Die Quellen der Kraft, Andacht acht, Psalm 31- Gelassenheit , Christoph Fleischer, Welver 2014

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Wut, Angst und Enttäuschung überwinden

Psalm 31

1Ein Lied Davids.
2HERR, bei dir suche ich Zuflucht; lass mich nie enttäuscht werden!
Rette mich, wie du es versprochen hast!
3Hör mich doch, hilf mir schnell! Sei mir ein rettender Fels,
eine schützende Burg, dann bin ich in Sicherheit.
4Du gibst mir Halt, du bietest mir Schutz.
Geh mit mir und führe mich, denn du bist mein Gott!

Du, Gott, bist wie ein sichrer Felsen,
Der vor Verfolgern bietet Schutz.
Ein Panzer bist du unsern Hälsen.
Du bist für uns wie Burg und Trutz.

Luther hat das Ich der Psalmen mit Christus identifiziert.
Der lebendige Gott ist sein und unser Vater.
Ist Schutz, Halt, Sicherheit.
Gott gibt Halt, geht mit auf dem Weg und führt Christus und uns.

Doch wozu, das hat sich geändert.
David, Christus und alle, die diesen Psalm beten,
lernen mit diesen Worten, auf das Unverfügbare, auf Gott zu vertrauen.
Worin gründet das Vertrauen in das Unverfügbare, in den Grund des Lebens?
Die Liebe, die dem Leben seinem Stempel gibt,
hilft uns in die Gegenwart des Schöpfers hinein Ja zu sagen.
Die wirkliche Grundlage des Lebens ist der Glaube, nicht die Wissenschaft.
Es geht auch nicht um Geld oder um Technik.
Sondern um Gott, den der das Lebendige ins Leben ruft,
der Leben ist und der das Leben will.
Kurz gesagt: Das Leben kann man nicht kaufen; Leben ist Geschenk.

5Bewahre mich vor der Falle, die man mir heimlich gestellt hat;
du bist doch mein Beschützer!
6Ich gebe mich ganz in deine Hand, du wirst mich retten, HERR, du treuer Gott!
7Ich verabscheue alle, die sich an die Götzen klammern;
ich selber, HERR, verlasse mich nur auf dich!
8Ich bin glücklich, dass du so gut zu mir bist.
Du hast meine Not gesehen und erkannt, wie verzweifelt ich war.
9Den Feinden hast du mich nicht ausgeliefert,
sondern mir Raum zum Leben verschafft.

Du, Gott, wirst uns aus Fallen ziehen,
Stellst unsren Schritt auf weiten Raum,
Wenn wir zu deinem Namen fliehen.
Du bist kein falscher Göttertraum.

David kannte es, Christus auch, und so werden auch wir es mit Angst zu tun haben.
Dabei ist es nicht wichtig, womit die Angst erzeugt wird,
sondern wie wir sie loswerden können.
Dafür ist es wichtig, sich auch wehrlos sicher zu fühlen.
Sich nicht den Dingen, die Angst machen,
ausgeliefert zu fühlen und zu spüren,
dass es immer noch dann auch Wege gibt, wenn man selbst keine mehr sieht.
Sicherlich kann man den Psalm auch im Sinn von Gewalt interpretieren,
doch im Sinn von Christus geh es hier um gewaltfreien Widerstand
gegen die Mächte, die uns Angst machen.

10Hab Erbarmen, HERR,
ich weiß nicht mehr weiter!
Meine Augen sind müde vom Weinen,
ich bin völlig am Ende.
11Die Sorgen verkürzen mein Leben,
der Kummer frisst meine Jahre.
Die Verzweiflung raubt mir die Kraft,
meine Glieder versagen den Dienst.

Du, Gott, hast meine Not gesehen
Und dass ich fast am Ende bin.
Kein Kummer will zur Zeit vergehen.
Verzweiflung nimmt mir jeden Sinn.

Ehrlich zur seinen eigenen Schwächen zu stehen,
das ist keine Schande für David.
Für Christus und für uns.
Der Gekreuzigte ist allerdings kein lachender Sieger.
Sorgen, Kummer und Verzweiflung hat der Glaube nicht wegzudiskutieren.
Nur in der Schwäche liegt die Stärke.
Die Hoffnung, dass sich auch wieder neues Leben einstellt,
liegt vermutlich darin schon begründet.
Es wird wohl auch ein Ende dieser Schwäche geben,
ohne dass sie so schwach ist, sich der Gewalt zu bedienen.

12Zur Spottfigur bin ich geworden für meine Feinde,
zum Hohngelächter für meine Nachbarn,
zum Schreckgespenst für meine Freunde.
Alle, die mich auf der Straße sehen, laufen vor mir davon.
13Vergessen hat man mich wie einen, der schon lange tot ist,
wie weggeworfenes, zerbrochenes Geschirr.
14Ich höre, wie sie über mich tuscheln;
von allen Seiten bin ich bedroht.
Sie stecken ihre Köpfe zusammen und überlegen, wie sie mich zur Strecke bringen.
15Doch ich verlasse mich auf dich!
Du, HERR, du bist und bleibst mein Gott!
16Was aus mir wird, liegt in deiner Hand.
Rette mich vor meinen Feinden, die mich verfolgen!
17HERR, sieh mich freundlich an, denn ich gehöre dir.
Hilf mir in deiner Güte!
18Zu dir, HERR, rufe ich, enttäusche mich nicht!
Doch diese Verbrecher sollen sich täuschen:
19Schick sie hinunter in die Totenwelt, damit sie für immer verstummen!
Bring sie zum Schweigen, diese eingebildeten Lügner,
die den Schuldlosen frech verleumden!

Du, Gott, wenn andre mich verlachen,
Und was mir lieb und teuer ist,
Vergisst du dann auch meine Sachen?
Bist du bei mir in diesem Mist?

Der erste Teil beschreibt die Schwachheit noch einmal in verbaler Hinsicht.
Es geht um Mobbing oder um die Verfolgung,
die verbale Aggression oder um Propaganda.
Darin sehe ich keine Hetzkampagne gegen die Ungläubigen,
aber eine Hoffnung auf Überwindung der Schwäche.
Wo ist Gott, warum verhindert er dies alles nicht,
wenn er doch Schutz und Schild ist?
Der Glaube ist kein Panzer gegen die Verletzungen.
Mit den Narben wird David, wird Christus und werden wir leben müssen.
Jetzt meldet sich die Aggression,
der Wunsch, Gott möge all die zum Schweigen bringen.
Doch hat soll Gott jetzt doch Gewalt rechtfertigen?
Im Sinn Christi wäre es nicht.
Der lebendige Gott muss sich nicht der schwachen Lösung bedienen.
Ehrlich gesagt, wird es eine Illusion,
zu glauben, dass Aggression verschwindet.

20Wie groß ist deine Güte, HERR!
Du wendest sie denen zu, die dir gehorchen.
Vor aller Augen zeigt sich diese Güte an denen, die bei dir Zuflucht suchen.
21In deiner Nähe sind sie geborgen, vor allen Ränken sicher unter deinem Dach.
Du nimmst sie in Schutz vor ihren Verklägern.
22Dank sei dir, HERR!
Du hast mir deine Güte erwiesen;
ein Wunder hast du an mir getan, als meine Feinde mich ringsum bedrängten.
23Ich dachte schon in meiner Angst, ich wäre aus deiner Nähe verbannt.
Doch du hast mich gehört, als ich um Hilfe schrie.
24Liebt den Herrn, ihr, die ihr ihm gehört;
denn er schützt alle, die ihm die Treue halten.
Doch wer sich über ihn erhebt, bekommt seinen Zorn zu spüren.
25Ihr, die ihr auf den HERRN vertraut, seid stark, fasst Mut!

Du, Gott, verbirgst nicht deine Güte.
Du wendest dich mir wieder zu
Mit unerforschlichem Gemüte.
Vertraut auf Gott, jetzt immerzu!

Ich sehe die Lösung eher darin, dass sich alles wieder zum Guten wendet.
Gott ist eher Zuflucht und Geborgenheit,
als der General, der die Heere des Guten befehligt.
Kein Herr der Ringe, sondern die Macht des Lebendigen.
Die Gottesferne ist kein Grund an Gott zu verzweifeln.
Gottes Hilfe ist Nähe oder Distanz.
Doch das Ergebnis liegt nie außerhalb unserer selbst.
Wir spüren neuen Boden unter den Füßen.
Wir fühlen uns wieder sicher.
Wir können uns am Leben noch einmal erfreuen.
Gott, unser Vater: meine Zeit steht in deinen Händen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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