Ankommen und Aufbrechen oder das Geheimnis von Krippe und Kelch, Meditation zum 4. Advent von Emanuel Behnert, Lippetal 2014

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Ich will nicht mehr danach fragen,
wie ich Dich empfangen soll.
Ich will nicht mehr danach fragen,
wie es würdig ist, Dir zu begegnen.

Ich will meine Zeit nicht damit verbringen, mich vorzubereiten. …
Ich will mich auf den Weg machen. 

Zusammen mit denen,
die als Erste am Stall und an der Krippe waren.
Jene, die aus der Dunkelheit kamen,
deren Leben immer im Schatten der Anderen verlief,
jener, die nicht wahrgenommen wurden,
die ausgenutzt wurden,
und die gut genug waren,
die Grundsicherung des Wohlstands der Anderen
und der Herrschenden zu gewährleisten.

Ich will nicht fragen,
wie Du zu mir kommst,
welche Vorbereitungen ich treffen muss,
um Dich würdig zu empfangen.
Ich will es wagen,
mich auf den Weg zu Dir zu machen,
in der berechtigten Hoffnung willkommen zu sein.

An Deiner Quelle des Lebens,
die noch viel bescheidener ist,
als es meine Lebensverhältnisse jemals waren.
Niederlassen will ich mich an dieser Quelle
und mich stärken lassen.
Mit dem Brot des Lebens
und aus dem Kelch des Heils.
Niederlassen will ich mich an dieser Quelle.
Innehalten.
Die Zeit für einen Augenblick anhalten.

Auch wenn es „nur“ darum geht,
irgendwann wieder aufzubrechen.
Hinein in die Dunkelheit der Nacht,
hinein in den undurchdringlichen Nebel des Lebens.
Aber verändert.
Verändert durch die erinnernde Gewissheit,
dass Dein Lächeln,
das ich dort in der Krippe gesehen habe,
mich auf meinem Weg begleitet.
Verändert auch durch die erinnernde Gewissheit,
dass aus dem Kelch,
den Du uns reichst,
eine Quelle sprudelt,
die uns in einen Morgen führt,
während wir noch immer die Nacht sehen.
Darum lautet heute meine einzige Bitte:
Mache mich immer wieder bereit,
voll Vertrauen neu aufzubrechen. Amen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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