Im Dezember ist Advent, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

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Zu: Hanna Buiting: Vom Warten, Wundern und Wenigeristmehr, 24 mal Vorfreude im Advent, Illustrationen von Thomas Bruckschen, Neukirchener Verlagsgesellschaft, Neukirchen-Vluyn 2015, ISBN 978-3-7615-6209-3, Taschenbuch, Preis: 8,99 Euro

978-3-7615-6209-3-2Die Autorin ist Studentin, Journalistin und Bloggerin. Ihr Blog ist umgezogen auf die Seite: www.hannabuiting.de. Sie twittert und findet sich auf Facebook, stammt aus Essen und hat schon von dort aus bei „Andere Zeiten“ mitgearbeitet, sowie dort in Hamburg ein Praktikum absolviert. Dieser Adventskalender in Buchform ist sicherlich sehr stark von der Grundidee dieser Einrichtung inspiriert, die nicht nur die Aktion „Sieben-Wochen-Ohne“ begleitet, sondern auch die Adventszeit („Advent ist im Dezember“). Im Gegensatz zu dieser Aktion ist Hanna Buitings Buch nicht so stark auf den Anspruch festgelegt, den Advent von der Weihnachtsthematik abzugrenzen. Hanna Buitings Texte sind adventlich und weihnachtlich zugleich. Hier wird keine moderne Fastenzeit zelebriert.
Eher ist vom Licht und von Sternen und einer vorfestlichen Zeit die Rede. Das kommt dem Bedürfnis der Menschen entgegen, im Advent weihnachtliche Erfahrungen zu machen. Klar ist schon auch, dass das Weihnachtsfest nun nicht einfach vorverlegt wird, sondern dass es in eine Zeit der Aufmerksamkeit immer wieder hineinscheint. Diese Adventszeit ist nie verbissen dem Fasten verschrieben, wie sie aber andererseits auch nie den Blick für das Wundern verliert.
Es wird um Engel gehen: Aus den Texten zum 7. Dezember: „Engel“: „Doch plötzlich bist Du da/ stiller leiser heimlicher Bote/ Breitest deine Flügel aus/ hältst mich/ wärmst mich/ schützt mich/ Und auf einmal wird mir leicht/ um Herz und Seele…“ (Gedicht, S. 42).
Direkt daneben findet sich eine Anleitung zum Basteln eines kleinen Geschenks: „Engel aus Notenblättern“, (S. 43ff).
Ansonsten sind praktische Basteltipps eher selten. Weiter hinten findet sich noch ein Gebäckrezept: „Liebesgrübchen“ mit einem Klecks Himbeergelee (S. 101), dazu eine Aufzählung: „Liebe ist…“, z. B. „Hände, die sich in der Dunkelheit finden“, aber auch: „In einem Stall geboren zu werden“ (S. 99/100).
Religion bricht hier nicht senkrecht von oben ein, sondern geschieht in Begegnungen, dort, wo „Herz und Seele“ gemeint sind. Zu jedem Tag gehören einige kurze Textabschnitte, Erzählung oder Gedichte. So heißt es am Ende des schon angesprochenen 7. Dezembers als mögliche Tagesaufgabe: „Erkenne Engel nicht nur an Flügeln“ (S. 45).
Alltagsmenschen werden zu Engeln. Sie entpuppen sich und verhalten sich demgemäß. Dann trifft man auch in der S-Bahn auf Personen, die eigentlich zur Weihnachtsgeschichte gehören, wie „Joseph in der S-Bahn, … Und dann begann er zu erzählen…“ (S. 54).
Hin und wieder laden einige Kurzgeschichten zum Wundern ein, wie der Text über einen kleinen Laden, mit einem besonderen Angebot. „’Ich verkaufe Hoffnung’, sagte die junge Frau strahlend und reichte den Kindern eins der Gläser, die mit himmelblauen Kaugummikugeln gefüllt war.“ (S. 39)
Alles ist aus einem Guss. Keine Sammlung von fremden Texten, keine Anthologie, sondern ein Adventsbuch, dass in der Küche neben den Frühstücksbrettchen liegen kann.
Inspiration, dafür ist der Advent bekannt. „Gott wohnt, wo man ihn einlässt“, so schrieb schon Martin Buber. Hanna Buiting zeigt, wie wir damit Ernst machen können.

Anmerkung: Hier einige Worte über ihre Einstellung zur Kirche: http://sinnstiftermag.de/ausgabe_17/statement_08.htm

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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