägt, was wir von Gott glauben.
Der Glaube verknüpft das, was wir selbst von Gott erfahren, mit dem, was uns die Tradition über Gott vermittelt. Die drei Prinzipien Basis, Sinn und Erfahrung bilden als Denkstruktur die Lehre von der Dreifaltigkeit.
Sie ist umfassender als der einfache Monotheismus wie im Islam, weil sie die Vielgestalt des Lebens berücksichtigt und weil sie den Menschen, der an Gott glaubt, zugleich befreit, selbstständig und selbstverantwortlich im Geist Gottes zu leben.
In der Orientierung am Wort ist jede Entscheidung frei und nichts ist Zwang.
Alles kann begründet und verantwortet werden, was durch den Geist erfahren, durch den Sohn vermittelt und durch den Vater begründet worden ist.
Noch einmal gehe ich auf den kurzen Predigttext zurück und lasse das Gesagte in ihm aufscheinen:

2. Korinther 13, 11 – 13
Zuerst die Imperative: Streit ist eingetreten. Es gilt zu schlichten und zu ordnen:
[11] Zuletzt, liebe Brüder, freut euch, lasst euch zurecht bringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden!
Die Erfahrungswelt zeigt, dass der Prozess des Friedens eine Gotteserfahrung ist. Frieden ist nicht machbar, sondern ereignet sich, wenn die Beteiligten das wollen und Schritte aufeinander zu gehen.
So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
Daraus folgt, dass die Gemeinschaft das Mittel des Geistes ist.
Die Erfahrung des Geistes ist eine Erfahrung von Nähe und Gemeinschaft.
Dazu soll auch ein äußeres Zeichen dienen, der Gruß. Er stammt aus der Welt der Familie. So grüßen sich Familienmitglieder:
[12] Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen.
Die Erfahrung des Geistes verbindet uns zu einer Familie.
Die Gottesvorstellung selbst ordnet sich in das Bild der Familie ein mit den Begriffen Vater und Sohn.
Damit wird aber nun eine himmlische Familie daraus, an der wir im Glauben Anteil haben.
[13] Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Die Erfahrung des dreieinigen Gottes ist eine konkrete, praxisnahe Erfahrung.
Gott vermittelt sich in der Gnade Jesu, die uns jederzeit die Möglichkeit gibt, einen neuen Schritt aufeinander zu zugehen. Gott vermittelt sich in der Liebe, die zunächst die allgemeine Liebe des Schöpfers ist, der uns unser Leben als Geschenk empfangen lässt. Die Liebe Gottes kommt durch das Wort in uns hinein und will durch uns hindurch fließen, so dass unsere Liebe auch eine Gestalt der göttlichen und geschöpflichen Liebe ist. Dass daraus die geistliche Erfahrung der Gemeinschaft folgt, liegt von daher schon auf der Hand. Vielleicht habe ich auch ein wenig die Liebe schon im Sinn der Gemeinschaft interpretiert. Die Begriffe Gnade, Liebe und Gemeinschaft interpretieren sich gegenseitig. In dieser Dreier-Formel ist die Erfahrung der Dreieinigkeit Gottes als menschliche Erfahrung geschildert, die den Glauben vor allem ausmacht.
Da jede Predigt der Vermittlung dieses Glaubens dient, indem sie den Hörern und auch dem Prediger selbst die Worte der Bibel anbietet und erklärt, wird sie mit diesem Kanzelgruß eröffnet: 2. Korinther 13, 13: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Gottes Wort haben wir gehört. In diesem Wort ist Christus uns begegnet. Das Worte Christi wecke Glauben in uns durch den Geist. Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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