Mohammed – der Prophet der Muslime, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

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Zu: Lorenz Just: Mohammed – Das unbekannte Leben des Propheten, Gabriel in der Thienemann – Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart 2015, gebunden, 238 Seiten, ISBN: 978-3-522-30421-4, Preis: 16,99 Euro

Wenn ein Taxifahrer in Kairo im Stau steht und es schier nicht weiterzugehen scheint, liest er am Heck der Karosserie vor sich einen Schriftzug in Arabisch: Mohammed. Der Name des Propheten der Muslime erinnert an den Koran und an Gebetszeiten und schafft so wohl Gelassenheit. So findet der Autor dieses Jugendfachbuchs über Mohammed einen Sitz im Leben der islamischen Religion in der Gegenwart. Dies ist eine Anmerkung aus dem Nachwort.

Lorenz Just kennt die Koranexegese, die schon allein durch Andeutungen sowie verschiedener Orts- und Personennamen auf eine Vorstellung vom Leben des Propheten der Muslime angewiesen ist. Lorenz Just, Islamwissenschaftler aus Leipzig, legt die bekannten Vorstellungen vom Leben Mohammeds hinein in eine meist realistisch  klingende Erzählung, die sich an den klassischen Vorlagen orientiert. Ganz im Sinn der religiösen Erzählung löst er nicht alles in pure Rationalität auf, sondern lässt den Erzengel Gabriel gelegentlich persönlich erscheinen und erwähnt auch das eine oder andere Wunder. Die biographischen Fakten der Herkunft Mohammeds und seines Lebenslaufs klingen plausibel. In seiner ersten Lebensphase ist Mohammed ein Karawanenhändler, verheiratet mit der Witwe Chadidscha, mit der er mindestens vier Kinder hatte. Seine prophetischen Ambitionen stecken noch in den Kinderschuhen und sind durch Unterstützung seiner Ehefrau und einigen Verwandten abgesichert. Die zunehmenden Feindseligkeiten in Mekka zwingen ihn zur Auswanderung nach dem Tod seiner ersten Frau. Nach seiner Ankunft in der Oase Medina, mehr eine Region als eine Stadt, wird er zum Politiker. Er sichert den Frieden Medinas durch die gemeinsame Verständigung auf den Islam. Der Autor lässt durchblicken, dass die Zustimmung zu einer Religion auch lebenspraktische und weniger persönlich-religiöse Gründe haben kann.

Mohammed selbst ist sicher im ersten Teil eher deutlich prophetisch als im zweiten, wo die Politik doch eher im Vordergrund ist. Zuerst ist er der Rebell, der in der Nachfolge Abrahams den Viel-Götter-Glauben Arabiens bekämpft. Die Christen in Mekka unterstützen ihn, ohne sich jedoch vollends zum Islam zu bekehren.

Im zweiten Teil wirkt er hingegen wie ein militärisch agierender Stammesführer. Die Religionspolitik Mohammeds wandelt sich vom Sowohl-als-auch zum Alles-oder-nichts. Die Zerstörung der jüdischen Siedlungen in der Oase Medina und die Ermordung ihrer Bewohner sind sicherlich eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Mohammeds. Mekka fällt ihm dagegen zum Schluss fast kampflos zu, da er nicht als Feldherr, sondern als Pilger dorthin kommt. Er reinigt die Kaaba von den Götterstatuen und bewahrt dadurch den Ritus der Wallfahrt und rettet auch Mekkas Bedeutung.

Die Säulen des Islams Bekenntnis, Opfer, Wallfahrt, Gebet und Fasten sind im Leben des Propheten Mohammed deutlich geworden. Dabei wechselt der Autor gekonnt zwischen erzählerischer, fast distanzloser Nähe und kritischer Distanz in den Exkursen zur Geschichte des Islams, von denen die Erzählung unterbrochen wird, was aber zum Verständnis beiträgt und die Lektüre nicht wesentlich stört.

Dass dieses Buch nicht nur für Jugendliche lesbar ist und als Einleitung in den Islam geeignet ist, dürfte eInleuchten. Das Literaturverzeichnis enthält die Titel zur Weiterarbeit.

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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