Reportage über die Präsentation der Otmar Alt Bibel in Hamm-Norddinker, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

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Zu: Otmar Alt: Die Otmar Alt Bibel, Mit Bildern von Otmar Alt und Texten von Klaus Altepost, Luther-Verlag, Bielefeld und Kettler-Verlag, Dortmund 2015, Geschenkausgabe in rot, ISBN 978-3-7858-0676-0, Preis 29,95 und Schmuckausgabe in blau, gebunden in Ganzleinen und Prägung in Goldschnitt, ISBN978-3-7858-0677-7, Preis: 59,95 Euro

Die Otmar Alt Stiftung lud mich zum Gespräch über die Otmar Alt Bibel ein. Das Gespräch mit dem Geschäftsführer Jan Lintzel war sehr konstruktiv und für  die Vorstellung des Buches im Internet auch sehr informativ. Während dieser Stunde auf dem Sofa des Büros der Stiftung, einem 10.000 m2 großen Grundstück im Süden Hamms (Norddinker), klingelt mehrfach das Telefon und es kommen einige Mitglieder der Stiftung, um sich Ihre Bücher mit oder ohne Widmung abzuholen. Trotz seiner Lage im Grünen abseits von den Zentren ist hier doch einiges los.

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Gerade erst war noch ein Artikel über den Skulpturenpark am Hause Alt in den Dortmunder Ruhr-Nachrichten erschienen. Am Sonntag wurde zudem die Ausstellung des diesjährigen Stipendiaten Welf Schiefer aus Hamburg eröffnet. Im Obergeschoss des bäuerlichen Fachwerkhauses ist ein Trauzimmer der Stadt Hamm und in einem anderen Raum steht ein Flügel, den die Firma Schimmel nach Entwürfen Otmar Alts hergestellt hat.

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Der über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus bekannte Künstler stammt aus Wernigerode am Harz, kam von da nach Berlin und siedelte sich vor 40 Jahren durch Unterstützung eines Galeristen hier in Hamm an. Die Tochter und seine Frau waren inzwischen kurz hintereinander verstorben. Er stand allein vor einem persönlichen Neuanfang. Hier in Hamm-Norddinker feierte er in diesem Jahr am 17. Juli seinen 75. Geburtstag und machte sich selbst ein Geburtstagsgeschenk: Die Otmar Alt Bibel.

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Sie enthält 140 Bilder zu biblischen Themen und Texten. Dieser Bildband erschien in zwei Ausgaben im Verlag der Druckerei Kettler aus Dortmund und im Lutherverlag Bielefeld. Zunächst sollte man trotz der eindrücklichen Bilder einen Blick auf den Text werfen, damit kein Missverständnis aufkommt. Die Otmar Alt Bibel ist keine illustrierte Ausgabe einer Bibelübersetzung. Den Bildern gegenüber stehen Wortbeiträge, die zuest  die Bibeltexte gestrafft wiedergeben („Die Bibel erzählt“) und dann die heutige Auslegung reflektieren, um darunter ein kurzes Wort des Künstlers dazu zugeben, das aber eher den Inhalt kommentiert als das Bild.

Zu dem Text „Mose und die Schlange“ sagt der Künstler: „Die Wahrheit kann man lernen, und das auf verschiedenen Wegen. Das Wichtigste ist doch: Irgendjemand ist immer an unserer Seite, der sagt: Ja, ich helfe dir.“ (S. 80)

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Die Texte entstammen, soweit sie nicht Zitate sind, der Feder des Theologen und ehemaligen Verlagsleiters Klaus Altepost, der Mitautor ist (www.altepost2015.de).

Wichtig ist dem Geschäftsführer Jan Lintzel festzustellen, dass die Bilder der Bibel alle aus den letzten 2-3 Jahren stammen und als Originale in Acryltechnik in unterschiedlichen Formaten erstellt worden sind. Für das Buch wurden sie lediglich fotografisch aufgearbeitet.

Die Bildnamen, die auch in der Dokumentation mit dem Entstehungsjahr im Anhang dokumentiert sind, können auch von dem Bibeltext abweichen, zu dem sie zugeordnet sind. So heißt das Bild zu demText: „Jesus segnet die Kinder, Markus 10, 13-16“ eigentlich: „Jesus spielt mit den Kindern“ (S. 201). Das Bild findet sich auch in der Leseprobe auf der Verlagsseite www.lutherverlag.de.

Das Bild soll exemplarisch näher betrachtet werden.

Bei der Technik Alts entstehen auf dem Hintergrund einige unterschiedlich farbige Flächen, die z. T. durch die Abtragung der Farbe eine neue Struktur erhalten. Die Bildelemente, hier die Kinder mit ihren Eltern, werden mit schwarzen Konturlinien neben- und übereinander gesetzt. Auf diesem Bild entsteht so ein derartiges Gewimmel um Jesus, dass allein seine segnende Hand sichtbar ist. Kleine Motive wie die eines herabfliegenden Vogels und eines Baums geben dem Bild Tiefe. Im Vordergrund steht ein großer, bunter Vogel, ein Rabe vielleicht. Hat sich hier der Künstler selbst in das Bild gesetzt, da er sich, so bezeugt Jan Lintzel, hin und wieder als der Rabenmaler bezeichnet?

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Für mich ist eines der Markenzeichen aller Arbeiten Otmar Alts die Verwendung möglichst vieler unterschiedlicher Farben, darunter auch der Grundfarben Rot, Grün, Blau, Gelb und Rot. Ich vermute, dass jedes Bild farblich den gesamten Regenbogen wiedergibt und damit an den Bund Gottes erinnert und an das Zeichen der Vielfalt der Lebensformen.

Diese Bibel ist also auch künstlerisch eine theologische Arbeit. In diesen Bildern nimmt Sprache Gestalt an. In der Mitte des Buches steht ein Triptychon, das links einige Bilder des Alten Testamentes zitiert, sowie Mose und Davids zeigt, in der Mitte sehe ich Jesus und Maria, dabei vielleicht das offene Grab, während das rechte Bild die Gegenwart des Glaubens in Alltag und Geschichte zeigt, die hier vermutlich eher säkular als kirchlich gedacht ist. Auffallend ist im Übrigen, dass die Otmar Alt Bibel auch einige Bilderzyklen enthält, wie die 10 Gebote, die sieben Todsünden, das Vater Unser und einen vollständigen Kreuzweg.

Zur Frage, was für ihn eine Heilung Jesu bedeutet, schreibt Otmar Alt: „Vor Gott sind alle Menschen gleich – geliebt. Der Glaube an Gott gibt mir Kraft – zur Gesundung, zum Heil, zur Sorge um den Nächsten und die Verantwortung auch für den Fremden, denn jeder, der mir begegnet ist der Nächste.“ (S. 194)

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Diese Einstellung gilt auch für die Stiftung, die in Baden-Württemberg eine diakonische Einrichtung der Behindertenhilfe unterstützt, gegründet von Paul Gräb in Wehr, in der schon vor zwanzig Jahren Inklusion praktiziert wurde. Zum Schluss des Rundgangs weist mich Jan Lintzel noch auf zwei Projekte zum Reformationsjubiläum hin, eine Wanderausstellung zu Martin Luther und ein Buch mit Ausstellung zu den von Luther herausgegebenen Fabeln von Aesop unter dem Titel „Vom Hahn und der Perle“.

Otmar Alt lädt ein mit seinen Bildern und Projekten, die Inhalte der Bibel und der Reformation in der Gegenwart neu zu entdecken.

Hinweis auf die Ausstellung zum Buch in der Thomas Morus Akademie Bensberg:

 Veranstaltungsprogramm als PDF   

 

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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