Mütterlicher Trost Gottes, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2015

Zu: Burkhard Weber (Hg.): Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, Die Jahreslosung 2016, ein Arbeitsbuch mit Auslegungen und Impulsen für die Praxis, Neukirchener Verlagsgesellschaft, Neukirchen-Vluyn 2015, ISBN 978-3-7615-6227-7, Preis: 9,99 Euro

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Noch rechtzeitig zur Jahreswende ist ein kleines Vorbereitungsbuch für die Auslegung der Jahreslosung im Aussaat-Verlag Neukirchen-Vluyn erschienen. Das Team der Auslegerinnen und Ausleger hat Berührungspunkte durch die Arbeit des Herausgebers und Autors Burkhard Weber an der „Evangelistenschule Johanneum“ in Wuppertal, „einem theologischen Seminar für Jugend- und Gemeindearbeit“ (Umschlag, Rückseite).

Der Hauptartikel von Burkhard Weber widmet sich unterschiedlichen exegetischen und inhaltlichen Ebenen der Vorbereitung und ist so gesehen auch eine exemplarische Anleitung zum Erstellen einer Predigt. Da fehlt weder ein Brainstorming (Zitatensammlung, S. 13), wie eine Meditation als erste Begegnung mit dem Text vor der eigentlichen Exegese. Diese bietet dann eine Einführung in die Textwiedergabe durch einen Übersetzungsvergleich und eine Verortung der Trost-Motiven in der Bibel. „Die Bibel beschreibt Gott in metaphorischer Rede.“ (S. 29). Einer eigenständigen Predigtvorbereitung steht da nichts mehr im Weg.

Eine starke Vorlage ist da schon die Meditation zur Jahreslosung von Christina Brudereck, die sie gleichzeitig dem Titelbild von Inge Heinicke-Baldauf widmet, das auch separat als Postkarte erhältlich ist.

Wer glaubt, dass eine evangelistische Position von einem männlich dominierten Gottesbild lebt, wird hier eines besseren belehrt. Dazu einige Zitate: Die tröstende Umarmung zeigt beispielhaft: „Aus Gott kann ich niemals herausfallen.“ (S. 35). Gottes Sprache ist zärtlich, stärkend und frei, und das meint: weiblich! „Ja, Gott, ich nenne Dich ‚Mama’“ (S. 37). Was Ursprung und Freundin verbindet. Gott ist mehr als ein Vater. Dazu werden einige weibliche Rollen aufgezählt, um im Satz zu münden: „Ab und zu, Gott, werde ich einen Muttertag für dich feiern.“ (S. 39). Das ist mal eine tolle Idee, den traditionell spießig verschlafenen Muttertag zum Gottestag zu machen. Vielleicht sollte man bei der nächsten Konfirmation über die Jahreslosung predigen. Beispiele der biblischen Erzählgemeinschaft gibt es ja auch genug, bis hin zu Maria, der Mutter Jesu. Der Schluss ist trinitarisch und bliebt doch ganz beim Thema: „Mutter Geist … Mutter Kraft … Mutter Trost.“ (S. 43). Bei dieser Meditation ist es schon verführerisch, mal ganz auf eine eigene Predigt zu verzichten, um diesen Text deutlich und klar vorzutragen, vielleicht mit einer biografischen Notiz über die Autorin und Evangelistin Christina Brudereck.

Doch auch für die eigene Vertiefung ist noch einiges an Material vorhanden. Eine psychologische Reflexion von Martina Walter, eine theologische von Klaus Teschner. Das Problem der „Vater-Anrede“ Gottes wird gleichwohl angesprochen, da sie wohl ergänzt, aber nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird. Dazu findet sich auch am Ende des Buches ein Fragebogen, der in der Gemeindearbeit eingesetzt werden kann, und so zu Diskussionen anregt. Einige Entwürfe für die Arbeit in Gruppen und eine Fundgrube runden das Ganze ab.

Diese Jahreslosung sollte in der Tat nicht einfach nur den Monatsspruch für Januar ersetzen, sondern hin und wieder im ganzen Jahr 2016 auftauchen, wie es der Herausgeber im Vorwort anmerkt.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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