Predigt über 1.Kor 13,1-13, Christoph Fleischer, Welver 2016

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Sonntag Estomihi, gehalten in Günne und Meiningsen 2016,

Erster Brief an die Korinther 13, 1-13, gelesen aus der Lutherbibel

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so daß ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,

5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,

6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.

11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.

12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.

13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Liebe Gemeinde,

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Der 14. Februar ist Valentinstag, das Fest der Verliebten.

In den Geschäften gibt es alles Mögliche zu kaufen, das für diesen Tag nützlich schien, Blumen mit einem Herzgesteck, Herzservietten, Herzkerzen, Herzschmuck. Für den Satz, „ich liebe Dich“ ist wohl das Herz ein symbolischer Ausdruck. Das hat wahrscheinlich mit dem römischen Gott Amor zu tun, dessen Tun man mit einem Herzen bezeichnet, dass von einem Pfeil getroffen ist. Liebe und Herz, das gehört zusammen. Das Herz ist der Sitz des Gefühls, und Liebe doch wohl zuerst ein Gefühl, eine Gewissheit der Verbundenheit, der gegenseitigen Anziehung und des festen Willens, alles Zeit miteinander zu verbringen.

Aus den Worten des Paulus haben wir gar nicht soviel darüber gehört, was die Liebe ist, sondern nur sehr viel darüber, was mit der Liebe nichts zu tun hat. Es geht bei ihm auch nicht um Verliebte, sondern um das menschliche Miteinander, das allgemeine Verhältnis der Christinnen und der Christen zueinander. Nichts geht ohne die Liebe richtig gut, so sagt er zu Beginn an drei für die damaligen Christen sehr aktuellen Beispielen:

Wer meint alle Menschen zu verstehen und zu ihnen in verschiedenen Sprachen sprechen kann, muss dennoch die Liebe haben, um sie zu überzeugen. Das Reden ohne Liebe bezeichnet er als Blech oder als Schlagzeug.

Wer einen prophetischen Glauben hat, mit der über die sichtbare Zukunft hinaussehen kann, braucht doch die Liebe um sich bei den Menschen verständlich zu machen.

Wer alles gibt, was er hat, und sogar zu Opfertaten bereit ist, um ein Held des Glaubens zu werden, und tut dies ohne Liebe, hätte mit all dem nichts gewonnen.(1. Korinther 13, 1-3)

Diese Beispiele ließen sich natürlich ausweiten auf die vielen Gaben, die Menschen haben, und die sich im Sinn des Glaubens auch für die Gemeinde einsetzen, für die Musik, die Leitung der Gemeinde, den Küsterdienst, die Jugendarbeit und vieles mehr.

Kirche ohne Liebe ist eine Kirche ohne Herz. Und eine Kirche ohne Herz kann nicht die Kirche Jesu sein.

Was ist denn nun die Liebe? Was ist das Herz im Leben der Christen, ja im Leben überhaupt?

Wer sich von Ihnen und Euch schon etwas besser in der Bibel auskennt, hat vielleicht schon einmal gehört, dass die griechische Sprache, die Ursprache des Neuen Testaments drei verschiedene Worte für Liebe kennt, die verschiedenes betonen. Ich nenne die Worte, weil sie zum Teil in der deutschen Sprache vorkommen:

Philia – Freundschaft

Eros – Liebe zwischen Partnern, auch Beziehung meinend

Agape – aufopfernde Liebe zu anderen, Nächstenliebe.

Diese dreifache Unterscheidung hat die Auslegung über Jahrhunderte bestimmt und damit die erotische Liebe aus der Kirche ausgegrenzt. Sie hat allenfalls etwas mit der Hochzeit zu tun, ansonsten wurde davon geschwiegen.

Paulus schreibt ja hier ausschließlich Agape. Das Wort Agape taucht deshalb in der Bibel oft auf, weil es der aramäischen Spräche ähnlich ist, es meint aber immer auch Eros und Philia, Liebe und Freundschaft.

In Abwandlung einer Fernsehsendung könnte Paulus also seine Zuhörer mit „liebe Liebenden“ anreden. In der christlichen Kirche ist die Liebe in jeder Hinsicht die Hauptsache. Das was Paulus über die Liebe sagt ist nicht zu verstehen, wenn nicht hier mitgedacht wird, was die Liebe zwischen liebenden Partnern bedeutet:

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,  sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,  sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf. (1. Korinther 13, 4-8)

Entweder sind diese Sätze völlig überzogene und übertriebene Forderungen, oder sie sagen: Das was fast unmöglich zu sein scheint, ist zwischen Liebenden Realität. Der Höhepunkt ist das vierfache „alles“: Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles und duldet alles. Und dazu muss unbedingt gesagt werden: Die Liebe tut dies nicht weil sie muss, sondern weil sie will. Indem Menschen lieben vertrauen sie einander unbedingt, sie glauben, hoffen, dulden und ertragen alles. Kennen Sie, kennt ihr Ehepaare oder Freundschaftspaare die das vierfache alles nicht mehr beherrschen? Ich glaube wir kennen alle solche Paare. Man sollte es ihnen nicht übel nehmen, dass die Liebe bei ihnen unter die Räder gekommen ist. Aber es ist traurig und vielleicht können wir auch als Kirche für mehr Herz in unserer Gesellschaft sorgen.

Damit sind im Grund auch schon die Aussagen erklärt, in denen Paulus sagt, was sich mit der Liebe nicht verträgt: Eifersucht und Neid, Leichtsinn, Übertreibung und Eigenlob, Ungeduld, Hartherzigkeit, Unwahrheit und Lüge. Wenn man diese Aussagen des Paulus in die entsprechenden Substantive umformt, erkennt doch jeder sofort, dass Paulus tatsächlich von der Partnerbeziehung redet.

Nur seine Aussagen zielen nicht auf die Ehe oder die Partnerliebe, sondern auf den allgemeinen Umgang miteinander. Die christliche Gemeinde ist ein Bereich, der die Erfahrungen der Liebe, wie man sie von liebenden Menschen kennt, in Jesu Namen auf alle überträgt. Die Kirche Jesu ist eine Gemeinschaft mit Herz. Und wo sie das nicht ist, wo also keine Liebe in der Kirche ist, da ist sie vielleicht eine Kirche, aber nicht die Kirche Jesu Christi.

Der Schluss scheint doch etwas abzuweichen vom Thema, denn es geht hier um eine andere Frage. Es geht darum zu fragen: was bleibt, und was nicht bleibt. Zuerst wird der Anfang aufgegriffen:

Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir  sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte 

Vor einiger Zeit habe ich in einer Berufsschule unterrichtet. Da bin ich in einer Wirtschaftsklasse auch auf das Thema Personalmangement gekommen. Ich meine, dass es hier bei Paulus im Grunde auch darum geht, wie man mit Menschen umgeht, z. B. in der Wirtschaft. Paulus hat ja die Gemeinde im blick, den Aufbau und ihre Konflikte.

Das lässt sich eigentlich ganz gut auf die Wirtschaft übertragen. Die Schülerinnen und Schüler haben in diesem Bibeltext doch sehr gut die Fragen des Arbeislebens wieder entdeckt, deshalb möchte eich einfach ein paar von den Schülernotizen jetzt mitteilen:

Der Sinn des Lebens, das Leben selbst, wird vom stärksten Gefühl, das wir empfinden können, bestimmt und geleitet.

Vertrauen und Zusammenhalt.

Der Text könnte Hilfen geben, wie Mitarbeiter miteinander umgehen können.

Leider schwindet das Vertrauen heutzutage und deshalb werden Mitarbeiter bespitzelt.

Wenn man für das Unternehmen arbeitet und das Vertrauen der Führung gewinnt, bekommt man auch eine bessere Chance auf einen guten oder führenden Arbeitsplatz.

Werte wie Vertrauen, Loyalität, Kollegialität sind im Berufsleben extrem wichtig…

Hätte man im Unternehmen kein Vertrauen.. so kann man seine Stärken nicht zeigen…

Ohne ein richtiges Vertrauen seinen Mitarbeitern gegenüber traut man ihnen schwere Aufgaben nicht zu und gibt ihnen keine Chance sich zu entwickeln.

Es entsteht eine Beziehung…

Wenn ich nicht vertraue, bin ich nichts, vertraut mir auch niemand.

„Liebe“ wird an jedem Arbeitsplatz gebraucht.

Personalmanagement fördert das Betriebsklima und erhöht die Qualität der Arbeit.

Wenn man etwas ohne diese Werte macht, nur weil man es tun muss, kann es nicht erfolgreich werden, weil der Antrieb fehlt.

Wenn die Liebe in Werte gefasst wird.. spiegelt sich dieses in einen guten Angestellten.

Mit der Liebe ist es wie mit den Angestellten, sie entwickelt sich,,,

Um zusammen ein Ziel erreichen zu können.. braucht man einen Wert.

Man muss sich für die zukünftigen Führungskräfte einsetzen, sie unterstützen, sich gegenseitig helfen…

Liebe gibt es nicht nur in Beziehungen, es geht auch um Vertrauen und Freundschaften. Man vertraut z. B. einem Kunden, indem man ihm Aufträge gibt.

Nur wenn man die Wichtigkeit der Liebe erkannt hat, kann man dadurch verstehen, dass nicht nur man selbst zählt, sondern das Ganze. Jedem wird seine Wichtigkeit anerkannt und damit wird ein Grundstein für den Fortschritt gelegt.

(Quelle: http://www.der-schwache-glaube.de/?p=754)

Amen.

Autor: christoph.fleischer

Christoph Fleischer, evangelischer Pfarrer in Westfalen, tätig in der Gemeindearbeit, Studierendenseelsorge und Altenheimseelsorge, Mitglied in der Gesellschaft für evangelische Theologie und in der Dietrich Bonhoeffer Gesellschaft.

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