Dialog mit Muslimen, nicht mit dem Islamismus, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

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Zu: Erhard Kayser: Bemerkungen zum Islamismus, Selbstverlag, Bad Sassendorf 2015 (Fotobuch, Softcover)

und: Erhard Kayser: kaaba – Zielpunkt islamischen Lebens, Selbstverlag, Bad Sassendorf 2015 (Fotobuch Hardcover), Preis auf Anfrage und Bestellung: erhard_Kayser@saoirse.de

Beide Bücher sind als Fotobuch vom Autor selbst erstellt worden und werden auf Anfrage nachgedruckt. Erhard Kayser war lange Zeit als Pfarrer im Kirchenkreis Unna tätig und hat auch als Islambeauftragter viele Reisen in die Türkei und den Nahen Osten unternommen. Daher sind die meisten Fotos in den Büchern von ihm selbst. Die Schrift ist übrigens lesefreundlich groß gedruckt!

Kayser Islamismus

Das erste Buch über Islamismus erscheint kurz nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris und ist daher besonders heute wieder aktuell, geht aber auch auf die Aktivitäten des islamischen Staates insgesamt ein: „Die derzeitigen Ereignisse um den militanten Islamismus in vielen Ländern der Erde sind unter anderem schädlich für den vielerorts begonnene Dialog zwischen Muslimen und Christen.“ (S. 1)

Erhard Kayser legt eine fundierte Kenntnis des Islam vor und illustriert beide Bücher mit Fotos von den heiligen Stätten des Islams. Dabei werden auch historischen Beispiele oder Gegebenheiten angeführt. So stellt er z. B. fest, das die Verschleierung der Frau auf Anordnung eines Kalifen aus Kairo um das Jahr 1000 herum angeordnet worden ist und keineswegs auf den Koran oder Mohammed zurückgeht. Die Verbannung der Frau ins Haus, die seitdem im Islam üblich war, gab es zur Zeit Mohammeds ebenfalls noch nicht. Die strenge Absonderung der Frau ist nach den Recherchen von Erhard Kayser kulturell bedingt und lockert sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Fazit des Autors: „Während der christlich-muslimische Dialog sich seit Jahren um Toleranz und gegenseitiges Verstehen und Anerkennung bemüht, bedeuten militant islamistische Ausschreitungen und die dahinter stehende Ideologie einen Verlust der erreichten Positionen.“ (S.15)

Die Anmerkungen und der Anhang gehen Detailfragen an. So wird u. a. die Zerstörungen des Weltkulturerbes in Palmyra und Timbuktu dokumentiert und bewertet.

Kayser kaabaDas zweite besprochene Buch über die Kaaba (im Titel klein: kaaba) in Mekka bzw. die Wallfahrt Hadsch ist ebenso in großer Schrift gedruckt. Das Buch hat einen festen Umschlag und Seiten aus Karton in Hochglanz-Fotobuch Qualität.

Die Geschichte Mekkas und der Kaaba wird dargestellt und mit Zitaten aus dem Koran interpretiert. Dabei werden auch Grundsatzfragen erörtert wie die Frage, ob Allah derselbe Gott ist wie im christlichen Glauben, wie es beispielsweise in einem Dokument der katholischen Kirche ausgesprochen wird (Nostra Aetate, II. Vatikanisches Konzil, 1965).

Abgesehen von einzelnen Exkursen bezieht sich der reich bebilderte Band auf die Situation der Wallfahrt in Mekka. Auf einigen aktuelle Fotos sind auch die riesigen Hotelbauten in der Altstadt Mekkas zu sehen.

Da im September der diesjährigen Wallfahrt (2015) fast 2000 Menschen bei einer Massenpanik ums Leben kamen, stellt sich die Frage, wie die Organisation dieser Massenwallfahrt noch sicherer gemacht werden kann, zumal es auch schon zwischendurch immer wieder zu ähnlichen Unfällen gekommen ist. Diese aktuelle Thematik konnte in dem Buch noch nicht behandelt werden. Es wird aber deutlich, welch einen hohen Rang die Wallfahrt im Leben der Muslime hat, zumal sie im Zusammenhang mit dem Opferfest begangen wird. Die Wallfahrt ist eine der fünf Säulen des Islam.

Eine kleine Reportage aus einem Dorf in Oberägypten zeigt an Bildern der Häuser von Wallfahrern, die deutlich deren hohen Rang als Wallfahrer dokumentieren. Da es heute dank der Verkehrsmittel wie Bahn und Flugzeug ungleich einfacher ist als früher, als die Reise nach Mekka noch eine Wüstenexpedition war, lässt sich der starke Zustrom an Pilgern erklären.

 

Quelle zur Massenpanik: http://www.welt.de/vermischtes/article147712342/Massenpanik-bei-Mekka-Mehr-Tote-als-verkuendet.html

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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