Predigt über 1. Korinther 9, 24 – 27, Christoph Fleischer, Welver 2016

Print Friendly

Predigt über 1. Korinther 9, 24 – 27 (Gute Nachricht Bibel):

Vorbereitet für Sonntag Septuagesimae 2016, wegen Krankheit nicht gehalten.

Ihr wisst doch, dass an einem Wettlauf viele teilnehmen; aber nur einer bekommt den Preis, den Siegeskranz. Darum lauft so, dass ihr den Kranz gewinnt! Alle, die an einem Wettkampf teilnehmen wollen, nehmen harte Einschränkungen auf sich. Sie tun es für einen Siegeskranz, der vergeht. Aber auf uns wartet ein Siegeskranz, der unvergänglich ist. Darum laufe ich wie einer, der das Ziel erreichen will. Darum kämpfe ich wie ein Faustkämpfer, der nicht danebenschlägt. Ich treffe mit meinen Schlägen den eigenen Körper, sodass ich ihn ganz in die Gewalt bekomme. Ich will nicht anderen predigen und selbst versagen.

Liebe Gemeinde,

Es fällt uns sicher nicht schwer, uns einen Sportplatz, ein Stadion vorzustellen. Wie damals in Korinth findet dort ein Sportfest statt. Wir hören den Stadionsprecher: „Die Läufer des Langstreckenlaufes machen sich zum Start bereit.“ Nun stellen sie sich auf, mit ihren bunten Trikots. Es scheint die Sonne. Der Wind liegt leise über dem Stadion, ideale Kampfbedingungen. Die Läufer schütteln noch einmal ihre Glieder, laufen kurz und schnell im Stand, um ihre Muskeln und sich selbst ganz auf die ungeheure Anstrengung des Laufs vorzubereiten. Sie begeben sich auf die Startplätze. Was vor ihnen liegt ist gewiß und ungewiß zugleich.

Alle Läufer sind nun auf den Plätzen. Sie sind geduckt. Sie sind gespannt bis zum äußersten. Dann. Der Schuss. Aufrichten: Tempo gewinnen. Jetzt sind sie in der Bahn. Es gibt kein zurück, nur ein Nach-Vorn. Mit ruhigen Schritten stellen sich die Läufer auf die Aschenbahn ein. Bald übernimmt einer die Spitze. Andere bleiben im Mittelfeld. Sie sparen noch ihre Kräfte auf für einen Spurt. Auch ihnen ist klar: Es geht nach vorn. Der Lauf hat eine Richtung, ein Ziel. Dort winkt ihnen der Siegespreis. Einige Zuschauer feuern die Läufer an: „Lauft schneller! Lauft, dass ihr den Sieg erringt!“

Der Lauf dauert eine Weile. Einigen wird der Boden schon schwer. Der Schmutz der Aschenbahn klebt an ihren Gliedern. Ein paar Läufer haben sich an die Spitze gesetzt. Nun kommen sie in die Zielgerade. Der Lauf wird noch einmal schneller. Die Läufer machen ihre letzten Reserven frei, legen sich in den Endspurt. Da. Einer zerreißt das Band. Er ist Sieger. Schnell kommen die anderen hinter ihm über die Ziellinie. Jubel der Zuschauer umflutet das Stadion. Während die Läufer erschöpft auslaufen, wird schon die Siegerehrung vorbereitet. Bald werden unter den Klängen der Nationalhymnen dem Sieger die Goldmedaille überreicht. ‚Ein vergänglicher Kranz’, sagt Paulus. Damals in Korinth wurde ein Kranz aus immergrüner Fichte überreicht. Bei den olympischen Spielen war es ein Kranz aus immergrünem Lorbeer. Heute sind es Medaillen aus dem unvergänglichsten aller Metalle, aus Gold.

Paulus entführt die Hörerinnen und Hörer seiner Predigt in diese Atmosphäre des Wettkampfes. Er vergleicht sich selbst mit einem Wettkämpfer und will so die Korinther zum Lauf des Glaubens ermuntern. Drei Punkte, die Paulus wichtig sind, möchte ich im Folgenden herausgreifen: Der Lauf hat eine Richtung. Die Läufer erwartet das Ziel und die Siegerehrung! Die Läufer haben trainiert und üben Verzicht.

Wir haben die Zuschauer gehört, wie sie die Sportler anfeuern: „Lauft schneller! Lauft, dass ihr den Sieg erringt!“

So ruft es Paulus auch den Korinthern zu: „Lauft so, dass ihr gewinnt!“ Paulus hatte ihnen von dem Sieg erzählt, den Jesus am Kreuz errungen hat. Darauf haben sich die Korinther eingelassen und haben geglaubt. Nun war Paulus in eine andere Stadt weitergewandert. Dort hat er gehört, dass in der Gemeinde in Korinth eine Krise ausgebrochen ist. Die Gemeinde droht, in Parteien zu verfallen, die sich streiten. Ist es notwendig, an die Auferstehung der Toten zu glauben? So fragen sie. Ist es notwendig, auf das in den Tempeln geschlachtete Fleisch zu verzichten? So fragen sie. Ist es notwendig, auf Liebe oder Ehe zu verzichten? Solche und noch mehr Fragen beschäftigen sie. Der Streit um die so wichtigen Themen nimmt einfach den breitesten Raum ein. Die Botschaft Gottes ist an den Rand geraten. „Lauft so, dass ihr gewinnt“ ruft Paulus den Korinthern zu. „Ihr seid vom Weg abgekommen und orientierungslos geworden. Euer Leben und Glauben soll von Christus her bestimmt sein, doch die Streitthemen sind stattdessen zu Fragen des Heils geworden.“

Doch ist der Aufruf des Paulus nicht auch so etwas, wie der Ansporn zu einem Wettkampf des Glaubens? Ist nicht jeder Sport ein Konkurrenzkampf? Gerade das will Paulus nicht. Zu einem Streit und zur Konkurrenz bräuchte er die Korinther nicht erst aufzurufen, dieser Streit findet ja bereits statt. Ihr Lauf soll nicht vom Streit, sondern von Liebe geprägt sein. Deshalb schreibt Paulus in dem gleichen Brief das große Lied von der Liebe. Braucht nicht jeder Sport eine Qualifikation? Auch das will Paulus nicht sagen. Sie brauchen sich gar nicht erst für den Lauf des Glaubens zu qualifizieren. Christus ist für sie und uns am Kreuz gestorben und auferstanden. Paulus ruft die Korinther zu Konzentration auf das gemeinsame Ziel.

Das Ziel ist der Siegeskranz, die Medaillen. Das Material soll zeigen, dass die Siege unvergesslich sein sollen. Doch das ist nicht er Fall. Die Sportler werden älter. Neue Siege werden die alten vergessen machen. Sie werden zu einem Stichwort in der Statistik, bestenfalls zum letzten Rekord. Paulus will zeigen: „Es sind vergängliche Kränze gewesen.“ Er sagt dagegen: „Aber auf uns wartet ein Siegeskranz, der unvergänglich ist.“

Damit meint Paulus das Evangelium von der Auferstehung. Er glaubt an ein unglaubliches Wunder: „Dies Vergängliche wird anziehen die Unvergänglichkeit, und das Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit.“ Christus ist gestorben und auferstanden. Er hat sich allen Schwachen und Entrechteten gleich gemacht. Und lebt heute schon in seiner Gemeinde und wird wiederkommen um die Welt zu erneuern. Das neue Leben der Auferstehung kann und soll auch schon unser Leben erfüllen: „Die Liebe ist langmütig und freundlich; … Sie freut sich nicht über das Unrecht, sie freut sich vielmehr über die Wahrheit. … Die Liebe hört niemals auf. … Wenn aber kommen wird das Vollkommene so wird das Stückwerk aufhören.“ (1. Korinther 13). Die Liebe Christi wird unser ganzes Leben verwandeln. Auf dieses Ziel laufen wir, das sagt Paulus den Korinthern und das gilt auch heute in der Gemeinde Jesu.

Lassen wir uns auf diesen Weg rufen. Lassen wir uns mit ihm auf dieses Ziel schauen und laufen. Wir brauchen nicht mehr hinter vergänglichen Preisen herzulaufen. Wir brauchen nicht mehr Besitz und Besitz, Gold um Gold anzuhäufen. Auch im täglichen Leben gilt es schon. In der Begegnung mit unseren Nachbarn, ob sie Inländer oder Ausländer sind. In der Begegnung mit Menschen anderer Religion und Weltanschauungen sind wir frei von aller Konkurrenz. Wir dürfen schon heute den neuen Menschen anziehen. Wir sehen schon jetzt: In diesem Lauf verändert sich unser Leben. Wir bekommen einen anderen Geist eine andere Lebenseinstellung. Die Konzentration auf das Ziel erfordert Verzicht. Paulus führt ein zweites Beispiel aus dem Sport ein, um diese Ebene anzusprechen.

„Darum kämpfe ich wie ein Faustkämpfer, der nicht danebenschlägt. Ich treffe mit meinen Schlägen den eigenen Körper, sodass ich ihn ganz in die Gewalt bekomme. Ich will nicht anderen predigen und selbst versagen.“ Wir sind heute drei Wochen vor Beginn der Passionszeit. Es ist vielleicht schon heute angebracht, sich gedanklich darauf einzustellen. Klar ist aber: Das Fasten ist kein neuer Sport, keine Zurschaustellung einer persönlichen Kompetenz, einer guten Trainings- oder einer guten Ernährungsweise. Diese Art von Fasten kann ganz gut und gern im Sport bleiben.

Es geht eigentlich nur um einen einzigen Punkt: Der Glaube an Gott hat Konsequenzen für unser eigenes Leben. Wer anderen predigt, wird es so tun, dass das Leben dieser gepredigten Einstellung entspricht. Wer Kinder erzieht, wird es so tun, dass er sich selbst und den Kindern auch am nächsten Tag noch in die Augen sehen kann. Es deutet sich einfach an, dass die Kirche, dass das Evangelium von Jesus Christus ist, kein einfacher Verein sein kann, keine einfache Organisation, sondern die äußere Gestalt der lebendigen Botschaft selbst, der Leib Christi, des Auferstandene. Die Kirche ist in ihrem Wesen das Bild ihrer Botschaft.

Vielleicht haben wir an diesem Punkt Fragen, weil uns das manchmal so nicht erscheint. Dann denken wir, dass Jesus unsichtbar über dieser Erde schwebt und sei nicht in das Wesen der Kirche eingegangen. Doch ich denke, dass das normal ist. Man hat früher einmal von einer sichtbaren und einer unsichtbaren Kirche gesprochen. Die sichtbare ist leider nicht immer die, die wir uns von den Worten Jesu oder der Apostel vorstellen oder wünschen. Aber sie ist es von ihrem Anspruch her und sie ist der Versuch, die Botschaft von Gottes Erneuerung durch Christus in dieser Welt schon zu predigen.

Die wahre Kirche ist unsichtbar und die Vollendung steht noch aus. Kirche ist immer im Werden. Und ist Kirche im Blick auf die Zukunft. Der Weg ist das Ziel.

Amen.

 

Diese Predigt ein Update meiner Examenspredigt vom 05.06.1982.

 

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

Kommentar verfassen