Predigt über 1. Korinther 3, 9 – 15, Christoph Fleischer, Welver 2014

Predigt über 1.Korinther 3, 9 – 15 zum 12. Sonntag nach Trinitatis

9Wir sind also Gottes Mitarbeiter, ihr aber seid Gottes Ackerland.
Oder mit einem anderen Bild: Ihr seid Gottes Bau.
10Nach dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat, habe ich wie ein umsichtiger Bauleiter das Fundament gelegt. Andere bauen nun darauf weiter. Aber jeder soll sehen, wie er weiterbaut!
11Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen.
12 – 13Es wird auch nicht verborgen bleiben, was jemand darauf baut, ob Gold, Silber oder wertvolle Steine, ob Holz, Schilf oder Stroh.
Am Tag des Gerichts wird sich erweisen, ob es Bestand hat.
Dann wird die Feuerprobe gemacht: Das Werk eines jeden wird im Feuer auf seinen Wert geprüft. 14Wenn das, was ein Mensch gebaut hat, die Probe besteht, wird er belohnt.
15Wenn es verbrennt, wird er bestraft. Er selbst wird zwar gerettet, aber so, wie jemand gerade noch aus dem Feuer gerissen wird.

Liebe Gemeinde,

In den meisten Texten zu dieser Predigt steht etwas von der Kirche oder der Gemeinde. Doch warum muss man sonntags immer von der Kirche reden? Dass Gottesdienst Kirche ist, das wissen wir doch schon von vornherein, wenn wir in den Gottesdienst gehen. Sicherlich wird hier vom Bau geredet und dann fällt dir natürlich sofort das Bauwerk ein. Sieht man einmal genau hin, dann fällt auf, dass Paulus an der äußeren Gestalt des Bauwerks nicht interessiert ist. Hier geht es nicht darum, wo die Kanzel steht oder der Altar, oder wie viele Türme oder Glocken diese Kirche hat.
Schon der erste Satz macht deutlich, dass es beim Bild des Bauwerks um ein Beispiel geht. Es könnte genauso gut um Ackerland gehen.
Paulus sagt: „Wir sind also Gottes Mitarbeiter, ihr aber seid Gottes Ackerland. Oder mit einem anderen Bild: Ihr seid Gottes Bau.“ (Vers 9)

Eigentlich ist dieser Satz auch nicht ganz richtig. Denn Paulus unterscheidet sich hier von den angesprochenen Menschen in Korinth, dabei müsste er sich selbst auch zu dem Bauwerk oder zum Ackerland rechnen, um im Bild zu bleiben. Die Kirche ist das Haus der lebendigen Steine. Wir sind Mitarbeiter und Bauwerk gleichermaßen. Diese Unterscheidung scheint im Text ohnehin zu verschwimmen, denn einmal ist vom Bauwerk die Rede und dann auch vom Bauen, vom Werk und von der Arbeit. Wir sind Gottes Mitarbeiter und arbeiten mit an Gottes Bau, der Welt.

Dazu eine kleine Geschichte, das Beispiel von den drei Steinmetzen: „Als der Dom zu … gebaut wurde, fragte man drei Steinmetze nach ihrer Arbeit. Der eine baute Steinquader zurecht für die hohen Wandmauern. „Was machst du da?“ – „Ich haue Steine.“ Ein anderer mühte sich um das Rund der Säulen. „Was machst du da?“ – „Ich verdiene Geld für meine Familie.“ Ein dritter bückte sich über das Ornament für den Fensterbogen. „Was machst du da?“ – „Ich baue an der Kirche.“
(Quelle laut Predigtstudien bei © Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 1, S. 117).

Auch im Predigttext lassen sich drei Ebenen unterscheiden: 1. Der Grund ist gelegt. 2. Gott tut sein Werk durch Menschen 3. Menschen sind Gott verantwortlich.
Zu diesen drei Aspekten möchte ich einmal verschiedene Fragen sammeln.
Erstens: Der Grund ist gelegt. Welcher Grund? Woraus besteht der Grund? Was ist die Grundlage unseres Lebens? Was müssen wir selbst tun, und was können wir voraussetzen, was können wir übernehmen? Wozu brauchen wir eine Grundlage? Gibt es eine gemeinsame Grundlage, eine gemeinsame Basis? Können wir uns miteinander auf diese gemeinsame Grundlage verlassen? Was heißt es dass der Grund gelegt ist? Müssen wir nicht auch alle noch etwas beitragen zu dieser gemeinsamen Grundlage?
Wir kommen zum zweiten Aspekt: Gott tut sein Werk durch Menschen. In der Auslegung wird ja auch zwischen Kirche und Welt unterschieden. In der Kirche handelt Gott durch Menschen; in der Welt handelt Gott allein. Doch ich denke, dass diese Unterscheidung den ersten Korintherbrief nicht trifft. Die Unterscheidung zwischen Kirche und Welt ist eine Folge der Religion, des Christentums. Wir stellen wieder Fragen: Was tut Gott durch Menschen? Wofür braucht Gott Menschen? Wie begegnet uns Gott in den anderen Menschen? Was haben wir zu tun? Wonach sollen wir uns richten? Was ist unsere Aufgabe? Sind wir Teil des Bauwerks, Baustein, oder sind wir Handwerker, oder sind wir beides? Oder auch im Bild des Ackerlandes gesprochen: was müssen wir selber tun, damit etwas wächst oder entsteht; und worauf können wir uns verlassen, womit dürfen wir auch rechnen?
Der dritte Aspekt ist die Verantwortung vor Gott. Um von Verantwortung zu sprechen, muss es eine Instanz geben, vor der wir uns zu rechtfertigen haben. Diese Instanz ist Gott, der Ursprung und die Quelle des Lebens. Im Bibeltext ist von einem Tag des Gerichts die Rede, und von einem Feuer. Es geht also immer um etwas, das noch nicht eingetreten ist, um die Zukunft. Was sind die Kriterien der Verantwortung? Was ist gut, was ist schlecht? Was bleibt, was bleibt nicht? Ist das Gericht wirklich erst später, vielleicht erst nach dem Tod? Oder ist es wichtig, dass wir an das Gericht glauben, damit wir in der Gegenwart verantwortlich handeln? Wird Gott seine Zusagen revidieren oder zurücknehmen?

Wir merken, dass wir mit diesen letzten Fragen anfangen müssen. Das Bild des Gerichts ist nicht weniger schwierig als das Bild des Feuers, von dem Paulus spricht. Das Feuer ist eine Realität in der Zivilisation. Ich hatte mal ein einfaches Computerspiel über das antike Rom. Typisch an diesem Computerspiel war, dass ständig an irgendeiner Stelle Feuer ausbrach, das dann auf die umliegenden Häuser übertrat. Man war ständig damit beschäftigt, Feuer zu löschen, während an anderer Stelle wieder welche aufbrachen. Ich habe die Beschäftigung mit diesem Computerspiel beendet, weil es mir nicht gelungen ist, das Ausbrechen der Feuer an der Wurzel zu bekämpfen. Man kann sich das schon vorstellen, dass die Städte in der Antike noch sehr von diesen Gefahren des Feuers betroffen waren. Wenn ein Haus nur aus brennbaren Materialien bestand, dann ist es hinterher schlicht und ergreifend weg. Was bleibt den Bewohnerin übrig, wenn sie sich selbst gerettet haben oder gerettet wurden, als das Haus wieder neu zu bauen? Besser ist es, beständigere Materialien zu benutzen. Dass Paulus hier allerdings von Gold, Silber und wertvollen Steinen spricht, ist dann auch etwas übertrieben. Es geht darum zu zeigen, dass es etwas Wertvolles sein soll. Holz, Schilf oder Stroh sind in der Tat schnell verbrannt. Wert und Beständigkeit scheinen ungefähr dasselbe zu bedeuten. Wertvoll ist etwas, was Bestand hat. Paulus will sagen: Wer vor oder für Gott lebt, versucht etwas zu tun oder zu erreichen, was Bestand hat, schon hier und heute, jeden Tag. Die Ankündigung des Gerichts, bringt die Zukunft ins Spiel. Gott fragt, ob etwas noch da ist, was es vorher gab, ob es Bestand hatte. Was also wird auf Ewigkeit Bestand haben? So zu fragen, ist eine ziemliche Herausforderung, weil Menschen sterblich sind. Alles was Menschen tun, ist vorläufig und unvollkommen. Das Handeln Gottes hat aber insofern Bestand, weil es in der Bedeutung über den einzelnen Menschen hinausgeht. Gott ist Anfang und Ende, Gott ist ewig, und verbindet die Generationen miteinander. Hier ist das Bild eines Bauwerks schon passend, wenn man sieht, dass es historische Bauwerke gibt, die schon sehr alt sind und von Generation zu Generation immer weiter renoviert und bewahrt werden.
Aus der Verantwortung zu handeln, heißt sich selbst zu prüfen, ob das, was ich tue, nur für den Moment wichtig ist, oder ob es auch eine Bedeutung für die Zukunft haben kann. Insofern ist es fast schon gar nicht mehr wichtig ob ein Gericht in diesem Sinne wirklich stattfindet, oder ob das nur ein Symbol dafür ist, dass unser Leben vor Gott in Verantwortung geschieht.
Was haben wir zu tun? Wonach sollen wir uns richten? Was ist unsere Aufgabe? Ich las einmal den Satz: Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird damit quasi offen gelassen. Man kann dann aber auch sagen: Es gibt keinen anderen Sinn des Lebens als das Leben selbst. Gott als der Grund des Lebens verweist uns auf das Leben selbst. Ein Mann des 20. Jahrhunderts hat es einmal etwa so ausgedrückt: „Wir sollen uns bei unseren Absichten und Vorhaben danach richten, ob sie geeignet sind, das Leben der zukünftigen Generationen auf der Erde und der Erde selbst zu bewahren.“ Wenn der Sinn des Lebens das Leben selbst ist und wir dabei auch schon an die Zukunft denken, dann wird daraus schon eine richtige Aufgabe. Es ist auch nicht so schwer, darin das Werk Gottes zu sehen, wenn wir an Gott als den Schöpfer glauben. Wir nehmen ihm die Schöpfung ja nicht aus der Hand, sondern wir sind Geschöpfe und wollen, dass das Leben auch in der Zukunft besteht.
Die einzelnen Fragen nach dem Bauwerk, nach der Arbeit, nach dem Sinn des Lebens in dieser Arbeit lassen sich von daher sehr einfach entfalten. Im 13. Kapitel des gleichen Buches hat es Paulus auf die einfache Formel gebracht: „Nun aber bleiben Glaube Hoffnung, Liebe diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Korinther 13,13)
Damit kommen wir zum ersten Punkt und hören, wie Luther es übersetzt: „Einen anderen Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist: Jesus Christus.“ Damit ist klar, dass niemand bei null anfängt. Der Grund ist gelegt, der Anfang ist gemacht. Der Weg ist vorbereitet, und damit besteht auch schon im Grundsatz das Ziel. Bei einem Sinn, der darin besteht, von Gott her zu leben, ist dies auch eine große Entlastung: Der Grund ist gelegt, das Fundament gesetzt. Es gibt etwas, auf das können wir aufbauen. Es gibt Vorbilder, nach denen können wir uns richten. Wir richten uns nach Jesus, der unserem Leben Sinn und Ziel gibt. Jesus hat gezeigt, dass alle Menschen Kinder Gottes sind. Jesus hat gezeigt, dass alle Menschen Kinder eines Vaters im Himmel sind. Jesus hat gezeigt, dass alle Menschen als Geschöpfe auf dieser Erde zusammen gehören. Jesus hat gezeigt, dass Konflikte nicht durch Gewalt gelöst werden. Jesus hat gezeigt, dass Barmherzigkeit und Gerechtigkeit wichtiger sind als Gleichgültigkeit und Konkurrenz. Das Kreuz Jesu zeigt uns, dass jedes Ende auch ein Anfang ist. Und sollte unser Bemühen tatsächlich auch einmal vergeblich sein, so wird es geschehen, dass wir selbst aus dem Feuer gerettet werden.
Zum Schluss lese ich noch einmal den Text und frage, ob wir ihn jetzt anders hören und verstehen als zu Beginn.

„Wir sind also Gottes Mitarbeiter, ihr aber seid Gottes Ackerland. Oder mit einem anderen Bild: Ihr seid Gottes Bau. Nach dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat, habe ich wie ein umsichtiger Bauleiter das Fundament gelegt. Andere bauen nun darauf weiter. Aber jeder soll sehen, wie er weiterbaut! Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen.
Es wird auch nicht verborgen bleiben, was jemand darauf baut, ob Gold, Silber oder wertvolle Steine, ob Holz, Schilf oder Stroh. Am Tag des Gerichts wird sich erweisen, ob es Bestand hat. Dann wird die Feuerprobe gemacht: Das Werk eines jeden wird im Feuer auf seinen Wert geprüft. Wenn das, was ein Mensch gebaut hat, die Probe besteht, wird er belohnt. Wenn es verbrennt, wird er bestraft. Er selbst wird zwar gerettet, aber so, wie jemand gerade noch aus dem Feuer gerissen wird.“
Amen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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