Muscheln „evakuiert“, Pressemeldung, Welver 2014

Print Friendly, PDF & Email

Vor den Renaturierungsarbeiten am Salzbach

Kreis Soest (kso.2014.10.27.463.ak/-rn). In Vorbereitung der Bauarbeiten zur Renaturierung des Salzbaches „evakuierte“ der Kreis Soest mehrere bedrohte Muscheln. Das Sachgebiet Wasserwirtschaft Soest plant im Spätherbst und im Winter die Renaturierung des Gewässers in Scheidingen südlich der L 795 und an der Kortemühle.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Schülerin Samantha Seite (Welver) spürte im Rahmen des Nachwuchswettbewerbs „Jugend forscht“ im Scheidinger Salzbach die Schalen mehrerer Muscheln auf, unter anderen auch der seltenen „Gemeinen Bachmuschel (Unio crassus)“. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Kreis Soest den Diplom-Biologen Rainer Dettmer beauftragt, nach Muscheln im betroffenen Bachabschnitt zu forschen. In seinem Gutachten macht er Vorschläge, wie mit den Muscheln im Vorfeld zu verfahren sei.

Für die anstehende Renaturierung in Form einer einseitigen Uferentfesselung stand damit fest, dass die Muscheln auf keinen Fall dem Bagger zum Opfer fallen sollen. Das Sachgebiet Wasserwirtschaft plant die Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen von November bis Dezember. Der Auftrag an eine Baufirma soll in Kürze erteilt werden. Rainer Dettmer ging deshalb im Vorfeld mit schwerer Tauchausrüstung dem Salzbach auf den Grund, um sicher zu gehen. Die „Gemeine Bachmuschel (Unio crassus)“ entdeckte er zwar nicht. Dafür aber mehrere Exemplare der ebenfalls bedrohten „Teichmuschel (Anodonta cygnea)“, die gesammelt und sicher umgesiedelt wurden.

Die geplanten Renaturierungen sind Teil des Ahse-Projektes „Lebendige Bördebäche“, mit dem die EG-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden soll. In Scheidingen und auch an der Kortemühle soll die Uferbefestigung aus Wasserbausteinen entlang des Unterhaltungsweges entfernt werden. Das eröffnet dem Salzbach die Möglichkeit, sich wieder natürlich zu bewegen. An der Kortemühle erhält der Salzbach zusätzlich einen neuen geschwungenen Lauf, der sehr strukturreich gestaltet werden soll. Tiefe Kolke, Flachwasserbereiche, Totholz und Steilwände dienen nach Abschluss der Maßnahme Fischen, Gewässerorganismen und anderen Tieren als wertvoller Lebensraum.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Kommentar verfassen