Gesund und angemessen ernähren, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Ulrike Bron und Gunnar Brand: Genuss trotz Verzicht, Lecker essen bei Lebensmittelunverträglichkeiten, AURUM im J.Kamphausen Verlag, Bielefeld 2015, gedruckt auf 100% Receycling-Papier, ISBN 978-3-89901-969-8, Preis: 19,95 Euro

9783899019698Dieses Buch beginnt damit, daran zu erinnern, dass sich die Autoren Ulrike Bron und Gunnar Band als Therapeutin und als Ratsuchender begegnet sind. Dabei kam die Idee auf, einige Rezepte auszuprobieren und daraus ein Buch zu machen.

Die Therapeutin Ulrike Bron aus München ist seit Jahren auf das Thema Lebensmittelunverträglichkeiten spezialisiert und beruft sich dabei auf die Ärztin Dr. Sigrid Flade (lt. Homepage: Darmsanierung, Nahrungsmittelaustestung usw.).

Der Autor Gunnar Brand (MOEBEL COMPAGNIE, München) war bereit, seine ganze Leidenschaft fürs Kochen in die gemeinsame Arbeit einzubringen. Mit im Boot ist noch die Fotografin Lina Loos, die es verstand, die Mahlzeiten anschaulich in Szene zu setzen.

Das Stichwort „Lebensmittelunverträglichkeit“ verwunderte mich zunächst. Ist der Verzicht auf Milchprodukte nicht doch so etwas wie Trennkost oder der Verzicht auf Kohlenhydrate? Doch die Zubereitung der Nahrung gehört zugleich zur Therapie wie zur Behandlung.

Da oft zunächst gar nicht bekannt ist, ob eine Lebensmittelunverträglichkeit besteht und welche, wird in der Diagnostik die Auswirkung der Ernährung unter gezieltem Weglassen bestimmter Zutaten getestet. Ob der Begriff der Lebensmittelunverträglichkeit medizinisch näher definiert und angewandt worden ist, konnte bei der Abfassung der Rezension nicht in Erfahrung gebracht werden.

Interessant ist bei der von Ulrike Bron angewandten Methode, dass Diagnostik und Behandlung schon ineinander greifen. Dies führt schon zu Beginn zu einer Ernährungsumstellung im Sinn der von Ulrike Bron konzipierten Rotationsdiät. Dabei fallen Weizenerzeugnisse, Kuhmilchprodukte und bestimmte Obst- und Gemüsesorten von Anbeginn an weg. Alkohol, Süßigkeiten und Colagetränke entfallen prinzipiell. Um die Belastung mit Umweltgiften in der Nahrung so gering wie möglich zu halten, empfiehlt die Autorin den Einkauf von Bioprodukten.

Der Autor Gunnar Brand hat nun dies alles in die Tat umgesetzt und daraus eine ansehnliche Rezeptsammlung gemacht. Die Rezepte sind von vornherein variabel und zumeist mit einem Therapeutinnentipp versehen. Die Backwaren werden mit anderen Getreidesorten als Weizen hergestellt und sind hier als Eigenprodukte vorgestellt.

Es ist schon die Frage ob nicht der Besuch im Biomarkt auch einige passende Sorten Brot vorhält. Pancakes werden mit Buchweizenmehl gemacht, Milch wird durch Wasser oder Getreidemilch ersetzt. Da die Zutaten durchaus etwas ungewohnt sind, wird man wohl zuerst mal die Bioläden und Reformhäuser der Umgebung unter die Lupe nehmen, wobei es sicherlich auch einige Produkte in gut sortierten Supermärkten gibt.

Nicht nur das Brot wird gebacken, sondern auch der Brotaufstrich selbst hergestellt. Die kaltgerührte Beerenmarmelade werde ich mit selbst gepflückten Brombeeren baldmöglichst ausprobieren, wobei ich mich gerade frage, wo ich „Agar-Agar“ und „Ursüße“ herbekomme.

Zugegeben, ich habe den Theorieteil zu den „Lebensmittelgruppen“ zunächst überblättert, finde dort aber nun auch genau Informationen zu den Süßungsmitteln.

Dieser Artikel dort endet allerdings mit dem Ergebnis, dass das Verlangen nach Süßem eine unnötige Angewohnheit ist, die sich bei einer vollzogenen Umstellung von selbst erledigt. Insofern kann diese Form der Nahrungsmittelumstellung auch an die Vorgaben einer Religion erinnern: „Ihr Gläubigen! Siehe, Wein, Losspiel, Opfersteine sowie Pfeile – sie sind Greuel, ein Werk des Satans! So meidet das, vielleicht wird´s euch dann wohl ergehen.“ (Koran, Bobzin 2010, Sure 5,90)

Die Auswahl der Rezepte dieses Buches ist nicht zwangsläufig fleischlos oder vegan, wobei allerdings die vegetarischen Gerichte in der Mehrheit sind.

Das Buch lädt ein zu einer Entdeckungsreise in das Land der alternativen Zutaten. Das Kochen beginnt schon beim bewussten Einkaufen.

Die Krankheit wird zur Chance, seine Lebensgewohnten umzustellen. Das ist ein guter Effekt dieses Buches. Man wird allerdings kaum umhinkommen, die eigene Nahrung selbst herzustellen, was sicher einigen Leserinnen und Lesern Mühe bereiten wird. Eine Mühe die sich aber gesundheitlich wohl auszahlt.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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